Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 42 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Sette 765 Nr. 42 Dr. Bkochs Wochenschrift Der Gouverneur bemerkte hierauf, daß die Juden zu Unrecht sehr aufgeregt seien. Man beschuldige ja nicht das Gesamtjudentum, sondern nur eine Sette, und da könne es wohl sein, daß sich unter den Juden auch eine solche Sette findet, wie es ja auch bei anderen Völkern verschiedene Sekten gibt. Sehr treffend antwortete hierauf Herr Brodsky: Den Trost, den man uns damit bieten will, daß es sich nicht um das jüdische Volk, sondern nur um eine Sekte handle, weisen wir zurück. Wir sind eine einheitliche Religion, bei uns gibt es keine Lasten und Sekten; Chaffid heißt bei uns ein guter, frommer Jude, und in unseren Gebeten wird der Herr der Welten auch Chassid genannt. Mit demselben Grunde, mit welchem Beilis jetzt auf der Anklagebank sitzt, hätte man auch mich, Leo Brodski, auf die Anklagebank setzen müssen. Der Gouverneur unterbrach hier Herrn Brodski und sagte scharf: Lassen wir diesen religiösen Disput. Ich wiederhole nochmals mein Ersuchen, Sie mögen auf die jüdische Bevölkerung einwirken und sie beruhigen. Protest sämtlicher Rabbiner von Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns telegraphiert: In der hiesigen 'Synagoge, die den Namen des Jochanan Ben Sakay trägt, fand eine große Protestversammlung gegen die Blutlüge statt. Die Versammlung wurde von 71 Rabbinern aller Synagogen von Jerusalem geleitet und im Namen derselben die Erklärung abgegeben, daß die Riutalmordbeschuldigung eine von der gesamten jüdischen Lehre und Literatur widerlegte infame Lüge sei. Brüssel. 5000 Personen haben in Antwerpen eine Versammlung abgehalten, um gegen die Ritualmordbeschuldigung in Kiew zu protestieren. Die Versammlung war von der Liga für Menschenrechte einberufen und formulierte eine Resolution gegen die russische Regierung, die sich nach Ansicht der Versammelten dieses Prozesses bediene, um ihre judenfeindliche Politik zu betreiben. König Konstantin gegen die Ritualmordlüge. Saloniki, 13. Oktober. König Konstantin empfintz heute den Großrabbiner von Saloniki in Audienz. Im Verlaufe derselben sagte der Großrabbiner, er komme aus dem Gotteshause, wo die Juden Gebete für das Leben des Königs verrichtet hätten. Er versicherte den König der Loyalität der Juden, die ihren Religionssatzungen gemäß treue Untertanen der Länder seien, in welchen sie leben. König Konstantin gab seiner Genugtuung über die Versicherung der Loyalität Ausdruck und erklärte, er werde in seinem Königreiche niemals die Ritualmordbeschuldigung zulassen. Er habe die jüdischen Soldaten, die im griechischen Heere oft gegen ihre im feindlichen Lager befindlichen Religionsgenossen kämpften, schätzen gelernt. Der König versicherte den Großrabbiner des Wohlwollens der Behörden gegenüber den Israeliten. Der Saratower Bischof Keßler gegen die Ritualmordbeschuldigung. Wien, 13. Oktober. Der in Odessa weilende Saratower Bischof Keßler sagte, wie „Birschewija Wjedomosti" melden, einem Journalisten folgendes: „Ich würde mich vor Gott und den Menschen eines Verbrechens schuldig machen, wenn ich sagen sollte, daß in irgendwelchen theologischen Büchern ein Hinweis darauf vorhanden wäre, daß die Juden Blut zu rituellen Zwecken gebrauchen. Das ist ein schändliches Märchen. Den Belastungszeugen Pater Pranaitis habe ich als Schüler gekannt. Damals war 'er ein ehrlicher und ordentlicher Mensch: wie es aber gekommen ist» daß er sich so verändert hat, kann ich mir nicht erklären." Protestkundgebung der Rabbiner gegen die Blutbefchuldigung. Aus Anlaß der in Kiew erhobenen Ritualmordbeschuldigung haben Aber Anregung der Oberrabbiner Jakob Meir in Saloniki und Josef Lebovits in Magocs (Ungarn) mehr als siebenhundert Rabbiner aus fast allen Ländern der Welt, aus Oesterreich, Deutschland, Frankreich, England, Amerika, Australien, Afrika. Asien, eine feierliche Kundgebung gegen den Ritualmord veröffentlicht. Protest der rechtsstehenden Petersburger Studenten gegen den Beists-Prozeß. Die rechtsstehenden studentischen Verbindungen an der Petersburger Universität haben, wie „Utro Rossii" meldet, eine Proklamation erlassen, in welcher sie die gesamte Studentenschaft Rußlands auffordern, gegen den Beilis-Prozeß zu protestieren. In der Proklamation erklären die rechtsstehenden Studenten, daß sie trotz ihrer Abneigung gegen die Juden es nicht zulassen können, daß im zwanzigsten Jahrhundert die mittelalterlichen Blutmärchen künstlich wiederbelebt werden. Eine abgehaltene Versammlung faßte eine äußerst scharfe Resolution gegen den Prozeß und richtete <cympathiedepeschen an die Gattin und die Verteidiger des Beilis. Die konservativen Blätter nehmen ebenfalls Stellung gegen die Ritualmordbeschuldigung. Sensationell wirkt die Aeußerung des bekannten konservativen Publizisten Metscherski, der im „Grafchdanin" scharf gegen den Ritualmordverdacht polemisiert. Prag. 12. Oktober. Heute vormittag fand in der Produktenbörse eine öffentliche Volksversammlung mit dem Programm „Protest gegen die Ritualmordlüge" statt, die von 2000 Personen besucht war und einen ungestörten Verlauf nahm. Nach Schluß der Versammlung versuchten 500 bis 600 Teilnehmer derselben zum russischen Konsulat zu ziehen. Die Sicherheilswache kam jedoch den Demonstranten zuvor und sperrte alle zum russischen Konsulat führenden Gassen ab, so daß die beabsichtigte Demonstration vereitelt wurde. Sofort nach der Absperrung wurden die umliegenden Seitengassen geräumt, wobei es zu Konflikten mit der in großer Anzahl aufgebotenen Sicherheitswache kam. Vier Personen wurden wegen Wachebeleidigung und Nichtfolgeleistung vorgeführt. Das konfiszierte Bebet. Nachstehendes Gebet wurde in den orthodoxen Synagogen Rußlands gebetet: maibyn ytm cbi nvbz jnicn m.Tbcm atmn "nbx \n 8:x ccxbi pme ben caob -pn xcc bz cvn “inc®c ,-n bc ■nno D’baicn bin®1 -jay n-nx® bz nc'.m oum X3 xban ,vi®-ac nb'by bz ,nx:p bei rot» bz nno ncm ,t®np nnr -[mm b'zwz •nb'ya bz'i bz syia ny crai rsrxi zzbb nxim ,nax cpbx ti ,-paa »a cyac o'by anc» r.m cm rx ira® xb 0'-!' *3 ,nyi 3m1 ,nnm ian 5jx n®npn "[rmn >~23 bcc cbiya ixn xb oo'yi ,cyac -panne pbi .cpiyc p:y mwb mx mb rvmaxn lrx b® nrm nb'by 3Tsn ncm -ipwrt nb'by b® nn yaai nx cbya nm ccm •cm non® .runprt onmn byi cbj cnoi hc® ntaen m -c'b® n-mrro bei cra bca =pn cb"c bnsya pm -;ay bxo®1 aa®a erpe-nenne C'p' "irya »aea ob mm ,nxin "p® nb’byc y®-n na®x y®a L'.nbx c-ipc myc cn a'nbx : p'mp m: eine® na ob cren .nax'® na Q-nn . -pn-m -jar »toc n*.»a*a eff mn •’' ca®1 nanai jht '®3X bc by -|n-nn ban;nraxb raxn meb mo na nxre a'2®i'.n beb -|naxi -pix nb-i -9® nen bz 'a nee1 jyab np®b nax pc bnenbi pnenb n.T33 tvisob ,,-n pne rca®ab -jba ,x®3i n"i bx ,-pcb cy n®xc jnan nax aa®a X’rnbi i ssa®an