Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022084--22680-3047838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 48 De. Blocks Wochenschrift. Seite 877 Bukarest. Der Kongreß der einheimischen Juden, der hier am 16. und 17. tagte, wird in allen politischen Zeitungen besprochen. Der Kongreß lehnte den Antrag jüdischer Sozialisten, das Schicksal der Juden an das der Sozialdemokratie zu binden, ab, beschloß, für alle einheimischen Juden, nicht nur für die mobilisiert gewesenen, energisch die Rechte zu verlangen. Doktor SterN'Bukarest und M. Wachtel-Jassy werden beim König Audienz verlangen und dem Parlament wird eine Petition überreicht werden. Die alte Repräsentanz unter dem Präsidium Dr. Stern wurde wiedergewählt und der Kongreß proklamierte die verdienstvollen Rabbiner Dr. M. Beck und Dr. I. Niemirower zu Ehrenmitgliedern der Union der einheimischen Juden. Politische Rechte für die Juden Rumäniens. Gegenagilalion der rumänischen Kultnrliga. Bukarest, 23. November. Als Erwiderung auf die vom israelitischen Kongreß ausgestellte Forderung nach Gewährung der politischen Rechte für die rumänischen Juden wurden heute in von der rumänischen Kulturliga (!) in mehreren Städten veranstalteten Volksversammlungen Resolutionen beschlossen, worin erklärt wurde, daß die Verleihung der politischen Rechte an sämtliche Juden, die dem Artikel 7 der Verfassung widerspreche, nicht früher stattfinden dürfe, als bis die rumänischen Bauern die sozialen und politischen Reformen erlangt haben werden, deren sie bis jetzt noch ermangeln. Aufsehen erregt ein in dem Blatt ..Fakta" aus der Feder des Publizisten Konstantin G r a u r erschienener Artikel, in welchem er der Kulturliga vorwirft, daß sie einen Verrat an den siebenbürgischen Rumänen übt, wenn sie gegen die Gleichberechtigung der Juden protestiert. Der Publizist zitiert eine Stelle aus den Memoiren des Königs C a r o l von Rumänien, in denen gesagt wird, daß zwischen dem rumänischen Geschäftsträger in Wien Strac und dem damaligen Minister des Aeußern Trafen Julius Andrassy ein Uebereinkommen erzielt worden seit, laut dessen Rumänien sich in die Angelegenheit der ungarländischen Rumänen nicht einmischt und dafür Oesterreich-Ungarn gegen die Behandlung der rumänischen Juden von seiten der rumänischen Regierung nicht protestiert. Aufführung des „Manasse". Aus Bukarest wird uns geschrieben: Unter einem unbeschreiblichen Enthusiasmus, einem Jubel ohne Gleichen und einem nicht endenwollenden Beifall ging am 13. d. M. Ronetti Roman's „Manasse" im Teatre moderne in Szene. Die Aufführung ist im allgemeinen als eine sehr gute zu bezeichnen. Diese Mitteilung ist insoferne von besonderer Bedeutung, als die rumänischen nationalistischen Studenten gegen die Aufführung des „Manasse" vor einigen Tagen große Demonstrationen veranstalteten. Littauische Studenten gegen ihren Landswann Pranaitis. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Der berühmte jüdische Verteidiger Grusenberg erhielt von der Vereinigung der littauischen Studenten folgendes Telegramm : „Die littauischen fortschrittlichen Studenten danken Ihnen für Ihre herrliche Verteidigung. Indem sie gegen die Blutbeschuldigung gegen die Juden Protest erheben. drücken wir gleichzeitig unsere Gegnerschaft und Verachtung unserem eigenen Landsmanne dem Pater Pranaitis für seine schändliche Expertise beim Beilis- Prozesse aus." Stipendien zur Ehrung der Verteidiger. Die große progressive Tageszeitung „Rjetsch" hat auf Anregung eines ihrer Leser eine Sammlung für einen Fond eröffnet, aus welchem zunl ehrenden Andenken an die Verteidiger im Beilis-Prozesse in einer großen Anzahl von Mittelschulen Stipendien errichtet werden sollen. Der Anreger hat die Sammlung mit 50 Rubel eröffnet', die Idee hat in Rußland starken Anklang gefunden. Die Regie des Beiiis-Prozeffes. Schwere Beschuldigungen gegen Staatsanwalt und Gendarmeriechef. Das konservative Blatt „Kiewjanin" veröffentlicht neue Enthüllungen über die Affäre Beilis, die das größte Interesse erregen. Das Blatt behauptet, der Ehef der Kiewer Gendarmerie Iwanow habe gewußt, daß die Briefe des Beilis an seine Frau von Kasatschenko gefälscht waren. Kasatschenko habe ihm die Fälschung eingestanden. Auch der Staatsanwalt des Kiewer Appsllgerichtshofes habe von diesem Geständnis gewußt, beide hätten es aber verheimlicht. Eine Sammlung für Beilis. Aus Berlin. 25. d., wird telegraphiert: Rach einem Newyorker Telegramm der „B. Z am Mittag" haben die Juden in Newyork eine Sammlung eröffnst, die den Betrag von 100.000 Dollar erbringen soll und die den Zweck hat. Beilis und seine Familie nach Amerika kommen zu lassen. Man will für ihn in den Vereinigten Staaten eine Farm kaufen und Beilis dort ansiedeln. Alfred Dreyfus Wer den Beilis-Prozeß. Das russische Blatt „Ruskoje Slovo" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung, welche sein Pariser Korrespondent mit Kapitän Alfred Dreyfus gehabt hat. Dreyfus äußerte sich über den Beilis-Prozeß wie folgt: Ich habe das Drama, welches so ähnlich dem meinigen war. in furchtbarer Aufregung verfolgt. Im Beilis- Prozeß sind dieselben zwei Mächte, dieselben Feinde auf einander gestoßen, wie in meiner Affäre, nur wurde hier mit anderen Waffen gekämpft. Aber hier wie in meinem Falle waren die Waffen der Antisemiten vergiftet. Die Wahrheit hat auch hier gesiegt. Die einfachen Männer aus dem Volke haben mit ihrem moralischen Instinkte herausgefunden, daß man sie in eine Falle locken will. Das russische Gewissen hat das große Wort der Wahrheit und der Gerechtigkeit gesprochen. Der Redakteur des „Hasman" gegen Pranaitis. Aus Kiew wird uns berichtet: Der Redakteur des hebräischen Tagblatte- „Hasman" Benzion Katz wandte sich an den Metropoliten der katholischen Kirche in Rußland mit einer Zuschrift, in welcher er forderte, daß Pranaitis wegen falscher Zeugenaussage dem Gerichte überantwortet werde. Pranaitis sagte als Zeuge aus. daß er das Buch Cohar übersetzt habe, während sich im Verlaufe des Verhörs herausgestellt habe, daß er die hebräische Sprache nicht beherrsche. Katz fordert in dieser Zuschrift Pranaitis auf. ihn, wenn er den Mut hat und auf seine angebliche Gelehrsamkeit bauen kann, wegen Verleumdung zu verfolgen. Man ist gespannt, was der Metropolit, bezw. Pranaitis auf diese Zuschrift hin veranlassen wird. Der Gouverneur von Philipp opel über die Juden. Der Redakteur der bulgarischen Zeitung „Trakia". die in Philippopel erscheint, hatte eine längere politische Unterredung mit dem Gouverneur dieser Stadt Dimithoff, der unter anderem auch folgendes ausführtr: Ich werde meine ganzen Kräfte daran wenden, um die verschiedenen Rationalitäten meines Departements zu vereinigen. Ich denke, daß die Juden, die ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber mit so großer Selbstverleug-