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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 892 Dt. Blochs Wochenschrift. Nr. 49 dieser eine längere Ansprache, in welcher er auch zur zionistischen Bewegung in folgender Weise Stellung nahm: „Zion ist nicht bloß Palästina," sagte Schiff, „überall, wo Juden ihre Religion hüten, ist Zion, wie es in der Bibel heißt, an allen Orten, wo meines Namens gedacht wird, werde ich zu Dir kommen und Dich segnen. Auch ich bin Zionist. Aber nicht in dem Sinne, wie andere. Ich glaube nicht an einen jüdischen Nationalismus, der von der Religion abgesondert ist. Wir sind stolz auf unser Zion, das die Wiege unserer Religion gewesen ist. Aber wir brauchen keine Zionisten zu sein. Wir brauchen keine jüdische Nation, sondern eine jüdische Religion. Deshalb haben wir bloß die jüdische Religion zu erhalten und nicht die jüdische Rasse. Wir müssen unseren Kindern eine religiöse Erziehung geben und sie werden darunter nicht zu leiden haben, weil ein religiöser Jude von seiner Umgebung, die bloß religiöse Juden achten, aber nicht Nationalisten, niemals verachtet werden wird. Deshalb merne ich, daß wir Juden Amerikas Amerikaner jüdischer Religion sein müssen, und daraus achten, daß man unseren Kindern nicht vorwecfen könne, daß sie üppig geworden und dann an ihre Religion vergessen haben." Jüdische Hilfsaltion für die lleberlebenden des „Voktmno". Die „Hebrew Slielteiing and Immigrant Aid Society“ in Newyork übersendet uns den Bericht über ihre Hilfsaktion für die bei rem Schiffsunfall des „Volrurno" Geretteten ohne Rücksicht auf die Konfession und die Nationalität derselben. Die Newyorker Zentrale der Roten Kreuz-Gesellschaft hat sich an die obengenannte jüdische Wohltätigkeits-Gesellschaft mit dem Ersuchen gewendet, die Hilfsaktion in die Hand zu nehmen. Die Gesellschaft trat auch sofort in Aktion. Es wurden insgesamt 326 Ueberlebende des Unfalles, und zwar 232 Männer und 94 Frauen, nach Newport gebracht. Darunter waren 90 Juden, 103 Griechisch-Katholische, 129 Römisch-Katholische und 4 Lutheraner. Ihre Beförderung nach Hoboken, Brooklyn und Rewyork wurde mittelst 7 Dampfern und in 2 Fällen per Bahn von Philadelphia besorgt. Die 326 Geretteten gehörten den verschiedensten Nationalitäten an, es waren unter ihnen Oesterreicher. Vulgaren, Franzosen, Deutsche, Holländer, Ungarn, Italiener, Mazedonier, Rumänen, Russen und Serben. Von ihnen wurden 241 im Heime der ..Hebrew jiieltering aud Immigrant Aid Society“, 34 Mädchen im Klara de Hirsch-Heime untergebracht, 61 nach Newyork, die übrigen nach Kanada und in die verschiedenen Staaten der amerikanischen Union befördert. Die Gesellschaft verteilte an die Geretteten 226 Stück Unterwäsche, sowie die verschiedensten Kleidungsstücke. Diejenigen,- welche ihre Reise außerhalb Newyork fortsetzten, wurden überdies mit hinreichenden Nahrungsmitteln für die Dauer der Reise versehen. Und ebenso hat die Gesellschaft für die Beförderung der Schützlinge von den Dampfern zu den Heimen etc. gesorgt. Jüdischer Bürgermeister in Cincinnatti. In Cincinnatti, der großen Stadt des Staates Ohio, haben dieser Tage die Kommunalwahlen stattgefunden, die mit einem Siege der republikanischen Partei über die Demokraten endeten. Zum Bürgermeister wurde der Kandidat der Republik, S. Spiegel, ein angesehener Jude von Cincinnatti, mit einer Mehrheit von 5000 Stimmen gewählt. In Cincinnatti leben viele Juden, dort befindet sich auch die unter dem Namen „United Hebrew College" auch in Europa bekannte Anstalt der Reformjuden zur Heranbildung von Rabbinern. Eine Zeitungsstimme vor 160 Jahren über das „Märchen vom Ritualmord". Eberhard Büchner, der Herausgeber des Werkes „Das Neueste von gestern. Kulturgeschichtlich interessante Dokumente aus alten deutschen Zeitungen" (1912, Verlag Albert Langen, München), bringt im dritten Bande (1750—1787), Seite 54, Nr. 72, einen Bericht der „Vossischen Zeitung" (Ver'in) aus dem Jahre 1753, Nr. 122, der das Märchen vom Ritualmord behandelt. Es wird darin aus Danzig von einer „sehr grausamen in Pohlen an 13 Juden vorgenommenen Exekution" erzählt, die des Ritualmordes angeklagt worden waren. „Es ist nicht das erstemal," heißt es in jenem Bericht, „daß man die Juden einer so aberwitzigen Grausamkeit beschuldiget, und da man diese Grausamkeit sogar zu einem Puntte ihrer jetzigen Religion hat machen wollen, so ist sie fchon längst von verschiedenen christlichen Theologen, welchen es gewiß an der tiefsten Einsicht in die innersten Geheimnisse des Iudenthums nicht gefehlet hat, näher untersucht und völlig unbegründet befunden worden. Sogar die Gelehrtesten, welche von dem jüdischen Glauben zu dem unsrigen übergetreten sind und denen es weder an Willen noch an Kräften gemangelt hat, ihre vorigen Glaubensgenossen den Christen auf der schwärzesten Seite vorzustellen, haben sie von diesem Verbrechen freygesprochen : ein Verbrechen, welches ihnen, worauf man wohl Acht haben muß, nur in solchen Ländern aufgebürdet wird, wo die tiefste Barbarey und die blindeste Leichtgläubigkeit von Leuten unterhalten wird, die bey beyden ihre Rechnung finden und längst vergessen haben, daß auch die Juden Menschen sind. Wenn es eine Schande ist, daß in unsere?, aufgeklärten Zeiten Heren verbrannt werden, so ist es gewiß keine geringere, daß man Juden viertheilt, weil sie aus jungem Christenblute eine Delikatesse machen sollen.". — „Und ist, es denn", lauten die Schlußworte jenes Berichtes, „nicht schon mehr als einmal geschehen, daß man ihre Unschuld hierinnen erkannt hat, nachdem sie als Schuldige gelitten hatten?" Mae Schmidt. Durch den Heimgang des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen jungen jüdischen Politikers Mar Schmidt hat das moderne, aufstrebende, stammesbewußte Judentum einen viel schwereren Verlust erlitten, als es den Meisten von uns zum Bewußtsein gelangt ist. Denn immer seltener werden die Männer, die durch Erziehung, Milieu und glückliche Entwicklung für eine jüdisch-politische Tätigkeit zum Wohle des Gesamtjudentums so prädestiniert wären, wie es Mar Schm'idt war. In Bialystok, der Stadt blutiger Pogrome, aber auch der Stadt mit den auffallend vielen jüdischen Intelligenzen, geboren, genoß er im Hause seiner Eltern eine Erziehung, die noch unter dem Einflüsse der Haskala stand, aber bereits nationales und soziales Gepräge trug. Sein Vater, der jetzt, von Schmerz gebrochen, den Verlust dieses geliebten Sohnes beklagt, nahm schon den achtjährigen Mar in die Versammlungen mit, in denen über russisches Judenelend gejammert und nationale Zukunftspläne geschmiedet wurden. Hier in diesen Versammlungen sog der nunmehr Verschiedene jene Liebe für sein Volk und jenen unbändigen Haß gegen die Peiniger und Bedrücker des jüdischen Volkes in sich. Wie oft erzählte er mir, daß er schon mit 12 Jahren an den Debatten über das künftige Schicksal seiner Stammesbrüder selbst teilnahm und bald darauf auch einen Iugendbund organisierte, der für ihn eine Schule des Kampfes geworden. Zeit, Umstände und politische Entwicklung führten ihn, wie so viele seinesgleichen, in das Lager der Poale Zion, der jüdisch-nationalen Proletarier. Diesem Pro-

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