Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9ir. 48 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 879 verfertigte, teils von hochherzigen Gönnern gespendete Gegenstände zur Schau gestellt und zu den billigsten Preisen zum Verkaufe gelangen werden. Die Ausstellung wird täglich von 10 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 7 Uhr nachmittags bei freiem Eintritt zugänglich sein. Da der durch die Ausstellung erzielte Erlös den Erziehungszwecken der im Heim untergebrachten Schützlinge, deren Zahl derzeit 72 beträgt, zugeführt werden wird, steht zu erwarten, daß alle für die Jugendfürsorge interessierten Kreise die Ausstellung besuchen und durch den Ankauf von Ausstellungsgegenständen die bereits allseitig als überaus segensreich anerkannte Tätigkeit des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim" nach besten Kräften fördern werden. Die erledigte Stelle des Schulleiters an der Werdertorschule. Die Abgeordneten Hosrat 5\u raubet, Dr. Ofner und Genossen interpellierten kürzlich den Unterrichtsminister Dr. Ritter von Hussarek, betreffend die Stelle des Schulleiters an der Werderlorsch u l e in Wien. In der Interpellation, die in ähnlicher Form schon im Gemeinderat gestellt wurde, heißt es unter anderem: ..Für die Werdertorschule war nach klarer Vorschrift des Gesetzes ein jüdischer Schulleiter zu ernennen. Die Schulbehörde verweigerte dies und veränderte den Umkreis der Schule kürzlich derart, daß für die Zukunft eine Mehrheit katholischer Kinder gezählt werden konnte. Der Verwaltungsgerichtshof hob die Entscheidungen als ungesetzlich auf: das Ministerium hat sodann die Bestellung eines jüdischen Schulleiters angeordnet. Der Landesschulrat hat den Auftrag weikerbefördert, der Wiener Bezirksschulrat aber versagt dem Aufträge den Gehorsam. Die Interpellanten fragen, ob der Unterrichtsminister bereit ist, dem Gesetze auch gegenüber dem Wiener Bezirksschulräte Geltung zu verschaffen." Der Ritualmordaberglaube, ssiue CUnfleu und Abgründe. Auf Einladung des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur wird der Herausgeber dieses Blattes Dr. Josef S. Bloch am 1. Dezember in Breslau einen Vortrag halten über das Thema: „Der Ritalmvrdaberglaube, seine Quellen und Abgründe". Zur gattrisch,en Finanzkrise. Aus Leinberg wird uns geschrieben: Im Saale der ifraelitischeu Kultusgemeinde fand dieser Tage eine Konferenz der Direktoren mehrerer hiesiger Finanzinstitute statt, die sich mit der finanziellen Krise der jüdischen Knufleute und der Bankinstitute beschäftigte. An dieser Konferenz beteiligten sich der Präsident der israelitischen Kuktusgemeinde Dr. Schaff und Handelskammerpräsident Samuel Edler von Horovitz. Die Enquete befaßte sich mit der zu unternehmenden .Hilfsaktion zugunsten der kleinen Bankinstitute, welche infolge der Stagnation in eine kritische Lage verfielen. In den letzten Monaten wurden diesen Instituten 65 Millionen Kronen entzogen, so daß viele bankrottierten und ein kleinerer Teil seine Geschäfte liquidieren mußte. Bon 800 jüdischen Bankgenossenschaften konnten kaum 260 sich erhalten, und auch diese haben einen sehr beschränkten Umsatz. Nicht besser geht es der jüdischen Kaufmannschaft. Nach einer längeren Diskussion wurde folgender Beschlutz gefatzt: ,,Der Lemberger israelitischen Kultusgemeinde wird zur Pflicht gemacht, sich an die Ica in Paris zu wenden, datz sie in Ansehung der schrecklichen Lage der Juden in Galizien erstens mehrere Kaffen in Galizien gründe, zweitens die bereits bestehenden Kreditinstitute mit größeren Kapitalien fundiere und drittens den soliden jüdischen Institutionen größere Kredite zu einem kleinen Zinsfuß erteile." Verein der Sabbathfceunde „Schomre Schabbos". Am 23. November eröffnete der Verein der Sabbathfreunde seinen Vortragszyklus dieser Saison mit einem Vortrage des Herrn akad. Maler Prof. David K o h n, der über das Thema: „Welche Aufgaben hat ein Schomre Schabbos-Verein zu erfüllen?" sprach. Dem zahlreichen Publikum, das zu den ständigen Besuchern der Vorträge dieses rührigen Vereines zählt, gesellte sich diesmal eine erhebliche Anzahl persönlicher Freunde und Verehrer des hervorragenden Künstlers. Der Vortragende widmet seine Mußestunden am Samstag seiner Familie und dem Studium jüdischer Literatur. Den Sonntag verwendet er dazu, um im Volksheim in uneigennützigster Weise einer großen Anzahl von Schülern aller Konfessionen einen gediegenen künstlerischen Unterricht zuteil werden zu lassen. Seine Leistungen in der Verwaltung der „Talmud-Thora" sind bekannt, und findet er bei diesen zahlreichen Beschäftigungen noch Zeit, in ausgedehntestem Matze für Arme, Witwen und Waisen zu sorgen. Die Ausführungen des Redners über die unendliche Wichtigkeit des Schabbos der das grundlegende Glaubensbekenntnis des Judentums involviert machten auch auf den Teil des Publikums, dem die Sabbathidee mehr oder weniger fremd geworden ist, tiefen Eindruck. Der Vortragende richtete einen dringenden Appell an den Verein, sich nicht darauf zu beschränken, nur die leider in Wien nicht zahlreichen Posten, wo Gelegenheit gegeben ist, den Sabbath zu beobachten, durch geeignete Bewerber zu besetzen, sondern hauptsächlich sein Augenmerk darauf zu richten, daß die sabbathhaltenden Gewerbetreibenden auch die Möglichkeit haben, zu existieren. Dies sei seiner Ansicht nach nur zu erreichen, wenn man denselben, die jedenfalls mit unsagbaren größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben, als die Arbeitgeber anderer Kategorien, Arbeit und Verdienst verschafft. — Der Vortragende richtete auch an die Kultusgemeinde die eindringliche Bitte, diesem Vereine, der für die Erhaltung des Judentums Großes zu leisten berufen ist, in ausgiebigerer Weise zu unterstützen, als dies bisher der Fall war. Die Ausführungen des Redners fanden begeisterten Beifall. In der sich an den Vortrag anknüpfenden Diskussion ergriff Herr Dr. Gustav K o h n. Vize-Präses der israelitischen Kultusgemeinde und Landesschulrat, das Wort und führte aus, datz der Kultusvorstand diesem Vereine sehr sympathisch gegenüber stehe und die Wichtigkeit der Sabbathfeier für die Erhaltung des Juden tums vollauf anerkenne, jedoch durch die großen Ausgaben für Kultus und Unterricht, speziell aber Armenfürsorge. als auch Spital, Vecsorgungsanstalt. Witwen- und Waisen-Unterstützung rc. dermaßen in Anspruch genommen sei, datz bei dem Umstande, datz er eine bedeutende Anzahl, darunter auch der streng religiösen Richtung angehörende Vereine, subventionieren müsse, es mit den finanziellen Mitteln der Kultusgemeinde schwer in Einklang zu bringen sei, einem einzelnen Vereine, und sei er noch so wichtig, größere Beiträge zur Verfügung zu stellen. Nichtsdestoweniger wäre er bereit, ein diesbezügliches Ansuchen des Vereins bestens zu befürworten, lLebhafter Beifall.) Herr Rabbiner Dr. Mar G r u n w a l d schloß sich in warmen Worten den Ausführungen des Vortragenden an und legte den Anwesenden dringend ans Herz, das segensreiche Wirken dieses Vereines materiell sowohl, als auch moralisch bestens zu fördern. Jenes Publikum, das sonst nicht in die Lage kommt. Herrn Rabbiner Dr. Grunwald im Tempel zu hören, nahm hier Anlaß, ihm seine Sympathien zu bekunden.