Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 44 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 803 rektor für interne Angelegenheiten zu. Was jedoch die Repräsentation der Gemeinden und ihre Gerichtsbarkeit betrifft, so bleiben die diesbezüglichen ottomanischen Gesetze auch weiterhin in Kraft. Die rumänischen Juden. London, 27. Oktober. Namens des gemeinsamen jüdischen Ausschusses richteten David Alexander und Claude Montefiori, der Präsident der englisch-jüdischen Vereinigung, an Sir Edward Grey ein Schreiben, in dem sie die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Tatsache richten, daß im Vukarester Vertrag und ähnlichen Dokumenten der neuen Zeit die Garantien der religiösen und bürgerlichen Gleichberechtigung für die Juden, wie sie im Berliner Vertrag enthalten sind, nicht bestätigt oder wiederholt werden. Die jüdische Bevölkerung sei deshalb, namentlich nach den starken territorialen Veränderungen auf dem Balkan und dem Landzuwachs Rumäniens, wo bisher die Bestimmungen des Berliner Vertrags systematisch umgangen wurden, in höchster Besorgnis. Internationale Verpftichtungen zum Schutze der Rechte der Juden seien notwendig, besonders angesichts der Unterdrückung der Juden in Rumänien, obwohl anerkannt werden solle, daß in Griechenland, Serbien, Bulgarien und Montenegro rechtliche und religiöse Gleichberechtigung besteht und faktisch die dortmen Juden bisher keinen Anlaß zur Klage hatten. Der jüdische Ausschuß bedauert. Maiorescus Erklärung nicht annehmen zu können, daß eine Bedingung über die religiöse Freiheit im Vukarester Vertrag unnötig gewesen sei. Er hofft, die englische Regierung werde Schritte tun, um den Juden den vollen Schutz zu sichern, den ihnen das Londoner Protokoll von 1830 und der Berliner Vertrag gewähren. : : Ein Brief König Earols an Mwes Montefisre. Aus Newvork wird uns geschrieben: Die Organisation für die Emanzivation der rumänischen Juden, über deren Tätigkeit wiederholt berichtet wurde, setzt ihre Agitation eiftig fort. Vorige Woche fand abermals ein Massenmeeting statt, an welchem die hervorragendsten Perfönli^keiten teilnahmen. Um darzutun. daß man ge^en Rumänien mit schärferen Maßregeln auftreten mäste und einfachen Versvrechungen keinen Glauben schenken dürfe, wurde ein Brief zur Verlesung gebracht, den König Carol. damals noch Fürst, im August 1887 an Sir Moses Monteffore gerichtet hat. Montefiore war bekanntlich verfönlich in Bukarest, um zugunsten der rumänischen Juden zu intervenieren. In einer Audienz beim Fürsten Carol aab dieser das feste Versprechen, alles auftubie^en, damit die Gleichberechtigung der Juden in der kürzesten Zeit durchgeführt werde. Zu Haufe anaelanat,. dankte Monteffore für die Zusage und bat. ibm diele in einem Schreiben zu bestätigen Hierauf erhielt Males Monteffore das nachfolgende Schreiben: „Herr Baronet! Ich erhielt Ihr Schreiben vom 27. August und babe es mit lebhaftem Interesse gelesen. Wie ich schon Gelegenheit hatte, Ihnen mündlich zu erklären, sind die Wünsche, denen Sie im Interesse Ihrer Glaubensgenossen Ausdruck verleihen. bereits fast erfüllt. Die Israeliten sind Gegenstand meiner Sorge, sowie diejenige meiner Regierung, und ich freue mich, daß Sie nach Rumänien kamen, um sich zu überzeugen, daß die religiöse Verfolgung, wegen welcher böswillige Elemente so viel agitieren, in Wahrheit nicht existiert. Wenn es hie und da vorgekommen ist, daß hiesige Juden in ihrer Ruhe gestört wurden, so hat es sich bloß um vereinzelte Fälle gehandelt, für welche meine Regierung keine Verantwortung trifft. Ich werde immer meinen ganzen Einfluß aufwenden, daß die religiöse Freiheit der Juden respektiert werde, und ich werde alle Mühe aufwenden, um Gesetze ins Leben zu rufen, welche die Juden hinsichtlich ihrer Person und ihres Besitzes ebenso schützen, wie die andern Rumänen. Genehmigen Sie, Herr Baronet, die Versicherung meiner ganz besonderen Wertschätzung Karl. Controceni, August 1887, Fürstliches Palais." Aus dem Sumpf der Korruption. Seit einigen Tagen ist nun die Lust bei mehreren Zentralbehörden mit Miasmen erfüllt, die hierzulande bisher fremd waren. Es riecht nach Korruption. Die Auswanderungsaffäre der kanadischen Gesellschaft zieht immer größere Kreise und spritzt Schmutzwellen nach links und rechts. Auf der einen Seite sehen wir als Drachenkämpferin das Wiener offizielle Organ für die schamlose Blutlüge von Kiew, nämlich die biedere ..Reichspost" mit ihrem Hintermann Baron Weichs-Glon und ihrem Vordermann, dem Artur Grün Hut, und auf der anderen Seite den „Konfestionslosen" Altmann und seine Genossen von der ..Canadian-Pacific". Es ist ein Kampf der Schiffahrtsgesellschaften gegeneinander, der auf beiden Seiten Enthüllungen brachte, über welche man sich dem Ausland gegenüber schämen muß. Man spricht von vielen Millionen, welche dieser Kampf auf beiden Seften für Zwecke der Bestechungsgelder verschlungen hat. Eine Schiffahrtsgesellschaft, die vom Handelsministerium autorisiert war, den Auswanderungsdienst zu organisieren, wird beschuldigt, die Auswanderung gefördert und den Gesetzen und dem Staats!nieresse entgegen organisiert zu haben. Man spricht von zwei Armeekorps. die dank dieser Agitation zur Auswanderung nach Kanada dem österreichischen Heere verloren gingen Das Kriegsministerium hat hier das staatliche Interesse zuerst gewahrt. Herr Altmann und seine Helfershelfer sitzen hinter Schloß und Riegel. Allein das Bild der Ankläger ist nicht minder wenig erbaulich. Die Staatsfunktionäre, die aus dem christlichsozialen Parteigetriebe in die Beamtenkarriere hineingeschmuggelt worden, erscheinen in bengalischer Beleuchtung. Einer derselben ist der jetzt meist genannte Herr Baron Weichs-Glon. Der Herr Baron Weichs- Glon. damals noch Referent für Schiffahrt im Staatsdienst. emvffehlt der Austro-Americana die Verfrachtung von Bauarbeitern nach Brasilien. Die Austro-Americana, im Besitz ungünstiger Informationen über die dortigen Gesundbeits- und Arbeitsverhältnisse, frägt bei diesem hohen Staatsbeamten an. ob die Sache nicht doch bedenklich sei. Der Hobe Staatsbeamte antwortet: Nein! und rät der Gesellschaft nur noch eindringlicher, das gute Geschäft zu machen. Die Gesellschaft, die offenbar nicht das Prinzip hat, ihre Dividende aus Menschenleben zu gewinnen, hat sehr anständiger- und erfreulicherweise trotzdem auf das ihr so warm emvfohlene Geschäft verzichtet. Nicht das Verdienst des Beamten ist es. wenn dieser Teil des Auswanderungsftandales ohne schmerzliche Folgen geblieben ist. Die Lebensphasen dieses Herrn bilden ein Schulbeispiel. wie die Wiener Machthaber ihre Günstlinge versorgen. Wie er Referent für Schiffahrtsanaelegenheiten im Handelsministerium wurde, mit der Freundschaft Dr. Weiskirchners als einzigem Befähigungsnachweis und dem Verkehr in den Vorzimmern des Belvedere als einzige Vorschule: wie er dann diese Stelle ebenso geheimnisvoll wie unvermutet verlor, allerdings um die Treppe zur Generalvertretung der Hamburg-Amerika- Linie hinauszufallen: wie er. von jedermann mit Mißtrauen angesehen, immer rascher vorwärts und zu größerem Einfluß kam. das alles ist ein recht interessantes Kapitel. Das Allersonderbarste an der Rolle des Herrn v. Weichs-Glon ist aber, daß er sie noch immer spielen kann, daß es der Regierung noch nicht eingefallen ist, diesen Repräsentanten einer ausländischen Schiffahrtsunternehmung als ungeeignet zu erklären und zu entfernen. Es ist bedauerlich, daß die Hamburg-Amecika-Linie keine bessere Vertretung hat, als die Firma Grünhut- „Reichspost". Wie wett diese Leute sich vorwagen. zeigt