Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-24 · 43 (24.10.1913) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
43 (24.10.1913)
Date
1913-10-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022079--22592-3047745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Sette 794 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 43 gesunden. Hier nun soll es sich herausgestellt haben, das; dieses Stück, in welchem die Judentaufen mit echtem Pariser Humor gegeißelt werden, die Gefühle einer großen Zahl der Besucher des Budapester Lustspielkheaters verletzen könnte. Diese UeberzejUgunjg oder deutlicher gesagt, die Rücksicht auf die vielen in hoher sozialer Stellung befindlichen getauften Juden von Buda-; peft, die auch zu den Protektoren des Lustspielkheaters gehören, veranlaßten die Direktion, selbst auf die Gefahr materiellen Schadens hin, von der Aufführung dieses Stückes abzusehen. In Budapest kann man die Judentaufe nicht ungestraft glossieren. Die NM im Ghetto. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 42 Ihres gesch. Blattes unter obangeführter Spitzmarke räumt Herr Dr. Leo Ehrentheil der Walnutz einen hervorragenden Platz im jüdischen Ghettoleben ein. Den Juden unserer Doppelmonarchie sind freilich all die angeführten Bräuche mit der Putz zur Gecküge bekannt. Merkwürdigerweise sind all diese Minhagim in meiner russischen Heimat gänzlich unbekannt. Bon der Nutzernte bis hart vor dem Pessachfeste ist nach dieser Frucht überhaupt keine Nachfrage, sie wird auch zum Bestreuen von Mehlspeisen bei uns nicht verwendet, erst beim Bereiten des Charauses gelangt sie zu Ehren. Dann erst geht das „Nüssespielen" an. Die wälischen Nüsse, wie sie in der „Gasse" heitzen, scheppern nicht nur in den neuen Taschen der Kinder, selbst Bachurim (junge Leutch forzieren das Nüssespielen am Pessach. Hie wird Kupkes (Häufchens gespielt, nämlich mehrere Nüsse werden zu einem Häufchen geformt und von einer gewissen Distanz (gewöhnlich dreißig Schritte/) mit Nüssen beschossen; wer ins Bolle trifft, zieht das Häufchen an sich, die verschossenen jedoch gehören dem Aussteller: dort wird „Gerad und ungrad" gespieltindem der „Bankier" mehrere Nüsse in eine Mütze gibt und die beteiligten Spieler einen Einsatz leisten, worauf sie auf gerade oder ungerade setzen; nun wird die Mütze fallen gelassen, die aus der Mßltze herausfallenden Nüsse zeigen Gewinst oder Verlust an. Dann ist auch „Röschl" — mit einer Eisenkugel wird auf Nüsse gezielt — ein überaus beliebtes Spiel etc. Wie lustig es beim Nüssespielen zugehl, möge der geneigte Leser aus nachstehender Episode entnehmen. Es war an einem Nachmittag des ersten Pessachfestes. In meinem Elternhause saßen um einen großen Tisch mehrere Meschorerim (Tempelsänger), sangen und schlürften den ihnen verehrten Meth. Nun hieß es: Nüssespielen! Es wurde allsogleich eine Mütze herbeigeschafst und schon ging das Spiel an. Gelang es einem Spieler, die Bank zu sprengen, da gabs ein Hallo, ein Jubel, als wäre Plewna vom neuen im Sturm e'Mbert.. . Im Lärm hatte man gar nicht gemerkt, daß der Briefträger CAnnitowsky eingetreten sei, — alles balgte sich um die Nüsse —, disser jedoch bahnte sich mühsam den Weg zu meiner in Gott ruhenden Mutter und überreichte ihr einen Brief von meinem Bruder aus Warschau: „Was gibts denn heute bei Euch?" fragte der Postbote, der eigentlich Hörer der Charkower Universität war und nur gelegentlich seinen Vater vertrat, worauf meine Mutter erwiderte: „Ihr seht es ja, Hochwohlgeboren, es ist Passahfest, also spielen die jungen Leute mit Nüssen!" „He, Leutchen, laßt mich milspielen!" rief nun Chamitowsky, „das Spiel ist ja verflucht fidel! Verkauft mir um einige Kopeken Nüsse und ich spiele mit!" Dies sprechend, warf er die Tasche mit der Korrespondenz auf den Tisch und spielte mit. Je mehr er verspielte, desto besser gefiel ihm's. Nach einer Stunde des Spielens ermahnte ihn meine Mutter: „Euer Hochwohlgeboren l Die Leute werden wohl auf die Post warten!" . . . „Ach was!" versetzte er mit den Worten der Christel von der Post: „Bei der Post geht es nicht so schnell!" . < .' Allein bald ,mutzte man zum Minchagebet und es wurde Schluß gemacht. Nun verabschiedete sich der Briefträger mit den Worten: „Lebt wohl! Ich hätte nie gedacht, daß Ihr so schöne und lustige Bräuche besitzt!" Eger. Oberkantor Armin Wilkowitsch. Kol Jehuda, Hebräische Fibel von M. Stengel, Verlag Buchhandlung Jos. Schlesinger, Wien I. Unter diesem Titel erschien vor kurzem eine neue hebräische Fibel, welche den bestbekannten Religionslehrer M. Stengel zum Verfasse]- hat. Wir möchten das Erscheinen dieses Schulbuches als eine Tat auf dem Gebiete der jüdisch-pädagogischen Literatur bezeichnen. Nicht so senider Umstand, daß der Autor wohl neue originelle Bahnen eingeschlagen, als vielmehr die Art, wie er zugleich die alten ausgetretenen Wege wieder gangbar macht, charakterisiert den hohen Wert des Buches. Jedes Wort ist an seinem, Platze, jede Uebung hat ihren besonderen methodischen Wert; sie weisen eine gründliche Kenntnis des jüdischen Schrifttums sowie ein richtiges Verständnis für die geistige Tragkraft der Schuljugend auf. Wenn der Lehrer zur Belebung des Unterrichtes die einzelnen inhaltsreichen, der Liturgie sowie der Thora entnommenen Winter und Worte übersetzt, gewinnen die Kinder mühelos einen Wortschatz, der ihnen beim späteren Unterrichte den größten Dienst leisten kann. Jede Schwierigkeit, die dem Leseunterrichte sonst hemmend in den Weg tritt, wird durch die hier angewandte methodische Behandlung beseitigt. Sehr gut gewählt/sind die einzelnen Gebete und Segenssprüche; sie führen . uns durcli das ganze synagogale Jahr. Daß der Verfasser die Namen der hebr. Monate, der Feier-, Fest- und Fasttage aufnimmt, verleiht der Fibel, welche mit einem alphabetisch geordneten, herrlichen Spruchschatz schließt, erhöhten Wert. Empfehlenswert wäre bei einer Neuauflage des gediegenen Werkes eine Erweiterung einzelner wichtiger Hebungen. Die Fibel würde dann zweifelsohne zu den besten Büchern dieser Art zählen. Druck und Ausstattung des Buches sind trotz des geringen Preises von 40 Hellern vorzüglich. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die fleißige und überaus gewissenhafte Arbeit des Autors die weiteste Verj breitung finden wird, die ihr in der Tat gebührt. S. K u h n e r. Tliora Goldschmidt, Bildertafeln für den Unterricht im Englischen. Leipzig 1913. Ferdinand Hirt, Mk. 3.—. Diese prächtigen Tafeln bieten etwas in ihrer Art Unübertreffliches. Die verschiedenartigsten Gebiete des menschlichen Lebens werden hier in geschmackvoller Darstellung bis ins einzelne genau und übersichtlich, mit der englischen Bezeichnung versehen, dem Schüler anschaulich vorgeführt. Es ist eine Lust, hiernach zu lernen. Die Bestrebungen für die Renaissance des Hebräischen sollten sich an dieses Muster halten. Chaim H. Tliumim, Rabb., Assessor in Kolonien. Sichron Larisclionim. Statuten und Gebräuche des Vereines „Gemiloth Chasodim“ in Kolonien, welche alten Chroniken entnommen wurden, nebst einem Vorworte über die Geschichte der Juden und der berühmtesten Rabbiner in der Stadt Kolonie a. Kolonien 1913. Verlag des Verfassers. Kriefkaste«. „Mon". Um gleich einen anderen erklärten Freigeist zu zitieren, so äußerte Voltaire einst im Gespräch mit Friedrich dem Großen („SulamitH.", 8. Jahrgang, Seite 128): „Das (die Bibel, R. d. M.) ist ein ganz vortreffliches Buch, ich schätze es höher als jedes andere in der Welt. Besonders rührend sind mir mehrere Erzählungen in diesem Buche, z. B. die Geschichte Joseph. Dieser Abschnitt der Bibel hat von jeher für eine der schönsten Darstellungen des Altertums gegolten; im ganzen Homer finden wir nicht so etwas Rührendes, und selbst Hektars Abschied von der Andromache steht nach." Jurist. Paul Laband, der berühmte Straßburger Staatsrechtslehrer ist jüdischer Abstammung. Von ihm schrieb erst in diesen Tagen (17. 5.) die rassenantisemitische „Deutsche Tagesztg.": „Laband gehört unbestritten zu den allerersten Autoritäten des Staatsrechtes in Deutschland. Er hat auf dem Gebiete des öffentlichen Rechtes vielfach bahnbrechend gewirkt und sich immer wieder als besonders scharfsinniger und treffsicherer Interpret der geltenden Rechtsbestimmungen auf diesem Gebiete bewiesen." Ber. M. Wir erachten es weder für notwendig noch für ersprießlich, darauf zu reagieren, und brauchen den Raum für wichtige Dinge. Dankend retourniert. K. R. Wir erinnern an die berühmten amerikanischen Physiker, bezw. Chemiker und Nobelpreisträger, den aus Strelno stammenden Professor Michelson und Prof. Loeb und an den englischen Chemiker und Großindustriellen Ludwig Mond, der freilich auch im Ausland nie aufgehört hat, als guter Deutscher zu wirken, wie die fürstlichen Legate, mit denen er die alte Heimat in seinem Testament bedacht hat, bewiesen haben. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Tavotitraße 12. Freitag den 24.. Samstag den 2b. und Sonntag den 26. Oktober: „Die drei Matunes". Märchen in 3 Aufzügen, 1 Prolog und 1 Epilog von I. L. P e r e tz, Musik von Eh. Wolfsthal. — Sonntag den 26 Oktober halb 4 Uhr nachmittags bei halbe Pteisen „Borg mir dein Weib", komische Operette in 4 Aufzügen von A. S ch o r r. Montag den 27. Oktober „Die Opferung Isaaks", Operette von A. Goldfaden. Dienstag den 28. Oktober „Die Weiber", komische Operette von A. S ch o r r. Mittwoch den 29. Oktober zu Gunsten des Kranken-Unterstützung Vereines ..Benei Be« rith" „Blümale", Operette von I. L a t a i n e r. Donnerstag den 30. Oktober „Al Naharojs", Buwel Operette von I. Latainer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.