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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 894 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 Edler v. Horvw tz vor Sr. Majestät dem Kaiser. Mit Erlaß vom 25. Oktober 1913 wurde der Präsident der hiesigen Handels- und Gewerbekammer Samuel Edler von Horowitz durch Verleihung des Komturkreuzes des Franz Joseph-Ordens mit dem Stern ausgezeichnet. Diese an sich, seltene Auszeichnung gewinnt noch an Bedeutung, da sie unter den jetzigen, für uns Juden wenig günstigen Zeitläuften an einen Mann verliehen wurde, der als hervorragender jüdischer Patriot bekannt ist. Am 27. November 1913 wurde nun Herr von H o r o w i tz von Sr. Majestät in Schönbrunn in Audienz empfangen, um seinen Dank abzustatten. Auch die Zulassung zu dieser Audiem bedeutet einen besonderen Vorzug, der bei dem hohen Alter Sr. Majestät des Kaisers nur wenigen Auserwählten gewährt wiro. Wie wir erfahren, hat Se. Majestät Herrn von H o r o - witz sehr huldvoll empfangen und dessen stets beobachtete korrekte politische Haltung anerkennend hervorgehoben. Se. Majestät erkundigte sich dann eingehend in sympathischer Weise nach den ökonomischen und politischen Verhältnissen in Galizien, berührte dann bedauernd die Frage der Wahlreform, die gegenwärtig in Galizien auf der Tagesordnung steht und so viele Schwierigkeiten bietet, und äußerte sich schließlich belobend über die loyale Haltung der Juden in allen Fragen, die den Staat und die Dynastie betreffen.. Daß Herr von Horowitz im Laufe des Gespräches es nicht an schlagfertigen und treffenden Antworten und Bemerkungen fehlen ließ, ist selbstverständlich. Wer das Taktgefühl und die geistreiche Gewandtheit dieses hervorragenden Mannes kennt, der weiß, daß derselbe in jeder Lage des Lebens seine Stelle auszufüllen versteht. Wir freuen uns, daß. es einem Manne von dem Range des Herrn Samuel von Horowitz gegeben war, vor dem Throne Worte dankbarer jüdischer Ergebenheit, aber auch Worte jüdischen Selbstbewußtseins und jüdischer Hoffnungen zu äußern. Km-erspitai der israel. Kullusgemeinde Wien. Das zur Beurteilung der eingelangten Projekte für das neu zu errichtende Kinderspital beim k. k. Augarten eingesetzte Preisgericht hat einhellig den 1. Preis per 4090 Kronen dem Architekten Friedrich Mahler, Wien, IV. Mühlgasse 30, für das Projekt „Augarten" zuerkannt. An Stelle der in der Ausschreibung vorgesehenen 2. und 3. Preise per 3090 Kronen, bezw. 2000 Kronen, wurde einhellig je ein 2. Preis im Betrage von je 2509 Kronen zuerkannt dem Architekten Ignaz Reiser, Wien. II. Vereinsgasse 16, für das Projekt „Jeled" und dem Architekten Richard Modern, Wien, VIII. Josefstädterstraße 30, für das Projekt „Maimonides". Ferner hat das Preisgericht einhellig beschlossen, dem Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien zu empfehlen, die unter den Kennworten „Vidlo" und „Charitas" eingereichten zwei Projekte um den in der Ausschreibung vorgesehenen Betrag von je 1090 Kronen anzukaufen. Als Preisrichter haben fungiert die Herren: Ing. Heinrich Goldemund, Stadtbau-Direktor der k. t Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, als Vorsitzender; ferner als Mitglieder UMDr. Josef Breuer, Vorstandsmitglied der israel. Kullusgemeinde Wien, Architekt Ferdinand Fellner, k. k. Oberbaurat, Wien, Architekt Jakob Gärtner, Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Wien, Dr. Karl Ritter v. Helly, k. k. Statthaltereirat, Landes-Sanitäts-Referent, Wien, Architekt Dr. techn. Arnold K a r p l u s, Bau-Direktor der Wiener Baugesellschaft, Wien, Dr. Wilh. Knoepfelmacher, k. k. Universitäts-Professor, dir. Primararzt des Karolinen-Kinderspitales, Wien, Wilhelm Kuffner, Großindustrieller, .«Vorstandsmitglied, der israel. Kullusgemeinde Wien, Architekt Mar Setz, k. k. Baurat, Chef der Statt- Halterei-Bauabteilung für die Wiener k. k. Krankenanstalten, Wien, UMDr. Josef Pollak, tl Universitäts-Professor, Wien. Ferner war den Sitzungen des Preisgerichtes der zukünftige Leiter der Anstalt, Herr Primarius Dozent Dr. Julius Zappert, zugezogen. Verein für unentgeMchen Arbeitsnachweis, II., T do strafte 59. Am Donnerstag, den 27. November d. I., hat im Vereinslokale der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith die 14. ordentliche Generalversammlung des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis stattgefunden. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Eduard Wiener, eröffnete die Sitzung und begrüßte unter 'den zahlreichen Mitgliedern und Gästen, die sich eingefunden hatten, den Vertreter des israelitischen Kultusvorstandes, Herrn kaiserlichen Rat Jonas Weil, den Präsidenten des „Israelitischen Humanitäts-Vereines B'nai Brith, Wien," Herrn Dr. Rudolf Fürth, den Präsidenten des Unterstützungs- Vereines für israelitische Handwerker und Kleingewerbetreibende, Herrn Richard Petschek; ferner Herrn S. Brod, Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn Karl Neustadt als Vertreter des Bankhauses Mar Springer, sowie den Reichsratsäbgeordneten Herrn Dr. Julius Ofner. Entschuldigt hatten ihr Fernbleiben die Herren Dr. Alfred Stern, Präsident der israelitischen Kullusgemeinde, Ober-Rabbiner Dr. M. Güdemann, Rabbiner Dr. M. Grunwald, Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Herr Direktor Wilhelm Kur, Herr Leopold Lourie und Herr Professor Dr. Leopold Königst e i n. . In dem Jahresberichte, den der Obmann des Erekutiv-Komitees Dr. Bela Tau big zur Verlesung brachte, wird auf die mißlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des abgelaufenen Berichtsjahres hingewresen, die zur Folge hatten, daß zahlreiche Arbeiter und kaufmännische Angestellte ihres Erwerbes verlustig wurden. Die Besucherzahl der Arbeit- und Stellenwerber stieg daher im Berichtsjahre 1912/13 insgesamt auf 50.303, also im Durchschnitt pro Tag auf 169. Die Zahl der Neuanmeldungen von Arbeitnehmern betrug 7281, während die Aufträge der Arbeitgeber auf 4771 zurückgingen. Da der Verein trotz der krisenhaften Verhältnisse die Vermittlungszahl von 3022 erzielte, so wurden 63 3 Prozent aller offenen Stellen besetzt. Seit seinem Bestände hat der Verein 41.841 zumeist dauernde Vermittlungen durchgeführt. Nachdem der Schriftführer Dr. Gustav L a n g st e i n die statistischen Tabellen der Landesangehörigkeit, sowie des Geschlechtes und Alters der angemeldeten Arbeitwerber verlesen und der Kassier Eduard Schwarz den Ausweis über die Kassagebarung vorgetragen hatte, wurden der Geschäftsbericht, sowie der Kassabericht einstimmig genehmigt. Der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, Herr kaiserlicher Rat Jonas Weil, sprach hierauf dem Vorstande des Vereines den Dank des Kultusvorstandes für seine in diesem Jahre besonders mühevolle Tätigkeit aus, die umsomehr die volle Anerkennung verdient, als die sehr ansehnliche Vermittlungszahl trotz des allgemeinen Geschäftsrückganges erzielt wurde.

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