Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 896 Dy. Bkochs Wochenschrift. Nr. 49 scheu Bevölkerung von Saloniki grobe Erregung hervor, da sehr viele jüdische Geschäftsreisende und Geschäftsinhaber in den bedrohten Gegenden sich geschäftlich unterwegs befinden. Aufklärung eines angeblichen Nitualmordes. Aus Warschau wird uns geschrieben: Vor einigen Jahren verschwand in Czenstochau einige Tage vor dem Pessachfeste plötzlich das dreijährige Lhristenmädchen Andruscha Konska. Die Eltern des Kindes alarmierten damals die Stadt und schrieen, die Juden hätten das Kind geraubt, um ihm das Blut zum Pessachfeste abzuzapfen. Infolge dieser Hetze herrschte in der christlichen Bevölkerung der Stadt große Erregung, und es wäre damals schier zu einem Pogrom gekommen, wenn die Polizei nicht energisch interveniert hätte. Das Kind blieb jedoch verschollen und die jüdische Bevölkerung lebte unausgesetzt in Schrecken, da die Christen jede beliebige Gelegenheit ergriffen, um den Juden mit der „Abrechnung" wegen der Andruscha zu drohen. So vergingen sechs Jahre. Vor einigen Wochen wurde nun das Kind Wiedergefunden und ihren Ellern zurückgestellt. Die Untersuchung ergab, daß das Kind von wandernden Bettlern geraubt und zum Betteln herangezogen wurde. Ein Protest der tripolitanischen Juden. Die Vertreter der jüdischen Gemeinde von Tripolis sandten dieser Tage an den Präsidenten des italienischen Gemeindebundes einen Protest gegen die ungerechte Zurücksetzung der Juden durch die italienischen Behörden in Tripolis. Besonders hat sich diese ungleichmäßige Behandlung der Juden gegenüber den anderen Konfessionen anläßlich der Festlichkeit gezeigt, welche am Geburtstage des Königs Emanuel vom Gouverneur in Tripolis veranstaltet wurde. Zu dieser festlichen Revue wurden die Vertreter sowohl der mohammedanischen, als auch der christlichen Konfessionen geladen, während der von der italienischen Regierung eingesetzte Großrabbiner und die übrigen Repräsentanten der tripolitanischen Juden übergangen wurden. Dagegen müsse schon deshalb Protest erhoben werden, weil die übrige Bevölkerung von Tripolis aus dieser Zurücksetzung durch die Regierung Schlüsse zu ziehen geneigt ist, welche für die Lage der Juden in Tripolis bedenkliche Folgen haben könnten. Der türkisch-griechische Friede und die Juden. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Anläßlich des Abschlusses der türkisch-griechischen Friedensverhandlungen stattete der Großrabbiner Jakob Meir dem Präfekten und dem Direktor des Departements für Kultusangelegenheilen in Mazedonien je einen Besuch ab, um ihnen die Glückwünsche der jüdischen Bevölkerung zu verdolmetschen. Der Großrabbiner sprach die Hoffnung aus, daß die Regierung nunmehr auch dafür Sorge tragen werde, daß der Friede im Innern unter den einzelnen Völkerklassen einkehre und daß insbesondere die Juden endlich in Ruhe und Frieden ihren Beschäftigungen nachgehen könnten. Der Großrabbiner erhielt die Versicherung, daß seine Wünsche Berücksichtigung finden werden. Bukarest. Die Kulturliga veranstaltete hier und in allen größeren Städten des Landes Massenversammlungen, in welchen flammende Reden gegen die Gewährung von Rechten an Juden gehalten und die Entfernung der Juden aus der Armee vorgeschlägen wurde. Es wurden heftige Angriffe auf die Führer der rumänischen Juden Stern, Beck und Niemirower, auf die Union der einheimischen Juden, besonders auf den Orden Benei Brith gemacht. In Bukarest wurde die Ausweisung der Rabbiner Beck und Niemirower wie des Journalisten Labin verlangt. Diese Forderung wird nicht ernst genommen, dagegen ist diese Agitation der Intellektuellen, Professoren und Studenten besorgniserregend. Eine halbe Million Kr das Note Kreuz. Jakob H. Schiff, der berühmte Philanthrop und Finanzier, hat, wie uns aus Newyork geschrieben wird, dieser Tage der amerikanischen Roten Kreuzgesellschaft eine Spende von einer halben Million Kronen überwiesen. Laut Verfügung des hochherzigen Spenders soll diese Summe zur medizinischen Hilfsarbeit verwendet werden, welche das Rote Kreuz in den Städten und Dörfers Amerikas besorge. Ein Studentenstreik wegen der hebräischen Sprache. Aus Newyork wird berichtet: Die Studenten des theologischen Seminars der holländischen Reformkirche in RerwBrunswick haben dieser Tage beschlossen, in den Streik zu treten, weil-ihrer Forderung, die hebräische Sprache als obligaten Gegenstand vom Lehrplane zu streichen, nicht Folge gegeben wurde. In ihrem Memorandum an das Reftorat erklären die Theologen, daß die hebräische Sprache für sie zu schwer sei und mehr Zeit in Anspruch nehme, als alle übrigen Lehrgegenstände. Das Rektorat des Seminars erklärte demgegenüber, daß die Kenntnis der hebräischen Sprache für jeden Theologen, welcher Konfession immer er auch sei, unerläßlich ist. Ein christlicher Theologe sei gar nicht in der Lage, seine eigene Religion richtig zu erfassen, wenn er nicht fähig ist, das hebräische Schrifttum, welches die Grundlage für die christliche Religion bildet, richtig zu erfassen. Die Unkenntnis der hebräischen Sprache hat schon viele christliche Theologen schwere Ungerechtigkeiten gegen hie jüdische Religion begehen lassen. Aus diesem Grunde beharrt das Rektorat der genannten Anstalt auf der Beibehaltung des Unterrichtes der hebräischen Sprache und ihrer Literatur. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra Kadischa in Wien I, Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm Anger: Dr. Arnold Reiser 20, Kommerzialrat Emil Polare? 20, Familie Anger 10, Salzmann 10, Eoldblatt 10, Königstein 10, Bamberger 5, zusammen 85 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sei. Dr. Adolf Abr. Schmied!: -Jakob und Marie Kann 20, Albert und Regine Winterberg 10, Dr. Karl Treu und Frau 50, Dr. Silberstein, Präses der isr. Kultusgemeinde Teschen, 100, Jacques Schwarz 20, zusammen 200 Kronen. Anläßlich des Ablebens des >sel. I. H. Thal: Karl L. Thal 50, Adolf Mandl jun. 20, Regine Fleischmann 10, Ferdinand Geiringer 10, zusammen 90 Kronen. - Anläßlich des Ablebens der sei. Agnes Hönigsfeld: Josefine Scheffel 5 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Mar Ritter von Gomperz: Dr. Stiedry 30, Joachim Weiß 20, zusammen 50 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Selsnger: Arnold Schlesinger 10, Glauber, Munk und Selinger 15, Friedrich Glauber 10, zusammen 35 Kronen. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny Löwy: Mizi und Otto Kelner 20, Sam. Meisel 10, zusammen 30 Kronen. Kranzablösungsspende für den Verein „Kurfürsorge" zur Unterstützung armer Kurbedürftiger. Anläßlich des Ablebens weil. Mar Schmidt: Familie S. Kommen Kr. 10.—. Gedächtnisfeier für weil. Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl. Dienstag den 9. Dezember 1913, um 6 Uhr abends, findet im Leopoldstädter Tempel, EL, Tempelgaffe 3, eine vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltete Gedächtnisfeier für den verewigten Rabbiner dieses Bethauses Dr. Adolf Schmiedl s. A. statt. Die Trauerrede hält Herr RabbinerjDr. Max^Grunwald.