Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 50 De. Bloch« Wochenschrift. Seite 915 Györ-Naab. Ehrung des Herrn Gustav Wilhelm Szögyi, Tit.-Direktors der Räuber israclituchen Volksschule und Sekretärs des israel tischen Frauen-, Sandik- und Nichnm Awelimverkins. Zunächst wurde Herr Szö«yi nach 37 jähriger humanitärer Amtstätigkeit von Seite einer Frauenvereins Deputation in seinem Familienheim ausgesucht und mit einer p'lichtvollen Abrisse gemütuns herzerhebenden Inhalts iiberraicht, welche von der Präsidentin Frau Johanna yerzl- Keppich, de: V c^präsidenti-r Frau Johann Schmidt und der Kassieren Frau Heinrich Friedmann gefertigt war. Derselben waren mehrere Wertpapiere beigelegt. Und bald darauf wurde ihm anläßlich einer Generalversammlung die gleiche Ehrung nach ebensolanger Amtstätigkeit vom Sandik- und Nichumverein zuteil. Und heute nach 43*/,- sähriger L hramtstätigkeit feierte die Schnlobrigkeit mit dem Lehrkörper oen Tit.-Direktor Herrn Szögyi anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand und staatlichen Pensionierung in aufrichtiger Wertichätzung seiner excellenten Charaktereigenschaften und Würdigung seines segens-, reichen pädagogischen Wirkers. Nach dem solennen Appell des Schnlstuhl-Prases, des Schiüdmkiors und eines Veteranen des Lehrkörpers ergriff Herr Szö^h', von der herrlichen Ovation zu Tränen gerührt, das Wort, mit dem Zitate beginnend: »Naar hojißi. gam sokanti. . . Als Jüngling kam ich an diese Schule, als Greis scheide ich von ihr." Seine Rede machte einen tiefen Eindruck insbesondere als er in rührenden Worten an die Versammlung sich wandte: «Nun stehe ich am Scheidewege, wo ich gelegentlich meines feierlichen Abschiedes meinen tiefsten Dank aussp eche: Dem hochgeehrten Präsidium der Gemeinde und Schule, dem Schuldirektor Ehrwülden Oberrabbiner Dr. Moritz Schwarz für die HerzenSgi'lte, mit der sie meinen'bescheidenen Wünschen stets entgegenzukommeu beliebten. Es empfange ferner meinen schönsten Dank der Lehrkörper für seine begeisterte Teilnahme an dieser mir zuteil gewordenen Ehrung. Indem ich noch aus der Tiefe meines Herzens den Allvater bitte, er möge die löbliche Kultusgemeinde, den Schulstuhl, deren hochverehrte Präsidien, Ehrwülden Herrn Schuldirektor. lowie meine Kollegen in voller Kraft, blühender Gesundheit und sonniger Glückseligkeit erhalten, schließe ich mit dem idealen Spruch des Dichters: «Nun sing ich kein einzig Liedchen mehr, die Laute ist zerschellt!" Karlstadt. Am 1. Kislev (30. November) veranstaltete die Karlstädter jüdische Jugend inr Beraturrgssaale der Kultus- Gemeinde .c'in wohlgelungenes Konzert mit Vorträgen. Aus Agram waren zahlreiche Mitglieder des akademischen Klubs „Judäa" erschienen. Anwesend war auch Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bernhard Schik, dem zum größten Teile die bewußtjüdische Tätigkeit der Karlstüdter jüdischen Jugend und ihr Enthusiasmus für die jüdische Renaissance zn verdanken ist, was an dieser Stelle rühmend hervorgehoben sei." In seiner Begrüßungsrede entwickelte Präsident Jsak Potjoton die Bestrebungen der Vereinigung und betonte, daß die jüdische Jugend in Karlstadt als erste int Lande, unter der bewährten Anleitung des Herrn Rabbiners Dr. Schik, modernen hebräischen Unterricht nehme. Herr Leo Stern aus Agram sprach sodann in einer einstündigen Rede wirkungsvoll über den Zionismus. Der Präsident der „Judäa" Julius Wiener, hielt einen formvollendeten und inhaltsreichen Vortrag über die hebräische Universität in Jerusalem. Feuilleton. Zur Moralität der Jüdin. Von Dr. R. Faerber in Mähr.-Ostrau. 7M7 77 ' (Schluß.) Doch gehen wir zu der israelitischen Tochter über. Die Glanzzeit der Israeliten in Palästina, die Zeit des größten materiellen Wohlstandes, der sonst zumeist eine Lockerung der Sitten zur Folge hat, mag uns einige Winke dazu geben. Der Freund der Sulamith im Hohenliede besingt seine Geliebte: „Ein verschlossener Garten ist meine Freundin Braut, ein verschlossener Born, ein versiegelter Quell" (Hohes!.' 4. 12), wozu Oettli in Strack- und Zöcklers Kommentar bemerkt: „Vergleichspunkt: Farbenpracht und Früchtereichtum des Gartens, so Sulamith voller Lieblichkeiten: aber was die Hauptsache: verschlossen, verriegelt für jeden außer dem rechtmäßigen Besitzer, auch für den Sprechenden bisher, denn sie ist erst Kallah. Ein schönes und zartes Zeugnis aus dem Munde des Freundes." ^o auch Biur, Ibn Esra rc. und Raschi: r':z r'>’:s „Wegen der Frömmigkeit der Töchter Israels, die sich keiner Unkeuschheit schuldig machen". An einer anderen Stelle des Hohenliedes (8, 8 10): Bruder der Sulamith (im Wechselgesang): „Was machen wir mit unserer Schwester am Tage, da man um sie freit? Ist sie eine Mauer (= Feste der Unschuld, allen Verführungen Trotz bietend), so krönen wir sie mit einem silbernen Kranz (= so wollen wir sie in Ehren halten)ist sie aber eine Tür (— die jeden einläßt, also der Verführung zugänglich), so verschließen wir sie mit einem Zederbrett (— stellen sie unter die strengste Aufsicht)! Sulamith (erwidernd): Ich bin eine Mauer!" Welch herrliche Bilder der jüdischen Mädchentreue und Keuschheit sind aber erst im haggadischen Teile des Talmud und der Midraschim enthalten, die uns über das sittliche Verhalten der jüdischen Töchter belehren in den fürchterlichen Leidenszeiten der römischen Herrschaft, unter den grausamen, lasterhaften Landpflegern und entmenschten Statthaltern mit ihren Legionen gewalttätiger und zügelloser Soldaten? Wer kennt nicht die rührende Erzählung des N. Ammi (b. Gillin 57 b) aus der Zeit der zweiten Tempelzerstöruug. Vierhundert jüdische Knaben und Mädchen befinden sich als Gefangene auf einem römischen schiffe, das sie nach echt römischer Art der Schande zuführen soll. Der Aelteste hält seinen Leidensgenossen eine Art Predigt unter Zugrundelegung eines Psalmwortes: . Gesprochen hat der Herr, aus Basan will ich (sie) zurückbringen, zurückbringen aus der Tiefe des Meeres" (Psalm 08. 23t mit der glaubeneseligen Schlußfolgerung, daß Gott die zu seiner Ehre und zur Rettung ihrer Unschuld Ertrunkenen zu sich wieder zurückbringen werde. Sobald die Mädchen dies hören, stürzen sie sich ins Meer, worauf die Knaben zur Nachahmung dieser heldenmütigen Handlung ermutigt werden. (Diese Kinderpredigt mit demselben Psalmwort hat übrigens die Iüdinnen im Mittelaller mit der heroischen Kraft ausgerüstet, um den Nachstellungen zu entgehen, durch Ertrinken zu freiwilligen Märtyrerinnen zu werden, worüber weiter unten.) Im dritten Jahrhundert sah sich der gwße Palästinenser Gelehrte R. Iochanan b. Nappacha veranlaßt, seine Jünger auf den eigenartigen Tugendsinn eines jüdischen Mädchens mit den Worten hinzuweisen: sen rn~i' 'rraS rfcipao . Hier könnt ihr wahre Frömmigkeit lernen!" (b. Sota 22 a.) Dieses Mädchen von seltener Schönheit und tadelloser Sittsamkeit entzückte durch sein anmutiges Wesen. Es wurde von Verehrern stark umworben, die ihm die glänzendsten Anerbietungen machten. Dock war es vom Pfade der Tuaend nicht abzubringen, worüber einige junge Leute sogar den Verstand verloren. Das ging dem Mädchen so zu Herzen, daß es täglich das innige Gebet verrichtete: Herr und Gott! Du hast die Glückseligkeit des Paradieses zum Lohne der Frömmigkeit. und die Qüalen der Hölle als Strafe für die Gottlosen geschaffen. Möge es dein Wille fein, daß durch mich kein Mann unglücklich werde und daß ich selbst vor Sünde bewahrt bleibe. Der bereits erwähnte R. Ammi, ein Schüler des R. Iochanan. erzählte etwas ähnliches: Schau, wie bedeutend die Bewahrer der Treue sind. Eine jüdische Iungfrau verirrte sich in einer Wüste, und als sie vor Durst und Müdigkeit nicht weiter konnte, aewahrte sie einen Brunnen. Sie stieg hinab und labte sich. Doch konnte sie nicht wieder hinaus. Ihre verzweifelten Hilferufe lockten einen jungen Wanderer herbei, welcher sie unter der Bedingung aus dem Brunnen zog. daß sie sich ihm ergebe. In der Unschuld ihres Herzens gelobte sie auf Ehre und Treue, die Seine zu werden.