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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-17 · 42 (17.10.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
42 (17.10.1913)
Date
1913-10-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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42 «rtut 771 Dr. Blochs Wochenschrift Statthalter Exzellenz v. Korytowski und die Juden in Ierusalem. Man. schreibt.uns aus Lemberg: Die Choleragefahr hat die staatliche Verwaltung zu Mahnahmen gezwungen, welche in einzelnen jüdischen Kreisen unangenehme Folgen nach sich ziehen. Die orthodoxen Juden in Galizien und in den angrenzenden Gegenden Rußlands pflegen zu den hohen Feiertagen nach den Wohnstätten der Rabbinen sich zu begeben, um die Festtage bei Ihnen zu verbringen. Das wird als eine fromme Wallfahrt angesehen, und in einzelnen Städten, wo berühmte Wunderrabbis residieren, wie z. B. in Sadagora, Czortkow, Belz usw., versammeln sich nach Tausenden die Anhänger dieser Rabbis und verbringen bei ihnen die heiligen Feiertage. Der gegenwärtige Statthalter ist als ein Mann fromm-katholischer Gesinnung auch von hohem Verständnis für religiöse Imponderabilien, speziell der frommgläubigen Iuden Galiziens. Er spricht zu ihnen in .ihrer eigenen Mundart, hat Einsicht in ihre Psyche und ist von einem menschenfreundlichen Wohlwollen erfüllt für ihre Lage. Es war für ihn peinlich, datz gerade er ein Verbot dieser Wallfahrten für dieses Jahr erlassen muhte. Allein die Cholera ist ein gar böser Herrscher, kennt weder Schonung für religiöse Empfindung noch humane Rücksichten,- dem Verlangen der Sanitätsbehörde, ein solches Verbot zu erlassen, mutzte notgedrungen entsprochen werden. Leichten Herzens hat es ein Mann wie Erzellenz v. Korytowski nicht getan. Es ist bekannt, datz innerhalb der galizischen Iudenschast für djesen Statthalter, der durch viele Jahre an der Spitze der Finanzlandesdirektion in Lemberg stand, eine aufrichtige Verehrung herrscht. Man weitz, datz er ein treuer Sohn seiner Kirche ist, ein gläubiger Katholik, wie selten einer, und ist um so mehr erfreut, bei ihm stets eine wohlwollende und freundliche Aufnahme zu finden, eine Bereitwilligkeit, zu helfen, wo nur seine Pflicht gegen den Staat es erlaubt. Allein auch autzerhalb der Gemarkungen Oesterreichs, wohin nur der Futz galizischer Iuden gelangt, genietzt ErzellekH v. Korytowski in jüdischen Kreisen diese Popularität. So gelangte dieser Tage an die Statthalterei in Lemberg für Se. Exzellenz aus Ierusalem ein Album nebst einer prachtvoll ausgestatteten Adresse der dortigen Juden. Sie enthielt künstlerisch hergestellte Bilder der historisch denkwürdigen Stätten des heiligen Landes; der Einband ist aus Cedernholz hergestellt und zeigt hohe Kunstfertigkeit. In der Adresse wird Sr. Erzellenz v. Korytowski die aufrichtige Verehrung zum Ausdruck gebracht und der Munsch hinzugefügt, der Herr Statthalter möge von einer gütigen Vorsehung mit einem langen Leben in ungetrübter Gesundheit gesegnet werden. Liebe erntet, wer sie säet! Das hat sich bei dem neuen Statthalter bisher stets bewahrheitet. Die Juden bewähren sich überall als das klassische Volk der Dankbarkeit. Gewissenszwang im k. u. k. Heere. Aus Anlatz des heil. Versöhnungstages hat das k. u k. Korpskommando den Erlaß publiziert, wonach sämtlichen jüdischen Soldaten, -soweit es der Dienst gestaltet und ermöglicht, der Feiertag zum Besuche des Gottesdienstes freigegeben werden soll. Das geschah auch bei der ganzen Wiener Garnison und in sämtlichen Abteilungen. Leider gab es auch bedauerliche Ausnahmen. Einzelne Offiziere setzten ihren Ehrgeiz darein, die ihnen untergebenen jüdischen Soldaten und Unteroffiziere am Besuche des Gottesdienstes mutwillig zu verhindern. Natürlich sind die Soldaten gegen solche Vorgesetzte machtlos, da jeder Widerstand gegen die strengen Anordnungen eines Oberleutnants unmöglich ist. Ein solcher Fall wird vom 24. Infanterieregiment 12. Kompagnie berichtet, wo Herr Oberleutnant Horinek trotz des höheren Befehles seinen Soldaten und Unteroffizieren jüdischer Konfession Samstag vormittag verboten hat, zum Gottesdienst zu gehen, wiewohl ein dienstlicher Grund für ein solches Verbot nicht vorlag. Es waren weder dringliche Aufgaben zu erledigen, noch hatte der Dienst sonst irgendwie die Anwesenheit dieser Soldaten in der Kaserne und auf dem Exerzierplatz notwendig gemacht. Dieser Herr Oberleutnant wutzte, datz seine Offizierskollegen den Soldaten jüdischer Religion den Tag freigeben; er selber wollte sich darnach nicht richten und erklärte, das ginge ihn nichts an. Erst nachmittag um 1 Uhr überlegte er sich den Fall, und es stieg ihm der Gedanke auf, datz sein Verfahren denn doch einen argen Gewissenszwang bildet und gegen die Vorschriften der Vorgesetzten Milit-ärbehörde verstößt. Um 1 Uhr gestattete er den jüdischen Soldaten den Besuch des Gottesdienstes, und zwar auch dann nicht allen. Das verspätete Erscheinen dieser Soldaten beim Gottesdienst ist natürlich nicht unbemerkt geblieben und mancher fragte sich, ob angesichts vielfacher antimilitaristischer Agitationen dem Interesse der Wehrmacht nicht besser gedient wäre, den religiösen Sinn zu schonen und zu pflegen, anstatt ihn gewaltsam auszutilgen. Wir fühlen uns verpflichtet, diese uns zugekommene Mitteilung ohne weiteren Kommentar der öffentlichen Beurteilung vorzulegen. Antisemitische Frechheit. Wie uns aus Przemysl berichtet wird, hat sich dort am ersten Neujahrslage eine ärgerniserregende Szene abgespielt. Als die Iuden am Nachmittage beim Sanflusse das Taschliachgebet verrichteten, fuhr der Kleinfuhrmann Vobuth mit rasender Schnelligkeit mitten durch die betende Gemeinde. Dies geschah so plötzlich, datz sich der angesammelten Iuden eine Panik bemächtigte, die mehrere Verletzungen zur Folge hatte. Oberrabbiner Schmelles, der an der Spitze der Betenden stand, wurde zu Boden geworfen und erlitt gleichfalls nicht unerhebliche Verletzungen. Als Vobuth von einem herbeigerufenen Polizisten verhaftet wurde, erklärte er frech, datz er absichtlich so gehandelt habe, weil er keinen Juden leiden kann. Er bedauerte blotz, datz die Folgen nicht schwerwiegendere waren. Der Fürstprimas von Ungarn als Gast einer jüdischen Familie. Vorige Woche traf, wie uns aus Budapest geschrieben wird, Fürstprimas Kardinal Johann Csernoch, in der Fabriksstadt Hatvany ein, um der Familie Baron Hatvany-Deutsch einen Besuch abzustatten. Am Eingänge des Schlosses wurde der Fürstprimas von der Witwe des Barons Alexander Hatvany mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersöhne und den übrigen dort weilenden Mitgliedern der Familie empfangen. Der Fürstprimas nahm das Diner im Kreise der Familie Hatvany-Deutsch, besichtigte dann deren weithin berühmte Zuckerfabrik und Musterwirtschaft, und erst nachher stattete er dem katholischen Geistlichen der Stadt den Pftichtbesuch ab. Dieser Besuch hat begreiflicherweise in Ungarn großes Aufsehen erregt, denn es wird dies wohl zum erstenmale der Fall gewesen sein, datz ein Jude den obersten Kirchenfürsten von Ungarn bei sich zum Gastmahle sieht. Besonders auffallend ist dies bei dem jetzigen Fürstprimas Csernoch, dessen Standpunkt gegenüber den Iuden durchaus kein absolut freundlicher ist, was ja auch aus feinem Gutachten über den Ritualmord in der „Neuen Freien Presse" hervorgehl. Aus allen diesen Gründen glaubt

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