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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Asite 938 Dr. Blochs bekam. Der Antisemitismus ist nach, wie vor ein glänzendes Geschäft und wenn sich Vergani mit Millionen zurückziehen konnte, so darf sich Funder von der Judenhetze einen Zeitungspalast für seine „Reichspost" bauen, um dort würdig mit dem Komthurkreuz zu repräsentieren, das er über Vorschlag des Grafen Berchtold bekommen hat. Unter der Einwirkung einer solchen Publizistik stehen die Behörden natürlich unverrückt auf ihrem alten Standpunkt, lassen den Boykott gegen die Juden überall unvermindert bestehen und geben das schönste Beispiel selbst, indem sie die staatliche Karriere der Juden verhindern. Die Resultate dieser inneren Politik sieht man an allen Ecken und Enden in dem vehementen Ansturm auf die spezill jüdischen Wohltätigkeitsämter und -Anstalten zur Arbeitsvermittlung. Man hat sich schon mit dem Zustande des latenten Antisemitismus bei uns ebenso abgefunden, wie im benachbarten Deutschland, aber die Verleumdung der jüdischen Bevölkerung macht dabei Fortschritte, die jeden aufmerksamen Beobachter erschrecken. Es gibt also nach wie vor spezielle jüdische Interessen, welche den schärfsten Widerstand einer geharnischten Organisation der Juden und ihrer Presse bedürfen. Unsere eigene Arbeit gegen unsere Feinde ist umso notwendiger, als die Unterstützung durch politische Parteien außerhalb unseres engsten Lagers immer seltener und wertloser wird. Angesichts der Uebermacht, welche die Ehristlichsozialen entwickeln, ist vielen Politikern und Preßorganen der Mut entsunken und sie suchen sich mit den Herrschenden in ein erträgliches Verhältnis zu setzen. Der Antisemitismus bleibt aber immer lebendig und gefahrdrohend und der Widerstand gegen ihn darf keine Ruhe kennen. Darin hat die „Oestereichische Wochenschrift" den größten Teil ihrer wichtigen Aufgabe gefunden. Dem Judentum treu ergeben, eine Dienerin seiner geistigen Interessen, steht sie in politischer Beziehung in erster Linie der Anti-Antisemiten und zwar oft genug das einzige Organ unserer Verteidigung in den wichtigsten Fragen. Sie hat dabei oft als die Stimme des Gewissens fungiert, wenn vom Liberalismus der freisinnigen Parteien nichts mehr übrig bleiben wollte, als der Namen, sie hat zu mancher Campagne den Anstoß gegeben und die Führung übernommen, ohne unbescheiden zu sein, können wir wohl sagen, daß die „Oesterreichische Wochenschrift" sich selbst, das ist einem Programme des Rechtes, der Wahrheit und der positiven jüdischen Politik, treu geblieben ist. Von ihr sind manche Ideen ausgegangen, welche früher oder später zum Nutzen des Judentums in Tatsachen umgewandelt wurden. Zum Trutze für das Judentum hat sie aber stets rücksichtslos die vollste Schärfe des Wortes und des Angriffs eingesetzt und hat es manchem unserer Feinde verleidet, sich ein nächstesmal allzuweit gegen die Juden vorzuwagen. Der Beifall, den unser Programm gesunden hat, beweist uns die Treue unserer vielen Freunde, deren Unterstützung wir auch fernerhin erbitten. Mit ihrer Hilfe wird die „Oesterreichische Wochenschrift", die mit der heutigen Nummer das dritte Jahrzehnt ihrer Ärbe»t im Dienste des jüdischen Volkes vollendet, auch in dem neu beginnenden vierten Jahrzehnt unentwegt nach innen zur Einigkeit mahnen, nach außen mit allen Kräften gegen unsere Feinde kämpfen. Me Lage der Juden in Rnmanirn, Aus Rumänien wird uns gemeldet: Die heftigen antisemitschen Demonstrationen, die wir zu Anfang dieser Woche erlebt haben, werden hier als die Vorboten von Schlimmeren aufgefaßt. Sie lenken die Aufmerksamkeit von neuem auf die noch immer ungelöste rumänische Judenfrage. In Rumänien leben seit vielen Generationen ungefähr 300000 Juden, die allen Bürgerpflichetn unterworfen sind, natürlich auch Heeres- Wochenschrifi. .$'• dienst leisten und in großer Zahl, auch als Freiwillige am letzten Feldzug teilgenommen habest.^ TroWenr Werden alle rumänische Juden als „Fremde" betrachtet, und alle politischen Rechte sind ihnen versagt. Sir haben weder aktives noch passives Wahlrecht zu den gesetzgebenden Körperschaften, können kein: ökfesttlichen Aemter in Staat, Bezirk oder Gemeinde bekleiden und sind von einer großen Anzahl von Beschäftigungen und Gewerben ausgeschlossen. Sie dürfen nicht Makler, Advokaten, Apotheker, Drogisten sein, sie haben als Handwerker nicht die gleichen Rechte wie die übrigen Mitglieder der Korporationen (Zünfte), als Käufleute nicht die Berechtigung, Schiedsrichter an der Börse zu sein usw. Es hat auch nicht an Versuchen gefehlt, ihre Tätigkeit als Arbeiter oder Angestellte in Fabriken zu beschränken, wenn nicht ganz unmöglich zu machen. Schulzwang und Unentgeltlichkeit des Elementarunterrichts existiert für die Juden nicht. An den Volksschulen werden sie nur unter den größten Schwierigkeiten und nur gegen Zahlung einer Tare zugelassen, so daß sie mit großen Opfern eigene Schulen erhalten müssen. Die Hochschulen sind ihnen sogar ganz verschlossen. Eine ganz besondere Beschränkung ist weiter das Verbot, auf dem flachen Lande zu wohnen. Sie können jederzeit aus dem Lande, in dem sie seit Generationen leben, und das sie mit Recht als ihr Vaterland betrachten, ausgewiesen werden. Offiziere dürfen sie nicht werden, und es erlangen auch die Gebildeten unter ihnen selten mehr als den Korporalsrang. Es ist der Artikel 49 des Berliner Vertrages vom Jahre 1878, der Rumänien die Verpflichtung auferlegte, den jüdischen Einwohnern des Landes, gleiche bürgerliche und politische Rechte zu gewähren wie der christlichen Bevölkerung, toter Buchstabe geblieben. So steht eine Bevölkerung von 300 000 Sellen vollständig -rechtlos und--buchstäblich<cheimMvs> dal Die Unhaltbarkeit dieses Zustandes hat der letzte Feldzug nun aller Welt klar gemacht. An 30000 jüdische Soldaten und Reservisten sind Schulter an Schulter mit ihren christlichen Kameraden ins Feld gezogen. Damals konnte man viele Rumänen dafür eintreten sehen, daß vollständige Ausübung der Bürgerpflichten ohne Gewährung der Bürgerrechte in einem modernen Staatswefen sich nicht denken läßt. Die jüdischen Soldaten und Reservisten kehrten aus dem so glücklich beendeten Feldzuge über die Donau wieder heim, als das, was sie früher waren, als Bürger ohne Recht, als „Fremde". Und sie mußten zusehen, wie die wirklichen Fremden, die Türken und Vulgaren, in dem annektierten bulgarischen Gebiet, sofort die volle bürgerliche Gleichberechtigung erhielten! Die bedeutendsten Politiker des Landes geben nun zu, daß eine Aenderung eintreten müsse, , und man den einheimischen Juden, zumindest aber denendie ins Feld gezogen sind, die ihnen so lange vorenthaltenen Bürgerrechte nicht verweigern dürfe. Bisher ist jedoch noch nichts in dieser Richtung geschehen. Die Enttäuschung. die sich der Juden bemächtigte, läßt sich denken. All ihre Resolutionen, Petitionen, auch Memoranden an das Staatsoberhaupt, Regierung und Parlament sind bis zur Stunde erfolglos geblieben. Es setzte vielmehr eine überaus heftige antisemitische Propaganda ein, der gegenüber die Regierung sich ziemlich machtlos zeigt, und so ist trotz mancher schönen Worte, die-im Sommer zu vernehmen waren, die Lösung der Frage —- das heißt die einfache Erfüllung übernommener interngtionaler Verpflichtungen — noch immer keinen Schritt vorwärts gekommen. ' . , : Von anderer Seite Ivird gemeldet: - v;• Die konservativ-demokratische Regierung dcö H rrn Majo rescu wird ihr Versprechen, wenigstens die Zuden Rumäniens zu naturalisieren, die an der bükgärlschen Kampagne teilgenommen haben, nicht-erfüll-n; vor-allem,- weil e8 ihr an

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