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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-17 · 42 (17.10.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
42 (17.10.1913)
Date
1913-10-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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üi. 42 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 763 Wenn zum Beispiel Herr Dr. Ruppin erwähnt, daß er das Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung für so wichtig hält, so will er damit entschuldigen, wofür er schon heftig angegriffen worden ist. Er verkehrt sehr viel mit den deutschen christlichen Kolonisten, was gewiß von Nutzen ist: aber er speist auch im dortigen deutschen christlichen Hotel, lebte monatelang darin, als seine Familie in Europa war, und hat dadurch dem Judentum moralisch schweren Schaden zugefügt. Er würde sich wundern, wenn er genügend arabisch verstünde, was die Mohammedaner, die unter keiner Bedingung beim Christen essen, dagegen stets in jüdischen Gasthäusern speisen, darüber gesprochen haben. Das Palästinaamt verwaltet sehr viele Privatgüter, zwar nicht billig, da ja die Arbeit durch einige Zwischenhände geht: aber immerhin, die Verwaltung ist eine korrekte, anständige und sichere. Aber sehr viele Privatleute haben in Palästina große Güter erworben, ehe es ein „Palästinaamt" gab, und bepflanzten dieselben durch dortige jüdische Bauern, was immerhin viel billiger war. Ich erinnere nur an die große Orangenplantage von Leo Weiß in Peßach Tikwah, einem Herrn aus Wien, der schon vor achtzehn Iahren damit angefangen hat, und heute durch die Schönheit seiner Plantage einen Namen in ganz. Palästina hat. Auch Herr Johann Kremenezky, der bekannte Freund von Theodor H e r z l, hat früher alles durch das Palästinaamt machen lassen. Es scheint, daß er davon einigermaßen abgekommen ist. Und nun komme ich zu einer Sache, die uns Palästinenser nicht wenig wundert. Durch Jahre waren uns gewisse Namen im Zionismus bekannt. Bevor es noch ein Aktionskomitee gegeben hat, hat Levin Epstein aus Rechoboth wegen des .Weinverkaufes mit sieben Herren verhandelt, die unter dem Vorsitze von Theodor H erzl arbeiteten. Fünf dieser Herren sollen noch in voller Gesundheit und Rüstigkeit in Wien leben. Zwei, die Herren Dr. Kokesch und Dr. Leopold Zahn, sind leider mit dem Tode abgegangen. Von diesen fünf Herren tonnte ich auch nicht einen einzigen auf dem Kongresse sehen und man hat mir gesagt, daß sie sich, absichtlich fernhallen, nicht sohvohl, weil sie mit der Führung der zionistischen Angelegenheiten nicht zufrieden sind, sondern hauptsächlich, weil sie mit gewissen Leuten, die eine große Rolle in der Wiener Partei spielen, überhaupt nicht zusammensitzen wollen. Der Name Johann Kremenezky wird bei uns in ganz Palästina mit Verehrung genannt. Er allein tut für die Kolonisation vielleicht ebensoviel, wie die ganze offizielle Partei. Was immer die Zionisten in Palästina an Geschäften oder Fabrikationen angefangen haben, hat er mit seinem Gelde unterstützt und zumeist hat eres auch verloren. Bei Grund und Boden wird er sicher nichts verlieren. Er hat vielfach Gründe aufgekauft, Plantagen daraus gemacht und gibt sie an Zionisten ohne jeden Gewinn laut der Ausschreibung in seinen Büchern gegen die übliche Zinsenvergütung für sein eingelegtes Geld her. Und dieser Mann, der den Nationalfond wirklich gegründet hat, auch das Goldene Büch sagt man uns, von dem wir in Palästina seit langem wissen, daß er mit seinem Gelde die meisten Spesen'bezahlt hat, dieser Mann ist nicht auf den Kongreß gekommen und der Präsident, Herr David Wolffohn. erklärte öffentlich, daß ihm die Tränen gekommen seien, als er seinen Absagebrief gelesen habe. Die Herren in Wien können überzeugt sein, daß wir in Palästina die Bewegung und die einzelnen Arbeiter ganz genau einschätzen. (Von Herrn Leo Weiß sagte man mir: „Ach, der ist ja gar kein Zionist, er erscheint nämlich nie in Versammlungen.") Baron Rothschild hat Millionen in sein Kolonisationswerk hineingesteckt, aber er mußte sich auf eine Beamtenschaft verlassen, die nicht immer alles richtig gemacht hat. Gegen diese Leute war im Lande eine große Erbitterung und sie mußten alle weichen. Die Kolonien, die früher ein Defizit gehabt haben, verwalten sich jetzt glänzend und der Waad von Rischon hat schon im vorigen Jahre die erste Viertel Million Francs Abzahlung dem Baron nach Paris gebracht. Die Zionisten verschaffen sich auch eine Beamtenschaft, deren Gehälter in Europa und Palästina auf weit über hunderttausend Francs pro Jahr geschätzt werden. Diese Herren reisen herum, erzählen in ihren Vorlesungen von den 25—30 jüdischen Dörfern und Siedlungen in Palästina und jeder Zuhörer meint, daß der Herr Beamte oder zumindest die Partei das geschaffen hat, was der palästinensische Bauer ohne jede Hilfe eigentlich zum Leben gebracht hat. Wenn man bedenkt, wie wenig von dem zionistischen Gelde nach Palästina fließt, d. h. wieviel die Spesen ausmachen, wird man die Mißstimmung unserer Leute verstehen, die sich oft jahrzehntelang plagen müssen, bis sie aus dem Boden 3—4000 Francs im Jahre Herauspressen. Die zionistische Bewegung hat gewiß sehr viel Gutes für Palästina geleistet. Vor allem ist die Aufmerksamkeit so stark hingelenkt worden, daß die Juden an dieses Land ihrer Väter nie wieder vergessen können. Die alte Schule, d. h. die Anhänger des Baron Rothschild, wollten nie etwas in die Oeffentlichteit bringen, weil sie sich fürchteten, daß die türkische Regierung Schwierigkeiten machen werde und weil durch dieses ewige Herumtrommeln, Herumsprechen und Sammeln die Meinung entstehen würde, daß unzählige Millionen da seien, wodurch der Preis des Landes ganz kolossal gestiegen wäre. (Was auch jetzt eingetroffen ist.) Nach jedem Kongreß gibt es in der Türkei eine große Aufregung. Jetzt erst haben sich die Araber zusammengetan, die gegen die JiHen protestieren, weil sie ihnen, wie sie sagen, das Land wegnehmen wollen. Moralisch ist so ein Kongreß immer eine große Freude, es ist für uns Palästinenser sehr viel Schönes dabei. Praktisch — das darf nicht verschtzviegen werden - haben die meisten Kongreffe Schaden gebracht. In allen Ländern jedoch entwickeln sich große, nichtzionistische Kolonisationsvereine, besonders von Rußland wird sehr viel getan, um in Palästina Ansiedlungen zu schaffen oder vorhandene zu vergrößern: auch Deutschland arbeitet nach dieser. Richtung, nur in Wien ist bisher so viel wie gar nichts getan worden, wenn man die schon genannten Privatpersonen ausnimmt. Ich verstehe den Grund nach den Schilderungen der Wiener Verhältniffe. Wenn es den alten Mitarbeitern Herzl's unmöglich ist, mit dieser Generation zu arbeiten, darf man sich nicht wundern, wenn die Nichtzionisten diesen Herren ausweichen. Aber man soll sich nicht abhallen lassen, für Palästina etwas zu tun. Grund und Boden steigen fortwährend im Werte. Solche Flächen, die für Plantagen gut sind, bekommt man noch billig, weil sie für Ackerbau nicht geeignet sind und der Araber zu wenig Geld für Plantagen hat. Durchschnittlich bringt die Agrikultur 10 Prozent.

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