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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 842 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 46 eines Vizepräsidenten bekleidet. 1908 wurde Dr. Weitzelberger vom Kaiser durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1911 wurde Dr. Weitzclberger von der allgemeinen Städtekurie in den Landtag gewählt, in welchem er oft zur Verteidigung städtischer Interessen das Wort ergriff. Kardinal Friedrich Fürst Schwarzenberg über den Antisemitismus. Kardinal Friedrich Fürst Schwarzenberg war zuerst Erzbischof von Salzburg und dann Erzbischof von Prag. Aus dem Jahre 1848 wird folgende Episode historisch berichtet: - „Als der Redakteur des klerikalen Blattes in Salzburg zur Zeit der Revolution einen antisemitischen Artikel aufnahm, lieh Schwarzenberg ihn rufen und sagte zu ihm: „Lassen Sie die Juden in Ruhe. Judenhetze ist die Vorläuferin oder Begleiterin einer jeden Revolution. Die Iudenhetze verstößt geradezu gegen die Grundsätze unserer heiligen Religion und bringt niemals Segen, wie Sie aus der Geschichte der Kreuzzüge wissen. Ich bedauere zwar auch die Arroganz und lleberhebung gewisser jüdischer Schriftsteller und wünsche,, daß sie unsere Religion in Ruhe lassen und die Duldung, die wir ihnen gönnen, auch uns gewähren. Aber für die Erzesse einzelner darf nicht das Volk verantwortlich gemacht werden. Niemals darf die Gegenwart verantwortlich gemacht werden für die Vergangenheit. Revanche ist ein heidnisches Wort. Merken Sie sich bas." (C. Wolfsgruber. „Friedrich Kardinal Schwarzenberg", I., S. 276.)" Der antisemitische Reichsratsabgeordnete Szponder. Krakau. In dem in Krakau erscheinenden Tageblatte „Ilustrowany kuryer codzienny“, Nr. 257 vom 7. November 1913, lesen wir, daß der Geistliche und ftühere 'Reichsratsabgeordnete Szponder (dieser Passus kommt im genannten Blatte nicht vor: der bekanntlich Antisemit in des Wortes strengster Bedeutung ist und vor zirka 15 Iahren als Seelsorger in Wieliczka daselbst einen Pogrom ä la Rußland in Szene zu setzen versucht hat) in Krakau wegen Machinationen bei Emigranten verhaftet wurde. Er wollte an sich Hand legen, wurde aber daran von dem Polizeiinspektor Czppil verhindert, der die Verhaftung zusammen mit dem Polizei- Kommissär Dr. Eulkowski vornahm. Bei der vorgenommenen Hausdurchsuchung fand sich unter anderem sehr belastendes Material, auch eine Menge künstlicher Bärte vor, mit denen der antisemitische Geistliche die militärpflichtigen Emigranten versah, damit sie als ältere Leute erscheinen und anstandslos die Grenze passieren können. Drei Mädel int Alter von 16 Jahren, die allem Anschein nach dem Seelsorger bei seinen Schwindeleien behilflich waren, wurden in seiner Wohnung angetroffen. Auf die Frage des Polizeikommissärs, wer eigentlich diese jungen Damen sind, erwiderte der ftomme Pfarrer, dab diese seine Nichten sind. Wie weit seine antisemitische Agitation einst reichte und wie gefährlich sie geworden, zeigt die Tatsache, daß im SomMer 1898 für den politischen Kreis Neu-Sandez der Ausnahmszustand auf einige Wochen verhängt werden mußte. Nun hat er solches Ende gefunden. M. T. Botschafter Morgenthaus Amtsantritt in Konstantirropel. Aus Newyork wird uns geschrieben: Henry Morgenthau. der bekanntlich vom Präsidenten Wilson zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel ernannt wurde, war, bevor er seine Reise antrat. Gast mehrerer Körperschaften, welche ihm zu Ehren Abschiedsfeste veranstalteten. Am interessantesten verlief wohl der Lunch, den der Eastern Council der liberalen Rabbiner zu Ehren des Botschafters gab. Morgenthau war nämlich bis jetzt Präsident der Newyorker freien Synagoge, deren Rabbiner Stephen S. Wise ist. In seiner Ansprache machte Botschafter Morgenthau die interessante Mitteilung, daß er fest entschlossen gewesen sei, die Ernennung nicht anzunehmen, und nur infolge des Einflusses des Rabbi Wise habe er den zustimmenden Standpunkt eingenommen. Er sei jetzt froh, daß er sich zur Annahme der Stelle entschlossen habe. Besonders, da er gleichzeitig von der Ernennung des Sir Rufus Jsaacs zum Lord- Oberrichter in England gelesen habe. Ich dachte hiebei, so sprach er, an die Millionen Inden, die Mut geschöpft haben aus der Tatsache, daß ein Jude zu so hoher Stelle in England ausersehen wurde, und sicherlich auch eine Genugtuung darin finden werden, daß ein amerikanischer Jude die größte Republik der .Welt in der Türkei zu vertreten bestimmt ist. Ich habe die Absicht, in der Türkei als Jude zu leben, und weil ich die Ueberzeugung habe, daß die großen Institutionen, welche die Christen in jenem Lande errichtet haben, jede mögliche Berücksichtigung verdienen, so sollen auch die jüdischen Anstalten, die sich dessen würdig zeigen, meine Unterstützung und Förderung haben. Der einzige jüdenfreundliche Pole gestorben. Vor wenigen Tagen starb in Warschau der Redakteur des dortigen „Curjer Polski" Ludwig Straschewicz. Der Verstorbene war heute in der gesamten polnischen Presse nahezu der einzige ehrliche und selbstlose Freund und Verteidiger der Rechte der Juden. Für Straschewicz bedeuteten die Worte Freiheit und Menschlichkeit nicht leere Modephrasen, die je nach der Windrichtung abgeschwächt oder vollständig verlöscht werden können. Für ihn war der Freiheitsgedanke ein unauslöschliches inneres Gefühl, dem er sein Leben lang treu geblieben ist. Am herrlichsten zeigte es sich jetzt bei derantijüdischen Boykotthetze in Polen, an welcher sich fast die gesamte polnische Publizistik beteiligte, bloß. Straschewicz stand allein fest wie ein Felsen und hörte nicht auf, seine konnationalen und Berufskollegen auf das ungeheure Unrecht und die barbarische Unmenschlichkeit zu verweisen, die in dieser wirtschaftlichen Knebelung der Juden liegt und der Tradition des polnischen Volkes unwürdig sei. In den Kreisen der Juden hat der Tod ihres Verteidigers aufrichtige Trauer hervorgerufen und sie bewahren ihm ein immerwährendes dankbares Gedenken. Ein Pogrom auf Ziegen. (Ein Probe-Pogrom?) Aus Petrokow wird dem „Haint" gemeldet: In dem nahen Städtchen Silew haben russische Huligans, von einigen Rädelsführern aufgehetzt, während sämtliche Juden sich in den Vethäusern befanden und das Simchas-Thora-Fest feierten, gegen die auf der Wiese weidenden Ziegen der Juden einen wahren Pogrom veranstaltet. Eine Rotte von rohen Gesellen warf sich mit geschliffenen Messern auf die den Juden gehörenden weidenden Ziegen, schlitzte ihnen den Bauch auf, so daß dieselben unter unsäglichen Qualen verendeten. Die Opfer dieses eigenartigen Pogroms betragen insgesamt 120 Stück. Die Roheit dieses echtrussischen Pöbels ging soweit, daß sie sogar einige ihrer hingemordeten Ziegenopfer in die Stadt brachten und vor die Häuser ihrer Besitzer hinlegten. Die Polizei erwies sich gegenüber der Uebermacht der Pogtomhelden zu schwach und alarmierte die in den Vethäusern befindlichen Juden. Hierauf verliefen sich die Ziegenpogromisten. Für sehr viele jüdische Familien bedeutet der Verlust der Ziegen einen herben Schlag.

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