Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022083--22672-3047829- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 870 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 47 ganze Schilderung Molos zurückkamen? Die Frage ist wohl leicht zu beantworten. Wieder wollten wir zeigen, wo der leidige Antisemitismus eigentlich seine Wurzeln hat. In der ganz und gar falschen Charakterisierung von Juden und Judentum in der modernen, schöngeistigen und philosophischen Literatur. W ircr von Molo bietet in seiner Charakteristik des Juden Jsaac ein typisches Beispiel dafür. Cin Geldgeber, der im Gebetmantel den „Nathan", die Hilfsbotschaft der Humanität, liest, über das teuere Geld feilscht und sich schließlich als moderner „Jüdisch-Nationaler" entpuppt. Weiter kann man es in der bizarren, anachronistischen Dharakterzeichnung, die eigentlich eine Verzerrung genannt zu werden verdient, nicht treiben. — Welche Schwierigkeiten bereitet es daher uns Lehrern, unserer Jugend ein richtiges Bild von Juden und Judentum beizubringen. Schmerzlich bewegt rufen wir aus: „Der Herr bewahre uns vor solchen Freunden und gebe uns Kraft, mit ihnen fertig zu werden." Brünn. _ __ Dr. M. Grünfeld. Literatur. pm rß“D *ibd Abhandlungen über den Talmudtraktakt Beracholh, von kais. Rat Aron Lewin, Rabbiner in Sambor (Drohobilsch 1913). Schon der Mut des Verfassers, in unserer materialistisch durchwühlten Zeit, in der das Talmudsludium so wenig Pflege und Verständnis findet, ein umfangreiches Werk über einen Talmudtraktat zu schreiben und damit an die Oeffentlichkeit zu treten, verdient mindestens dahin eine gerechte Würdigung, dass diese Neuerscheinung besprochen werde. Das vorliegende Werk bildet nicht eine fortlaufende, streng an den Talmudtext sich knüpfende Interpretation, sondern vielmehr eine Zusammenstellung aphoristischer Einzeluntersuchungen, die häufig nur in ihren weiteren Deduktionen mit -dem Inhalte des in der Rede stehenden Traktates im Zusammenhänge sind. Doch das liegt ja im Wesen des Talmuds selbst, ebenso dass hier mehr die Agada als die Ralacha zur Darstellung gelangt. Was nun den Derech Halimud betrifft, ist es oft ein Genuss, die feine und mit eigenartiger Sicherheit gehandhabte Technik des Geistes und die klare Art in der Gliederung des oft spröden Stoffes zu bewundern, kraft deren der gelehrte Verfasser die oft aus steilen Höhen zusammengesuchten Steinchen zu einem glanzvollen Mosaikbild künstlerisch zusammenfügt. Aus der Fülle des Gebotenen sei nur einiges besonders hervorgehoben. Sehr hübsch und zutreffend sind die Erklärungen der Talmudsteile Sanhedrin 17 a WIK pntDIB N2Hih> cbw ItntP p-nrWD, wobei überaus merkwürdig erscheint, dass Maimonides die Stelle (Hilchoth Sanhedrin Halacha 9) ganz anders wiedergibt, ln scharfsinniger Weise beleuchtet hier der Verfasser den Ideengang des Maimonides. Geistreich und ebenso logisch, an der Hand des Charakters Rabbi Josis (Siehe Chagiga 22a) ist die Talmudstelle Moed Eaton 26b erklärt: KO"I ‘nissn 'ano '22V "DT m .‘t£?E3 TD 12. Der schon von Jakob Emden angeführten und bekämpften Anschauung des Sohar P. Naso bezüglich der ntrntP eines JH2 beim Opfer hat auch der Verfasser nicht zum Siege verhelfen können. Dagegen ist die Tosaphotfrage Sota 26 na# n"1 wohl auf pilpulistischem Wege, aber nach streng logischer Auffassung des nrv1 ivc**5 treffend beantwortet. Man darf hier dem Verfasser durchaus rieht den Vorwurf machen, dass er zu den KBnai KEtpa xb'Q gehöre. Doch gerade der K’wod Hatora gebietet es zu sagen, dass man dem Verfasser, der über ein ausserordentliches ß’kius verfügt, nicht folgen kann, ja nicht folgen darf, wenn er etymologische Studien betreibt oder gewisse Minhagim erklären will. Hieher gehören die breiten Auseinandersetzungen über blp D2, über T3 '3 und über vieles andere. ln diesen, ja sonst nicht uninteressanten Erörterungen hat sich der Verfasser auf ein Gebiet gewagt, wo die Unzulänglichkeit seiner sprachwissenschaftlichen Kenntnisse im Semitischen gar zu offenkundig zutage tritt, weshalb auch die resultierenden Darlegungen nach dieser Richtung den schärfsten Widerspruch erfahren werden. Trotz dieser Ausstellungen ersieht man aus dem Werke den gediegenen Kenner der talmudischen Disziplinen in allen ihren Verzweigungen, sowie die Tiefe einer an gründlicher Gelehrtenarbeit geschulten Weltanschauung. Das Werk, das den Meister lobt, wird zweifellos treue Anhänger finden. Möge es weniger gelobt, als gelesen werden! Pilsen, am Cheschwan 5674. Dr. Link. Rabbiner Elia Reich1, Massath Bin jamin, TI. I. bis IV. 1908/10, Selbstverlag des Verfassers (in Tyrnau). Selbst jahrelang nach dem Erscheinen dieser ausgezeichneten Predigten und Texterklärungen zu den ersten vier Büchern der Thora kann ihre Besprechung nicht als verspätet erscheinen. So aktuell sind die darin behandelten Gegenstände. Mit tiefdringender, liebevoller Vertiefung in den Sinn der Bibelverse vereint der Verfasser ungekünstelte Lösungen schwieriger Stellen und populäre Wiedergabe seiner Auffassung. Das Buch ist zum Bibelstudium besonders geeignet. Es ist zu wünschen, daß ihm die Herausgabe des V. Teiles (zu Debarim) recht bald ermöglicht werde. R. L. Josef Pick, Religionslehrer. Führer durch das Gebetbuch. 2. Auflage. 20 Heller. Das Heftchen sollte jeder jüdische Vater seinem Kinde (vielleicht auch — seiner Frau) in die Hand geben. Es dient ganz vorzüglich seinem Zwecke, es dem im Gebetbuch minder Bewanderten zu erleichtern, dem Gottesdienste zu folgen. 8. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann. 57. Jahrgang. Neue Folge, 21. Jahrgang. Juli—August 1913. Heft 7/8. Inhaltsverzeichnis : Gertrud Ebstein: Drei neue Bücher über Babel Lewin. — Louis Ginzberg: Eine unbekannte jüdische Sekte. (Forts.)* — Jakob Guttmann: Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. (Schluß.) — K. Baas: Jüdische Hospitäler im Mittelalter. — Beinhold Lew in: Die Jugendgesetzgebung Friedrich Wilhelms II. (Forts.) — Julius Hessen: Die russische Regierung an die westeuropäischen Juden. (Schluß.) — Noch einmal die Mitgliederzahl der Gerichtshöfe zur Zeit des zweiten Tempels. Erwiderung von S. F u n k. — Besprechung. — Protokoll über die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. — Ko ebernsche Ver1a g sbu c hh a n d - 1 u n g (Barasch und Biesenfeld) B r e s 1 a u, Schmiedebrücke 17/18. __ Geheimrat Prof. Karl Lamprecht. Die Nation und die Friedensbewegung. Ralph Waldo Emerson: lieber den Krieg. Deutsch von Sophie von Harbou. Verlag der »Friedenswarte« Berlin, W., Bülowstraße 66, und Leipzig. Karl Morawitz. Fünfzig Jahre Geschichte einer Wiener Bank. Vortrag, gehalten in der Gesellschaft österreichischer Volkswirte anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Anglo-Oesterreichischen Bank. 1913. Hugo Heller & Cie., Leipzig und Wien, I., Bauernmarkt Nr. 3. Ben Jair. Elijahu. Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen. Frankfurt am Main 1914. Sänger & Friedberg, Allerheiligenstraße 81. 36. Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest. Für das Schuljahr 1912—1913. Vorangeht: Zur Einleitung in die Halacha. Von Prof. Dr. Michael Guttmann. (Zweites Heft.) Budapest 1913. Soziale Ethik im Judentum. Zur fünften Hauptversammlung in Hamburg 1913. Herausgegeben vom Verband der Deutschen Juden. Frankfurt am Main 1913. Verlag J. Kauffmann. KrirfKaste«. N. S. In der Kirche zu Kalwarya, Kreis Wadowice, Galizien, etwa eine' Stunde von Krakau entfernt, sah ich 1906 ein großes Altarbild mit der Darstellung eines sogenannten Ritualmordes. Es wäre Sache der Krakauer Kultusgemeinde, diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Jur. Dr. S. K. in G. E. Der evangelische Pfarrer in Lemberg Dr. Rudolf K e s s e 1 r i n g, der über das Judentum der Gegenwart schreibt („Ostdeutsche Rundschau", 11. Rov. 1913) und seine Kenntnisse dem Werke eines getauften Juden Antonius Margarita aus dem Jahre 1530 entnimmt, ist an sich eine seltsame lächerliche Figur, die kaum ernst zu nehmen ist. Diese alten Zitate aus dem Talmud und anderen jüdischen Schriften sind längst von wissenschaftlicher Seite in der autoritärsten Form dementiert worden. Wenn der Herr Dr. Kesselring im Jahre 1913 eine Wissenschaft aus dem Jahre 1530 produziert, so verdient das denn doch keine ernstliche Widerlegung. Für die Wiener „Ostdeutsche Rundschau" allerdings ist auch solche Wissenschaft hinreichend.; I. P., Agram Ein antisemitischer Tugenbold, der bekannte Bollovarer Antisemit Abradovic, wurde wegen Verbrechens der Brandstiftung dem Bezirksgerichte eingeliefert. M. Wien. Wir haben von anderer Seite eine Notiz bereits früher erhalten und in Satz gegeben. Notizen. Indische Bühne. Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Tadorstraße 12. Freitag den 21. und Samstag den 22. November: Zum ersten Male: „Der Ger", Lebensbild in 4 Aufzügen von Zalatarewsky. — Sonntag den 23. und Montag den 24. No-