Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Sette vss i Dss. Dttch^ WochMWt Nr. 41 kommen müsse. Gellte jiün Palästina dieses geistige Zentrum sein, so müssen dort große jüdische Volksmassen angesiedelt werden. « - ’’ l Auch der belletristische .Teil des vorliegenden Bandes des Haschiloach. isteht auf der Höhe der Zeit, wenn auch manches poetische Gemälde unserem ästhetischen Geschmacke nicht entspricht und veraltet erscheint. So finde ich, daß »Israels iocntcf* von Siko in der Suulenski- . sehen und Gottloberiseheh Schriftstellerepoche, wo der Kampf gegen den JSchulchWi Aruch und den Chassidismus die Grundlage der hebräischen (Belletristik bildete, etwas! bedeutet haben würde. Heute aber, wo ganz andere Ideen das jüdische Leben bewegen, heute, sage ich, wo man auf die schöpferische Gedankenwelt eines Achad-haam, eines Bialik, eines Dr. Josef Klausner usw. schwört, ist Sikos „Bas Jisroel“ ein Anachronismus, da hier nichts anderes geboten wird, als eine hebräische Umschreibung des armen Ideengehaltes in Goldfadens Melodrama „Hie Babe mit dem Einikel“. Während aber im Melodrama Handlung und Singspiel die Gedankenarmut verhüllt, tritt diese in einer Erzählung in ihrer ganzen Blöße zutage. Immerhin ist „Bas Jisroel“, wenn wir in poetischer Hinsicht bescheidene Ansprüche stellen, hoher Zu bewerten, Als Jans Gemälde „Dina Deinar“. Eine Frau, die so exzentrisch' ist> daß sie sich in der Ebb deswegen unglücklich fühlt, weil sie fürchtet, ihre Kinder werden keine Genies sein, wie es bei Dina Deinar der Fall ist, deren Gatte in keiner Hinsicht sich etwas "zuschulden kommen läßt, um den unbegreiflichen Haß dieser Frau zu verdienen, die ihre ehebrecherische Veranlagung mit einem überspannten idealistischen Mäntelchen zu verhüllen sucht, kann nicht auf palästinensischem Boden gedeihen, besonders, wo das jüdisch-moderne Leben Iso schöne und gesunde Formen annimmt, wie in den jüdischen Kolonien Palästinas. Der Verfasser hat sich also nur iii der Geographie ein wenig geirrt, denn diesseits der Pruthj kann seine Schilderung oder, wie er es nennt, ,,Gemälde“, den wirklichen Tatsachen entsprechen. Da findet man schon genüg verschrobene Prauenköpfe, die, nicht regelmäßig geschult- und durch übertrieben fleissige Lektüre einer gewissen Schundliteratur hysterisch geworden, ihre Männer aus dem Grunde verfolgen, weil es diesen nicht gelingt» aus ihren Ehegattinnen Mütter Heinrich Heines 'zu machen. Es verdient noch an .dieser Stelle Dr. Klausners „Werdende Welt“ nülönend hervorgehoben zu werden, in welcher er das emporblühende /jüdische Leben Palästinas, das er aus eigener Anschauung (kennen gelernt hat, ausgezeichnet schildert. Er ist kein unbedingter Lobredner alles dessen, was er dort gesehen hat, sondern tadelt, ohne taktlos fcu werden, wo zu tadeln ist. Manchmal haut er allerdings über die Schnur. ' E|r findet z. B. litauische Juden in der großen Synagoge Zu 'PetKaeh-thikwa, die in singend-weinerlichem Tone den Talmud studieren; in ihrer Nähe sitzt ein deutscher Doktor der 'Philosophie, der sich sehr anstrengt, bei seinem Talmudstudium Vien Gemaraton der Litauer nachzuahmen, Was ihm aber nicht gelingen will. Dr. Klausner meint darauf, dieser /Gemara nigun habe mit dem Wesen des Studiums gar nichts zu tun und sei demselben ganz fremd. Nun, so fremdscheint der eigenartige Gesang, der in altjüdischen Kreisen beim Talmudstudium üblich ist, nicht zu sein. Denn schon Josef Delmedigo erzählt in seinem Mazref-lachochma, daß er ein altes Mischnaexetoplar gesehen, dessen;Text mit Tonzeichen (Noten) versehen war. Audi1 ASaria di Rossi, erzählt, er habe zwei hebräische Bücher, die .über fünfhundert Jahre alt waren, gesehen, deren Text mit Tonzeichen, d. h. Nöten, versehen waren.1) Aus dieser '.Tatsache folgern di Rosst und Delmedigo; daß die Anwendung des Gesanges beim Studium schon den Alten jals mnemotechnisches Mittel gedient haben müsse, um den (Lehrstoff besser und länger im Gedächtnisse behalten zu können. 'Es ist daher nicht ganz unwahrscheinlich, daß in den berühmten Talmudhochschülen zu Sura und Pumpedutia die .Vorträge rhythmisch und singend gehalten worden seien. Aus dem Gebotenen ersieht man, wie, inhaltsreich und mannigfaltig der Haschiloach ist, der allerdings meiner Empfehlung nicht bedarf. Die Tatsache jedoch, daß er vornehmlich in hebräischen .Schriftstellerkreisen gelesen wird, während das gebildete, ^ebräisch lesende Laienpublikum', besonders in Oesterdeich', ihkn nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkt, veranläßt mich', dem geschätzten Lesepubliküm der „OesterreichIschen Wochenschrift“ diese ausgezeichnete hebräische Monatsschrift «warm zu empfehlen. % Insel-Almuiach auf das Jahr 1914. Im In sei-Verlag zu Leipzig, *.). Meorenajim, Warschau 1899, p. 416. f KriefkastE p. L., Bulin. Der betreffende Hugo S.; Berlin-Halensee, ist ein Sohn des Prof. S. in Wien« . 5t. F. Barinizwah-Berichte müssen wir grundsätzlich ablehnen. B. N. Das Hotel Glattauer soll jetzt an einen jüdischen Unternehmer verpachtet werden« Fräulein B. Gegen den neumodischen Personenkult, der ganz gewiß unjüdisch ist, sollte man allerdings Stellung nehmen. . <£ LL üiSic haben Ihre Zuschrift der kompetenten Stelle überwiesen. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegl. er. Hotel „Stefanie" 11., Tadorstraße 19. Ab Samstag den 11. Oktober, täglich die Novität: „Borg mir dein Weib". Komische Operette in 4 Aufzügen von A. Schor r. — Sonntag den 12. Oktoberhalb 4 Uhr nachmittags bei halben Preisen: „Bar Kochba". Historische Operette von A. Goldfaden. — In Vorbereitung: I. L. Pere tz's „Die drei Matmres". Musik von Ch. W o l f s t h a l. Jüdisches Theater-Variete im.neuerbauten Saa.le S. Bon di, I I., Untere A u g a r t e n st r a ß e 8, nächst der Aügärtenbrücke (zum König David). Sonntag, den 12. Oktober 1913, große-Eröffnungsvorstellung einer erstklassigen Künstlergesellschaft unter der Dir ltion A. Hirsch; artistischer Leiter H. Weinberg. Täglich Auftreten, der Kunslkräfte u. zw. die Herren M. Rubinstein aus Bukarest. I. Weingolo, S. Stramer, M. Schneck, M. Weinberg, S Bo ritz, I. Löwy, H. Weinberg usw. usw., die Damen Fr. S a l c i a W e i n b e r g. Fr. B. R u b i n st e i n, Fr. P e p i Weinberg, Fr. C l a r a Stramer, Fr. Regina Schneck, Fcl. Malcowa usw. usw. Die Musik besorgt eine eigene Hauskapelle. Das neue, täglich abwechselnde Programm ist im „Wiener Extrablatt" ersichtlich. Zur Aufführung gelangt das berühmte Meister« w:rk „Die zwei Sergenten (Jehuda und Israel)", Lebensbild von Prof. M. H o r o w i tz Anfang um 8 Uhr abends. Preise der Plätze: K 2*50, 2-—, 1*40, und — 80. Entree-Karten im Vorverkauf sind zu haben ohne Vorverkaufsgebühr im Caf6 Blau, II., Rothensterngasse; im Eafs Rembrandt (Lederer), II., Untere Augartenstraße; im Restaurant B o n d i, II., Untere Augarlenstraße 8, und abends an der Kaffe. NB. Für gute schmackhafte Küche und erstklassige Getränke ohne jedwede Preiserhöhung und solide Bedienung wird bestens gesorgt. Der zweite Jahrgang der Volksschriften über die jüdische Religion unabhängig vom ersten und in wesentlich volkstümlicherer Form, beginnt im Oktober 1. J. Im 2. Jahrgang erscheinen: G-. Oktober: Die Propheten Arnos u. Hosea, von Dr. J. Ziegler-Karlsbad November: Der Optimismus im Judentum, von Dr. L. Scheftlowitz-Köln Dezember: Die Mischna, von Dr. 8. Krauss-Wien Jänner: Der Talmud, von Dr. 8. Bernfeld-Berlin Februar: Judentum und Christentum, von Dr. M. Dienemann-Ratibor März: Synagogale Poesie u. Gottesdienst, v. Dr. J. Elbagen-Berlin April: Die Reform, von Dr. C. Seligmann-Frankfurt a. M; Abonnement für sämtliche 7 Schriften: 5 Kronen! Man abonniert hei dem Herausgeber: Dr. J. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. Abonnement: 5 Kronen. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen unsere ge sck ätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich des in der letzten Nummer beigelegten Postenlag - Scheines bedienen. Die Administration. Für zwei tüchtige junge Männer bestemptohlen, (der eine 22jährig, bisher in Tuchfabriken'und Bankhaus als Buchhalter tätig, der andere 18jährig, bisher Lagerist in der Tuchbranche) suche ich bei mässigen Ansprüchen Stellungen in Wiener, am Sabath geschlossenen Geschäften.' — Moritz Nasch, Wien, IX;, Schlickgasse 1. G.