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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 891 dem wir entnehmen, daß die Ziele der Gesellschaft, die Bekämpfung der unmoralischen Wanderbewegung und des Agentenunwesens einerseits, andererseits die Ablenkung der Massen-Emigration von den bereits überfüllten Industriezentren der Vereinigten Staaten nach den weniger bevölkerten westlichen Staaten via Galveston, heute auch von denjenigen anerkannt werden, die zur Zeit der Gründung der Kiewer Gesellschaft diese Arbeit als Utopie bezeichnet haben. Dr. Iochelmann machte auch Mitteilungen über die Krise, welche diese wichtige Arbeit der Jto vor einigen Monaten zu überstehen hatte, als in einer Londoner Konferenz, an welcher auch Leo Brodsky und der Advokat Margolin aus Rußland teilnahmen, der Antrag gestellt wurde, die ganze Arbeit der „Iewish Colonisation Association" (Ica) zu überlassen. Trotzdem gewichtige Stimmen für diesen Antrag laut wurden, ist derselbe auf Antrag des gleichfalls in der Konferenz erschienenen Philanthropen Jakob H. Schiff abgelehnt und der Beschluß, gefaßt worden, daß die Jto ihre bisherige erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Auswanderungsregulierung in Rußland fortsetze und auch die Mittel für die Weiterführung dieser wichtigen Arbeit sichert. Im übrigen schloß sich Dr. Iochelmann den Ausführungen des Vorsitzenden Leo Brodskv bezüglich der Gründung von Ackerbaukolonken in den Einwanderungsländern an und auch die Mehrheit der Teilnehmer hat nach beschlossenem Dankesvotum sich diesem Programme angeschlossen. Warum die erste Frage im VeMs-Pcozeß bejaht wurde. Der berühmte russische Dichter Korolenko, der, wie erinnerlich, sich schwerkrank nach Kiew begab, um Augenzeuge „des harten Ringens zwischen Wahrheit und Lüge" zu sein, hatte dieser Tage eine Unterredung mit einem Mitglieds der Geschwornenbank in diesem großen Prozesse. Der Dichter fragte den Geschwornen, was die Mehrheit seiner Richterkollegen bewogen haben mochte, die erste Frage zu bejahen. Der Geschworne antwortete hierauf: „Wir wollten, daß man die Wahrheit an den Tag bringe, wer eigentlich den Knaben Iuschtschinski ermordet hat. Und deshalb haben wir der Annahme zugestimmt, daß der Mord in der Zajzew'schen Ziegelei verübt worden sei. Wir hofften dadurch, die Juden anzueifern, alles aufzubieten, damit der wahre Mörder entdeckt werde." Interessant ist auch, wie dieser Geschworne den Eindruck schilderte, den die Verteidigungsreden auf die Volksrichter geübt haben. Er sagte kurz und trocken: „Karabtschewski haben wir nicht verstanden. Dem Grusenberg haben wir nicht geglaubt. Aber die Rede Maktakoffs hat uns ans Herz gepackt." Auch der ..Kiewljanin" tritt einem Einsender gegenüber, der die Einsetzung eines Komitees zur Feststellung, ob es einen jüdischen Ritualmord gebe oder nicht, anregt, dafür ein, daß diese Frage jetzt bei weitem nicht so wichtig sei, als die Beantwortung der viel dringenderen Frage, wo sich der wahre Mörder Juschtschinskis befindet. Die Schließung der Charkower medizinischen Gesellschaft. In Petersburg hat, wie man uns von dort berichtet, die behördliche Auflösung der Charkower medizinischen Gesellschaft wegen der Resolution gegen die medizinische Expertise im Beilis-Prozeß einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Der Charkower Gouverneur hat von Petersburg den Auftrag erhalten, diese peinliche Angelegenheit aus der Welt zu schaffen: da jedoch sämtliche Mitglieder der Gesellschaft bei einem neuerlichen Verhöre ihre Unterschrift aufrecht erhielten, blieb dem Gouverneur nichts anderes übrig, als die Kabinettsfrage zu stellen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß der kulturfeindliche Gouverneur die Maßregeln mit seiner Stellung bezahlen wird. Juden als Soldaten. Die „Kreuzztg." schreibt unter der Ueberschrift „Eine Richtigstellung": In Nr. 316 unseres Blattes halten wir uns, veranlagt durch die Polemik des „Berliner Tagblatt" gegen eine Rede des konservativen Abgeordneten v. Graefe mit einem Veteranen Moses Bier beschäftigt. Von einem unserer Mitarbeiter war in dem Artikel behauptet worden, dieser Veteran, der noch heute in Bonn lebt, habe sich unrechtmäßigerweise das Eiserne Kreuz und Kriegsdenkmünzen zugelegt, während er den Feldzug 1870/71 gar nicht mitgemacht habe. Wir haben nun jetzt sestgestellt, dag sich der Einsender dieses Artikels in einem Irrtum befunden hat. Wir stehen nicht an, unser Bedauern darüber auszusprechen, dag wir einem alten Soldaten damit unrecht getan haben. Wir sind der Angelegenheit nachgegangen und haben folgendes ermittelt: Moses Bier trat 1868 bei der 5. Eskadron des Königs-Husarenregiments (1. Rhein.) Nr. 7 in Bonn ein (jetzt Husarenregiment König Wilhelm I.). Den Feldzug 1870/71 machte B. von Anfang bis zu Ende mit, und zwar war er kommandiert als Ordonnanz zur 30. Infanteriebrigade, die 'General v. Strubberg seinerzeit kommandierte. B. scheint sich als Ordonnanz während des Feldzuges gut bewährt zu haben; denn Briefe des Generals v. Strubberg an Bier sind sehr herzlich gehalten, lassen auf Eifer und Pflichttreue des Bier schließen und auch auf gute Brauchbarkeit als Ordonnanz. Ein tüchtiger Reiter ist Bier immer gewesen; während seiner Dienstzeit auch nicht bestraft. Bier stand bis kurz vor dem Tode des Generals v. Strubberg mit diesem im Briefwechsel. B. setzte einen gewissen Stolz darin, mit seinen ehemaligen höheren Vorgesetzten in Briefwechsel zu stehen. Das ist aber eine Erscheinung, die man recht häufig beobachten kann und die, wenn sie nicht übertrieben wird, für einen guten Soldatengeist spricht. Bier besitzt die Feldzugsmedaille 1870/71, das Eiserne Kreuz nicht; er hat aber auch nie behauptet, diese Auszeichnung besessen zu haben. Das seinerzeit entstandene Gerücht, B. hätte sich unrechtmäßigerweise das Eiserne Kreuz zuerkannt, ist auf einen Irrtum des verstorbenen Generalfeldmarschalls Frhrn. v. Loö zurückzuführen. Wir haben darüber folgendes in Erfahrung gebracht: Am 29. Juni 1902 fand in Bonn eine große Festversammlung zur Feier des Papstjubiläums statt. Frhr. v. Loö hatte als Ehrenbürger der Stadt Bonn den Vorsitz. Er hielt eine lange Rede, in der er das Wort Bismarcks zitierte: „Wir Deutsche fürchten niemand außer Gott." Er knüpfte daran die Mahnung, die konfessionellen Zänkereien zu unterlassen und treu zusammen zu halten. Wörtlich sagte Erzellenz v. Loö etwa: „Zu meiner Freude befindet sich unter den hier Versammelten einer der tapfersten Husaren des Feldzuges, ein Bonner Kind. Auch er lebt, obwohl Israelit, unter dem Zeichen des Kreuzes, denn er ist für seine Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuze geschmückt. und ich drücke ihm bei jeder Begegnung die Hand, weil ich ihn hochachte." Exzellenz v. Loö, der im Feldzuge als Oberst das Königs-Husarenregiment kommandierte, war damals der Meinung, daß Bier das Eiserne Kreuz verliehen worden sei; darin hatte er sich aber geirrt. Bier ist damals von verschiedenen Zeitungen angegriffen worden, als wenn er die Veranlassung zu dem Ausspruche des Feldmarschalls gewesen sei. Erzellenz v. Loö hat sich übrigens später ganz unzweideutig über diesen Fall geäußert. Bier hat viele Schlachten und Gefechte mitgemacht, und ist vom General v. Strubberg und dem damaligen Obersten v. Loö öffentlich belobt worden wegen Ileberbringung wichtiger Meldungen in schwierigen Lagen So die „KreuKtg."! Das Honorar der ZivMkager im Beilis-Prozeß. Während der Kiewer Verhandlungen hak Zivilkläger Dumaabgeordneter Samislowsky sich wiederholt in die Brust geworfen und erklärt, daß er und seine Freunde für ihre Mühe keine Kopeke Honorar bekommen. Wie aus gut unterrichteter Quelle der „Welk" mitgeteilt wird, stellt sich nun heraus, daß den Zivilklägern vom Geheimfond der Regierung 12.000 Ru belbewilligt wordensind! Demgegengegenüber verdient hervorgehoben zu werden, daß weder die Verteidiger, denen im Gerichtssaal ganz unzweideutig Käuflichkeit vorgeworfen wurde, noch auch die Sachverständigen der Verteidigung irgendeine Vergütung annahmen. Jakob H. Schiff und der Zionismus. Aus Newyork wird uns berichtet: Anläßlich der Einweihung einer neuen großen Talmud-Thora-Schule, zu deren Errichtung der berühmte Philanthrop Jakob H. Schiff einen beträchtlichen Beitrag spendete, hielt

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