Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 45 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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aeggaafcss ^lOig««»ggKgfSSSaBiB? WMIKrW»«'VW tor. 4h $$■ HZkocha AAgenM« ZÄdische Kolonisations-Organisation. (Generalversammlung und Jahresbericht.) Die diesjährige Generalversammlung der A. 2. K. O. fand am 14. Oktober zu Berlin im Bureau der Organisation unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn A. F. Marcus, statt. Dem Berichte des Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses. Dr. Alfr. Nossig. entnehmen wir nachstehend^ AngtzKen: Von besonderer Bedeutung für das Propagandawerk der A. 2. St. O. war die Gründung eines eigenen Püblikationsorgans „Der Orient". Trotz ihres kurzen Bestandes hat diese Zeitschrift, die gegenwärtig das einzige der jüdischen Orient-Kolonisation gewidmete Organ in deutscher Sprache ist, dem Kolonisationswerk bereits neue Freunde gewonnen. Infolge des Balkankrieges war die A. 2. St. O. im Berichtsjahre an der Entfaltung einer intensiveren Propaganda gehindert. Erst als die politische und wirtschaftliche Situation sich zu klären begann, demnach im Sommer 1913 war es möglich, die im Vorjahre eröffneten Bemühungen wenigstens an gewissen Punkten zum Abschluß zu bringen. 2n Wien wurden im Vorjahre, dank der Unterstützung des dort entstandenen vorbereitenden Komitees für ein neues, von der A. 2. K. O. geplantes Finanzinstitut. gröbere Beträge gezeichnet. Eine Reihe von Umständen lieb es nun ratsam erscheinen, die Gründung des neuen Finanzinstitutes in der Weise durchzuführen, dab die für dasselbe gezeichneten Beträge zunächst in Aktien des Finanzinstitutes der A. 2. K. O.. der „Orient Eolonising Co.. Ltd." angelegt werden, mit der Mabgabe, dab die O. C. C. mit der Gründung des neuen 2nftitutes betraut wird. 2m 2uni 1913 gelangten nun die gezeichneten Beträge zur Einziehung und, wurden der O. C. C. unter: bestimmten Bedingungen zur Verfügung gesteUI. Mit vollem Erfolge konnte im Sommer 1913 auch die Organisierung von Boden-Erwerbs-Gesellschaften in Ruhland wieder ausgenommen werden. Nachdem bereits im Mai 1913 zwischen der B. E. G. „Kadrmah" in Moskau und der O. C. C. ein definitiver, notarieller Vertrag abgeschlossen war. begab sich der Generalsekretär der A. 2. K. O. im 2uni nach Warschau, um daselbst eine Gruppe von Familien, die sich an die A. 2. K. O. gewendet hatten, zu organisieren. Die Bestrebungen der A. 2. K. O. fanden hier die eifrigste Unterstützung nicht nur in den auswanderungsbedürftigen Kreisen, sondern auch seitens der jüdischen Tagespresse. Wie zeitgemäß und den Bedürfnissen entsprechend die Kolonisationstätigkeit der A. 2. K. O. auf diesem Gebiete ist, beweist der Umstand, dab noch im Verlauf der Gründung der neuen Boden- Erwerbs-Genossenschaft in Warschau, der A. 2. K. O. aus allen Teilen Rutzlands und Russisch-Polens, aus Galizien, Amerika, ja selbst aus Paris Anmeldungen von Gruppen zukamen, die nach den von der A. 2. K. O. ausgestellten Prinzipien für den Bodenkauf und die Uebersiedlung sich zu organisieren bereit sind. Da es zurzeit unmöglich war, alle diese Anmeldungen zu berücksichtigen, so beschränkte sich die A. 2. K. O. darauf, zunächst einige besonders geeignete Gruppen in Russisch-Polen zu einer B. E. G unter der Bezeichnung „Iischub" zu vereinigen. Das Finanzinstitut der A. 2. K. O. „The Orient Colonising Co. Ltd." hat durch Gewährung eines Darlehens von 116.000 Frcs. die G r ü n d u n g einer neuen Kolonie, „Kiriath Mosche" durch eine Kolonistengruppe aüs Bialystok und der Umgegend ermöglicht. Gegenwärtig betreibt die O. C. C. den Ankauf eines Wochenschrift. Seite 83? Terrains auf der Sinaihalbinsel. Der betreffende Landstrich würde für 10 Kolonien Raum bieten. Der A. 2. K. O. ist im Berichtsjahre ein Betrag von 20.000 M. als Legat von weiland Herrn Mar Krain in Charlottenburg hinterlassen worden. Herr Markus Przedborski in Lenczyca (Russisch- Polen) hat sich bereit erklärt, nach dem Plane der A. 2. K. O. eine Palästina-KolonisationS-Stif- 1 un g in der Höhe von 80.000 Frcs. zu errichten und die Verwaltung derselben der O. C. C. zu übergeben. Aus dem Berichte des Schatzmeisters ergab sich, daß die Einnahmen und Ausgaben der A. 2. K. O. im Berichtsjahre fast dieselben waren, wie im Vorjahre, was durch die Unterbrechung der Propaganda infolge des Balkankrieges zu erklären ist. Nach Anhörung des Berichtes der Revisoren. Herren Georg Lachmann und Handelsrichter Bernhard Lilienfeld, erteilte die Versammlung der Leitung der A. 2. K. O. Decharge. Aus den Wahlen ging der vorjährige Vorstand in unveränderter Zusammensetzung hervor. Hierauf wählte der Vorstand aus seiner Mitte Herrn Geh. 2ustizrat Berthold Timendorfer ins Präsidium. Nach Erledigung der statutemnähigen Geschäfte der Generalversammlung entspann sich eine sehr lebhafte D i skussion über die derzeitigen Aussichten der jüdischen Kolonisation im Orient. Don den Anwesenden beteiligten sich an dieser Diskussion hauptsächlich Herr Siegfried Brünn, Professor Dr. S. Kalischer, Dr. Isidor Ginsberg, Dr. Alfred Nossig, Herr Alois A. F. Marcus, Geh. Iustizrat B. Timendorfer. 2n der diesjährigen Generalversammlung des Finanzinstitutes der A. 2. K. O? „The Orient Colonising Co.. Ltd.", welche unter dem Korsitze von Kommerzienrat Gerson Simson stattfand.yiurde der bisherige Auffichtsrat unverändert neugewählt. Sobald die mit den Wiener Aktionären vereinbarten Bedingungen erfüllt sein werden, wird als Vertreter der Wiener Aktionäre der Grohindustrielle Herr Dr. Bruno Pollack Edler v. Parnau in den Aüfsichtsrüt der O. C. C. eintreten. 1:1 Auch in diesem 2ahre, wie im Vorjahre, wurde der Reingewinn in der Höhe von 23/i°/<> des Aktienkapitals auf neue Rechnung vorgetragen, jedoch unter Abzug von 3000 Mark, die als erstmalige Dotierung dem Reservefonds zugewiesen wurden. Auszeichnungen und Ernennungen in Frankreich. Der bekannte Archivar und Paleograph Marx in Paris wurde zum Mitgliede der Ecole francaise in Rom ernannt. lieber Vorschlag des Finanzministers wurde der Bankier Samuel Saul-Merzbach zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Die Akademie der politischen und Morakwissenschaften hat den Preis „Le Diner de Penanrun" per 2000 Franken dem Lehrer der Sorbonne Brunshwig für seine Arbeit „Die Etappen in der mathematischen Philosophie" verliehen. Eine Satire des „Gik Blas". 2m „Gil Blas" wird der Beilis-Prozeß durch ein satirisches Bild von Hermann-Paul glänzend charakterisiert. Ein Russe ist gerade im Begriffe, ein Kind zu erdrosseln. Ein PolizeiMann erscheint und es entspinnt sich folgendes Zwiegespräch: „Ah, ah, ein Ritualmord. 2ch erkläre Sie für verhaftet!" „Mer nein doch, es ist ja ein kleiner Iudenjunge." „Das ist was anderes. Dann fahren Sie fort."