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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 899 Festtage in Moisesville zuzubringen. In der Nacht vom 10. zum 11. Oktober (also der Kolnidre-Nacht) wurde er im Schlafe vom Tode überrascht. Die tiefergriffenen Kolonisten und sonstigen Bewohner der Kolonie veranstalteten zu Ehren des Heimgegangenen eine ergreifende Trauerkundgebung. An seiner Bahre sprachen Herr M. M e l l i b o v s k y, der dortige Vertreter der Jca für diese Association, Herr M. M o c i d v i ch namens der Gesamtvertretung der Kolonie „La Mutua Agricola", Herr M. R i n s k y für die Lehrer der verschiedenen dortigen Schulen und schließlich Herr M. Fleischer im Aufträge der Vereinigung „Dorsche Zion". Der Sarg wurde unter Begleitung sämtlicher Einwohner zur Bahn gebracht, um nach Berlin befördert zu werden. Am 23. November wurde er zur Ruhe gebettet auf dem Friedhof der Adaß Jsroel-Gemeinde zu Weißensee. Die Leichenfeier war wie die eines Großen in Israel. Die Nekrologe erwähnen auch seine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit. Sin reiches jüdisches Wissen stellte er in Berlin in den Dienst der Hrstadrulh, zu deren Begründern er gehörte. Trotzdem er nur ein Alter von 31 Jahren erreichte, war sein Name in der philosophischen Welt nicht unbekannt. Von 1906 bis zu seinem Tove veröffentlichte er in der „Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik" eine ganze Anzahl scharfsinniger Rezensionen und gediegener Abhandlungen. Hieher gehören: „Zur Kritik des Relativismus in der Erkenntnistheorie", sodann „Voluntaristische Versuche in der Religionspsychologie", ferner „Grundlinien zu einer Phänomenologie der Myst k" und schließlich „Hegels Einfluß auf die Religionephilosophie in Deutschland". Ern Manusk rpt über P ychologie der Kabbala ist in Argentinien vorhanden und soll demnächst von Freunden viöffentlicht werden. zfeuMeton. Zur Moralität der Jüdin. Von Dr. R. Faerber in Mähr.-Ostrau. In seiner Rede gelegentlich des in London am 1. Jul: cr. stattgehabten Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels (abgedruckt in der „Oesterreichischsn Wochenschrift" vom 18. Juli 1. 3., XXX. Nr. 29, S. 524) ermähnte Chief-Rabbi, Dr. Hertz, der wackeren Tat des Professors Miliukow, der als Führer der russischen Liberalen einige Wochen vorher in der Duma die zarische Regierung als Attentäterin auf die Sittlichkeit^ der jüdischen Mädchen brandmarkte. Der Schild deri Wissenschaft pflegt sonst von den Machthabern respektiert und vor Verunreinigung geschützt zu werden. Nicht so im Reiche der Kosaken. Die Feder sträubt sich, die bezüglichen Vorgänge in den russischen Universitätsstädten, die ja auch der Wissenschaft geweiht sein sollen, zu schildern, denn sie sind tatsächlich honibile äi. in. Was jedoch den nichtjüdischen Kongreßmitgliedern gesagt werden mußte, ist für uns, denen das sodomitische Rußland, das Land der Pogrome, bekannt ist und die wir anderseits die beispiellose Sittenreinheit unserer jüdischen Töchter zur Genüge kennen, gar nichts Neues. Indessen ist das Panier der Wissenschaft nicht nur in Rußland besudelt. Auch in Deutschland wird da zuweilen gesündigt. So zum Beispiel, wenn der Marburger Universitätsprofessor Th. Birt in seinem Buche „Kulturgeschichte Roms" (S. 67) die Behauptung aufstellt. daß die jüdischen Eltern in Rußland meistens selbst ihre Töchter dem Mädchenhandel zuführen. Ob dieses generalisierenden Urteils, das einer bösen Anklage gegen die Verderbtheit der jüdischen Eltern und Töchter gleichkommt. empört sich geradezu das Empfinden eines jeden Juden, da er hierüber eine ganz andere Meinung hat. Wie in diesem Punkte das Gewissen der jüdischen Eltern und Töchter wirklich beschaffen ist. kann nicht nur die vergleichende Sittengeschichte der Völker erweisen. Ueber die tiefe Abneigung der Jüdin gegen alles sittlich Anstößige liegen zuverläßliche Zeugnisse jungen wie alten Datums vor. Zeugnisse, die nicht hinweggeleugnet werden können. Ein allgemein zugestandenes Wort M. I. Schleidens (cf. die Bedeutung d. Juden f. d. Erhaltung u. Wiederbelebung der Wissenschaften. 4. Aufl. 1879, S- 5), eines Christen, der offenbar etwas besser orientiert war als Herr Birt, lautet: „Ganz Europa hat fein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Roheit, des geistigen und sittlichen Verfalls, wie sie traurige.- nicht gedacht werden kann, nur die Juden machen davon eine Ausnahme." Wir dürfen hinzufügen: Alle in den Strom der Vergessenheit hinabgesunkenen Völker sind hauptsächlich von dem Roste ihrer niedrigen Laszivität aufgezehrt worden, während den Juden die Reinheit ihrer Sitten den Bestand gesichert hat. Kein Volk hat sich so rein erhalten wie die Juden, weil ke'n Volk so sittenreine Frauen hatte, wie die Juden. Wie anziehend und imponierend ist schon das biblische Bild der israelitischen Mutter als Erzieherin und Behüterin ihrer Kinder. Wir können uns nicht versagen» hier eine Stelle aus der Schrift: „Das Frauenidca! im Alten Testament" von Lic. Fritz Wille (Leipz. 1607. S. .37 ff.) wortgetreu anzufiihren: „Aehnlich wie die Gattentreue an dem Beispiel Ruths, veranschau licht uns das Alte Testament diese Grundauffassung von der Mutterliebe, insbesondere aber wiederum an einer lebensvollen, kleinen Geschichte, die einen der schönsten Beiträge zum alttestamentlichen Frauenideal enthält: wir meinen die wenig bekannte Erzählung von der treuen Rizpa am Schluffe des zweiten Samuelisbuches. (2. Sam. 21, 1—14.) Gibt es schon für unser heutiges Empfinden kaum einen ergreifenderen Anblick, als eine Mutter, die das frische Grab ihres zu den Toten entbotenen Lieblings schmückt, so war diese Empfindung noch viel tiefer im alten Israel, wo diejenigen, die zusammen gelebt, auch im Grabe bei einander ruhen wollten, und wo man glaubte, daß der Geist der Verstorbenen unstet und flüchtig umhecirren müsse, so lange der Leib nicht ehrenvoll in der Familiengruft beigesetzt sei. Nichts Grauenvolleres kennt daher der Semit, als wenn die Totengebeine unbestattet auf dem Felde liegen bleiben als Speise für Hyänen und Geier. Das ist die ^Folie, auf der sich die Tat Rizpaabhebt. Einst war sie leine Königsfrau gewesen, eine Gattin des tapferen Saul. Jetzt wurde sie durch die Blutrache ihrer beiden blühen den Söhne beraubt. Bei einer dreijährigen Mißernte und Hungersnot hatte das Orakel nämlich daran erinnert, daß auf dem Hause Sauls wegen eines an der Stadt Gibeon begangenen Frevels noch eine ungesühnte Blutschuld laste. Um die zürnende Gottheit zu besänftigen, wurden deshalb sieben Nachkommen Sauls den Bewohnern Gibeons ausgeliefert, die ffe auf einem kahlen Hügel erschlugen und ihre Leichname den Tieren des Feldes zum Fräße bestimmten. Unter ihnen waren die beiden Söhne der Rizpa. Da hüllte sich die unglückliche Mutter in ihr Trauergewand und st^eg auf den Berg, um bei ihren erschlagenen Kindern dieTotenwacht zu halten. Von dem Trauerkleid bereitet sie ffch auf dem Felsen ein Lager, und ob auch die Geier am Tage sie umkreisen und die gierigen Hyänen des Nachts, mutig tritt ihnen Rizva entgegen: wohl fühlt sie. daß die Hitze und der Frost ihren Körper zerrütten, wohl weiß sie, daß die Rache der Gibeoniten und die Strafe des Königs sie bedroht, aber Rizpa hält stand. Der Todesmut einer Antigone paart sich hier mit der sich selbst verzehrenden Ausdauer des treuen Mutterherzens. So verging Woche um Woche und Monat um Monat: zu

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