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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-17 · 42 (17.10.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
42 (17.10.1913)
Date
1913-10-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 762 Dr. Blocks Wochenschrift -ttl. 42 waltschast ihre einfachsten moralischen und gesetzlichen Pflichten nicht erfüllt, wenn es sich um Juden handelt. Wegen der unscheinbarsten Dinge ist diese Staatsanwaltschaft gegen die Blatter unbarmherzig mit Massenkonfiskationen vorgegangen. In der „Reichspost" aber läßt sie eine unerhörte antisemitische Hetze betreiben, als ob die Paragraphe über Aufreizung zu Hatz und Verachtung gar nicht existierten. Man wird zwar den Vorwurf fabrizieren, daß die Juden wieder einmal nach der Polizei rufen. Aber wer anders soll uns kleine, schwache Gruppe fleißiger und loyaler Staatsbürger gegen die Masse der antisemitischen Rowdies schützen können als die Behörden? Wenn schon die löbliche Staatsanwaltschaft die Prozeßberichte und deren Einbegleitung nicht gelesen hat, so muhte sie doch mindestens gegen die Benützung des Ritualmordes zu Wahtzwecken einschreiten. Bei der Wahl in der Leopoldstadt schrieb die „Reichspost", daß man sehen werde, was an den eidlichen Ableugnungen des Ritualmords fei, wenn die Juden für den freiheitlichen Kandidaten stimmen würden. Das ist eine offene Drohung mit einer Ritualmordhetze, wenn die Juden nicht für einen Vertreter der Hatzl-Hraba-und-Konsorten- Dartei stimmen würden, das ist buchstäblich Agitation mit Revolver und Hacke. Nun, die Juden sind nicht erschrocken deswegen. Aber gibt es nicht auch ein strenges Gesetz über Wahlbeeinflussung? Der Staatsanwalt liest nichts und weist nichts, die Wiener Reaktionäre können arbeiten, als ob sie in Kiew wären. Dagegen Wutz man nun mit den schärfsten Mitteln auftreten. Denn wenn wir auch in Oesterreich leben, so sind wir hoffentlich noch immer nicht in Rustland. Die Zionisten irr Palästina. Von einem Palästinenser, der die Verhältnisse im Lande genau kennt, der austerdem häufig nach Europa kommt und daher den Zusammenhang mit den hiesigen Verhältnissen nie verloren hat, erhallen wir folgende Darstellung der zionistischen Verhältnisse in Palästina, mit der Bitte um Veröffentlichung. Den Appell, in welchen der Artikel ausklingt, möchten wir gerne unterstützen und unsern wohlhabenden Glaubensgenossen ans Herz legen. * * * Ich habe dem letzten Kongresse als Zuschauer beigewohnt und war sehr erstaunt, zu hören, dast 50 Delegierte aus Palästina anwesend sind. Das must aber ein Druckfehler in den Berichten gewesen sein, denn das würde bedeuten, dast es in Palästina 10.000 Schäkelzahler gibt: das ist aber unmöglich, denn außer in Arbeiterkreisen und in denen der verschiedenen Anstalten, die von Zionisten unterstützt oder erhalten werden, gibt es fast gar keine organisierten zionistischen Palästinenser. « Die Kolonisten, die man wiederholt heranziehen wollte, weigern sich entschieden, nachdem sie bei einigen Kongressen gewesen sind, und haben zumeist mit der Partei als solcher gar keine Verbindung. Die Kolonien sind teils vom Baron Rothschild gegründet worden, später Jca, so Rischon le Zion und Sichron Jakob; ebenso vier weitere kleinere Kolonien in Judäa und alle Kolonien in Galiläa. Als die Leiter der zionistischen Bewegung zum erstenmale nach Palästina kamen, wurde die jüdische agrikulturelle Bevölkerung aus über 7 Vs Tausend geschätzt, also schon vor 15 Jahren; jetzt ist sie etwa 8500 stark. Von der zionistischen Partei als solcher oder besser von kleinen Gesellschaften, die von den Bevollmächtigten der Zionisten gegründet wurden, sind nur einige Farmen, wie Kinereth, geschaffen worden, welches einen Mißerfolg bedeutete und heute als Mädchenfarm seine Auferstehung feiern soll. Mikweh Israel, die große Agrikulturschule, wurde lange vor dem organisierten Zionismus» von der Alliance Jsraelite begründet und ist ja sehr bekannt. Weniger bekannt dürste es sein, dast diese Anstalt den Mandelbaum und den Eukaliptus in Palästina eingeführt hat, zwei Pflanzen, die für die Entwicklung des Landes von segensreicher Bedeutung sind. Weinbau und Weinbereitung wurden durch Baron Rothschild mit großen Opfern stabilisiert. Was es sonst im Lande an prachtvollen Schulen, an Hospitälern gibt, das existierte alles vor dieser Zeit oder ist von anderen ^Faktoren geschaffen worden. Die Zionisten haben den Grund und Boden für das hebräische Gymnasium in Jaffa verschafft, ebenso für die herumliegende Häusergruppe Tel Avif, dem Bezalel in Jerusalem, zwei Häuser gebaut und für das Technikum in Haifa den Boden beschafft. Die teueren Gebäude und die Erhaltüngskosten liefern andere Faktoren. Man hört so viel vom Palästinäamt. Wenn nun jemand nach Jaffa kommt und danach fragt, so kann ihm weder Jude noch Christ, noch Mohammedaner Auskunft geben. Es existiert ganz einfach nicht als solches. Eine ziemlich schadhafte Inschrift an einem nicht sehr reputabel aussehenden Hause gibt den Namen des Herrn Dr. Ruppin an, der mit Herrn Dr. Thon zusammen und einigen anderen Beamten im ersten Stocke dieses Hauses arbeitet. Es sei vorausgesagt, daß Dr. Ruppin ein ehrenhafter Mensch ist (auch Dr. Thon), der das Beste wiU und auch manches erreicht hat. Vieles von dem, was er angefangen hat, vielleicht das meiste, hat aber fehlgeschlagen. Nun hat er allerdings beim Kongresse das in einen Vorteil darzustellen verstanden. Durch Kinereth, an welchem eine Viertel Million verloren'sein soll, sind andere jüdische Siedlungen entstanden; das mag sein, aber es wäre vielleicht noch mehr hinzugekommen, wenn Kinereth kein Mißerfolg gewesen wäre. Für die Oelbaumspende zahlten zahllose Menschen je 6 Mark oder 7 Kronen pro Baum. Nun stellt sich heraus, daß für dieses Geld ein Baum in Palästina nicht zu verschaffen ist; er wird noch mehr als das Doppelte kosten, bis er Früchte trägt. In Dalmatien und Italien wird der Wert eines fruchttragenden Oelbaumes mit 22 bis 25 Francs berechnet: viel billiger dürste er auch in Palästina nicht kommen. Man sieht daraus, daß die Art, wie Herr Dr. Ruppin von oben herab den Bankier Kann aus Haag in Holland abgestumpft hat, durchaus nicht am Platze war. (Herr Kann ist im Direktorium der Bank.) Es ist natürlich nicht möglich, alles im vorhinein sicher zu berechnen, wie ein Bankier das am liebsten hätte; aber die zionistische Bank, die absolut geschäftsmäßig ihre Arbeiten abwickelt und sich auf keinerlei riskante Projekte einläßt, ist trotzdem ein Segen für das ganze Land und gary besonders für das ganze Judentum in Palästina. Das, was dem soliden Kolonisten in Palästina an der zionistischen Bewegung so unangenehm ist, das ist der große Spektakel, der mit jeder kleinen Unternehmung gemacht wird. Es wird eben alles für die Propaganda benützt und vieles für die Propaganda bloß vorbereitet und präpariert.

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