Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 43 (24.10.1913)
- Date
- 1913-10-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 786 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 43 Michel Breal, Salomon Reinach und Theodor Reinach, die Akademie für politische und Moralwissenschaften die Herren Bergson und Lyon-Caen und schließlich die Akademie der schönen Künste Baron Edmond de Rothschild zu ihren Mitgliedern. Bloß die Akademie de France bildet eine Ausnahme, der einzige Judenstämmling, der ihr angehörte, Ludovic Halevy, ist vor seiner Ernennung formell aus dem Judentums ausgetreten, was allerdings nicht hinderte, daß er nach seinem Tode in der Familiengruft der jüdischen Abteilung des Montmartre-Friedhofes beigesetzl wurde. Man ist demnach mit Recht darauf gespannt, ob die Akademie de France endlich mit der bisherigen Gepflogenheit, die allerdings nicht antisemitischen Gefühlen, als vielmehr einer noch ans dem Kaiserreiche überkommenen feudalen Tradition entspringt, dem gefeierten jüdischen Philosophen gegenüber brechen wird. Em jüdischer Contre-Admiral. Aus Rewyork wird uns geschrieben: Der bisherige Kommandant des amerikanischen Kriegsschiffes „Ohio", Kapitän Josef Strauß, wurde mit dem Range eines Contre-Admirals zum Settionschef im amerikanischen Marine-Ministerium ernannt. Der Posten, der Contre- Admiral Strauß anvertraut wird, ist einer der wichtigsten und verantwortungsvollsten in Amerika, da ihm die gesamten Marine-Ausrüstungsangelegenheiten unterstehen und er im Kongresse bei wichtigeren Angelegenheiten das Marine-Ressort zu vertreten hat. Contre- Admiral Strauß, der im Jahre 1845 aus der Marine- Akademie ausgemustert wurde, hat eine ausgezeichnete Marine-Kaufbahn hinter sich. Er gilt heute als der beste Kenner des internationalen Marinewesens in Amerika. Ein jüdischer llnterstaatssekretär in der Türkei. Am 26. September veröffentlichte das türkische Gesetzblatt die Ernennung von Pecheskel Sassoon Effendi, dem ftüheren Abgeordneten von Bagdad in der türkischen Kammer, zum llnterstaatssekretär im Handels- und Ackerbauministerium. Er ist der erste Jude, der diesen hohen Posten bekleidet. Der Konstantinopeler Berichterstatter der „Jewish Chromcle" hatte mit Sassoon Effendi eine Unterredung über verschiedene Angelegenheiten der türkischen Juden. Der Unterstaatssekretär erklärte, daß alle Minister den Juden wohlgesinnt seien: sie wünschten die Mitarbeit der Juden und seien bereit, sie als Beamte anzustellen. Ueberhaupt sei die Lage jetzt, nach Beendigung des Krieges und am Beginn einer neuen Aera, für die Juden außerordentlich günstig. Der „Haolam" meldet, daß Dr. Mossinsohn und Dr. Bogratschow die Anerkennung der Zeugnisse des Jaffaer hebräischen Gymnasiums als ausreichenden Ausweis zum Besuche der Universitäten in Berlin, Wien, Paris und der Schweiz ohne weitere Ergänzungsprüfungen durchgesetzt haben. Der „germanische Held". Ein Beitrag zur Raffentheorie. Das im Ohlau im August erfolgte Hinscheiden des Vorstehers der dortigen Stadtverordneten-Versammlung, Justizrat Carl Levy, hat einem schlesischen Vereinsmitglied (Stabsarzt der Landwehr) folgende interessante Episode in Erinnerung gebracht: „Iustizrat Carl Levy in Ohlau, Hauptmann der bayerischen Landwehr, nahm gelegentlich an einer Feier teil, die der Verein der Bayern in Breslau veranstaltete und bei welcher Felir Dahn die Festrede hielt. Justizrat Levy, ein Hüne von Erscheinung, mit durchaus germanischem Aeußern, betrat den Saal gerade, als Dahn in schwungvollen Worten von den germanischen Recken sprach, die in ihrer Urwüchsigkeit der gegenwärtigen Generation vorbildlich sein sollten. Dahn apostrophierte den in bayerischer Uniform eintretenden Offizier mit den Worten: „Da sehen Sie ein Beispiel jener Heldenerscheinungen, die uns ein treffliches Bild geben, wie unsere Vorfahren ausgesehen haben mögen." Zunächst herrschte allgemeines Schweigen, das sich aber plötzlich in herzhaftes Lachen umwandelte, als Felir Dahn den ,Namen des Offiziers erfuhr und in die allgemeine Heiterkeit selbst mit einstimmte." — Unser Gewährsmann war ein persönlicher Bekannter des Verstorbenen, der sich in Ohlau der größten Hochachtung erfreute. Sir RüsAs Jsaacs als Lord-Oberrichter. Die amtliche Veröffentlichung der Zustimmung des Königs -zur Ernennung Sir Rufus Jsaacs zum Lordrichter erfolgt Anfang nächster Woche. Damit gelangt Sir Rufus zugleich ins Oberhaus. Die ausgezeichnete juristische Zeitschrift „Law Journal" bespricht die durch den Rücktritt Lord Alverstones notwendig werdenden Ernennungen. Sir Rufus Jsaacs wird zum Lord Chief Justice. Sir John Simons an seiner Stelle zum Generakstaalsanwall und Buckmasters an Stelle Simons zum Solicitor General ernannt. Das Blatt sagt, alle diese Ernennungen fänden den vollen Beifall des Richter- und Anwallstandes. Sir Rufus Jsaacs ist übrigens der e ste Israelit, der den hohen Posten des Lord-Oberrichters bekleidet. Georg Brandes wird das Betreten russischen Bodens verboten. Die Petersburger Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft hatte Georg Brandes eingeladen, in Petersburg Vorträge zu halten. Brandes nahm den Vorschlag an. Die Judenverfolgungen in Rußland sind ihm nie nahe gegangen, er hatte den Ehrgeiz,' von Russen gefeiert zu werden. Als er aber auf dem russischen Konsulat einen Paß für Rußland verlangte, wurde ihm bedeutet, daß man ihm einen Paß für Rußland mit Rücksicht auf seine Konfession nicht ausstellen könne. Auf seine Einwendung, daß er konfessionslos sei, wurde ihm bedeutet, daß in einem solchen Falle die Konfession der Eltern maßgÄrend sei. Brandes wandte sich hierauf durch das dänische Ministerium des Aeußern an das russische Ministerium des Innern, erhielt aber auch auf diesem Wege einen abschlägigen Bescheid, Georg Brandes wird also nicht über die Grenze gelangen, weil seine Ellern Juden waren. Zwar kein Talent, dafür aber ein Charakter. Wie die Czernowitzer Tagesblätter zu melden wissen, soll der Reichsrats-Abgeordnete für die Stadt Tarnopol, Herr Rudolf Gal, demnächst zum Katholizismus übertreten. Herr Rudolf Gal ist nämlich Mitglied der allpolnischen Partei und nachdem diese Partei jetzt erklärt hat, keine aktiven jüdischen Mitglieder in ihren Reihen dulden zu wollen, zieht der Abgeordnete der Judenschaft Tarnopols die Konsequenz, sich seines Judentums zu entkleiden, damit er ein vollwertiges Mitglied seiner judenfeindlichen Partei bleiben könne. Um diesen Uebertritt feierlicher zu gestalten, wird die Taufe unter Patronanz des Parteioberhauptes Dr. Glambinski und seines Gehilfen Grafen S k a r b e k vor sich gehen. Auch die hohen polnischen Aristokratinnen, die bei derartigen gottgefälligen Werken immer dabei sein wollen, werden nicht fehlen. Wie die erwähnten Blätter melden, nimmt sich die Fürstin Czartorinski besonders dieser neu zu gewinnenden Seele an. Die Juden Tarnopols, denen die Majorität dieses Wahlkreises gehört, haben jetzt. mehr Ursache, auf ihren Abgeordneten stolz zu sein.