Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 61 Dr. Blochs Wochenschrift. Element gegenüber dem retardierenden Aktionskomitee, die jüdische Volksmasse in Palästina. Wenn aber dieser Kampf vor ein deutsches Gericht zum Austrag kommt, dann wird es von großer Bedeutung sein, daß die Technikumsleitung dem Nationalsonds den tiefgefühltesten Dank für die hochherzige Unterstützung wußte, die s o lange u ukündbar ist, als der Zweck des Technikums im Sinne des Darlehensgewährers geleistet wird. Denn nur so lange dient das Technikum dem wirklich erstrebten Zwecke, als es in Wahrheit e i n jüdisches Institut ist, und das ist es in Palästina nur, wenn die jüdische Sprache die Unterrichtssprache ist. . .! lind auch die Hilfsvereinsvertreter haben bei Eingehung des Vertrages genau gewußt, daß ohne weitere Er läuterung jüdisch von den zionistischen Organisationen nur so verstanden werden kann, daß die Einsührung oder mindestens weitgehende Zulassung der hebräischen Sprache als Lehrsprache inbegriffen ist. Eine viel größere Schädigung aber als dem Hebräischen ist durch den „Hilfverein" der deutschen Sprache und dem deutschen Einflüße zugefügt worden. Denn so lange das Deutsche als die Hauplfremdfprache unterrichtet wurde, hat man in Palästina, wo man keine Konkurrenz für das Hebräische erblickte, willig sich der deutschen Sprache befleißigt und damit dem deutschen Handel und der deutschen Politik die Wege geebnet. Wenn jetzt der Hilfsverein durch seinen Jerusalemer Vertreter verbreiten ließ, die deutsche Regierung habe die Vorherrschaft der deutschen Sprache gegenüber dem Hebräischen in den Hilfsvereinsschulen gefordert, so wurde durch diese der Wahrheit nicht entsprechende Behauptung ein solcher Sturm der Entrüstung gegenüber diesen Bestrebungen des „Hilfsvereines" laut, daß nunmehr Schüler wie Lehrer sich darüber einig find, daß das seit etwa anderthalb Jahren befolgte System des Hilfsvereines, das Hebräische allmählich zugunsten des Deutschen zu verdrängen, bekämpft und beseitigt weroen müsse. -- . Aber es ist nicht wahr, daß die deutsche Negierung verlangt hätte, daß das Deutsche vor dem Hebräischen die Vorherrschaft haben sollte. Sie denkt gar nicht daran, Ausländer zu züchten, die ein Interesse daran haben müssen, nach Deutschland auszuwandern, wo sie doch nur der Ausweisung zum Opfer fallen müßten- Die deutsche Regierung ist weitsichtiger, und hütet sich sehr Wohl, sich in innere jüdische Angelenheilen zu mischen, und es ist tief bedauerlich. daß das deutsche Interresse, ebenso wie das jüdische, durch die falschen Maßnahmen des ,Hüfsvere'.ns' geschädigt, wird. Vielmehr hat der Hilfsverein die Vor- und Alleinherrschaft der deutschen Sprache seinerseits angeboten. Ter Zweck, die Kontrolle über den Jerusalemer Vertreter zu entfernen, der sich in seinen Machtgefühlen bedroht sah, ist freilich erreicht worden. Aber weit darüber hinaus sind Wirkungen eingetreten, die die Jerusalemer Schlauheit ebensowenig sah, wie die Berliner Klugheit. Bis in den tiefsten Grund sind die Herzen aufgeregt und die Massen aufgerührt worden, und Schüler und Lehrer find unter Verzicht auf Gehalt und Stipendien ausgezogen, um lieber der äußersten Not ausgesetzt zu fein, als an dem Hebräischen den Verrat zu üben, der ihnen zugemutet wird. Von allen Seiten verlangt man jetzt, was man nie und nimmer verlangthätte, die Vorherrschaft des Hebräischen vor dem Deutschen in den Hilfsvereinsschulen, und so einmütig ist die Entrüstung und' der Protest, daß die Chalukabevölkerung herhalten muß, Unterschriften und Zustinu mungen „zu dem bewährten System des Hilssvereines" zu geben. Ueber Nacht sind das Lehrerseminar und die Kommerzschule des Hilfsvereines, ebenso wie die Jafsaer Knabenschule von Lehrern und Schülern entblößt worden, und über Nacht find in Jaffa und Haifa hebräische Knaben- Sute 923 schulen und Bürgerschulen entstanden, die unter den größten materiellen Opfern im Zeichen der hebräischen Unterrichssprache und als Protest gegen die Vergewaltigung des freien Geistes der jüdischen Schulen durch den Hilssverein und seiner Trabanten geschaffen wurden. Noch ist die Möglichkeit einer friedlichen Verständigung nicht ganz geschwunden. Aber nur, wenn der Hilfsverein seinen das deutsche wie das hebräische Interesse gleich schwer schädigenden Entschluß sofort rückgängig macht. Diese Verständigung muß gefunden werden, so schwer sie ist, nachdem die Verwaltung des Hilfsvereins während der Anwesenheit Dr. Nathans die hebräisch unterrichtenden Lehrer in Gegenwart ihrer Schüler durch Zabtijes mißhandeln ließ. Sonst werden sich die Kämpfe, die in Palästina begonnen haben, in Berlin und anderswo fortsetzen und hier als Kämpfe nicht mehr bloß um die hebräische Sprache geführt werden, sondern um das Prinzip, ob der Hilssverein das Recht hat, die ihm gegebenen Wohltätigkeitsgelder zur Unterdrückung jüdischer B e st r e b u ngen im Heiligen Lande zu verwerten- Schon steht der Stolz des Hilfsvereines, der hochgelehrte NeUin, auf den er immer mit Stolz hinwies, in den Reihen der streikenden Lehrer und Schüler, mit ihm das Lehrerpersonal des Seminars und der Kommerzschule. Alle seine Schulen sind leer. Es ist die allerhöchste Zeit, daß der Hilfsverein einlenkt, daß er seine frühere Politik, die eine einigermaßen jüdische war, wieder aufnimmt, und daß er vor allem die Vorherrschaft des Mannes in Jerusalem bricht. Der in erster Linie an diesem Zustande schuld ist. Wir bedürfen Palästinas nicht zur Durchführung von südischen Parteikümpfen. Deren haben wir viel zu viel und übergenug in Europa. In Palästina müssen w i r w etter jüdische positive Arbeit schaffen, ohne Unterschied der Partei, ob Zionisten oder Antizioniften, aber i m S i n ne positiven Judentums. Die GaUzianer. Budgetdebatten in den öffentlichen Vertretungskörperschaften bieten immer den Wortführern der verschiedenen politischen Parteien Gelegenheit ihre politischen und sozialen Anschauungen vor der gesamten Oeffentlichkeit zu vertreten. Die Presse alb wichtiger Faktor des öffentlichen Lebens erfüllt nur ihre Pflicht, wenn sie zu diesen Debatten ebenfalls von ihrem politu fchen Standpunkte aus, Stellung nimmt. Die Budgetdebatte die gegenwärtig im Wiener Rathause abgeführt wird, zwingt auch uns zur selben Stellung zu nehmen. Ein oppositioneller freiheitlicher Gemeinderat hat in der Gemeinderatssitzung vom 10. d. M. den Versuch unternommen die christlichsoziale Mehrheit von der Schädlichkeit ihres politischen Programmes zu überzeugen und sich zu beweisen bemüht, welchen Vorteil die Gemeinde Wien davon hätte, wenn die Majorität der Stadtoäter den kulturwidrigen konfessionellen Haß aus ihrem Programme auSschalten würde. Auf diese versöhnliche Rede eines ehrlichen Ariers antwortete ein Führer der Christlichsozialen Dr. Pupovac" „Ja, wir sind Antisemiten. Wir sind auch anständige Menschen und lassen demjenigen das Recht, der es verlangt. Es hat hier sich ein Gemeinderat erhoben und gesagt: Bor dem Recht sind alle gleich. Darin liegt ein Fehler, den er begangen hat. Bei uns sind Galizianer nicht dasselbe, was die Wienerschast ist. (Die Majorität ruft sehr richtig). Der Antrag zur Subventionierung der deutschen Wissenschaft hat mit dem Zuzug der Galizianer nichts zu tun. Wenn Sie zu den deutschen Wienern und nicht zu den galizischen Juden halten werden, dann werden wir Sie neben uns Platz