Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sein Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 51 nehmen lassen". Wir wollen nicht hier mit dem Sprecher der christlichsozialen Majorität des Wiener Gemeinderates debattieren und ihn über das Wesen des galizischen Judentums ein Privatissimum erteilen, sür uns handelt es sich diesmal lediglich darum die Gründe anzuführen, die einen Dr. Pupovac bestimmten, in einer Debatte über die Juöensrage in Wien, das galizische Judentum ins Vordertreffen zu stellen. Eine ähnliche Stellung wie das Gesamtjuöentum den anderen Nationen gegenüber einnimmt, nehmen die Im den des Ostens im Judentum selbst ein. Seit Jahrzehnten werden sie von den Juden des Westens mit einem durch nichts begründeten Vorurteil behandelt. Wien, das eigentlich als erste Einbruchsstadt für die Juden des Ostens gilt, bietet uns sür diese Behauptung ein klassisches Beispiel. Ein sehr kluger und tüchtiger Kopf, der verstorbene Advokat Dr. Friedrich Elbogen, hat in einem Zeitungsaussatze seinerzeit den Satz geprägt, der später für die galizischen Juden verhängnisvoll wurde. Er sprach von einer „Tarnopoler Moral". Mit diesem Ausdrucke wollte er das ganze östliche Judentum treffen. Und nicht nur Dr. Ellbogen als einzelner hatte eine solche Meinung von den Galizianern. Welcher in Wien lebende Ostjuöe hat es noch nicht am eigenen Leibe verspürt, mit welchen Gefühlen er in der hiesigen westjüdischen Gesellschaft Aufnahme findet. Welche große Wiener jüdische Korporation hat viele Galizianer in ihrem Vorstände? Wann konnte in Wien ein galizischer Jude trotz noch so vieler Fälligkeiten von den freisinnigen Parteien ein öffentliches Mandat erhalten? Wieviele Juristen, Mediziner, und sonstiger akademischer Intelligenzler gibt es in Wien, die nur deshalb keine Existenz finden können, weil sie aus dem Osten des Reiches stammen. Wie oft im Laufe der letzten Jahre hat der Verfasser dieses Aufsatzes in diesem Blatte schon Stellung nehmen müssen gegen die durch nichts gerechtfertigte Behandlung des galizischen Judentums. Bald ist es eine Versammlung des Allgemeinen österreichischen Jsraeliten-Bundes, dessen Behandlung der galizischen Juden uns zur Abwehr herausfordert, bald sind es die westösterreichischen Handels- und Gewerbekammern und in diesen wiederum die Juden, die damit ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern glauben, wenn sie gegen die galizischen Juden scharf machen und dabei das Ansehen und die Autorität der galizischen Behörden untergraben. Wir Juden im Allgemeinen wollen und können nicht Uebermenschen sein, wir sind allen menschlichen Schwächen ebenso unterworfen wie alle anderen Menschen und dasselbe gilt auch vom galizischen Judentum; nichtsdestoweniger glaube ich, wenn man so viele Blätter in der Geschichte des galizischen Judentums öurchblättert, wird man immer nicht auf einen so abscheulichen Fall stoßen, daß ein Jude seine 3 Schwäger mit einem Male ermordet, lediglich deshalb, weil diese seine leichtsinnige Lebensweise sür die Dauer nicht mehr unterstützen wollten. Eine solche Tat blieb der Kultur des Westjudentums Vorbehalten. Man möge uns ja nicht mit dem Vorwurf, daß wir durch die Veröffentlichung dieses Artikels einen künstlichen Unterschied zwischen Juden und Juden schaffen, kommen, dies ist wahrlich unsere Absicht nicht, am allerwenigsten wünschen ihn die Juden des Ostens. Sie bemühen sich mehr als genug im Westen diesen Gegensatz auszugleichen. Auf der Universität finden wir galische Juden die ihrem Juöentume keine Unehre bereiten. Für die deutsche Sprache und ihre Kultur wirken sie mit mehr Erfolg als Herr Dr. Pupovac der einstige slovenische Landtagsabgeordnete. Dort wo es dem galizischen Juden möglich gewacht wird, seine Fähigkeiten zu entfalten, hat er seinen Landsleuten noch niemals Unehre bereitet. Gegen systematischen Boykott zu wehren, dazu ist der einzelne viel zu schwach, hiezu bedarf es einer strammen Organisation und auch von einer solchen war vor mehreren Jahren in diesem Blatte die Rede. Vielleicht werden die in Wien lebenden galizischen Juden einmal noch dem christlichsozialen Wiener Gemeinöerat Dr. Pupovac dafür Dank wissen, daß er sie aufmerksam machte, daß nur derjenige respektiert wird, der eine Macht besitzt. Wir in Wien lebende Galizianer bilden einen ansehnlichen Teil der Wiener Bevölkerung, wir stammen aus einem Lande, - das stets treu zu Oesterreich hält, mit demselben Rechte wie wir in Lemberg und in Krakau wohnen und uns entwickeln dürfen, dürfen wir es auch in Wien, solange Galizien zu Oesterreich gehört und wir Staatsgrundgesetze besitzen. Nicht die in Wien lebenden Ungar. Juden oder böhmischen und nicht einmal der Bürgermeister von Wien, kann uns dieses Rechtes berauben! Wie richtig unsere Ausführungen sind und daß nicht persönliche Animosität uns dieselben in die Feder diktieren, beweist auch, daß von den einigen Juden, die nur mit Hilfe der Juden in den Gemeinöerat gewählt wurden, es nur einer war, der gegen die Rede des Dr. Pupovac mannhaft und energisch protestierte. Unbeschadet aller politischen Gegensätze, die zwischen diesem Blatte, dem Schreiber dieser Zeilen und dem Gemeinöerate Doktor Schwarz-Hiller bestehen, müssen wir sein Eintreten für die Galizianer mit Dank quittieren. An unsere in Wien lebenden Galizianer richten wir neuerdings den Appell: Organisiert Euch!_ I. Grobtuch. (Dom Jahrmarkt des Lebens. Enthüllungen über die „Reichspost". Das „Alldeutsche Tagülatt" vom 10. Dezember bringt folgende Mitteilungen über die „Reichspost". „Die „Reichspost" ist das Organ der hohen Geistlichkeit und des Pius-Vereins. Die hohe Geistlichkeit führt dieser Zeitung reiche Geldmittel zu. Auch wenn diese von einem Frankfurter herstammen. Vom Pius-Vereine erhielt die „Reichspost" bis dato 400.000 Kronen, vom Salzburger Universitätsvereine, recte Katschtaler, 682.000 Kronen. Die Interessen der kleinen Geistlichkeit sind ihr natürlich vollständig nebensächlich. Die Vernichtung des Geßmann durch die aufklärende Arbeit des „Deutschen Volksblattes" kann die „Reichspost" noch immer nicht vergessen!" „Auch ist es Tatsache, daß die „Reichspost" mit Haasenstein und Vogler einen Finanzierungsvertrag gemacht hat und von nun an Inserate jüdischer Firmen aufnehmen muß — die letzte Sonntagsnummer wimmelt von solchen Inseraten — und vorn, namentlich vor Wahlen, Antisemitismus predigt. Die Leser dieses Blattes werden also bei den Weihnachtseinkäufen mit Absicht irregesührt." Auch jüdische und von Juden abstammenöe Mitarbeiter hat sie. Jüngst erst brachte sie einen Leitartikel über die Austro Americana, der von einem Juöenstämmling gezeichnet war. Karl Kraus ist sür sie der größte jetzt lebende Deutsche. Dafür macht Kraus für sie in der Fackel Reklame. Und dieses Blatt mästet sich vom Blutmärchen und der Ritualmordlüge. Zur galizischen Fiuauzkrise. Im Saale der israelitischen Kultusgemeinde fand dieser Tage eine Konferenz der Direktoren mehrerer hiesiger Finanzinstitute statt, die sich mit der finanziellen Krise der jüdischen Kaufleute und der