Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 43 (24.10.1913)
- Date
- 1913-10-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 789 zu sichern. Er schäme sich, daß es heutzutage dazu kommen tonnte, datz gegen einen so albernen Aberglauben Protest erhoben werden mutz. Nachdem Redner unter stürmischem Beifall geendet hatte, erhob sich Rabbiner Dr. Simon Hevesi. Er protestierte gegen den Vorstotz gegen die jüdische Religion, der in der Blutbeschuldigung enthalten ist. Ec berief sich auf die i n f a l l i b l e n P ä p st e, auf historische Grützen, wissenschaftliche Körperschaften, die alle ohne Ausnahme für die Unhallbarkeil der Blutbeschuldigung eingetreten sind. Wenn im Talmud ein Hinweis auf den rituellen Mord zu finden wäre, so wäre dieser sicherlich an vielen Stellen lang und breit besprochen. Protestieren wir also gegen diese falsche Anklage, gegen die Beschimpfung der jüdischen Religion, gegen das Mitfützentreten der menschlichen Rechte und der Ideale des kulturellen Fortschrittes. Moriz Mezei, Präsident der israelitischen Landeskanzlei, ergreift das Wort, blotz um der Ansicht Ausdruck zu verleihen, datz es sich um keine Anklage handeln könne, da zumindest die Ankläger von der Wahrheit und Billigkeit ihrer Anklage überzeugt sein müssen. In diesem Falle handelt es sich daher nicht um eine Anklage, vielmehr um eine gewöhnliche Verleumdung. Schlietzlich unterbreitete Dr. Bela Oesterreicher im Namen der ungarländischen zionistischen Organisation folgenden B esch lu tzantra g: „Die in Budapest am 18. Oktober 1913 abgehaltene Vollversammlung gibt ihrer Entrüstung darüber Ausdruck. datz man zur Schande des 20. Jahrhunderts und der zivilisierten Menschheit in -Riet» mit dem ganzen Apparat der Iustizpslege und Entfaltung der grötzten Gewalttätigkeit bestrebt ist, die Beschuldigung zu beweisen, datz die Juden zu rituellen Zwecken Christenblut benützen. Die Vollversammlung betrachtet den Kiewer Prozetz und die gegen Mendel Beilis erhobene Beschuldigung als eine gegen die ganze Iudenschaft erhobene Beschuldigung und protestiert mit Entrüstung dagegen, datz gerade gegen jenes Volk eine solche furchtbare Anklage gerichtet wird, dessen grundlegende religiöse Gesetze den Genutz jedweden Blutes mit der grötzten Strenge verbieten, gegen ein Volk, in dessen Glauben die Nächstenliebe als einer der fundamentalsten biblischen Sätze figuriert. Die Vollversammlung konstatiert mit Beftiedigung, datz die ernste Presse der ganzen Welt und die hervorragendsten Kapazitäten der Wissenschaften laut ihrem Protest gegen die Kiewer Blutbeschuldigung ausgesprochen haben und die Einstellung des skandalösen Prozesses fordern." Die Resolution wurde einhellig angenommen und die Versammlung sodann geschlossen. Der Delegierte zweier Staaten. Bei dem jüngst in Budapest abgehaltenen internationalen Kongretz über kommerzielle Erziehung hat Dr. Iakir Behär, ein junger türkischer Jude, der seine Studien in Italien absolviert hatte, zwei Staaten, und zwar Italien und die Türkei, vertreten. Wiederembringung der Dillingham-Vill. Wie erinnerlich, haben die Mitglieder des amerikanischen Kongresses, Dillingham und Burnett, kurz vor Ablauf des Regierungstermines des ehemaligen Präsidenten Taft eine Einwanderungsbill sowohl im Kongresse, als auch im Senate durchgebracht, die, wenn sie Gesetzeskraft erlangt hätte, hauptsächlich für die russischen Juden, die nach Amerika auswandern wollen, katastrophal hätte werden können. Man erinnert sich nun, datz es nur der Standhaftigkeit Tafts zu danken war, datz diese einwanderungsfeindliche Gesetzesvorlage nicht zur Tat geworden, da Taft, von seinem gesetzlichen Rechte Gebrauch machend, gegen das Gesetz sein Veto einlegte, wodurch es abgelehnt erschien. Nun haben die Initiatoren jener Gesetzesvorlage sich entschlossen, sie im Kongresse abermals einzubringen. Die Freunde der fteien Einwanderung in Amerika rechnen aber mit Bestimmtheit darauf, datz es der Kompagnie Dillingham-Burnett auch diesmal nicht gelingen werde, ihr einwanderungsfeindliches Vorhaben auszuführen. Jüdische Kandidaten für den türkischen Staatsrat. Aus Konstantinopel wird geschrieben: Ueber Aufforderung der Regierung hat der Grotzrabbiner der Türkei auf Grund eines ihm staatsrechtlich zustshenden Rechtes die folgenden jüdischen Persönlichkeiten als Kandidaten für den Staatsrat namhaft gemacht, und zwar: Zeki Bey Albala, Untersuchungsrichter beim Gerichtshof in Pera, Moses Bey Dalmedico, Chef des Uebersetzungs- und Korrespondenzbureaus im Marineministerium. ferner Isaac Effendi Amon, Oberbeamter im Unterrichtsministerium. Nach Mitteilung eines türkischen Blattes befindet sich unter den jüdischen Kandidaten für den Staatsrat auch das Mitglied der Kommission für Finanzreformen, Vitalis Effendi Stroumza. Eine interessante Verlobung. Aus Newyork wird uns geschrieben: Vorige Woche fand eine Verlobung statt, durch welche zwei der angesehensten jüdischen Familien in Amerila zu einander in Verwandtschaft treten. Das Brautpaar ist Mr. Rogers Strauß, Sohn des gewesenen amerikanischen Handelsminifters Oscar S. Strauß, und Fräulein Eladies Guggenheim, Tochter des Kupferkönigs Daniel Guggenheim. Mist Guggenheim ist eine faszinierende Schönheit und hat sich wiederholt bei großen philanthropischen Mtionen als Initiatorin hervorgetan. Sie fördert auch ganz besonders alle Mtionen, welche der jüdische Frauenbund von Amerika zum Schutze jüdischer Immigrantinnen unternommen hat. Die Verlobungsfeier hat in Europa stattgesunden, wo sich sowohl die Familie Oscar S. Strauß als auch die Braut mit ihren Eltern in den letzten Monaten befunden haben. Nikolsburger i/caetttifDs Versorguugshaus. Der Leitung sind folgende Beträge übermittelt worden: Familie und Therese Fehl durch Frau Dr. Kaiser (Wienß» 500 Kr., Johann Preßburg (Wien) 250 Kr., kais. Rat Gustav Schweinburg (Wien) 100 Kr., Simon Menzeles (Wien) 100 Kr., I. Fischer (Graz) 100 Kr., Wolf Lemberger (Gloggnitz) 6 Kr., Ignatz Hahn (Wien) 6 Kr., Dr. M. Brunner (Brünn) 10 Kr., Isak Toch (Hörersdors) 6 Kr.. Berthold Pis! (Mistelbach) 10 Kr., Dr. Ludwig Pisk (Wien) 10 Kr., Emanuel ManeleS (Brünn) 6 Kr., Siegftied Teltscher (Baden) 6 Kr.. Dr. Johann Polltzer (Wien) 6 Kr., Glaser Ernst (Komotau.) 20 Kr., Theodor Toch (Wien) 2 Kr., Knöpfmacher Gustav (Teplitz) 6 Kr., Knöpfmacher Leopold (Auspitz) 6 Kr., Feßler Alfred (Wien) 20 Kr., Paschkes Ifak (Hohenau) T0 Kr., Feßler Leopold (Wien) 50 Kr., Moritz Skudetzki (Wien) 10 Kr., Leopold Blau (Baden) 6 Kr., Emanuel KelhI (Wien) 6 Kr., Alois Pulgram (Mannersdorf) 6 Kr., M. Toch (Wien) 6 Kr., Fr. Koriffchoner (Brünn) 4 Kr.. Dr. Ferdinand Steinitz (Horn) 10 Kr., Michael Maß (Zistersdorf) 6 Kr., Heinrich Karpeles (Wilfersdorf) 2 Kr., Moritz Abeles (Fröllersdorf) 20 Kr., Philipp Kohn (Wien) 6 Kr., Bernhard Redlich (Leipertitz) 5 Kr., Toch Mar (Wien) 6 Kr., Herr B'ecgrat Mar Ritter von Gültmann spendete dem Verein einen Waggon Kohle. Wien den hochherzigen Gebern sei hiemit herzlichst gedankt. Vermischtes. Wien. (Großes Wohltätigkeitslegat.) Der vor kurzem verstorbene, in Währing. Gentzgasse 9, wohnhaft gewesene Privatier Herr Moses Rapaport hat, wie bei der gerichtlichen Testamentseröffnung publiziert wurde, eine Stiftung im Betrage von 100 000 Kronen zur Errichtung eines israelitischen Siechenhaus es in seiner Heimatsgemeinde und eine Stiftung im Betrage von 40.000 Kronen zur Vermehrung der Einkünfte des dortselbst vor Jahrzehnten zur Erinnerung an seinen Vater von ihm gegründeten S p i t a l e s errichtet. Der Erbenvertreter Dr. Maximilian S t i g l i tz hat bereits die Heimatsgemeinde und Statthalterei als Stiftungsbehöcde von diesem großherzigen Legate rn Kenntnis gesetzt.