Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 43 (24.10.1913)
- Date
- 1913-10-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022079--22589-3047742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Budapest 1× ep/1002374
- Cheb 1× ep/1044482
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
■Ui. 48 Dr. Bloch» Wochenschrift Gelte 791 Professor Antscherl von der hohen Bedeutung der „Sukka" für ^Israel sprach und in der herrlich dekorierten, elektrisch beleuchteten Laubhütte vom Schutze Gottes sprach und mit einem Gebet für den Landesvatcr seinen Festvortrag beschloß, da erhob sich alles voller Begeisterung, laut in das Amen einsallend. Herr Hofbauer jun. und Herr Fischer und Herr Vizepräses Lemberger vom Pestalozzi-Verein haben sich im allgemeinen und um unsere Jugend besonders verdient gemacht; dazu trugen auch die anderen Vorstandsmitglieder wesentlich bei. Am zweiten Abend verrichtete herrlich das Kiddufch-Gebet der Präses des Oesterr.-Ung. Kanloren- Vereines, Herr Oberkantor I. Bauer, und Herr Oberlehrer Kohn von der „Talmud-Thora" sprach schön zur Jugend. Das „Echt- A l t j ü d i s ch e" in der „Einheit"-Cukka war dabei glänzend, fein, schön und gut und machte tiefen Eindruck auf die zahlreichen Gäste beim Feste, das auch diesmal wahre Festesfreude reichlich erweckt hat. Austritte aus dem Judentum. Vom 12. Oktober bis inklusive 18. Oktober 1913. Gelb Markus, Privatbeamter, geb. 4. September 1874 in Mayten, XVIII., Gersthoferstrasse 156. Gelb Theresia geb. Schober, Beamtensgattin, geb. 3. Februar 1880, Wien, XVIII., Gersthoferstrasse 156. Gronner Heinrich, Privatbeamter, geb. 14. Juli 1881 in Delnavies, III., Marokkanergasse 5. Heller Johanna geb. Gränfeld, geb. 7. August 1891 in Kronstadt, 111., Bintzerstrasse 6. Körner früher Kohn Leopoldine, Beamtin, geb. 27. Oktober 1883 in Linz, XIX., Döblinger Hauptstrasse 58. Körner Dr. Robert früher Kohn, Beamter, X X., Döblinger Hauptstrasse 58. Medsaknvitsch Brana geb. Schmngler, geb. 18. August 1872 in Odessa, II., Schreigasse 12. Schlesinger Wilhelm, Bankbeamter, geb. 5. Juni 1886 in Wien, 11., Castellezgasse 10—12. Veith Adolf, geb. 24. Jänner 1887 in Budapest, VI., Kapistrangasse 3. Veith Olga, geb. 22. Februar 1883 in Budapest, VI., Kapistrangasse 3. Veith geb. Hirschbauin Hermine, geb. 4. Dezember 1854 in Tyrnau, VI., Kapistrangasse 3. St. Pölten. (Hoher B e s u ch i n d e r n e u e n S y n a g o g e.I Se. Erzellenz Herr Geheimer Rat Dr. Johannes Rößler, Bischof in der l. f. Stadt St. Pölten erfüllte Mittwoch der verflossenen Woche seine bereits früher gemachte Zusage und erschien gegen vorherige Anmeldung in der festlich geschmückten neuen Synagoge. Zum Empfange Sr. Erzellenz haben sich die Funktionäre des engeren Vorstandes und Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter eingesunden. Herr Vorsteher Albert Leicht begrüßte den hohen Gast vor dem Haupteingange des Tempelgebäudes und geleitete selben in das Innere, worauf in der Vorhalle Herr Rabbiner Dr. Schächter in einer kurzen und inhaltsvollen Ansprache Sr. Erzellenz die Freude der gesamten Gemeinde über den hohen Besuch zum Ausdruck brachte und den Willkommengruß bot. Hieraus wurden Sr. Erzellenz die anwesenden Funktionäre der Israelitischen Kultus gemeinde St. Pölten, Herr Vorsteher-Stellvertreter Samuel Mandl, Herr Tempelvorsteher Siegmund Allina und die Herren Beiräte Adolj Reiß, Simon Platze! und Leopold Reiniger, vorgestellt. Rach dieser Vorstellung besichtigte Se. Erzellenz eingehendst sämtliche Räumlichkeiten und interessierte sich für alle Details. Der Aufenthalt Sr. Erzellenz im Tempelgebäude währte zirka 40 Minuten, während welcher der hohe Gast über alle den Bau betreffenden Angelegenheiten Erkundigungen einzog. Besonders lohend drückte sich Se. Erzellenz über die gesamte Anlage des Baues aus und zollte ungeteilte Bewunderung unseren Architekten Herrn Theodor Schreier und Viktor Postelberg aus Wien. Sichtlich bewegt von den gesammelten Eindrücken, verließ Se. Erzellenz das Gebäude und dankte in warmen Worten für das Gebotene. Postelberg (Böhmen). Am 13. d. M. starb hier Herr Wilhelm Stein, Rabbiner in R., im 74. Lebensjahre. Der Verblichene war in Herepnik (Böhmen)' geboren und eignete sich schon frühzeitig ein schönes profanes und hebräisches Wissen an. In Postelberg wirkte er nahezu volle 45 Jahre als Rabbiner und Religionslehrer in segensvoller Weise. Die vielseitige Liebe und Verehrung, deren sich der Verewigte in den weitesten Kreisen erfreute, zeigte sich inl der aufrichtigen Trauer und Teilnahme, die sein Ableben allenthalben auslöste, wie auch in her ungewöhnlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse. Eine große Menge aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung gab ihm vom Trauerhause zum Friedhofe das Ehren'geleite. Sowohl im Trauerhause, als auch am Friedhofe ergriff Se. Ehrwürden Dr. Hirschberg, Rabbiner von Bilin-Postelberg, das Wort und würdigte in gehaltvollen Worten die Verdienste des Entschlafenen. Kein Auge sah man trocken, altz er die Eigenschaften schilderte und das lichtvolle Lebensbild des Verblichenen entwarf. Rabbiner Wilhelm Stein hinterläßt eine Witwe, mit der er durch 51 Jahre in glücklicher Ehe gelebt hat, und drei Kinder. Zecher zadik liwroches! Dr. A. H. Salzburg. (Trauung.) Am 2. November findet in Prag die Trauung des Herrn Otto L ö w y, Sohn des Herrn Kultusvorstehers Rudolf L ö w y aus Salzburg, mit Fraulein Alice Freund aus Reichenberg statt. Der Bräutigam, ein treuer Sohn des Judentums, genießt in weiten Kreisen viele Sympathien. Eger. (Verlobung.) Fräulein Hilde L ö w y, Tochter des verdienstvollen Kultus-Vorstehers, Herrn Eduard L ö w y, hat sich mit Herrn Emil Fischt, Gesellschafter der Eisen- und Metallwarenfabrik „Münzerhütte" in Aussig an der Elbe, verlobt. Lemberg. Als vor Jahren einmal am Kolnidre-Abend in Kalisch eine Panik entstand, bei der viele Personen umkamen, erließen die Rabbiner vieler Gemeinden in Polen ein Verbot für Frauen, an dem Abendgottesdienste teilzunehmen. Bei dem Unglück in Cholerow wo 16 Frauen ihr Leben verloren, hören wir von keiner vorbeugenden Maßregel. Nur ein Zelot in Lemberg entschied auf eine Anfrage: man müsse bei dem Begräbnis der getöteten schwangeren Frauen — Schofar blasen! Die von dem Bankdirektor M. H. Reich gespendeten 150.000 Kronen sollen dem Vernehmen nach zur Gründung eines Kinderasyls bestimmt sein. Der verstorbene Schwiegervater des Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann in Wien, hieß Schnapik. Der Synagogenrabbiner Dr. G u t t m a n fungierte nicht bei dem Begräbnis. Z. Bukarest. An den hohen Festtagen haben auch die hiesigen Rabbiner gegen das Ritualmordmärchen gepredigt. Großen Eindruck machte es, als im spanischen Tempel Rabbiner Doktor I. Niemirower mitteilte, daß vor zwei Jahren anläßlich einer solchen Inszenierung in Bukarest ihm gegenüber Seine königliche Hoheit Kronprinz Ferdinand seine Entrüstung gegen eine solche Beschuldigung der Juden äußerte. zfemlieton. Chaim Aachman Sralilr Auf dem Wiener Zionistenkongretz war der hebräische Dichter Bialik eine der interessantesten Persönlichkeiten: auch jene, welche nicht zur Partei gehören, drängten sich, diesen neuen lyrischen Dichter in der Sprache der Propheten zu sehen, von Angesicht kennen zu lernen. Ueber diesen Dichter publizierte Dr. Josef Gottlieö in ver „Frankfurter Zeitung" einen interessanten Essay, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: Bei Bialik finden wir die stahlharte, keusche, marmorglänzende Sprache, die kühnen und originellen Bilder, den leidenschaftlichen Ingrimm der Propheten wieder. Und doch trennt ihn von jenen die ganze Kluft mehrtausendjähriger Kulturentwicklung. Ist dort die Tendenz die Hauptsache, die künstlerische Schönheit das Akzidentelle, fast Ungewollte, so steht hier das Künstlerische immer mit Vorbedacht, oft mit der leisen Koketterie, die man Frauen und- Dichtern gern nachsieht. Denn Bialik ist nichts mehr als Künstler und nichts weniger als Tendenzdichter. Seine Poesie ist zum großen Teil nationalen Inhalts. Für die Stärke seines nationalen Empfindens und für die innere Verschmelzung des nationalen Erlebens mft dem persönliche: ist es charakteristisch, daß man in vielen seiner Gedichte zuweilen unterscheiden kann, wo das eine aushört und das andere beginnt (Klausner). Dies gilt vor allem von dem Zyklus der „Lieder vom Ingrimm". Diese Lieder sind in den Iahren 1902 bis 1905 unter dem frischen Eindruck der blutigen Iudenpogrome geschrieben, die der Dichter zum Teil als Augenzeuge miterlebt hat. Eines mag hier in ziemlich getreuer Uebersetzung stehen: