Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 48 j \ j '•i i 1 ■L-;? % $ vj $ Seite 880 An der Debatte beteiligten sich noch die Herren Bernhard Hofdauer, Wolf Pappenheim, Inspektor Prof. Kanitz und Redakteur Th. Porges. - Obmann Herr Moritz Felsenburg dankte dem Vortragenden für seine glänzenden Ausführungen und bckt denselben, an der Verwirklichung dieser vielversprechenden Ideen im Vereine mit dem Vorstande mitzuarbeiten. Indem der Vorsitzende für das zahlreiche Erscheinen dem Publikum dankte, begrüßte er außer den obgenannten Rednern Herrn Rabbiner Dr. Bardovitz aus Mödling, Herren Rabbiner Flesch, Kramer, Schenk, Frau Präsidentin Dr. Grünfeld, Herrn Obmann Markus Bondi, die Herren Vorsteher der Chewra-Kadischa S. Simon und S. Gold mann, Prof. Dr. H. P o l l a k, Prof. A n t s ch e r I, Sekretär Dr. Adler, die Amtsleiter W. Freistadl und R. Kraus, die Vereinsvorsteher Siegmund Bondi. Dr. Reiniger, S. Glückselig. Iakob Stern, sowie Herrn Leopold Hirsch. Der Verein läßt den hochinteressanten Vortrag des Herrn Prof. David Kohn in Druck legen: derselbe ist auf Verlangen vom Vereinsbureau, Wien, II., Kleine Schiffgasse 10, kostenfrei zu haben. Karlsbad. Die.Repräsentanz der Karlsbader israel. Kultusgemeinde hat in ihrer außerordentlichen Sitzung am 20. November 1913 folgende Resolution einstimmig beschlossen: „In der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 22. Oktober 1913 hat der Reichsratsabgeordnete Teufel zwei in der Zeitschrift „Znaimer Deutscher Mahnruf" erschienene, von der Staatsanwalt konfiszierte Artikel unter dem Titel „Neue verbesserte Geschichte der Iuden" durch eine Interpellation immunisiert. Diese Interpellation ist auch vom Reichsratsabgeordneten der Stadt Karlsbad, Stadtverordneten und Gymnasial-Professor Rudolf L ö ß l unterschrieben. Die Artikel enthalten in der geschmacklosesten und rüdesten Form eine Verspottung der Geschichte des Alten Testamentes, eine läppische Aufreizung gegen die Iuden und rohe Verhöhnung der Zehn Gebote, die auch anderen Konfessionen heilig sind. Durch - seine Unterschrift hat sich Herr Professor L ö ß l mit dem Inhalte derselben identifiziert. Die Repräsentanz der Karlsbader israel. Kultusgemeinde als legale Vertretung der jüdischen Bewohner Karlsbads gibt ihrer tiefsten Entrüstung und Empörung darüber Ausdruck, daß der Abgeordnete der Stadt Karlsbad zu einer solchen geschmacklosen und rohen Schmähung seine Zustimmung gegeben hat und spricht ihre Ueberzeugung aus, daß eine solche Handlungsweise die ohnehin vielfach angefeindete Kurstadt Karlsbad in ihrem Rufe schwer zu schädigen imstande ist." Im „Karlsbader Badeblatt" wird nun eine Zuschrift des Herrn Lößl mitgeteilt: „Es ist in unserer Parteioereinigung (und wohl auch bei anderen Parteien im Parlamente) üblich, daß man den Parteikollegen von vornherein die stillschweigende oder ausdrückliche Vollmacht gibt, die Namen der übrigen Parteimitglieder, auf gewisse, alltäglich sich häufig wiederholende Anfragen und Anträge (wie Notstandsanträge, Interpellationen wegen Konfiskationen u. dgl.) selbst zu fertigen, um bei gewissen Bagatellen der Mühe enthoben zu sein, di: nötige Anzahl von Originalunterschriften zu sammeln. Von dieser Vollmacht hat im vorliegenden Falle Kollege Teufel Gebrauch gemacht, so daß den Unterzeichneten die Interpellation erst dann bekannt wurde, als sie nach Wochen zu einem tendenziösen Kesseltreiben ausgebeutet wurde. Dies teile ich lediglich zur Klarstellung des Sachverhaltes mit,- auch gegnerische Proteste sollten doch mindestens die Kenntnis der wahren Tatsachen zur Voraussetzung haben. Als eine „Erklärung" bitte ich diese Mitteilung nicht aufzufassen: denn ich werde einen Parteikollegen nicht desavouieren, um selbst irgendwelchen Angriffen auszuweichen." Man möchte es doch nicht glauben, was ein Abgeordneter mit mehrjähriger ,,Praxis" und Professor an einem k. k. Staatsobergymnasium, der „Logik" studiert hat, für naive Ansichten entfalten kann. Also die Kultusgemeinde in Karlsbad sollte sich, nachdem der Name Lößl unter der skandalösen Interpellation stand, erst die wahren Tatsachen verschaffen". Nein, Herr Professor Lößl: Sie irren sich! Nicht die Kultusgemeinde in Karlsbad, sondern der Abgeordnete Professor L ö ßsl mußte sich, bevor er sich mit solchen Interpellationen befaßte, nicht nur die Kenntnis, sondern auch die Tragweite seines Vorgehens vor Augen halten und sich vor allem bewußt sein, daß man als Vertreter eines internationalen Kurortes keinen Antisemitismus betreiben darf, ohne den Kurort schwer zu schädigen. Hat der Herr Professor bereits am Leipziger Turnfest sich die erste Blöße gegeben, so ist dies die zweite, welche zeigt, wie sehr sich Lößl zum Vertreter eines Weltkurortes eignet. Der „Volkswille" schreibt unter dem Schlagwort: Aussehenerregende antisemitische Propaganda eines Karlsbader Stadtverordneten. Die Kurstadt Karlsbad hat wieder einmal eine „schlechte Saison" hinter sich. Die schlechteste Saison seit vielen Jahren, denn es unterblieb nicht nur die notwendige Steigerung der Kurfrequenz, sondern die Zahl der Kurgäste erfuhr eine sehr bedeutende Herabminderung. Für unsere Stadtvertretung mühte diese Tatsache ein Ansporn sein, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Zuzug von Kurgästen nach Karlsbad zu steigern. Dazu wäre natürlich vor allem eine zielbewußte, gute und vornehme Reklame nötig, an der es umso mehr fehlt, als ihre Durchführung in den Händen jenes „publizistischen Büros" liegt, dessen Unfähigkeit bereits allgemein bekannt ist. Aber die Stadlvertretung Karlsbad findet, daß dem Kurorte durch das Versagen des publizistischen Büros noch viel zu wenig Schaden zugefügt wird, und deshalb bemüht sich ein deutschradikales Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, ein Uebriges zu tun und durch die Unterstützung der schäbigsten und ordinärsten antisemitischen Propaganda dem Kurorte geflissentlich schweren Schaden zuzufügen. Herr. Lößl, das ist nämlich jener Stadtverordnete, der gleichzeitig auch die Stadt Karlsbad im Reichsrat vertritt, zeigte ja seit jeher viel Geschick darin, das Gegenteil dessen zu tun, was der Stadt Karlsbad und ihren Bewohnern nötig gewesen wäre, aber dieser Tage hat er sich selber übertroffen, indem er eine Interpellation im Reichsrate unterfertigte, deren Zweck die Immunisierung einer ordinären und ganz witzlosen Verhöhnung des Judentums — das den größten und teilweise auch zahlungsfähigsten Prozentsatz der Karlsbader Kurgäste stellt — war. Der deutschfreiheitliche Abgeordnete Camill Kuranda verschickt ein „Offenes Sendschreiben", das diese Tatsache festhält und u. a. sagt: „Wie Sie sich aus dem Wortlaute des der beiliegenden Interpellation eingefügten Artikels überzeugen wollen, enthält derselbe ein unqualifizierbares, direkt blasphemisches Pamphlet gegen das Judentum, welches die heiligsten Traditionen und Lehrsätze desselben in der gemeinsten und albernsten Weise in den Kot zerrt, Traditionen und Lehrsätze, die zum großen Teile Gemeingut der ganzen Kulturwelt geworden sind. Die Stellung des Judentums würde ihm erlauben, über dieses Machwerk achselzuckend zur Tagesordnung überzugehen, keinesfalls aber kann das Vorgehen jener Abgeordneten, welche sich durch ihre Unterschrift bereit gefunden haben, dieses Pamphlet der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen und hiedurch ihre Zustimmung zumindest zu dessen Tendenz offen zum Ausdrucke gebracht haben, unerwidert und, soweit es an uns Juden liegt, ungefuhnt bleiben." Dieses Schreiben wurde an alle jüdischen Wähler der Wahlkreise, aus denen jene Kollegen des Herrn Lößl stammen, die wie er die Interpellation fertigten, versendet und wird bald genug in allen jüdischen Kreisen, auch außerhalb Oesterreichs, bekannt sein. Wir wollen nur als recht bemerkenswert feststellen, daß z. B. der Parteigenosse des Herrn Lößl, Herr Dr. Herold, der. Bürgermeister der Stadt Brür ist, die Interpellation klugerweise nicht mit unterfertigte, aber der Herr Stadtverordnete, der auf das internationale und interkonfessionelle Kurpublikum ausschließlich angewiesenen Kurstadt Karlsbad fühlte sich nicht berufen, Rücksichten zu nehmen und dachte wohl nicht einen Augenblick lange darüber nach, wie tief er dadurch den Kurort schädigen müsse. Herr Lößl, der auch Mitglied des Verbandes der Kurortevertreter im Reichsrate ist, wird ja von den anderen Kurorten noch dafür bedankt werden, daß er Schmähschriften gegen ganze Konfessionen immunisiert, aber die Kurstadt Karlsbad wird es natürlich am allermeisten fühlen, wie sehr ihr diese rücksichtslose Politik ihres Abgeordneten und ihres Stadtverordneten Schaden bringt. Wahrhaftig, die Kurstadt Karlsbad hat an der deutschradikalen Partei einen Haupttreffer gemacht: Einmal veranstaltet sie am Beginne der Kursaison Pogroms und Plünderungen aus „nationalen" Motiven gegen die Tschechen, so daß die Slaoen es vorziehen, Karlsbad — wenn sie nicht u n b e -