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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seit^ 861 Russische „Vendetta". Im Verlaufe des Beilis-Prozesfes haben die antisemitischen Erperten gar viel von einer jüdischen ..Vendetta" gesprochen. Sie konnten für dieses angrblichr Racheg efühl der Juden gegen die Christen keinen Be weis erbringen. Dafür melden jetzt russische Blätter von einem entsetzlichen Fall, der sich vor kurzem in der Stadt Ruszani im Grodnoer Gouvernement zugetragen hat. Dort hat nämlich, ein christliches Dienstmädchen ..aus Rache" gegen die verhaßten Juden das neugeborene Kind ihrer jüdischen Dienstgeber am sechsten Lebenstage des unschuldigen Kindes vergiftet. Die Eltern des vergifteten Kindes empfinden den Schmerz um das tragische Ende ihres neugeborenen Kindes um so mehr, als es der erste Sprößling nach zehnjähriger kinderloser Ehe war. Das christliche Dienstmädchen erklärte, daß sie dem Juden diese unbändige Freude über die Geburt des Kindes nicht gegönnt habe. Die Aerzte befürchten, daß die Mutter des Kindes in ihrem großen Schmerze dem Wahnsinn verfallen werde. Was wäre aus diesem Falle gemacht worden, wenn die Dienstgeber Christen und das Dienstmädchen eine Jüdin gewesen wäre? ° Der englische Genecalpostmeister als Jude. Der englische Generalpostmeister Herbert Samuel hat in der letzten Zeit Canada und Amerika bereist. Trotzdem er diese Reise hauptsächlich Studienzwecken gewidmet hat. fand er doch Zeit, sein Interesse für die jüdischen Angelegenheiten der von ihm bereisten Länder zu betätigen. Besonders in Canada nahm er an verschiedenen. ausschließlich jüdischen Veranstaltungen persönlichen Anteil, und in Toronto hat er selbst die neue Anstalt der Gesellschaft der jüdischen arbeitenden Mädchen von Toronto persönlich feierlich eröffnet. Genrralpostmeister Samuel hielt bei diesem Anlasse die Festrede, in welcher er darauf hinwies, daß die schönste der jüdi schen Tugenden die Arbeit und die Achtung vor der Frau sei. Die Juden würden nur ihrer alten Tradition treu bleiben, wenn sie dafür sorgen, daß diese beiben Vorzüge auch in Zukunft jüdische Tugenden bleiben. Gew Wie jüdisch e Abgeordnete in Italien. Auf Grund einer von der „Settimana Israelitira" gemachten Mitteilung geben wir hiemit die Liste der bei den letzten allgemeinen Kammerwahlen in Italien qc wählten jüdischen Abgeordneten: Ingenieur Ugo Ancona (Gemona), Dr. E. Actvm (Castelnuovo di Garfagna), Advokat Salvatore Barzilai (Rom V), Comm. Advokat Marco Cassin (Borgo S. Dalmazgo), Comm. Advokat Dario Cassuto (Livorno I), Hierschel de Minerbi (Palmanova). Luigi Luzzatti (Oderzo), Fäbio Luzzatti (S. Daniele nel Friuli), Advokat Giuseppe Emanuele Modigliani (Budrio), Baron Ello Morpurgo (Cividale nel Friule). Advokat Elia Musati (Venedig I). Advokat Angela Pavia (Darese), L. Romanin Iacur (Pieve di Sacco). Advokat Cesare Sarfatti (Oleggio). M. Todeschini (Verona I), Claudio Treves (der ein Doppelmandat errungen hat, und zwar in Mailand VI und Bologna I). Insgesamt 16 jüdische Abgeordnete, von denen drei der gemäßigten Partei, vier der liberalen Partei und die übrigen neun der offiziellen Sozialistenpartei angehören. Fräulein Professor. Tausende von unbemittelten Patienlen kennen längst das Fräulein Dr. Rahel Hirsch, die jetzt, wie mitgeteilt, als erster weiblicher Arzt in Deutschland, den Professortitel erhalten hat. Als Assistentin des Geheimrat Kraus leitet sie seit fünf Jahren die ganze Poliklinik — Männer¬ und Frauenabteilung — der zweiten medizinischen Universitätsklinik an der Becliner Charitee. Auch unter den Anhängerinnen der Frauenbewegung ist noch die Meinung verbreitet, daß die Frau als Arzt eigentlich bloß Franeuarzt sein sollte. Das ist ein Vorurteil, die Erfahrung widerlegt es beständig. Der erste Profsssortitel, der einem Fräulein Dr. med. verliehen worden ist, sollte es endgültig beseitigen, Natürlich gilt dieser Titel nicht allein und nicht einmal in erster Linie der praktischen Aerztin. die sich im schweren Spitaldienst bewährt hat. Die Professur belohnt wissenschaftliche Leistungen. Fräulein Professor Hirsch hat über Fieber und Wärmelehre gearbeitet, und neben diesen theoretischen Arbeiten stehen wertvolle Untersuchungen über Drüsen mit innerer Sekretion, also über Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennieren usw. Die Basedowsche Krankheit und die Diabetes fallen ebenfalls in das Forschungsgebiet des Fräuleins Professor. Uns Laien genügt dies: daß Frauen wissenschaftlich und praktisch mit gleichem Erfolge wie Männer tätig sind und daß es nach zahlreichen weiblichen D oktoren der Medizin nun auch einen weiblichen Professor an einer medizinischen Universitätsklinik gibt: im selben Berlin, in dem es noch Vorkommen kann, daß ein Fachgelehrter die Frauen von seinem Hörsaal ausschließt. Ein antisemitischer Bezirksschulinspektor. Krakau. Erst in voriger Woche berichtete ich in diesen Blättern über die wegen Schwindels erfolgte Verhaftung des antisemitischen Pfarrers Szpvnder und schon heute kann ich die Arretierung eines weiteren Antisemiten erster Klasse melden. Nach den in Krakau erscheinenden Tagesblättern ..Naprzöd" und „Ilnstrowany kurver codzienny“ vom 14. November — denen wir die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Mitteilung überlasst« — wurde vor einigen Tagen in Lemberg der bekannte Judenfeind Bezirks schulinspektor Julius Nowakowski wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. Dieser gute Mann, der bereits viele Lehrerinnen unglückbch gemacht hat, lockce in den Abendstunden ein überaus anständlges. 17jähriges Mädchen, Tochter sehr angesehener Eltern, durch raffinierte Kn'-ffe in das Hotel „Sradtmüller", wo er das unschuldige Opfer, trotz sehr starkem Widerstand, genotzüchtigt hat. Erst morgens gelang es dem Mädchen sich von der Gewalt des sittsamen Schulinspektors zu befreien und sich mit total zerrissenen Kleidern nachhause zu begeben. Herr Julius Nowakowski gehört zu den Wächtern der Moral, die dafür Sorge tragen, daß der Lehrkörper der galizischen Schulen tunlichst judenrein bleibe und daß gottbehüte nicht ein jüdischer Lehrer oder jüdische Lehrerin in das Herz der galizischen Schuljugend Gift einimpfe. M. T . . . ler. Juden und Armenier. Das Verhältnis zwischen den in Adrianopel lebenden Juden und Armeniern ist. wie aus Konstantinopel berichtet wird, ein außerordentlich freundschaftliches. Anläßlich des Doppeljubiläums der Armenier der 1500- Iahrfeier der Entstehung der armenischen Schriftzeichen, und der 400-Iahrfeier der ersten armenischen Buchdruckerei richtete der Oberrabbiner von Adrianopel. H. B. Jarno, an den armenischen Bischof daselbst ein herzliches Begrüßungsschreiben. In Beantwortung desselben dankte Bischof Tourian für die anerkennenden Worte der Juden schaft und fügte hinzu: ..Wir ergreifen diese schöne Gelegenheit, um Sie mit großem Vergnügen daran zu erinnern, daß den beiden Genies Sahagh und Mesrog bei ihren Bemühungen um ihre Erfindung auf Grund der semitischen Sprachen die Kenntnis der heutigen hebräischen Sprache, für welche wir nie aufhören werden, eine unauslöschliche Dankbarkeit und die tiefste Hochachtung zu empfinden, außerordentlich zustatten kam."

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