Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022077--22553-3047704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions (1 not found in this text)

Sk. 41 Dr. Bwchs WocheüfthM 6cttc 75? Ausgleichs von England und Deutschland auf dem Gebiete der .Hchnanitüt vollbracht, indem er eine S1if>- tung von vier MiNionen ins Leben rief, aus deren Zinsen notleidende Deutsche in England und notleidende Engländer in Deutschland unterstützt werden sollen. Mit dem englischen König hat auch das deutsche Kaiserpaar das' Protektorat über diese ebenso originelle wie grühmütige Stiftung übernommen. Solch seltene Männer, wie Sir Ernest Cassel, tragen dazu bei, den Ruhm des deutschen Namens in England M erhöhen. Sir Ernest Cassel ist auch wiederholt vom deutschen Kaiser ausgezeichnet worden. So enthält das Buch eine Reihe hochinteressanter Aufschlüsse über die Stellungnahme von Herrschern. Künstlern und Gelehrten zum Judentums, so datz das Buch wärmstens empfohlen werden kann. Erklärung. Das Feuilleton „Das Palais Rothschild in der Theresiänumgasse", unterzeichnet mit dem Pseudonym „Valerien Verreol" in Nr. 38war dem Wiener „Fremdenblatt" ohne Befragen des Herrn Autors entnommen, was wir über dessen Wunsch konstatieren. r' Literatur. Haschiloach von Dr. Josef Klausner. 28. Band. Odessa 1913. Besprochen von Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann, Virovitica. Diese hebräische Monatsschrift für jüdische Literatur, “Wissenschaft und jüdisches Leben, gilt mit Hecht als eine der. b@stredigierten. ln dem 28. Band derselben, der uns vorliegt, begegnen wir den hervorragendsten hebräischen Schriftstellern und jüdischen Gelehrten, die hier eine Fülle wissenschaftlicher Abhandlungen literarhistorischen Inhaltes, Schilderungen des jüdischen Volkslebens in Palästina und seinen Kolonien aufgespeichert haben. Außerdem enthält der vorliegende Band eine Reihe von Erzählungen und Dichtungen aus der Feder der bedeutendsten hebräischen Dichter, die der Beachtung wert sind. Njaftali Samuelsohn führt sich mit einer sehr gründlichen Arbeit über Rabbi Gerschom - ben Jehuda aus Mainz (960—1028) ein. Während nun Graetz auf Grund Luzzattoscher Forschung (Orient. Littb. 1847, cell 564) die Leuchte der Diaspora aus Frankreich abstammen läßt, findet Samuelsohn, daß schon der Vater Rabbi Gerschoms, dessen Geburtsort allerdings unbekannt ist, in Mainz ansässig war. Dagegen ist Graetz im Rechte, wenn er behauptet, daß Leontin, der Lehrer Rabbi Gerschoms, ein Jünger Nathans des Babyloniers war, der aus der Suranischen Hochschule nach Narbonne kam, um hier ein Lehrhaus zu gründen. Wer ihm den Titel ,,Meor Hagola“ gab, ist nicht bekannt, ebenso wenig läßt sich eruieren, ob dies der offizielle Titel Rabbi Gerschoms war. Nach Raschi hat er deswegen diesen Ehrentitel verdient, weil er ganze Generationen in Deutschland im Studium der Thora herangebildet hat. (Siehe Joel Müller, Responsen der Weisen Frankreichs und Lothringens, Wien 1881, § 21.) Am meisten bekannt wurde Rabbi Gerschom, und das hebt Samuelsohn in seiner Arbeit besonders hervor, durch seine Verordnungen, die bindend waren und es für dasganze Judentum der Diaspora, der Orient ' ausgenommen, bis auf den heutigen Tag sind. Trotz alledem ist man sich heute noch über die Zahl dieser Verordnungen nicht im klaren. In der Jubelschrift zum 70. Geburtstage weiland Israel Hildesheimers (Berlin 1890) meint Dr. Pli. Rosenthal, daß, wissenschaftlich' beurteilt, diese Verordnungen auf ganz wenige zusammenschrumpfen. Joel Müller zählt aber deren zehn auf, während in der hebräischen Enzyklopädie (III. p. 318) 25 solcher Verordnungen aufgezählt werden. Es dürfte jedoch in Fachkreisen bekannt sein, daß selbst unter den zehn -Verordnungen, deren Urheberschaft Rabbi Gerschom ziugeschrieben wird, nicht alle den Anspruch auf seine Autorschaft erheben können. Wenn auch nicht neu, so doch interessant ist die Hervorhebung der Tatsache, daß ein Sohn Rabbi Gerschomls fahnenflüchtig geworden war und dem Judentum den Rücken gekehrt hat, um zum großen Schmerze seines Vaters, der doppelte Trauerzeit hielt, in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche einzutreten. Gewiß ist diese Arbeit geeignet, einer ausführlichen Monographie über Rabbi Gerschom gute Dienste zu leisten und wertvolles Material zu liefern. Auch Dr. Bernfelds Aufsatz über Leon de Modena ist sehr gediegen, echt kritisch' bearbeitet, wie wir es von diesem produktiven und gelehrten Schriftsteller überhaupt gewohnt sind. Doch hätten wir mehr neue Gesichtspunkte, erwartet, die gewiß in dem so wechselvollen und viel bewegten Leben Modenas leicht zu entdecken wären. Die ehabadiache Philosophie, so nenne ich den Chassidismus der Schule des Lädier Rabbi, wird von, Ch. Bonin behandelt, und zwar in einer geradezu virtuosen Weise. Der Verfasser ist philosophisch geschult — und das muß man auch sein, will man den tiefen Ideengehalt des Chassidismus wissenschaftlich würdigen. Nur ein Denker, der mit allen Systemen der Philosophie ebenso gut vertraut ist, wie mit der Lehre der Kabbala und des Chassidismus, darf sich an die schwierige. Aufgabe heranwagen, die tiefmystische Lehre der chabadischen Philosophie darzustellen, deren Metaphysikso schwer ist und so dunkle und geheimnisvolle Wege wandelt, wie die Hegels. Nach dem „Tanja“, dem Lebenswerke deg Schuloberhauptes der „Chabacl“ (hebräische Abbreviatur für Weisheit, Vernunft Und Erkenntnis), kann die Gottheit empfunden und nur in ihren Beziehungen zu den Formen des Scheines relativ auch erkannt werden. Die absolute Wahrheit gleicht dem absoluten Sein. Gott ist das absolute Sein und das absolute Nichts. Die menschliche Seele ist die innere Erscheinungsform des göttlichen Wesens. Nach vielen teils gemeinverständlichen, teils aber ganz subti’en Auseinandersetzungen kommt Rabbi Senior Salomon — so der Name des berühmten SeKuloberhauptes der Chabad — zu folgender Schlußfolgerung: Absolutes Sein ist absolutes Nichts. Die absolute Wahrheit an und für sich (wer denkt da nicht an Kants „Ding an sich“?) ist unfaßbar und für uns kein Gegenstand der Erkenntnis, da sie unerkennbar ist. Diese ewigwahre Wahrheit, nämlich Sein und Nichtsein, das heißt das absolute Sein und Nichts, ist die Gottheit. Ich bin den Quellen nachgegangen, um den Angaben des Verfassers nachzuspüren und seine Darstellung genau zu überprüfen, ob er nicht seine Ideen dem chabadischen Schuloberhaupte unterschoben habe, um so aus dem Chassidismus ein inm genehmes philosophisches System zu Konstruieren, und ich muß sagen, daß der Verfasser genau der Geistesrichtung Rabbi Senior Salomons gefolgt -ist und in seiner Darstellung getreu das widder-gegeben Uat, allerdings in schönerer und modernerer Form, was der chübadische Chassidismus lehrt. Es folgt daraus, daß in der Hauptsache der Chassidismus es nicht verdient, lächerlich gemacht zu werden, da er der Träger hoher philosophischer Ideen ist. Von Jechiel Michael Pines, dem bekannten konservativen Kämpfer für Hebraismus und Besiedelung Palästinas nach religiösen Prinzipien, der leider am 15. März d. J. seinen edlen Geist in Jaffa ausgehaudht hat, ist ein Fragment „Die Sopherische Lehre“ abgedruckt. Es sollte dies ein Vortrag sein und den Beweis erbringen, daß die Evangelien nichts Neues brachten, was nicht schon früher das Judentum gelehrt habe. Uebrigens gesteht selbst Ernest Renan in seinem Leben Jesu, daß all die schönen Sprüche und Weis-- heitslehren, die .angeblich Jesu lehrte, in der hebräischen Maschaldichtung und in den Sprüchen der Väter vor Jesus gelehrt und vorgetragen wurden. Die Beweisführung Pines ist aber eine überzeugendere. Dieses Fragment ist aus dem Nachlasse des Verfassers der Redaktion übermittelt worden. Nicht sehr angenehm berührt dagegen ein Aufsatz über „Die Frau in der Bibel und die Frau in der Agada“ von Gerschon Stern. Der Verfasser weist nach, wie niedrig die Stellung des Weibes im Judentum im talmudischen Zeitalter war. Er gesteht jedoch selbst, daß er seine Weisheit aus sekundären Quellen geschöpft habe. Dieseswichtige Thema, das, dem großen Titel nach zu urteilen, so viel verspricht, behandelt der Verfasser auf kaum sechs Seiten und richtet an uns die Forderung, wir sollen zur Bibel zurückkehren. Ich glaube, daß kein Jude, ob zionistisch oder religiös, sich der Meinung des Verfassers wird anschließen und seinem verlockenden Rufe folgen wollen, schon aus dein Grunde, weil das Judentum gerade in neuester Zeit zu neuem Leben erwacht ist und keine Lust in sich verspürt, geistig zu verkümmern wie die Karäer. Es ist daher sehr begreiflich, daß wir keine Lust haben, Karäer zu werden. In einem sehr geistreich geschriebenen Aufsatze beklagt Dr. Osias Thon mit Recht die traurige Tatsache, daß nicht der geringste «wohltuende Einfluß der jung jüdischen Bewegung in 'Palästina auf die ältere Generation bemerkbar sei. Der Autor führt diesen beklagenswerten Zustand auf die Tatsache zurück, daß nämlich die jüngere jüdisch-natio^ nal gesinnte 'Generation sich in religiöser Hinsicht gegen die „braven Altfrommen“ geradezu provokatorisch benehme, was also dazu wesentlich beiträgt, daß die - Frommen der jungjüdischen Bewegung keinerlei Interesse abgewinnen können. Im Geiste „Achad haams“ weist er nach, daß überall, wo große jüdische Volksmassen beisammen wohnen, es naturnotwendig zur Bildung eines geistigen Zentrums

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.