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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 900 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 Beginn der Gerstenernte, also im März, hatte man die Hingerichteten ausgesetzt: zu Beginn der Regenzeit, also im Oktober, sahen die Leute im Tal noch immer die geisterhafte Gestalt auf der Bergkuppe wandeln, bis endlich auf einen Wink des Königs die bleichen Gebeine gesammelt und bestattet werden durften. In der Tat, ein Beispiel heroischer Mutterliebe, das dem Frauenideal des Alten Testaments zur höchsten Ehre gereicht." So weit die plastische Darlegung Wilkes, in der die fülle Heldengröhe der israelitischen Mutter angesichts der Majestät des Todes wirkungsvoll zur Geltung kommt und durch die wir an das spätere ähnliche Verhalten Berurias, der Gattin R. Metts. beim plötzlichen Verscheiden ihrer zwei Knaben lebhaft erinnert werden. sWir stimmen freilich mit Wilke in einem Puntte nicht überein. Denn die Ursache, weshalb die Israeliten auf die Bestattung der Leichen so sorgsam achteten, ist nicht aus einer abergläubischen Furcht herzuletten, sondern aus der im Altertum allerdings einzig dastehenden religiösen Humanität, die selbst noch im leblosen Körper eines Menschen den Träger des göttlichen Ebenbildes ehrte und sogar den von Gerichts wegen gelöteten Verbrecher vor Anbruch der Nacht zu beerdigen befahl, damit nicht das Ebenbild Gottes durch die Geringschätzung eines menschlichen Körpers Einbuhe erleide. (Deuteron. 49, 22—23.)! Doch nicht bloß angesichts des Todes bewährte sich die israelitische Mutter. Ihre ganze Aufmerksamkeit war aus die religiöse Erziehung der Kinder, und ganz besonders auf die sittliche Obhut der Tochter, die sie wieM ihren Augapfel behütete, gerichtet. Eine Warnungstafel, M damit sie ihre Wachsamkeit für keinen Augenblick verringere. war der israelitischen Mutter in der Geschichte Dina's (Genes. 34) gegeben. Denn diese verhängnisvolle Begebenheit, welche von der Heiligen Schrift nicht ohne Absicht auch nach dieser Richtung hin verewigt wurde, ist. wie es die Tradition bestätigt, der Patriarchenfrau zum Vorwurf gemacht worden. Nicht als ob Lea ihre Hand dazu geboten hatte, dies würde selbst heute nicht einmal eine jüdische Mutier in Rußland tun, wie es eben Birt behauptet, aber wegen ihrer Fahrlässigkett, weil sie die Tochter in der fremden, von heidnischer Unzucht erfüllten Stadt nicht um so strenger vor allfälligen Nachstellungen der Bewohner Sichems behütet hat. Man glaubte später im biblischen Berichte selbst den Tadel gegen die Mutter erblicken zu sollen, weil die textliche Einleitung des Berichtes auch ihres Namens Erwähnung tut: Und Dina, die Tochter der Lea, ging hinaus, um die Mädchen des Landes kennen zu lernen (Genes, rab. z. S1-). Weilt der Spruchdichter beim Lobe des wackeren Weibes, so kann er nicht umhin, ihr auch für ihre wohlgelungene Erziehungsarbeit das Absolutorium zu erteilen: ..Es treten auf ihre Kinder und bekunden ihre Glückseligkeit." (Prov. 31, 26.) Anderseits zollt ihr derselbe Dichter wiederholt sein tiefstes Beileid, wenn ihr das Mißgeschick ein ungeratenes Kind zuaeteilt, an dem alle ihre Erziehung zuschanden wird: „Ein törichtes Kind ist der Gram der Mutter" (Prov. 10. 1 und so öfters). Salomo gilt als Verfasser der Proverbien, und in seiner Weisheit hat er es längst erkannt, daß das stete Mitleiden mit dem Kinde das Kriterium der wahren israelitischen Mutter ist. Den Propheten war sicherlich eine israelitische Frau, die ihre Mutterpflichten gröblich verletzt hätte, nicht bekannt: sonst hätte Jesaja nicht so apodiktisch ausgerufen: ^,Kann ein Weib ihres Kindes vergessen!" (Jet. 49, 15), und hätte auch nicht die nie versagende Fürsorge Gottes für sein Volk mit der Fürsorge der Mutter für das Kind (Jes. 66, 13) verglichen. (Fortsetzung folgt.) gitcittta*. Die Propheten Ainos und Hosen, von Dr. Ignaz Ziegler, Karlsbad. In den Volkssclirii'ten über die jüdische Religion. Frankfurt a. M., J. Kauffmann, 1913. Es ist keine leichte Aufgabe, die Persönlichkeiten und das Wirken unserer Propheten in scharf umrissenen Bildern zu zeichnen, auf die Eigenart jedes Einzelnen genau einzugehen und dabei doch nicht den Ton populärer Darstellung zu verlassen, der es unseren gebildeten Laien ermöglichen soll, von allgemeinen nebelhaften Vorstellungen über unsere Propheten zu einem klaren Wissen zu gelangen und den Faden der Entwicklung auf religionsgeschichtlichem Gebiete zu sehen. Ziegler ist dieser Aufgabe voll gerecht geworden. Das vorliegende Heft zeichnet sich in woltuendem Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger, durch eine schlichte, leicht verständliche Ausdrucksweise aus, deren konkrete lebendige Art das Interesse des Lesenden fesselt, deren Wärme, die sich an besonders schönen Stellen der Propheten zu poetischem Schwung steigert, gefangen nimmt. Doch nicht nur dem Laien, auch dem Kenner bietet Ziegler, mannigfache-Anregung. Klar heben sich die beiden Gestalten von einander ab, der gewaltige rauhe Arnos, der die Verirrungen des Volkslebens, die Mißstände seiner Zeit geißelt und den Gott des Hechts, den Hort der Gerechtigkeit, verkündet, und der weichere Hosea, der Prophet mit dem zarten, beinahe weiblichen Naturell, auf dessen Drohungen schnell die Verheißungen folgen, als fürchtete er, allzu weh zu tun. Scharf formuliert Ziegler den Gegensatz zwischen dem sittlichen und dem religiösen Eifer der beiden Männer, — wie ich glaube, zu scharf, besonders, wenn er Hosea fast ganz die ethische Bedeutung abspricht.' Da hat die Antithese wohl etwas zu weit gelockt. Denn weder fehlen bei Ainos die Seitenhiebe gegen fremde Kulte, so gegen Bethel, Gilgal |und Beerseba in 5 5 und gegen die babylonischen Götter Sakkuth und Ivevan in 5 27, noch lassen sich die zwar spärlicheren sittlichen Rügen Hoseas ausschalten. Denn abgesehen von 4 2 („sie fluchen und lügen, morden und stehlen, buhlen und rauben und häufen Blutschuld auf Blutschuld“) ist besonders 68 sehr deutlich: Gilead ist eine .Stadt der Uebeltäter, voll Spuren von Blut. Man kann hier nicht, wie Ziegler S. 50 will, Poale awen, die Uebeltäter als Menschen fassen, die das Vertrauen auf Gott verloren haben, treulos gegen ihn sind. Die Uebeltäter haben vielmehr sittlich gefehlt und darin besteht ihr Abfall (V. J.) Die Gotteserkenntnis soll sich eben auch nach Hosea in der Erfüllung der sittlichen Gebote bewähren: Es wird wohl dabei bleiben müssen, daß Arnos weit stärker die sittliche. Hosea stärker die kultische Note betont, aber gleichgültig ist die andere Seite keinem der beiden. Wieso jeder der beiden Propheten gerade die für ihn charakteristische Richtung einschlug, wie Herkunft. Milieu und Zeitverhältnisse maßgebend auf ihre Entwicklung einwirkten, hat Ziegler sehr schön und anschaulich ausgeführt. Scharfsinnig und neu ist die Erklärung zu Hosea 5 „die Fürsten Judas sind Grenzverrückern gleich geworden“, der Vers ist bildlich zu verstehen und bezieht sich auf Einführung fremder Kulte, JHVH wird um das ihm gebührende Gebiet verkürzt. Mit der Erklärung zu 2,21 in Hosea (Ziegler 8. 47) stimmt die Erklärung Guessmanns (Die älteste Prophetie und Geschichtsschreibung Israels, 8. 365) überein. Für riH'i ’st rjnn zu lesen. — Das Heft, wie überhaupt das Unternehmen der Volksschriften, sei jedem, der Interesse für unsere Bibel und die Quellen unseres Judentums hat, aufs wärmste empohlen. Ludwig Levy, Brünn. Isaak Meyer, Zur Geschichte der Juden in Regensburg. Gedenkschrift zum Jahrestage der Einweihung der neuen Synagoge. Nach handschriftlichen und gedruckten Quellen bearbeitet. Mit 24 Illustrationen. 138 Seiten Ottav. Berlin. Verlag von Louis Lamm, 1913.*) Heber die uralte ir wöem b'jihröel, die im ganzen Mittelalter berühmte und ehrwürdige Muster- und Muttergemeinde in Israel zu Regensburg sind wir erfreulicherweise vielseitig unterrichtet. Bei Aretin, Stobbe, Erätz, Kohut, bei den von Meyer nicht angeführten Werken Aronius, Wiener, Güdemann und den Lokalhistorikern Gemeiner, Pölestin. Eumpolzheimer u. a. m. wird als ihrer einer der frühesten deutschen Iudensiedlungen (urk. Ende *) In den großen Archiven, z. B. in Wien und München, wird noch so manches höchst Werwolle zur alten Geschichte der Juden in Regensburg zu finden sein. Wir verweisen nur aus die nicht unbeträchtlichen Funde, die wir nur so nebenbei mit Bezug auf Regensburg in den genannten Archiven gemacht und in dem Werke „Geschichte der Juden .in Salzburg" (Berlin 1913) bewerteten. Von Meyer wird hiervon nur der Judensiegel-Abdruck aus dem Jahre 1297 erwähnt.

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