Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 43 (24.10.1913)
- Date
- 1913-10-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 790 Dr. Blochs Wochenschrift N«-. ^3 Protest Versammlung. Seitens des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus findet Donnerstag, den 30 ds., abends 8 Uhr, im Hotel Post, I., Fleischmarkt 16, eine Protest-Versammlung gegen die Ritualmordbeschuldigung statt, in welcher der Nachweis der Unhaltbarkeit dieser Lüge aus den Evangelien erbracht werden wird. Herr Reichsratsabgeordneter Prof. Dr. M a s a r y k hat sein Erscheinen in Aussicht gestellt. Gäste willkommen. Wie». (Verlobung.) Herr Markus P i ck, Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat sich mit Fräulein Frieda Faltitschek, Tochter des Herrn Oberlehrer Isidor F a l t i t s ch e k, verlobt. Wien. (Bethausverein „TefilathJeschurun" Wien, k. k. Prater, Ausstellungsstraße Nr. 53.) In der letzten Sitzung des Vorstandes wurde die Wahl von fünf Ausschußmitgliedern für die Talmud-Thora Schule mit einjähriger Funktionsdaucr vorgenommen. Gewählt wurden die Herren: M. L. B o n d y zum Obmanne, Hugo Pollatschek zum Schriftführer, Josef Goldberger zum Kassier, Julius Neugebauer und Sigmund Stark zu Schulräten. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfe n- Verband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 11 b.) Di enstag, den 28. d. M., findet ein Vortrag de- Herrn Dr. Leopold P lasch kes statt. Thema: »Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels." Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen! Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. IX, Türken st raße 9. Die Wahlen in den Ausschuß haben folgendes Resultat ergeben: I. U C. Hermann Klapper; Präses; cand. arch. Heinrich Schön gut, Vizrpräses; I. U. C. Hugo Ke lb l, Schriftführer; techn. Fritz Ginsberg, I. Kassier; iur. Jakob Weiner, II. Kassier; iur. Max B u x s p a n, Bibliothekar; exp. Abraham Groß, Zeitungs- und Hausverweser. Joses Weih. Es war ein herrlicher Spätsommertag. Di: Sonne sendete ihre schönsten, alles belebende Strahlen zur Erde, die Luft war so milde und erquickend, als wollten die Naturkräfte dem braven Manne, dem wir zur ewigen Ruhe betten sollten, den letzten Weg verschönen. Es ist uns armen Sterblichen leider nicht gegönnt, den Schleier, den die Vorsehung um der Menschen Schicksale webt, zu lüften und zu ergründen. Warum gar zu oft die edelsten Menschen im besten Mannesalter nach langem, qualvollen Leiden von der Erde abgerufen, aus der Mitte ihrer Lieben gerissen, ihr dem Wöhle der Menschheit gewidmetes Leben verkürzt wird. Dieses Schicksal war auch dem Manne beschieden, den wir am 2. Tage des Sukkothfestes in kühler Erde betteten. Ein edler Mensch im vollsten Sinne des Wortes, der zärtlichste Gatte, der liebevollste Vater, ein Jude mit jeder Faser seines Herzens, ein treuer, dienstfertiger Freund und Kollege und ein Wohltäter der Armen und Hilflosen. Dabei von einer Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit und Einfachheit, die ich nicht genug bewundern konnte. Wahrhaft rührend war seine Fürsorge für die Unglücklichsten der Armen, für die Blinden. Da war er unermüdlich und legte sich manches Opfer auf, wenn es galt, „seinen Blinden" zu helfen. Das Leichenbegängnis gestaltete sich denn auch trotz des Feiertages zu einer imposanten Beileidskundgebung der Lehrerschaft und des Bürgertums. Wir bemerkten unter anderen die Bürgerschul-Direktoren Beer und Löwit, die Oberlehrer Ascher, Faltitschek, Keppelmacher und viele andere. Der Lehrkörper der Knabenschule am Ezerninplatz hatte sich i•< c<>n«np* eingefunden. An der Bahre nahm Oberlehrer Isidor Faltitschek namens des Lehrkörpers herzlichen Abschied. Am Grabe hielt Oberlehrer H. Ascher dem Verblichenen einen überaus warmen, formvollendeten Nachruf, der sichtlich vom Herzen kam und auch in die Herzen aller Leidtragenden drang; man merkte an den Worten des Redners, daß er ein aufrichtiger, warmer Freund des Dahingeschiedenen war. Josef Weiß hinterläßt eine untröstliche Gattin, mit der er durch 30 Jahre in zärtlichster, ungetrübter Ehe lebte, und drei wohlerzogene Söhne, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen und sicherlich dem Vorbilde und den Lehren ihres geliebten Vaters folgen werden. Möge ihnen die allvermögende Zeit die notige Linderung bringen und möge ihnen der Gedanke zum Tröste gereichen, daß der Dahingeschiedene keinen Feind, nur Freunde hinterlasien. Ehre seinem Angedenken! Leopold Schulhof. Wim. (Todesfall.) Der Schriftsteller Herr Julius Uprimny hat einen schweren Verlust erlitten. S^ine Mutter, Frau Rosalia Uprimny, geb. Mautner, eine in weiten Kreisen hochgeschätzte Frau, ist nach langem schweren Leiden in den Armen ihrer Kinder hier gestorben. Das Leichenbegängnis hat am 15. d. M. stattgefunden. Chewra-Kadischa Fünfhaus. Am 15. ds. verschied der Obmann-Stellvertreter des Bethausvorstandes XII.—XV. und langjähriger Präses unserer Chewra, Herr Heinrich Neufeld. Sein langjähriges Wirken hat ihm in weiten Kreisen ein hohes Matz von Popularität geschaffen. Die Beisetzung, welche der Feiertage halber noch am selben Tage stattfinden mutzte, war eine imposante; der lange Zug nahm die Richtung in die Turnergasse vor dem Tempel vorüber, wo der Verblichene 30 Jahre Bethausvorsteher war, und löste sich nachher auf. Am Sonntag, den 19. d. M., fand die Beerdigung aus dem Zentralfriedhofe statt. Die Beteiligung war eine überaus zahlreiche. Von den Bezirken XII.—XV. waren nach Hunderten Männer und Frauen anwesend. Vom Kultusvorstand war erschienen: Vizepräsident Dr. Gust. Kohn, kais. Rat S. Kauders, Dr. Markus Spitzer, Karl Lemderger, Samuel Steiner, Obmann des Bethausvorstandes XII.—XV., 1. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, kais. Rat Salomon Beer, die Bethaus- und Chewra-Kadischa-Vorsteher der Bezirke Ottakring und Währing, Herr Amtsleiter Freisiadt und Adjunkt Herr Heinrich Engel, der vollzählige Bethausvorstand vom Tempel Fünfhaus, die Bezirkskommission XII.—XV. mit ihrem Obmann Herrn Samuel Mohr, mit dem Bezirksamtsleiter Herrn Z. Fehr, der Gesamtvorstand der Chewra-Kadischa Fünfhaus und viele. Deputationen von verschiedenen Wohltätigkeilsvereinen der Bezirke. In der Zeremonienhalle erekutierte Herr 1. Oberkantor Schleifer mit dem Chore die Trauergesänge, worauf Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Mar Gruitwald die Trauerrede hielt, in welcher er den Verblichenen als aufopfernden Gatten und Familienvater schilderte und sein Wirken für Gemeinde und Institutionen hervorhob. Herr Kultusvorsteher Steiner sprach im Namen des Vethausvorstandes XII.—XV., in welchem der Verblichene mehr als 30 Jahre rührig tätig war. Herr Chewra-Kadischa-Vorsteher Hermann Weinberger nahm rührenden Abschied im Namen der Chewra-Kadischa; schließlich sprach ein langjähriger Freund für die Wohltätigkeilsvereine der westlichen Bezirke. Als der Sarg in das Grab gesenkt wurde, verrichtete Erster Kantor Schleifer im Aufträge der Chewra-Kadischa das bst moIa Micharnirn. Der Ziomsten-Kongretz im Kino. Dem ungemein rührigen Jüdischen Turnverein Favoriten ist es unter großen Opfern gelungen, den Film über den 11 Zionisten-Kongretz und das anläßlich desselben stattgcfundene Turn- und Sportfest der jüdischen Turnerschaft für eine einmalige Ausführung zu gewinnen. Wie erinnerlich, beteiligten sich an diesem Turn- und Sportfeste über 1400 jüdische Turner und Turnerinnen, deren überraschende Leistungen die fast 20.000 Menschen zählende Zuschauermenge in helle Begeisterung versetzten. Viele von denen, die nicht in der Lage waren, das herrliche Bild, das am 7. und 8. September der Viennasportplatz bot, in natura zu sehen, werden sicherlich die Gelegenheit, die bewunderungswürdigen Leistungen jüdischer Turner und Turne binnen wenigstens im Filin kennen zu lernen, nicht ungenützt vorübergehen lassen. Der Jüdische Turnverein Favoriten wird diesen Film anläßlich einer zugunsten seines Turnhallenfondes in den Rosen sä len, X., F.avoritenstratze 89 am 30. Oktober d. I., 1/ß Uhr abends, stattfindenden K i n o- Varietee-Vorstellung vorführen lassen. Karlen zu Kronen 1.20, —.60 und —.40 sind im Vorverkauf an den Turnabenden am Turnplatz, X., Larenburgerstratze 8—10 (sArbeiterheim) oder auf telephonische Bestellung bei dem Obmanne Herrn S. Insel (4658) zu haben. Das Laubhüttenfest in der „Einheit". Die ersten zwei Sukkot-Abende in der festlich geschmückten, geräumigen, wohl schönsten „Sukka" Wiens werden den Schützlingen des Wiener Pestalozzi-Vereines, aber auch den Festgästen, die sich in der „Einheit", II., Malzgasse 12, am 15. und 16. d. M. abends ungemein zahlreich eingesunden hatten, unvergeßlich bleiben. Die unter Leitung des nimmermüden Präses, Herrn Bernhard Hofbauer, unter ritueller Beaufsichtigung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners I. Fürst, der „Adas I i s r o e l" stehenden „Einheit" hat durch die solenne Begehung des altjüdischen Laubhüttenfestes und Heranziehung der Jugend sich besondere Verdienste erworben. Herrlich erklang am 1. Abend „K i d d u s ch" durch Herrn Oberkantor Müller, assistiert von seinen Sängern, und als