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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»r. 52 Dp. Bloch’s ,a^r0anö xxx Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. -c~"^:d- Wien, 26. Dezember 1913 LrscD eint jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien» ll/l, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Rückblick und Ausblick. — Die Lage der Juden in Rumänien. — Zur Breslauer Tagung des jüdischen Lehrer- Verbandes. — VomJahrmarkt desLedens: — Auf dem Felde der Ehre gestorben. — Eine interessanter Archäologischer Fund. — Ein Kongreß spanischer Juden in Toledo, gegen die Dramatisierung des Beilisprozesses. — Ein Beweis des Ritualmordes. — Der Sprachenstreit. — Väterchen Zar. — Die Ostjuden in Amerika. —Korrespondenzen: — Hausfrauen. — Die Liquidierung des Balkare Krieges in Serbien. — Berlin. — 40jähnge Amtsjub läum des Rabbiner Dr. M. Beck. — Die Gründung des Gruppenverbandes der Agudas-Jsroel in Deutschland. — Dumadeputierter Friedmann über den Kampf gegen das Schächten in Rußland.— Belohnungen für Kiew. — Jüdisch-H'storische Gesellschaft tn Amerika. — Der Präsident der amerikanischen Arbeiter-Föderation. — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdisch-soziale Frauenarbeit. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen.— Inserate. OU -==DO p Sefugapxzta für Vrsterreirh: Halbtährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Mu«l.ind: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die »algespal- 2 tene Pettrzeile 4« Heller. £ nP -=Q A. k. Postsparkassen»»»? Slearing-Verk ebr «r. 910.976. Redaktion und Administration: »ien li/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 Rückblick und Ausblick. Der Rückblick auf das Jahr 1913 bietet für die Juden nur wenig Erfreuliches. Die Zustände bei uns zuhause haben sich alles eher als gebessert. Statt endlich an ihrer innern Fäulnis zusammenzubrechen, sind die Christlich- Sozialen noch immer an der Macht und vielleicht noch zuversichtlicher und übermütiger als jemals. Die Ursache davon läßt sich aber sehr leicht feststellen. In einer Zeit, in welcher die politische Verdrossenheit und Korruption so groß ist, hat natürlich eine Partei der Korruption ihre Blüte. Man sollte es nicht glauben, daß die Wiener Tammany-Hall noch immer am Leben ist, wenn man zuhört, was ihre Führer übereinander sagen, und wenn man bedenkt, was bereits die Spatzen auf den Dächern pfeifen. Leider aber hindert sie niemand, ihre Macht skrupellos zu gebrauchen, und in der politischen Arena, werden sie von niemandem ernstlich bekämpft. Das Parlament ist zu zerfahren, als daß nicht die große christlichsoziale Gruppe machen könnte, was sie will, und im christlich-sozialen Zentrum, im Wiener Rathaus, mögen bei der Opposition gute Menschen sein, aber schlechte Musikanten sind sie sicher, und Weiskirchner, der Mann mit den vielen Pensionen, der verspätete Erbe Luegers, kann auf dem kurulischen Stuhl ungeniert weiter thronen. Daher ist es auch nicht gelungen, uns Juden von den antisemitischen Beschimpfungen und Beschädigungen zu befreien. Noch immer darf jeder seinen Hang zur Dummheit oder zum Verbrechen an uns austoben und außerstande schon in Dingen des gewöhnlichen Lebens Gerechtigkeit zu finden, haben wir wenig Hoffnung, unsere Erniedrigung bald wieder wettzumachen, welche uns in der Person und am Schicksal Hilsners zugefügt wurde. Allerdings war es auch für uns hier zu Lande ein Trost, daß wenigstens in Rußland die Macht der Finsternis nicht so groß gewesen ist, als bei uns, und daß man den armen Beiliß nach seinem Martyrium unter großer Teilnahme der ganzen gebildeten Welt freigesprochen hat. In der Strafanstalt Stein jedoch, von deren Dach man den Zeppelin durch das Donautal hat fliegen sehen, wo oft Aeroplane vorüberknatterten, wo Telephon und Telegraph. Eisenbahn und Dampfer porrübergehen, sitzt im Iahre 1914 noch immer jemand wegen Ritualmord im Kerker, ist ein Traum des Mittelalters in eine traurige Wirklichkeit umgesetzt. Der Kriegsminister weiß zwar, wie viele Rekruten, der Finanzminister, wie viele Steuern wir geben, aber vom Iustizminister können wir das blanke einfache Recht nicht erhalten. Unter der Wirkung der Balkankrise litt und leidet verhältnismäßig niemand so stark, als die jüdische Industrie und Kaufmannschaft. Deswegen sind wir aber noch immer nicht imstande, ebenso Staatsbürger erster Gilde zu werden, wie die Leute von der Baukreditbank, von den Ueberschreitungen im Steinhof und alle von Hraba bezeichneten G^eichneten. Der Balkankrieg hat auch für die Juden der betroffenen Länder unheilvolle Folgen nach sich gezogen. Eine große Sorge wird die Entwicklung Salonikis bieten, wo die Griechen die Herren geworden sind und trotz aller schönen Reden ihren skrupellosen Kaufleuten helfen werden, die verhaßte jüdische Konkurrenz zu vernichten. Noch ärger haben es die Juden des Gebietes um Silistria getroffen, das von Bulgarien an Rumänien gefallen ist. Wieder haben die Rumänen ihre Juden zu Kriegsdiensten einberufen. Wieder haben ihre Minister groß-- spurige Versprechungen gemacht, daß sie wenigstens den ehemaligen jüdischen Soldaten die Bürgerrechte geben wollten und wieder haben sie die Juden und ganz Europa belogen und betrogen, trotz allen Berliner Verträgen. Als endlich die Juden Anwälte unter den politischen Parteien fanden, bat die Regierung nach bewährtem Muster die Versammlungen sprengen und durch ihre Werkzeuge mit Pogroms drohen lassen. Man braucht aber nicht über die Grenze zu schauen, um zu sehen, daß wir keineswegs rosigen Zeiten entgegengehen. Ein aktiver Minister, der vom Naphta an die Oberfläche gespülte Dlugocs. hat dem Abgeordneten Stapinski öffentlich vorgeworfen, er gehe mit den Juden gegen das Volk. Wenn das ein Minister spricht, was tut eigentlich ein Bezirkshauptmann? Dann ist es selbstverständlich ein Wunder, daß die „Reichspost", anläßlich ihres Hausbaues Glückwünsche von sehr hohen Stellen

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