Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 45 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 838 Dp. Vlochs Wochenschrift. Nr. 4b EM Mischer llnwerjitätsprofessor in Tokio. Wie aus Paris berichtet. wird, wurde derPrivatdozent an. der Universität in Lausanne (Schweiz) Dr. T. Sternberg Zum. ordentlichen Professor an die Universität in Tokio ernannt. Zerftrsüsierrmg des Wischen Attnenwesens in Paris. Äus Paris wird uns geschlichen: Der starke Zuzug jüdischer Emigranten nach Paris und . die damit verbundene gröbere Inanspruchnahme , der jüdischen A3 ohltätigkeitsorganisationen haben die Notwendigkeit einer Zentralisierung des jüdischen Armenwesens in Paris ersten. Nach langen und eingehenden Verhandlungen ist es endlich gelungen, eine solche Zentralstelle zu schaffen, Und wir werden ersucht, hie vorläufige Adresse derselben, und zwar „Office central de Philanthropie israelite, Paris 22, rue de Franville“, der weiteren Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Eine Gnade der russisch,eu Regierung. In Petersburg wird, dieser Tage, wie uns von dort geschrieben wird, ein Kongreß der Schachspieler und Schachkünstler stattfinden. Ursprünglich hatte die Regierung erklärt, daß sie nicht geneigt sei, aus diesem Anlasse Kr die jüdischen Teilnehmer dieses Kongresses das Wehnrechtsverbot aufzuheben. Infolge dieser Haltung waren die Anmeffiungen zu diesem Kongreß so spärlich, daß der ganze Kongreß in Frage gestellt war. Erst als die Veranstalter des Kongresses der Regierung die Mitteilung machten, daß sie wegen der ablehnenden Haltung der Behörden gezwungen seien, von der Abhaftung des Kongresses abzusehen, hat sich die Regierung endlich entschlossen, ausnahmsweise zu gestalten, daß die jüdischen Teilnehmer an dem Kongresse während der Dauer desselben sich in Petersburg aufhalten dürfen. Ein 200 Pfund schweres jüdisches Spendenbuch. Aus Rewyork wird berichtet: Es dürfte in der Geschichte der öffenüichen Wohltätigkeit nicht häufig Vorkommen, daß man ein Spendenbuch, das 200 Pfund wiegt, anlegt mit der festen Ueberzeügung, daß dasselbe in absehbarer Zeit durch die Namen der Spender ausgefüllt sein wird. Diese Hoffnung hegt die jüdische Gesellschaft der Töchter Jakobs, welche dermalen ein Altersheim für jüdische Frauen verwaltet, und trotzdem sie bereits jetzt mehr als 300 Pfleglinge unter ihtem Schutze hat, sich veranlaßt fühlt, ein neues, viel größeres Heim zu errichten. Die Kosten dieses neuen Altersversorgungsheimes wurden mit l1/2 Millionen Kronen veranschlagt. Diese Summe soll nun im Wege öffentlicher Spenden in möglichst kurzer Zeit hereingebracht werden, undum eine ^allgemeine Beteiligung zu sichern, wurde beschlossen, auch die geringste Spende anzunehmen und dieselbe sowie den Spender in diesem Buche zu verewigen. Diese demokratische Form der Heranziehung der breitesten Schichten zur öffentlichen Wohltätigkeit hat auf die jüdische Bevölkerung von Newyork einen sehr guten Eindruck gemacht, und schon der bisherige Einlauf der Spenden zeigt, daß die Gesellschaft der Töchter Jakob in ihren Voraussetzungen nicht getäuscht und in verhältnismäßig kurzer Zeit im Besitze der nötigen Summe sein werde. Zm des Lord Rothschild mit dem KachWbLtäatssetretLr wird uns aus London geschriebene Teilweise Genugtuung müssen alle Iuden beim Lesen von Lord Rothschilds Brief empfinden. Viel Unheil hafte möglicherweise verhütet werden können, wären uns^ce Großen immer mutig und selbstbewußt im Interesse unserer verfolgten Brüder aufgetreten. Das englische Haus Rothschild war in - dieser Beziehung' von Vorwürfen' frei zu sprechen, und bleibt' nur zu hoffen, daß Lord Rothschilds Aktion, in dieser, traurigen. Angeles enheit auch den gewünschten Erfolg haben werde und daß sein Beispiel auch von jüdischen Größen anderer Länder befolgt werden wird. ' Der neue Chief-Rabbi Dr. I, -H. H ex tz hat vöt einigen Wochen gleichfalls eine Erklärung vom Mykdiüäl Bourne, ErAischof von Westminster, in .Angelegenheit der Vlutlüge, erhälten, in der dieser Kirchenfürst sich aufs entschiedenste gegen dieselbe erklärt. Heute abend findet eine große Protestversammlung. hier in der Memorial-Hall, Farringdon Street, statt, an der teilzunehmen unter anderen zugesagt haben: der Erzbischof von Eanterbüry, der Bischof von. Hereford, Lord Rothschild, Rev. Campbell von der freien prot. Kirche, der Herzog von Norfolk, Viscöuüt Milner, Lord Justice Vaughan Williams, Sir Harry Iohnston, verschiedene Reichslagsabgeordnete und die Meisten Universitäts- Professoren von London, Cambridge und Oiförd, und verspricht die Versammlung eine imposante Kundgebung der nichtjüdischen Kreise im Interesse des Judentums zu werden. Dr. c. Dusch ins ky. „Jerusalem" m Nordkarolina. Newyorker Blätter berichten über ein Unternehmen, welches von katholischen und jüdischen Orgynisütivnen gemeinsam in Nordkarolina in der Nähe der Städte Charlotte und Black Mountains entstanden ist. Es handelt'sich um zwei große Siedlungen in der bezeichneten Gegend, woselbst noch große unbevölkerte Ländereien vorhanden sind. Und zwar um eine katholische und eine jüdische Siedlung. Das Unternehmen hat sehr rasch Anklang gefunden, besonders 'die Ansiedlung von Juden geht in raschem Tempo vonstatten, so daß auch bereits eine- Negersiedlung zur Sicherstellung des Dienstpersonales für die katholische und die jüdische. Kolonie sich erwiesen hat. Nun schweben darüber Verhandlungen, daß die Stadt Black Mountain den Namen-„Jerusalem" erhalten soll, und zwar nicht nur weil die Juden sich daselbst allmählich eine Stadt errichten, sondern weil diese Stadt, wie versichert wird, sowohl ihrer Ausdehnung, als auchihrer Anlage nach sehr stark- .an Jerusalem erinnere. - Spanien und die Juden. Aus Madrid wird uns-geschrieben: Wie schon kurz gemeldet wurde, ist dem Orientalisten und Dozenten -an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft, des. Judentums-Dr. I ah ud a durch königliches Dekret der Auftrag geworden, im Frühjahr eine Reihe von 12 Vorträgen über „jüdische Zivilisation in Spanien" und „die gegenwärtige Lage der spanischen Juden. („Spaniolen") in -Marokko und im-Orient", und im. Anschluß daran einen ftminaristischen Ilebungskursus abzuhalten. Das Bedeutsame dieser Einrichtung, die von den zuständigen amtlichen Stellen mit außerordentlichem, durch den persönlichen Wunsch des Monarchen' angeeisertem Interesse betrieben und in. politischen und Gelehrtenkreisen mit.lebhafter Sympathie begrüßt wurde, ist. vor allem .iw der Tatsache zu suchen, daß damit der ersitz Schritt getan ist zur Verwirklichung des in der letzten Zeit in. den Kreisen der spanischen .Intelligenz -vielerörterten Gedankens - einer kleberbrückung des seit- -vier Jahrhunderten klaffenden Abgrunds zwischen, dem Judentum., und der Nation, in deren Mitte es die Blüttznperiode seiner nachpalästinen- . fischen Kultur erlebte. Gerade deshalb, ist ja die jüdische Zivils sätion in Spanien ein ungemein reiches Und fesselndes Thema, das durch die Vermittlung der treu erhaltenen Sprache zwanglos zu den heutigen Spaniolen,in Marokko und im Orient hinüberführt. Es ist eine eigentümliche Fügung des Schicksals, daß die einst.vor der spanischen Verfolgung nach Marokko geflüchteten Juden heute unter der eingeborenen Bevölkerung wie Vorposten des Vaterlandes der Vorfahren wirken und von Spanien in der Tat als solche in Anspruch genommen werden. An sie Hat man bei Dr. JahuKas Berufung, der, nebenbei bemerkt;, ,selbst sp'ani'ölischer Abstammung ist, in erster Linie gedacht/wiedenn auch -geeignete » junge Leute aus der maroKanischen- Judenschaft zu den Kursen, .herangezogen