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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 878 Dr. Blochs Wochenschrift. nung erfüllt haben, auf eine besondere Aufmerksamkeit seitens des bulgarischen Staates Anspruch haben. Ich wünsche, daß die staatlichen Einrichtungen den bulgarischen Juden ihre Tore w^thin öffnen. Mein Wunsch wäre es auch, die Juden im Ministerratr in der Kammer vertreten zu sehen, denn sie haben untrügliche Beweise ihrer kindlichen Hingebung an das Vaterland geliefert. In gleichem Sinne hat sich der Präsident der bulgarischen Synode und Chef der orthodoxen Kirche in Bulgarien dem Großrabbiner Dr. Ehrenpreis gegenüber geäußert. Eine Rede des Lord Obernchters Sir Rnfus Jfaacs. Aus London wird gemeldet: Vorige Woche fand in der City Hall ein Bankett statt, welches der Lord- Major den Richtern gegeben hat. In Beantwortung eines Toastes führte namens der anwesenden Richter Lord Oberrichter Sir Rufus Jfaacs unter anderem folgendes aus: „Ich kann nicht umhin, bei diesem Anlässe, da ich seit meiner Ernennung zum Lord-Oberrichter zum erstenrnale außerhalb des Gerichtshofes öffentlich das Wort ergreife, erfüllt von unauslöschlicher Dankbarkeit, daran zu erinnern, daß ich heute nicht in der hohen Stellung, die ich einzunehmen die hohe Ehre habe, hier vor Ihnen sprechen könnte, wenn die City nicht vor vielen Jahren ihre großen Kämpfe für die religiöse Freiheit und Gleichheit ausgefochten hätte. Ich würde mich wahrhaftig einer Undankbarkeit, würde ich diese Gelegenheit vorüb er gehen lassen, schuldig machen, ohne zu erwähnen, daß es diesen Kämpfen der City zu danken ist. daß Mitglieder meiner Religionsgenossenschaft Mitglieder Ihrer ehrenwerten Körperschaft werden konnten. Ebenso war es der City zu danken, daß meine Elaubensbrüder in das Unterhaus einziehen durften. Ich bitte Sie, für diese Abweichung von dem Gegenstände um Entschuldigung. Aber ich würde meinem ganzen Wesen untreu werden, wenn ich aus irgend welchen Rücksichten diese Erinnerung in der Zeit, da alle Elemente unserer Nation für Freiheit und Toleranz Zusammenarbeiten, nicht an jene Zeit zurückgrdacht hätte, wo meinen Glaubensgenossen nur die City mit voller Kraft zur Seite gestanden ist." Diese Rede hat in der illustren Gesellschaft, in welcher sie gehalten wurde, tiefen Eindruck geübt. Ein Wertvolles Sefsr Thora auf den hawaiischen Inseln. „Jewish Chronicle" meldet aus Honolulu: Das einzige Sefcr Thora auf den hawaiischen Inseln, welches von einem wandernden Juden als Zeichen der Freundschaft dem König Kalakaua zum Ecschenk gemacht wurde, ist am 11. Oltober d. I. von der Residenz der Prinzessin Kawananakoa, in deren Besitz es gegenwärtig war, geholt und in der temporären Synagoge in der St. Antonio Halle untergebracht worden. Die Thorarolle wird mit 6000 Dollar . bewertet, ist sehr alt und die Griffe sind aus Elfenbein und Perlmntter gearbeitet. Rach dem Tode des Königs Kalakaua gingen feine Reliquien in das Eigentum seiner Gattin, der Königin-Witwe Kapiolani, über. Als diese starb, wurde die hebräische Rolle ihrem Reffen, dem Prinzen David Kawananakoa zugewiesen, der sie der jetzigen Besitzerin, Prinzessin Kawananakoa, hinterlietz. Anläßlich des jüngsten Iom-Kippur-Gottesdienstes waren außer den in Honolulu ständig lebenden Inden auch 175 jüdische Soldaten aus den im Shoficlds Barracks stationierten Regimentern anwesend. Zur (Hoschichte deck Wuchers. Peter Rosegger erzählt im Tagebuch seiner Monatsschrift „Heiingarten^ folgende Geschichte vom „Bauer, der keine Zinsen nimmt": „In einer Hütte bei Stanz im Mürztal lebte zu meiner Zeit ein Bäuerlein, das fromm war und Mangel litt und Geld auslieh. Aber er nahm keine Zinsen, weil der Christ solches verboten hatte. Hingegen lieh der Alte sein Geld nur an Leute, die unverschuldeten Grund und .Boden hatten. Und von der Art der Schuldscheine, die er ausstellen ließ oder selber ausstellte, ist noch ein Stück vorhanden. Das lautet: „Ich der Matthäus Brunnmayer, leihe dir, dem Joseph Sonnberger, heute, also am 14. Jänner 1858, so viel wie 62 fl., das heißt zwciundachtzig Gulden E.-M. Und du, Joseph Sonnberger, versprichst mir mit Wort und Kreutz, am Ende dieses Jahres 1858 soviel als 100 fl., das heißt, einhundert Gulden C.-M. Nr. 48 bar zurückzugeben. Wenn du, Joseph Sonnberger, mir es aber erst im Jahre 1859 zurückgeben kannst, so bist du so viel wie 200 fl., das heißt zweihundert Gulden C.-M. schuldig. Und wenn du auch in diesem genannten Jahr nit zahlen kannst, so gehört im Jahr 1860 deine 8 Joch weite Wiesen vom Bach bis zum Lärchschachen hinauf mein. So schreibe ich es an diesem Tag, uckd schreibe meinen Nam darunter und deinen Nam darunter, und du machst vor dem ehrengeachteten Zeugen Patritz Schallhofer dein Kreutz dazu. Und der Zeug siehts auch, wie ich dir das Geld in die Hand gib. Stanz, als den 18. Jänner, im Jahr 1858 nach des Herrn Geburt. Patritz Schallhofer als Zeug." Matthäus Brunnmayer. Joseph Sonnberger X Aber Zinsen hat er keine genommen, der brave Mann, weil es der Christ verboten hat. Korrespondenzen. Borbereitung für den Geueraldirektorpoften der Länderbank. Die Rubrik unseres Blattes „Austritte aus dem Judentume" können wir heute durch einen besonders interessanten Fall bereichern. Am 13. Juni d. I. hat Herr Markus Rotier, Direktor der Länderbank, zu Baden bei Wien den Glauben seiner Väter verlassen und ist zum Katholizismus übergetreten. Eine begreifliche Anwandlung von Schamgefühl scheint ihn veranlaßt zu haben, diese „Konvertierung" nicht an seinem Wohnsitze, sondern, offenbar aus Furcht vor Veröffentlichung in unserem Blatte, an einem anderen Orte zu besorgen. Mutiger wäre es freilich gewesen, diesen Schritt nicht mit dem Schleier des Geheimnisses umgeben zu wollen. Der wahre Zweck dieses Uebertrittes: Generaldirektor der Länderbank zu werden, wobei Herr Rotter offenbar von der Ansicht ausgeht, daß nicht Befähigung und Charakter, sondern der Taufschein Voraussetzung für diesen Posten ist. Derart hat der präsumtive Generaldirektor bei Herrn Bürgermeister Weiskirchner und anderen Kommunalgewaltigen seine Visitkarte abgegeben und die unflätigen Beschimpfungen, welche die bisherigen Glaubensgenossen des Herrn Rotter von den christlichsozialen Parteiführern erdulden müssen, treffen wohl noch seine Familie — ihn selbst nicht mehr. Bortrag über „Moderne jüdisch-soziale Frauenarbeit." Von Iran Stephanie Jorchheiuer-Jialla. Frau Stephanie F o r ch h e i m e r - F i a l l a aus Frankfurt am Main wurde von der-„Zentralstelle für das jüdische Armenwesen" zu einem Vortrage eingeladen und wird am 1 0. Dezember um 7 Uhr abends im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines über die „Moderne jüdisch-soziale Frauenarbeit" sprechen. Den Wiener Frauenvereinen und deren Vertreterinnen, sowie weiteren Kreisen wird es gewiß Interesse und Anregung bringen, eine Landsmännin, jetzt in Deutschland lebend, über organisierte soziale Frauenarbeit in Deutschland sprechen zu hören und außer dem willkommenen Gaste, so die bekannte Führerin auf dem Gebiete jüdischer Frauenfürsorge in Deutschland Fräulein Bertha Pappenheim, welche sich an den Ausführungen des Vortrages beteiligen wird, persönlich kennen zu lernen. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim. Der Vorstand des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen Heim" veranstaltet in der Zeit vom 7. bis einschließlich 12. Dezember 1913 in den Räumen des Heimes, II., Leopoldsgasse 15 (Malzgaffe 7) eine Handarbeit s- und kunstgewerbliche Ausstellung, bei welcher teils von den Schützlingen des Heims

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