Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 926 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 51 nisch war, und heute über die ganze Weltzerstreut, es verstanden hat, unsere Sprache in einer solchen Reinheit zu erhalten, daß sie heute wie eine längst vergessene Musik in unseren Ohren klingt. Disziplin Jüdischer Emigranten bei Unglücksfälle«. Anläßlich der Verhandlung über die Katastrophe des „Bolturno" vor dem Londoner Gerichte wurden auch verschiedene Episoten über die Haltung der jüdischen Emigranten, welche in großer Zahl an Bord waren, angeführt. Als das Feuer entdeckt wurde, versammelten sie sich aus dem Zwischendeck und beteten. Ein Zeuge erzählte, daß sie während der schrecklichen Nacht, als man jeden Augenblick den Untergang des Schiffes erwarten mußte, Gebete sangen. Infolge ihrer guten Disziplin und ihrer Resignation, allerdings auch infolge des Heldenmutes der Schiffsoffiziere tonnten die Meisten dieser Emigranten gerettet werden. Der Council of jewish Women von Amerika, eine Organisation, die. 12.000 jüdische Mädchen und Frauen zu ihren Mitgliedern zählt, hatten auch dem Offizier Mr. Lloyd, der an der Rettungsarbeit hervorragenden Anteil hatte, ein Dankschreiben übermittelt. Das Geschick eines jüdischen Journalisten. Dieser Tage starb in Petersburg ein einsamer jüdischer Journalist namens L a p i d u s. Infolge eines Bergiftungsverdachtes, der sich später allerdings als unbegründet erwies, wurde die Leiche seziert. Da man nun auf den Mann aufmerksam wurde, so begann man, wie es hier zu Lande üblich ist, auch nach seinem „Wohnrecht" zu fragen, und nun stellte es sich heraus, daß der Mann — Mohammedaner war. Die Leiche wurde demgemäß auch auf dem mohemmaöanischen Friedhof zur ewigen Ruhe gebracht. Der Mullah, der sehr wohl die Gründe begrifßüie den Verstorbenen zur moslemitischen Glaubengemeinschaft brachten, gab es den leidtragenden Kameraden des Verstorbenen anheim. den Anforderungen des jüdischen Ritus gerecht zu werden. Und so wurde denn am Grabe des armen „Wohnrechts-Mohammedaners" das Kadischgebet vor getragen. Benizelos über die Assimilation -er annektierten Gebiete. Aus Athen wird geschrieben: Ministerpräsident Benizelos hat einem Journalisten gegenüber bezüglich der Assimilation der Bevölkerung der neugriechischen Gebiete sehr interessante Aeußerungen gemacht. Er sagte unter Anderem: Ich glaube, daß in fünf Jahren die Einkünfte dieses Neugriechenland seine früheren Einnahmen übersteigen werden. Ich bin der Meinung, daß man dieser Bevölkerung die bürgerlichen Rechte gewähren müsse, denn vier Fünftel der Bewohner der eroberten Länder sind Griechen und haben einen nationalen Unterricht und eine nationale Kultur genossen, die nicht weniger fortgeschritten sind, als die Hellenen des alten Griechenland. Vielleicht wäre es nützlich gewesen, unseren neuen Untertanen nicht alle Rechte der griechischen Bürger zu gewähren. (?) Aber wir wollen die neuen Provinzen den alten unmittelbar assimilieren und uns die Sympathien dieser neuen Volkselemente sichern. Um aber dieses zu erreichen, ist es unerläßlich, ihnen die bürgerlichen Rechte einzuräumen. Die rumänisch; Judeafrage in der ungarischen Delegation. Sitzung der ungarischen Delegation vom 17. Dezzember 1913: Minister des Aeußern Graf Berchtold: Ich beehre mich, die Interpellation des Delegierten Grafen Michael Karo ly i in folgendem zu beantworten: In Angelegenheiten, welche § 44 des Berliner Vertrages berühren, können erfolgreich nur sämtliche Signatar machte einvernehmlich vorgehea. Ich glaube nicht, daß ein derartiger einvernehmlicher Schritt zustandegebracht werden könnte, und bin der Ansicht, daß wir trotz der Sympathien, welche jedermann für die relegiöse Gleichberechtigung hegt, kein Interesse haben, in dieser Angeleg enheit die Initiative zu ergreifen. Ich. bemerke auch sofort, daß ich von einer derartigen Initiative der englischen Regierung keine Kenntnis besitze. An uns hat sich die englische Regierung in dieser Frage nicht gewendet. Ich bezweifle es auch sehr, daß das internationale Aufwerfen und Verhandeln dieser Frage den Israeliten Rumäniens zum Vorteil gereichen könnte, zumal die rum ä n i s ch e,R e g i e r u n g d i e s e A n g e l e g e n h e i t i M-, mer ausschließlich als eine innere Frage Rumäniens betrachtete. Ich bitte die geehrteDelä gation, diese meine Worte tzur Kenntnis nehmen<zu wollen. Delegierter Graf Michael Karolyi kann die Antwort des Ministers nichjt zur Kenntnis nehmen: er bedauert, daß wir in dieser Angelegenheit nicht die Initiative ergreifen wollen, trotzdem wir als Nachbarn gewissermaßen dazu eher berechtigt wären, als eine andere Signatarmacht. Im Wege der Abstimmung wird die Antwort des Ministers von der überwiegenden Mehrheit de: Delegation zur Kenntnis genommen. "Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorftandes, vom Samstag den 13. Dezember 1913, 6 Uhr abends, unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alsred Stern. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit und widmet dem verewigten Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e ö l einen Nachruf, welchen die Versammlung stehend anhört. Ueber Antrag des Präsidenten wird die Trauerkundgebung dem Protokoll der Sitzung einverleibt. Auf der Tagesordnung stehen Anträge des Vertreterkollegiums auf Aenderung einzelner Punkte des Statutes zum Zwecke der Erhöhung des Steuer- Maximums und Neueinteilung der Steuerklassen. Kultusvertreter Dr. Leopold K o h n ergreift als Referent das Wort, um die Anträge zu begründen, welche die obersten Steuerstufen wesentlich erhöhen, die Maximalziffer von 12.000 auf 20.000 hinaufsetzen. In gründlichen instruktiven Ausführungen werden die Gründe öargelegt, welche diese Statutenänderungen notwendig machen. Die Zensiten der obersten Steuerstufe haben bis nun eine freiwillige Besteuerung sich auferlegt, was aber nicht gehindert hat, daß andere Zensiten immer auf ein Mißverhältnis hingewiesen zwischen der eigenen Steuerleistnng und der statutenmäßigen Maximalziffer. Deswegen empfehle sich eine statutenmäßige Erhöhnng der Maximalziffer. Vorstandsmitglied Dr. Jakob Ehrlich stellt den Antrag, die niedrigste Steuerleistung von K 20.— auf 10 Kronen herabzusetzen bezw. eine Steuerkategorie von 10 Kronen zu schaffen. Dieser Antrag, welchen Dr. Ehrlich in eingehender Rede begründet, wird auch von den Vorstandsmitgliedern kais. Rat Jonas Weil und S. V r o ö nachdrücklich unterstützt. Erster Vizepräsident Dr. Gustav K o h n bemerkt, daß die beantragte Statutenänderung eine dringliche Aufgabe bildet, weil die Steuererhöhung der obersten Steuerstufen sofort aktiviert werden muß. Die Einrichtung des neuen Friedhofes, der Vau eines Ad-