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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-19 · 51 (19.12.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 922 Dr. Blochs Wochenschrift. Skt. 51 natürlichste Lebensäußerung des Judentums ist, zumal in einem Lande, in dem es nie ganz tot gewesen ist, auch nicht als Umgangssprache. Die neue Siedlung von Juden im Lande, die außer den Kolonien die jüdischen Stadtteile vor allem in Jaffa und Haifa umfaßt, ist der Hauptträger der hebräischen Sprache und wird wiederum von ihr getragen. Hier sind die hebräischen Schulen entstanden,^ das erste Gymnasium, die erste höhere Mädchenschule und das Lehrerinnenseminar, die zur Gründung und Hebraisierung der Jerusalemer Schulen führte, und hier ist jener mächtige hebräische Geist emporgewachsen, der die Klugheit des „Hilfsvereins der deutschen Juden" vermochte, dem Hebräischen Konzessionen zu machen, um überhaupt erst einmal im Lande Fuß fassen zu können, weil er mit seinen Bestrebungen zu germanisieren von vornherein aus einen starken Widerstand stoßen mußte und stieß. Als der „Hilfsverein der deutschen Juden" hier aus das Feld trat, da spielte er sehr gewichtige Vernunstgründe gegen die von der Alliance Jsraelite gemachten Fehler aus. Er hielt ihr, die natürlich nicht von -einem Tage auf den andern ihr Schulsystem ändern und hebraisieren konnte, vor, daß sie nur französiere, während jede französische, deutsche oder angelsächsische Arbeit zugunsten der jüdischen zurücktreten müsse- Er wies weiter mit Recht darauf hin, daß die einzige nichthebräische Sprache, die dort einen Platz finden könnte, dw türkische sein dürfe, da jede andere Sprache die Juden in das Interesse der betreffenden Nation zöge, die nicht immer gerade für die Juden das größte Wohlwollen besäße. Er wies ferner darauf hin, und hatte damit ganz Recht, daß das Türkische Reich kein Interesse daran habe, deutsch- oder französisch- oder englischsprechende Juden in seinem Gebiete in größerer Zahl anzusiedeln, weil er damit einen Teil seines Gebietes für die Böller oiefer Zunge eröffne, die ebenfalls dem türkischen Staate gegenüber bei aller Freundschaft, doch nur als freundwillrge Erben dastünden, die auf den Nachlaß warteten. Dazu kommt, daß eine jede europäische Sprache, die die palästinischen Juden einer Nation nahe bringt, die sie vielleicht schützt, sie in ebenso scharfen Gegensatz gegen alle andern Nationen Europas bringen muß, die ihnen sicher feindlich sein werden. Arabisch und Türkisch neben dem Hebräischen, ja! so erklärte damals der „Hilfsverein der deutschen Juden" gegenüber der „Alliance Jsraelite Universelle", aber nicht Französisch, Deutsch oder Englisch. Der Hilfsverein hatte nicht bloß Recht mit seinen Einwendungen, sondern es gelang ihm sogar das berechtigte Mißtrauen gegen seine germanisierenden Bestrebungen, das von Männern wie Heinrich M.e y e r-C o h n und Sanitätsrat Neu mann auch in der „Oesterreich is ch e n W o ch e n s ch r i s t" offen ausgesprochen wurde, zu paralysieren, und sogar eine große Zahl ausgesprochener Nationaljuüen und Zionisten trotz der Warnungen der beiden genannten Männer vor seinen Wagen zu spannen. So nahm der Hilfsverein, wenn auch als Fabius Cunctator, an der Hebraisierung des Schulunterichtes Anteil, und wußte die Alliance an die zweite Stelle zu drängen, wenn auch einzelne Stimmen immer und immer wieder ihre -Bedenken äußerten, ob denn die hebräische Tendenz von Leuten so echt sei, die in Berlin so ganz dem Hebräischen feindselig seien und von Jerusalemer Vertretern, die stets allen hebräischen Bestrebungen und ihren Trägern nur Fallstricke zu legen sich bemüht hatten. Aber so kam es, daß Führer und Vertreter des Zionismus die allereifrigsten Agitatoren des „Hilfsvereines der deutschen Juden" wurden und die Stellung begründeten, die er jetzt einnimmt. Das „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina", das jetzt den Technikumsbau vollendet, wurde nur durch diese zionistischen Vertreter möglich. Von Zeit zu Zeit hatten freilich diese Vertreter im Kuratorium die Frage angeregt, welche Stellung das Hebräische am Technikum einnehmen werde. Aber der Hilfsverein verstand es stets, die Entscheidung hinauszuschieben, indem man privatim, wiederum mit Recht, darauf hinwies, daß es im Wesen eines jüdischen Instituts läge, das in Palästina arbeiten wolle, daß es die hebräische Sprache mindestens zu einem großen Teile einführe. Jetzt, wo der Bau unter Dach und Fach gebracht ist, sind die zionistischen und nationaljüdischen Kuratoren nicht bloß entbehrlich, sondern auch unbequem, und am allerunbequemsten dem einzigen Vertrauensmann des Hilfsvereines in Jerusalem, der als sein ergebenster Diener sich tief verbeugt, und in Wahrheit den ganzen Hilfsverein mit seinen Neunmalklugen gängelt und leitet, wie er es in seinem sehr klar bemessenen Interesse für nötigerachtet. Die Jerusalemer Schlauheit ist nämlich doch gerissener als die Berliner Klugheit. Da wird der Beschluß gefaßt, der von Jerusalem aus angeregt wurde, um die Kontrolle der Dr. Lewin, Tr. Auerbach und anderer jüdischen Europäer im Lande zu beseitigen, daß das Hebräische aus dem Technikum ausgeschaltet werden soll. Der Antrag der national-jüdischen Kuratoren, wenigstens in den drei an den Gymnasien in Jaffa und Jerusalem immer schon mit gutem Erfolg unterrichteten Fächern Mathematik, Physik und Chemie das Hebräische als Unterrichtssprache einzuführen, ward abgewiesen und auch der Antrag eines Mannes, der wie Professor Dr. Martin P h i l i p p s o n gewiß kein Zionist ist, auch nur jüdische Geschichte und p a l ä st i n i s ch e Geographie h e b r ä i sch z,u u,n t.e rrichten, wurde glatt abgelehnt, und auch für die Mittelschule als Unterbau das Deutsche als alleinige Unterrichtssprache eingeführt. Um aber den Rechtsansprüchen des „Jüdischen Nationalfonds" und des zionistischen Aktionskomitees, die ihre großen Beihilfen unter der selbstverständlichen Voraussetzung gegeben hatten, daß ein „jüdische s" Institut in Palästina für technische Erziehung seinen jüdischen Charakter zuerst einmal in der Sprache des Judent u m s, im Hebräischen finden müsse, wurde bei einem ausschließlich deutschen Lehrplan gestattet, daß beim Gesang- und Zeichenunterricht das Hebräische zulässig fein soll- Dabei wurde der durch die Tatsachen lächerliche Beschluß gefaßt, der aber juristisch decken soll: „Dem Hebräischen wird die eingehendste Pflege zuteil, entsprechend dem jüdischen Charakter des Technikums." Mit genauder gleichen Klausel hat die jüdische Reformgemeinde zu Berlin seinerzeit das Hebräische abgeschafft und an seine Stelle den deutschen Gottesdienst gesetzt. Im weiteren Verlauf ist es dann dahin gekommen, daß infolge dieser Tendenzen der dritte Teil der Berliner Judenheit aller Generationen getauft wurde, die andern zwei Drittel aber, so weit sie in Berlin aufwachsen, zu mehr als 95 Prozent nicht einmal mehr die hebräischen Buchstaben lesen können, auch außerhalb dieser Resormgemeinde. Diese Resolution, die im schroffsten Widerspruch zu dem beschlossenen Lehrplan steht, hat also nur den Zweck, das juristische Hintertürchen zu bilden, bei dem Prozesse, der doch wohl anhängig gemacht wird, um die zionistischen Gelder vom „Technischen Institut", das jetzt auch wieder offiziell nur der „Hilfsverein" ist, zurückzuerhalten. - Die juristische Seite dieser Frage ist gewiß außerordentlich schwierig- Aber wenn auch jetzt vielleicht die Leitung der zionistischen Partei nicht die Absicht hat, den Kampf um die vorgeschossenen Summen vor Gericht zu bringen, wer bürgt dafür, daß sie nicht dazu gezwungen wird. Ist doch überhaupt in diesem Kampfe das treibende

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