Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Dr. BLuhs Wochenschrift. D«te 75» Nr. 41 Frau Jda Barber schreibt uns: Krank und elend, aller Hilfsmittel entblößt, sah ich im Rothschild-Spital ein unglückliches Mädchen; am 10. dieses Monats soll sie entlassen werden; sie ist aber zu sehr entkräftet, um sich, wie früher, als .Krawattennäherin fortbringen zu können. Hilfe ist dringend nötig, da die' Arme sonst dem Hungertode preisgegeben ist. Mitleidige Menschen haben ihr eine Unterkunft zugesagt. Ihre Adresse ist Eh. B., Wien, IX., Lazarettgasse 5, Tür 21. Die B. ist in frühester Jugend vom Wagen gestürzt, seit der Zeit ein Krüppel, magenkrank, körperlich vollständig herabgekommen, aber geistig so rege, daß man ihre Briefe mit Staunen liest und glauben möchte, eine auf der Höhe des Lebens stehende Dame hätte sie geschrieben. Wer der Armen hilft, ihre letzten Lebenstage sorgenfrei zu verbringen, tut ein gutes Werk. Dr. Harry Torezyner. Die amtliche „Wiener Zeitung" publiziert die Ernennung des Phil. Dr. Harry Torezyner zum Privatdozenten an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität für semitische Sprachfächer. Diese Ernennung ist umso bedeutsamer, als bereits seit Jahren ein Jude an der philosophischen Fakultät weder habilitiert noch ernannt wurde. Es zeigt sich dies insbesondere darin, daß seit dem Tode des Hofrates Müller der Posten nicht besetzt wurde, weil man eben einen Juden nicht ernennen will. Es war allgemein bekannt, daß Hofrat Müller eine ganze Reihe arischer Hörer förderte und anderen Universitäten zuführte, da er es bei der' herrschenden Strömung nicht wagte und es sogar für aussichtslos hielt, eine jüdische Kraft zu habilitieren. Die heutige Ernennung zeigt, welche geistige Kapazität der junge 26 jährige Dozent sein mußte, wenn trotz all der Widrigkeiten seine Ernennung durch einen klerikalen Unterrichtsminister erfolgt ist. Dr. Harry Torezyner ist in Lemberg im Jahre 1887 geboren, kam bereits als Kind nach Wien, genoß seine Gymnasial- und Hochschulbildung in Wien unb war ein bedeutender Schüler des Lektor Friedmann, an dem er mit besonderer Verehrung hing. Er machte sich bereits seit mehreren Jahren, trotz seiner Jugend, durch eine Reihe von Arbeiten in der wissenschaftlichen Welt sehr bemerkbar, so daß man ihn in dem Momente, als er seine Habilitierung anstrebte, nicht übergehen konnte. Seine Ernennung macht ihm und dem Judentum Ehre L. Regierungsrat Dr. S. Freund. Der frühzeitige Heimgang des trefflichen Regierungsrates Dr. Sam. Freund hat allgemeine Teilnahme geweckt. Der Heimgegangene war Vorstand des Vereinsbüros bei der Polizei- Direktion und erfreute sich allgemeiner Sympathien, die bei der Sonntag den 5. d. M., vormittags, stattgehabten Beerdigungs- Feierlichkeit zum Ausdruck kamen. Der Sarg, den ein herrlicher Kranz mit schwarzgelben Bandschleifen und der Widmung: „Dem sehr verdienstvollen Beamten — Der k. k. Polizeipräsident" schmückte, stand auf einer Bahre inmitten der Estrade. Anwesend waren außer der Familie: Polizeipräsident Ritter von B r z e s o w s k y, in Vertretung des Ministeriums des Innern Ministerialrat Johann S w o b o d a, in Vertretung der Statthalterei Statthaltereirat Pruckmüller, die Regierungsräte Dr. Deltl, Doleisch, Porm, Gayer, Krottenthal e r, Doktor Johann Wagner, Gutmann und Walldorf, Zentralinspektor Oberpolizeirat Dr. Pamer, Chefarzt Regierungsrat Dr. M e r t a, die Polizeiräte Tauber, Leopold Schmidt, Schölzig, Pribil, Zverina, Brück, Gutschreit er, Dr. Reichel, Dusik, Frömmel, Freist, Viktor Pichler, Schohay, Dr. Klenert, Dr. Anton Baumgarten und Dr. Gottlieb Nvvak, die Polizeioberkommiffäre Dr. Rudolf Wagner, Dr. Ludwig, Dr. Bruno S ch u l tz, Dr. H a b i s o n, Dr. Franz Brandt und Bilinkiewicz, die Polizeikommiffäre Dr. Emil Spitzer, Kindermann, Legat und Dr. Amrot, Hilfsämterdirektor Vogel, Oberinspektor Dr. Urbanek, Bezirksiyspektor Dr. Herzmann und mehrere Abordnungen der Sicherheitswache und des Polizeiagentenreferates sowie andere Offiziere der Sicherheitswache, dann der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeiude Doktor Gustav K o h n mit dem ersten Sekretär kaiserlichen Rat Doktor Lieben und den Vorstandsmitgliedern Karl Lemberger und S. Steiner, kaiserlichen Rat W a i z n e r, Chefredakteur E i g l u. v. a. Mit dem Trauergesängen, die Erster Kantor Serebrenig mit Chor vortrug, begann die Trauerfeier. Dann hielt Rabbiner Dr. Feuchtwang dem Verblichenen die Trauerrede, in welcher er den lauteren Charakter und die besonderen Verdienste des Verblichenen pries. Danach erfolgte die Beisetzung. Wien.(J üd isch er Handln ngsgehil fe n-V e rb a n d. Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 111>.) Dienstag den 14. d M., 8 Uhr abends Vortrag des Herrn Dr. KolomanFreuder. Thema: „Die Medizin in Bibel und Talmud". Gaste willkommen! — Ende Oktober beginnen wieder die vom I. H. V. veranstalteten Unterrichtskurse in böhmischer, englischer und hebräischer Sprache (für Anfänger und Vorgeschrittene) sowie in Buchhaltung und Stenographie. Anmeldungen und Auskünfte an Wochentagen von 8 9 Uhr abends. Austritte aus dem Judentum. Vom 28. September bis inklusive 4. Oktober 1913. Brandl Ernst, Realschüler, geb. 25. September 1894, Wien, VIII., Alserstrasse 23 Damenstein Hermann, geb. 1. September 1885, Warschau, IV., Hauptstrasse (Goldenes Lamm) Metzger Leopold, Juweliergehilfe, geb. 26. September 1890, Wien, XV., Turnergasse 25 Propper Gisela, geb. 20. Juli 1891 in Wien, IV., Lambrechtsgasse 2 Salomon Maximilian Isidor, I., Schottenrirg 3 Stegmann Gertrud, Private, geb. 15. August 1877, Friedberg-Neumark, V., Margarethengürtel 60 Weiß Leni geh. Herschkovic, geb. 1876 in Horlyo, II., Stuwerstrasse 39 Klosterneuburg. Nach vielen Mühen und emsiger Betätigung ist es gelungen, die Vorarbeiten für den Bau der hiesigen Synagoge, bei der auch ein Zeremoniensaal und die Wohnungen für die Kultusbeamten sich befinden werden, zu Ende zu führen und dieses große Werk der Verwirklichung näher zu bringen. Der Bau, mit dem bereits begonnen wurde, wird, nach den Plänen des Architekten Jakob Winkler in Wien, von der Baufirma A. Alphart und A. Wagner, Wien-Klosterneuburg, ausgeführt. Es ist den Männern der hiesigen Kultusgenleinde und allen, die dieses Werk gefördert und ermöglicht haben, als ein besonderes Verdienst anzurechnen, in einer Stadt, wo vor Jahrzehnten noch kein einziger Israelit wohnte, eine Stätte zu erbauen, wv Religion und jüdisches Gemeinwesen gepflegt und geübt werden wird. Pretzburg. Am verflossenen Sonntag, den 5. d. M., wurde für den vor Jahresfrist in Wien im 80. Lebensjahre verstorbenen, allgemein verehrten Menschenfreund Simon Bnchwald, Obmann der Synagoge und des Bethamidrasch „Talmud-Thora" im II. Bezirke, auf seiner Grabstätte aus dem großen jüdischen Friedhofe hier ein des Toten würdiger Grabstein in altjüdischem Stil mit der von seinem Wiener Freunde Professor Antfcherl verfaßten hebräischen Grabschrfft enthüllt. Der Feier wohnten außer der Witwe Frau Babette Buchwald mit ihren Töchtern und Schwiegersöhnen die Vorstandsmitglieder, Herr Leop. Hirsch, Obmann, die Herren Gabriel Fischer und Ruhig und zahlreiche Preßburger bei. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner H. Schrak aus Wien pries in gemütvollen und gewählten Worten das Wirken Buchwalds, dessen Andenken in und außer Wien sortleben und ein gesegnetes bleiben und dessen Grab das Ziel zahlloser dankbarer Besucher bilden wird. Pilsen. Ernannt wurde zum Feldrabbiner in der Reserve des k. u. k. Heeres der israelitische Seelsorger Dr. phil. Ludwig Golinski in der Evidenz des Landsturmbezirtstommandos Nr. 7 in Pilsen (Aufenthaltsort Pilsen). Loorana. Auch in Lovrana, wo noch vor wenigen Jahren unter den Fremden keine Juden zu finden waren, gibt es jetzt ein hervorragendes jüdisches Heim, wodurch es unseren Glaubensgenossen auch in diesem jungen Kurort ermöglicht ist, ihre Erholung ohne Vernachlässigung der jüdischen Gebräuche, selbst an den hohen Feiertagen, zu finden. Das Heim, von welchem ich hier spreche, ist die „Pension Bremer", welche von Herrn Fritz Bremer geleitet wird. Das vergangene Rosch-haschono-Fest hat den hier Anwesenden den Beweis erbracht, daß ein Gottesdienst in Lovrana viel schöner, als in so mancher — wir können ruhig sagen — größeren Gemeinde abgehalten wurde? Herr Fritz Bremer hat es den armen jüdischen Arbeitern, die in dem nahegelegenen Sanatorium in Jöiäi ihre Gesundheit wieder zu erlangen suchen, ermöglicht, an den feierlichen Gottesdiensten teilzunehmen, und jene