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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 910 Dk. Blochs Wochenschrift. Nr. 50 eigenen schöpferischen Kräfte, suchte er für sein Znaimer Leibblatt aus den ältesten Jahrgängen eines christlichsozialen Wiener Witzblattes mit dem sicheren Blick des Kenners den gemeinsten und brutalsten Schmähartikel heraus und schützte ihn gegen die Konfiskationswut des Staatsanwaltes durch eine immunisierende Interpellation im Parlament, auf die er, außer seiner eigenen, die Unterschrift seiner Parteigenossen setzte. Herr Teufel ist ein Idealist: er ist der Ansicht, daß man sich für Forderungen, die man im Parteiprogramme aufstellt, auch durch Taten einsetzen muh. Es wird ihm daher niemand einen Vorwurf daraus machen dürfen, daß er es unterließ, seine Freunde erst ausdrücklich um ihre Einwilligung zur Fertigung seiner Interpellation zu befragen, noch dazu, wo es sich um eine so ungefährliche Sache, wie eine Iudenhetze, handelte. Aber das Pech will die Deutschradikalen gar nicht mehr verlassen. Diesmal erschien es in Gestalt des Abgeordneten K u r a n d a, der als einzelner furchtlos sich der Ueberzahl entgegenstellte und gemäß dem alten Wahrwort, daß die beste Parade der Hieb ist, die freche Herausforderung mit einem glänzenden Ausfall gegen die empfindlichste Stelle seiner Gegner erwiderte. Mit dem Sendschreiben, in dem Abgeordneter Kur an da die jüdischen Wähler über die wahre Gesinnung ihrer Abgeordneten aufklärte, hat er eine heillose Verwirrung in die Reihen der Interpellanten gebracht, und es ist höchst possierlich, die Zuckungen und Windungen zu sehen, mit denen die tapferen Recken sich nun aus der Klemme zu ziehen versuchen. Zuerst war es Herr Hein e, der die Kultusgemeinde Bodenbach de- und wehmütig um Verzeihung bat — was ihn nicht hinderte, eine Woche später seine arischen Wähler seiner unveränderten Iudenfeindschaft zu versichern, — ihm folgen, einander geradezu überpurzelnd, die Herren Lößl, Pacher, Michl, und wir dürfen wohl noch auf einige Wiederholungen des erhebenden Schauspiels rechnen. Das heiterste an der Sache aber ist, daß alle diese Helden keinen Augenblick zögern, ihren eigenen Parteigenossen, Herrn Teufel, im Stiche zu lassen und ihn offen oder versteckt des Mißbrauchs ihrer Unterschriften zu zeihen. Verlorene Liebesmüh'! Die Herren haben sich bedingungslos dem Teufel verschrieben und so geschieht es ihnen nur recht, wenn sie nun zittern müssen vor der Vertreibung aus dem Paradiese am Franzensring. Es hieße aber die Tat des Abgeordneten Kuranda unterschätzen, wollte man sagen, daß sie sich in der Aufdeckung der Jämmerlichkeit und Feigheit des deutschen Maulradikalismus erschöpft. Die Deutschradikalen, von der Sozialdemokratie in ihren sichersten Domänen hart bedrängt, haben mit der deutschen Fortschrittspartei einen für diese nicht gerade ehrenvollen Frieden geschlossen und sie haben, um sich auch die Stimmen der jüdischen Wähler zu sichern, den Radauantisemitismus aus ihrer Agitation ausgeschaltet. Die jüdische Bevölkerung, welche die Sache der Deutschen in den Sudetenländern stets als die ihrige betrachtet hatte, hat sich in bedauerlicher Leichtgläubigkeit durch dieses Wahlmanöver täuschen lassen. So mancher der auf der Interpellation Teufel gezeichneten Abgeordneten säße heute nicht im Parlament, wenn nicht jüdische Wähler für ihn gestimmt, ja agitiert hätten, und so manches radikale Parteiblatt wäre dem Untergänge geweiht, wenn es nicht durch jüdische Abnehmer und durch jüdische Inserate gehalten würde. An dieser Stellung der deutschböhmischen Iuden hat ihre vollkommene gesellschaftliche Isolierung, der gegen sie betriebene Boykott auf wirtschaftlichem Gebiete nichts zu ändern vermocht, und auch die völlige Preisgabe aller freiheitlichen Postulate seitens der Deutschradikalen und unter ihrer Führung seitens des ganzen Nationalverbandes, der Verrat an dem freiheitlichen Wien durch das Wahlbündnis mit den Christlich-Sozialen hat nur wenige zu der Einsicht geführt, daß für die Iudenschaft im Lager der deutschnationalen Parteien kein Platz mehr ist. Nun rüttelt Abgeordneter Kuranda mit starker Hand an dem Gewissen der jüdischen Wählerschaft und zeigt ihr an einem Beispiel von unanfechtbarer Deutlichkeit, daß der Judenhaß in der teutschen Mannesbrust der Herren K. H. Wolf und Konjorten unauslöschlich fortlodert und nur notdürftig durch Machtgier und Mandatskleberei niedergehalten wird. Mit erquickender Unerschrockenheit und Klarheit weist er den Weg, der zu gehen ist, und erklärt, „daß jeder jüdische Wähler sich eines Verrates an Glaube und Stamm schuldig macht", der solche Abgeordnete wählt, sie nicht vielmehr mit den schärfsten Mitteln bekämpft. Wir wollen hoffen, daß die jüdische Bevölkerung der Sudetenländer Kuranda, dem Sohne, im Kampfe für Freiheit und Ehre der Juden Oesterreichs ebenso treue Gefolgschaft leisten wird, wie sie einst K u r an d a, dem Bäte r, in den Kampf für Freiheit und Ehre der Deutschen Oesterreichs gefolgt ist. vom Aabrmarkt des Lebens. Nach dem Prozeß. Während auf der einen Seite die russischen Verbünöler nicht ermüden, den Ausgang des. B e y l i ß- Prozesses zur Verhetzung der Bevölkerung auszubeuten, fehlt es andererseits nicht an Beweisen, daß die russische Intelligenz in der" Befreiung des Beyliß ein glückliches Ereignis für das russische Volk erblickt. Dies kommt auf verschiedenste Weise zum Ausdruck. To erhielt z. B. Beyliß von dem bekannten russischen Komponisten Schargorodski ein Lied, das den Namen Beyliß trägt und von dem Tondichter dem Helden des Kiewer Prozesses gewidmet ist. Der akademische Maler Svetoslavsky malt jetzt das Porträt des Beyliß und hat die Absicht, das Bild dem Moskauer Museum zu widmen, und es mit einer Legende zu versehen, welche noch den spätesten Geschlechtern den Fall Beyliß in Erinnerung bringen soll. Gründung einer jüdischen Ewigrantenbauk in Rntzland. Die Petersburger Gesellschaft zur Regulierung der jüdischen Emigration hat in ihrer letzten Sitzung die von der Jto in Rußland angeregte Gründung einer Bank beziehungsweise eines Finanzorganes zur Wahrung der finanziellen Interessen der jüdischen Emigranten einer eingehenden Beratung unterzogen. Die Konferenz faßte den Beschluß im Jänner 1914 eine Versammlung aller Interessenten einer solchen Vankgrünöung, zu einer Grttnöungsversammlung nach Petersburg einzuberufen, in welcher bereits die enögiltigen Statuten vorgelegt und angenommen werden sollen. Es sei hier festgestellt, daß die Schaffung dieses Institutes das ausschließlich die Interessen der jüdischen Emigranten aus den östlichen Ländern zu vertreten haben wird, nur dank der unermüdlichen jahrelangen selbstlosen Agitation des bekannten Territorialisten Davidowitsch seine Entstehung zu danken haben wird. Der überzeugenden Agitation Daviöowitsch gelang es auch, angesehene jüdische Finanzkreise in London sowie die Leiter großer Bankfirmen in Rußland für das Projekt zu gewinnen, das berufen sein wird die jüdischen Emigranten und ihre Familien vor den Ausbeutungen durch Winkelbankiers zu schützen.

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