Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 42 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 766 Dr. Blochs Wochenschrift Nr 4L irr-, rra* pah ,n&*.-ip’. “m n pabi *pj?öb ,*jjpöS xb cx p-ii* .-.vrr "mim nöK L'.".bu nnK *3 ,^->u -aa’W b-n -zw b: jrabi .mun *js msvib 13*3vo ppbs tpk cbiy Mn ...! *3ry) n -nbrr *;rP*rb nwin n;k ^n-pxb pjaw hfk ,^«np d® Wir geben nachstehend die Uebersetzung des Anfangs : >0 Ewiger, Gott der Barmherzigkeit und der Verzeihung, der Herz und Nieren prüft und die verborgensten Geheimnisse aller Lebenden kennt, wenn Du heute auf dem Thron des Rechtes sitzest, um die Welt mit Gerechtigkeit und die Völker mit Redlichkeit zu richten, sei erfüllt von Barmherzigkeit und schone des Ueberrestes Deines Volkes Israels, welches um Deiner Lehre, Deiner heiligen Worte willen Vieles erdulden muß, und halte fern von ihnen jeden Haß und jeden Neid, jede Verleumdung und jede Treulosigkeit.« Der Schluß lautet: »Wenn auch nicht um unsertwillen, so tue es um Deinetwillen und Deiner Lehre willen, damit alle Bewohner des Erdballes erkennen und wissen mögen, daß Du hist der Gott der Wahrheit und Deine Lehre Wahrheit, Recht und Gradheit ist. Um willen Deines heiligen Namens, wie Du unsern Vätern zugeschworen hast, 0 eile zu unserm Beistände, Gott unsere. Hilfe! Amen.« (Das Gebet ist verfaßt von Rabbiner Eiiah Akiba Rabbinowitz in Poltawa und ist in Nr. 51 des »Hamodia« vollständig abgedruckt.) lleber Anordnung der Rabbiner wurde dieses Gebet sowohl an den beiden Rosch-Haschanah - Tagen, wie auch am Jom-Kippur in allen Synagogen und Bethäusern Rußlands verrichtet und wird während des ganzen Beilis-Prozesses gesagt werden. Mehrere russische Blätter haben die Veröffentlichung dieses Gebetes versucht, doch wurden die betreffenden Blätter konfisziert und vorsichtigere Ansuchen um Erlaubnis des Abdruckes wurden abgelehnt. Auch ein Ritnalmord. In einem Artikel „Astrologie und Wahrsagekunst" im „Neuen Wiener Journal" vom 4. Februar 1912 schildert Paul Carrara den grausamen Kampf gegen die Protestanten, welchen Katharina von Medici als Königin von Frankreich mit allen Mitteln der List, gedungenen Mördern, geheimnisvollen Giften, geführt hat. Da gegen den Führer der Protestanten, den Admiral Coligny, alle Mittel zerschellten, so nahm sie als Aeußerstes die „Verheiung der Bronzestatue". Der Botschafter von Spanien depeschiert in dieser Sache an den Hof von Madrid. Ein Italiener hat sich erboten, die wichtigsten Chefs der Protestanten aus der Ferne zu ermorden. Mit Hilfe eines deutschen Arbeiters goß er aus Bronze ihre drei Statuen, die an allen Gelenken Schrauben trugen. Als der erste starb, der Prinz von Conde, soll seine Statuette am ^Schenkel deutlich die Todeswunde gezeigt haben. Denn ein bißchen half Katharina nach, weil die Verherung zu langsam wirkte. Aber der Admiral schien gegen Zauber, wie gegen alle wirklichen Todesstöße unverwundbar. Erst drei Jahre später fiel auch er in der Sankt-Bartholomäus-Nacht, die drei Tage und drei Nächte hindurch das Pflaster von Paris rot färbte. Diese Nacht politischen Massenmordes zeigt die ganze Grausamkeit der Zeit: Katharina ging mit ihren Hofdamen herum und inspizierte genau die entkleideten Leichen der Getöteten; die mageren Hugenotten ließ sie in die Seine werfen, die dicken wurden an Apotheker verkauft, die daraus das Fett für ihre pharmazeutischen Produkte nahmen. Am Galgen von Montsauson baumelt der Körper des Admirals Easpard v. Coligny, in dessen Mund man mit schauerlichem Witz den Zahnstocher gegeben hatte, der dem Lebenden immer zwischen den Lippen stak. Katharina jauchzt in einem Briefe an Philipp II. von Spanien vor Freude, daß ihr „das energische Mittel" gelungen, man läßt Erinnerungsmedaillen prägen und Hofdichter satteln den Pegasus. Indessen windet sich im Louvre die Oesterreicherin Elisabeth in seelischen Qualen vor dem Kruzifir, als sie erfährt, daß ihr Gemahl Karl IX. das größte Verbrechen seines Jahrhunderts verschuldet. Die Reue ergreift auch bald den König, und er perfällt, ein Neunundzwanzigjähriger, physisch und geistig. Aber die Zusammenhänge zwischen einer übermenschlichen Untat und den moralischen Bedenken genügten einer Zeit nicht, die zu viel des Sonderbaren erlebt hat, um das Logische verständlich zu finden. Man sucht nach Mystischem und enÜeckt es: der König ist auch verhext, und zwar, da ihm niemand nahekommen kann, durch das bequeme Mittel der „StatuenverheXUNg". Und tatsächlich wurde ein Italiener verhaftet, der gestand, daß er eine Wachsstatue habe langsam schmelzen lassen und daß er überzeugt sei, die Existenz der Person, die jene .Statue darstellte, sei ebenso langsam dahingeschwunden. Die Astrologen am Hofe wurden zum Tode und zu den Galeeren verurteilt, aber Karl IX. blieb darum doch schwer leidend. Auch er wollte sein Schicksal wissen und für seinen Fall griff man zum höchsten Orakel, zu dem „des blutenden Kopfes". Bon dieser grausen Zeremonie erzählt Jean Bodin, den man den Vater der Staatsrechtslehrer nennt. Inmitten der klassischen Apparate der Alchimie ward ein Altar aüfgerichtet, aus dem der »Mater tenebranwm«, der düsteren Madonna der Verzweiflung, geopfert werden sollte. Als Opfer wurde ein Judenkind ausersehen, ein Knäblein, das schön von Angesicht, unschuldig von Sitten und nicht mehr als acht Jahre alt sein durfte. Man stahl es irgendwo in einem Faubourg um Paris und brachte es heimlich nach dem königlichen Schloß von Vincennes. Unter schauerlichen Riten, Blasphemen und während das Kind, das nichts von all den Vorgängen um sich herum' der stand, aber seine Rolle darin dunkel ahnte, ununterbrochen schluchzte, vollzog der Magische Priester seinen geheimnisvollen Dienst. Plötzlich ergreift er brutal das Kind, wirft es auf den Altar und trennt ihm mit einem einzigen geschickten Dolchstoß den Kopf vom Leibe. Wieder mystische Bewegungen und Zeremonien, die noch durch das tropfende Blut eine düstere Verstärkung erfahren, und endlich wird der König ausgefordert, die Frage an den Genius der dunklen Mächte selbst zu stellen. Aber Karl, der zitternd und verfallen in seinem Fauteuil liegt, wagt es nicht, laut seinen Gedanken zu äußern. Er fragt stumm. Und da — so wird versichert — tönt eine schwache und ferne, seltsam erklingende, kaum menschliche Stimme aus dem Munde des armen kleinen Märtyrerkopfes: »Vim patior.« „Ich bin dazu gezwungen." Und der König sinkt stumm in Ohnmacht.... Erweiterung der Emigrations-Regulierungs-Tätigkeit der Jto. Wie bekannt, hat die jüdische territorialistische Organisation bisher als Gegenwartsarbeit die Regulierung der jüdischen Emigration aus Rußland mit Erfolg in ihr Tätigkeitsgebiet ausgenommen. Von allen jüdischen Organisationen wird es anerkannt, daß es hauptsächlich der mit überaus großen finanziellen Opfern verbundenen Initiative der Jto zu danken ist, daß die westlichen Staaten der nordamerikanischen Republik, besonders aber Teras via Galveston, für die jüdischen Emigranten eröffnet wurde. Abgesehen von den vielen tausenden Emigranten, welche die Jto selbst nach Texas gebracht und ihnen dort Arbeitsgelegenheit gesichert hat, sind zumindest so viele Juden aus Rußland durch die Erfolge ihrer schon früher emigrierten Elaubensbrüder angeregt, ganz selbständig, ohne die Jto in Anspruch zu nehmen, nach Texas ausgewandert. Auch andere jüdische Organisationen leiten jetzt einen .Teil der ihrer Fürsorge und ihren Ratschlägen sich anvertrauenden jüdischen Emigranten via Galveston nach den westlichen Staaten der amerikanischen Republik. Hiemit hat die Jto eigentlich den Hauptzweck, den sie mit der Galvestonaktion verfolgt, zum großen Teile bereits erreicht: Der Gedanke, daß die jüdischen Auswanderer sich nach Tunlichkeit von den überfüllten. Industrie- und Handelszentren fernhalten und in den übrigen Staaten neue Existenzen suchen mögen, ist durch die erfolgreiche Arbeit unter den bedrückten, verfolgten russischen Juden, aber auch bei den übrigen großen jüdischen Hilfsorganisationen popularisiert worden. Durch diesen Erfolg angespornt, ist nun im Kreise der Jto der Plan aufgetaucht, nach demselben System eine Erweiterung dieses Tätigkeitsgebietes auf die jüdische Emigration aus den östlichen Ländern, in denen die Juden verfolgt werden, vorzunehmen. Besonders soll hierbei auf Grund der bisherigen Erfahrungen durch wirkungsvollere Mittel, als es bisher im allgemeinen der Fall ist, dem Agentenunwesen gesteuert und die unmenschliche Behandlung der jüdischen Emigranten auf ihrer Wanderung und auf manchen Auswanderungsschiffen hintangehalten werden. Der Vizepräsident der Jto, Herr Dr. Jochelmann aus Kiew, weilte dieser Tage in Wien und bestätigte über unsere Anftage, daß die Verhandlungen in dieser Richtung geflogen werden und daß in den maßgebenden itoistischen Kreisen die Stimmung hiefür eine günstige sei. Wie uns mitgeteilt wird, haben sich bereits mehrere Schiffahrtsgesellschaften für die Sache interessiert, da es ja klar ist, daß so wie bei der Galveston-Emigration auch hier die Tätigkeit nur Hann eine