Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 897 Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 11. Dezember 1913, V28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I. Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Professor Dr. Adolf Brach aus Brüx statt. Thema: „Ein jüdischer Enzyklopädist aus dem 18. Jahrhundert". — Eintritt frei ohne Karten. Ein Bortrag über den Prozeß Beilis. Sonntag, den 7. Dezember 1913, um 3 Uhr nachmittags, finden im Cafe Prückl. I., Stubenring 24, Vorträge in deutscher, jüdischer und russischer Sprache über den Ritualmordprozeß Beilis statt. Referenten (alphabetisch geordnet): Borochoff, L i t w a ck, Dr. Rainer, Trotzki u. a. Eintritt 60 Heller. Bortrag von Fra« Stephanie Forchheimer-Fialla. Ueber Einladung der „Zentralstelle für das jüdische Armenwesen in Wien" wird Frau Stefanie Forchheime r-F i a l l a aus Frankfurt a. M. Mittwoch den 10. Dezember a. 0., 7 Uhr abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines einen Vortrag über: „Jüdische soziale Frauenarbeit" Hallen. Für diesen Vortrag, zu welchen auch die bekannte Vertretlrm deutscher jüdischer Frauen, Fräulein Berta Pappen heim in Frankfurt a. Main, nach Wien kommt, gibt sich ein lebhaftes Interesse seitens der Wiener jüdischen Wohlfahrtsvereine kund. Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates November 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 351 Emigranten, davon 293 russische und 58 rumänische, weiterbefördert u. zw. 223 nach den Bereinigten Staaten, 33 nach Argentinien, 49 nach Canada, 4 nach England, 32 nach Frankreich und 10 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 18 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate November für 35 Personen zusammen 88 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 116 Personen zusammen 385 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Wien. Herr Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t wird im Fünfhauser Gemeindetempel (XV., Turnergasse 22) am Freitag, den 5. Dezember a. c. beim Abendgottesdienste eine Gastpredigt halten. •'* Wien. (Tempel- und Schulverein, VI. Bez., Stumpergasse 42.) Herr Rabbiner Flesch hält allwöchentlich folgende Vorträge: Samstag vor Mincha: Midrasch; Sonntag vor Mincha: Psalmen; Die übrigen Tage: Raschi-Schiur. Wien-Währing. Aus Anlaß des 65. Regierungsjubiläums des Kaisers fand am 2. d. M. im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XVIII., Schopenhauerstraße 39, die vom Währinger Frauenverein veranstaltete Beteilung von 45 armen Schulkindern mit vollständiger Winterkleidung statt. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst und einer Rede des Rabbiners Dr. F e u ch t w a n g. Anwesend waren die Bethausvorstände, der Vorstand der Chewra-Kadischa und des Frauen-Bereines sowie viele Notabilitäten des Bezirkes Währing-Döbling. Kindernachmittag in der Toynbeehalle. Einen herzerfreuenden Anblick bot die Toynbeehalle am letzten Sonntag nachmittag, an welchem in dieser Saison zum erstenmale weit mehr als 300 arme Brigittenauer Schulkinder zu Gaste weilten. Allbekannt ist die Mühe und Hingebung, die echte Menschenliebe, welche der Veranstalter der Kinderfeste. Obmann-Stellvertreter der Toynbeehalle und der Kinderhorte. Herr Karl Freund, und dessen edelsinnige Gattin Marie den Aermsten der Armen widmen. Und so gestaltete sich dieser Kindernachmittag zu einem fröhlichen Feste, dessen Eindrücke sich unverlöschbar in die Herzen aller Teilnehmer einprägen müssen. Nebst dem Präsidenten des Vereines ..Eintracht B'nai B^rith". kaif. Rat Dr. Arnold Ascher, und dem Religionsschulinspektor Professor Moritz Canitz hatte sich, von den Veranstaltern herzlichst begrüßt, eine Anzahl von Freunden der Institution mit ihren Damen eingefunden und erfreute sich mit den Kindern an den trefflichen Darbietungen der Schützlinge. Rezitationen und Gesänge, die Aufführung eines Theaterstückes für kleine Leute, ein geschmackvoll arrangierter Reigen machten sowohl den kleinen Künstlern, sowie der Verwalterin der Toynbeehalle, Frau Klein und deren Tochter Margit, die das Einstudieren besorgten, alle Ehre und lösten stürmischen Beifall aus. Mit größter Aufmerksamkeit folgte das Auditorium den Ausführungen des Herrn Inspektor Prof. Kanitz, der des 65jäh eigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers gedachte, und voll edler Begeisterung stimmten die Anwesenden die Volkshymne an. Kaiserlicher Rat Dr. Ascher würdigte in herzlichen Worten die liebevolle Betätigung des Ehepaares Freund und ermahnte die Kleinen, stets dankbar sich jenen zu erweisen, die bemüht sind, ihnen Freude zu bereiten. Einer reichlichen Jause folgte nun die Beschenkung der kleinen Gäste. Jedes Kind erhielt nebst einem Paket voll Süßigkeiten ein Spielzeug oder Schreibrequifiten, die Aermsten von ihnen wurden teils noch, am Sonntag, teils am folgenden Mittwoch mit Kleidern und warmen Wäschestücken beteilt. An 200 sind es. die auf solche Weise vor den' Unbilden der Witterung Schutz erlangen. Anerkennenswert ist der Eifer der jungen Helferinnen, der Fräuleins K a tz, K 0 h n und Teichtner. die dem Ehepaare Freund rührig zur Seite standen und die Bereitwilligkeit. mit der Herr Rudolf K 0 h n kostenfrei das Pianino beigestellt hat. Wer sehen will, wie liebevolle Fürsorge erzieherisch und veredelnd wirkt, der komme nach einer Wanderung durch die Straßen der Brigittenau, in welchen Hunderte und Hunderte von Kindern sich aufsichtslos in schrecklichem Zustande herumtreiben, zu einem Kindernachmittage in die Toynbeehalle. Audienz der Preßburger Jsraelitengemeinde beim Kaiser. Wien. Am 27. November, vormittag, erschien eine Deputation der Preßburger orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Audienz in Schönbrunn beim Kaiser, um ihre Huldigung darzubringen. Die Deputation bestand aus dem Oberrabbiner Akiba Schreiber, dem Präses Lazar Gestettner und dem Vizepräses David Kraus. Da allgemeine Audienzen nicht erteilt werden, war es eine besondere Auszeichnung, daß der Kaiser die Deputation empfing. Zunächst bat Oberrabbiner Schreiber, den üblichen Segen in hebräischer Sprache erteilen zu dürfen, wozu der Kaiser seine Erlaubnis erteilte. Sodann hielt der Oberrabbiner eine Ansprache, in welcher er die Anhänglichkeit und angestammte Loyalität der Preßburger Gemeinde zum Ausdruck brachte, wofür der Kaiser huldvollst und gnädigst dankte. Hierauf zeichnete der Kaiser die Mitglieder durch eine Ansprache aus. Unter anderem erkundigte fich der Monarch über die Brandkatastrophe, die am 17. Mai d. I. in Preßburg gewütet hat, und erkundigte fich teinahmsvoll über die Dimensionen des angerichteten Schadens und des dadurch verursachten Elends. Herr Lazar Gestettner benützte diese Gelegenheit, um dem Kaiser für die mun'fizente Spende, die der Kaiser den Opfern der Katastrophe zugewendet hatte, den Dank auszusprechen. Der Monarch verabschiedete zum Schluffe die Deputation gnädigst und in huldvollster Weise.