Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 41 Seite 754 Tierseuchen- und Rinderpestvergehen: männlich: 14 7, weiblich 5 5. Wucher: 74 4. Erekutionsvereitlung: männlich 12 8, weiblich 7 7. Wehrgesetz 11'4. Lebensmittelgesetz: männlich 10 7, weiblich 10. Wahlbestechung: 25. Wahlfälschung: D43. Dabei sind nicht eingerechnet jene vielen Juden, welche ihre Abstammung durch Ueber- Lritt unkenntlich gemacht haben. (?) Wir wissen nun nicht, ob diese „Österreichische Statistik" irgend ein privates Unternehmen ist oder sich als eine amtliche Publikation darstellt. Eines aber mutz dem unbefangenen Beurteiler der Dinge sofort ins Auge fallen: Es wird da eine Reihe von Verfehlungen der Juden perzentuell angeführt. Man vermißt jedoch die Aufzahlung der s ch w e r st e n Verbrechen in ihrem Prozentsatz zu den Juden und wir wähnen, daß er sich äußerst minimal stellen wird. Die prozentuelle Ziffer dieser Verbrechen in Rücksicht auf Nichtjuden wird in der „Reichspost" natürlich weise verschwiegen. Interessant aber wäre es immerhin, auch diese Daten aus der „Oesterreichischen Statistik" zu reproduzieren. Die Geflüchteten für die Zurückgebliebenen. Geradezu röhrend ist der Brief, den eine Anzahl ottomanischer Juden, die anläßlich der Balkanwirren nach Brasilien geflüchtet sind, an die Redaktion des „Jndependant" in Saloniki richtet und darin mitteilt, daß sie für ihre durch die Kriegsgreuel heimgesuchten Glaubensbrüder in Serres 130 Francs gesammelt und .im Wege der kaiserlich-ottomanischen Bank in Saloniki überwiesen hat. Der Brief, der in Saolo (Brasilien) am 28. Oktober d. I. aufgegeben wurde, hat folgenden Wortlaut: „Ties gerührt durch die Erzählung der tragischen Ereignisse in Serres und in Folgeleistung dem Ausruse des „Jndependant" zugunsten unserer unglücklichen Glaubensbrüder, welche die Opser bulgarischer Grausamkeit geworden sind, Hallen wir es für unsere Pflicht, Ihnen beigeschlossen das Ergebnis einer Sammlung zu übermitteln, die unter einer Gruppe von ottomanischen Juden, die gegenwärtig in St. Paul sind, veranstaltet wurde. Wir beglückwünschen Sie zu Ihrer menschenfreundlichen und brüderlichen Initiative und bitten Sie, bei unseren Glaubensbrüdern der Dolmetsch unserer Verachtung zu sein, welche diese schändlichen Verbrechen, die ihre Urheber für alle Zeilen aus der zivilisierten Gesellschaft ausschließen, in uns wachgerusen haben. Mitfolgend erhalten Sie einen Scheck über 130 Francs auf die kaiserlich-ottomanische Bank. Genehmigen Sie rc." Endlich! Aus Warschau wird uns geschrieben: Endlich nachdem die russische Regierung den wirtschaftlichen Boykott der Polen gegen die Juden solange geduldet und indirekt gefördert hat, bis die wirtschaftlichen Folgen für die Juden sich in den traurigsten Formen fühlbar machten, endlich hat sich die russische Regierung aufgerafft, diesem Treiben Einhalt zu tun. Der Generalgouverneur von Warschau hat nämlich auf Grund des „allerhöchsten" Befehles vom 27. August (a. St ) 1913 eine Verordnung herausgegeben, die unter anderem auch die folgende Verfügung enthält: . v „Jede Aktion, die den Zweck hat, den Boykott einzelner Personen, ganzer Nationalitäten oder einzelne Klassen der Bevölkerung zu organisieren, zu unterstützen oder zu solchem Boykott auszufordern, ist verboten. Die Uehertretung dieses Verbotes wird mit einer Geldstrafe von 500 Rubel oder drei Monaten Arrest bestraft." Endlich! __ Vermischtes. € Wien Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n wird am 1. Tage des diesjährigen Laubhüttenfestes, Donnerstag den 16. Oktober 1913, im Leopoldstädter Tempel die Predigt halten! Emigranten - Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates September 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 206 Emigranten, davon 203 russische.und 3 rumänische weiterbefördert u. zw. 132 nach den Vereinigten Staaten, 40 nach Argentinien, 9 nach Kanada, 1 nach England, 18 nach Frankreich und 3 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 8 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate September für 18 Personen zusammen 79 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 94 Personen zusammen 379 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Wien. (Silberhochzeit.) Am 30. September feierte Prof. Dr. S. E h r m a n n mit seiner Frau im engeren Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Professor E h r m a n n und seine Frau Gemahlin genießen in weiten Kreisen hohe Verehrung, die sich namentlich an diesem Tage in außerordentlicher Weise kundgetan. Zahllose Blumenspenden, telegraphische und briefliche Glückwünsche kamen von nah und fern; Freunde und Verehrer der Familie stellten sich ein, um dem Jubelpaar Liebe und Verehrung zu bezeugen. Deputationen des Verbandes „Bnai Brith" und der beiden Wiener Zweigvereinigungen begrüßten das Ehepaar und überreichten ein vvn Isidor Kaufmanns Meisterhand gemaltes Bild. Auch eine Deputation des jüdischen Museums überbrachte die Glückwünsche des Kuratoriums. Außerdem wurden von Freunden kostbare Geschenke überreicht. Wien. (Fünfhaus.) Am 1. Neujahrstag waren 10 Jahre vollendet, seitdem Herr Rabbiner Dr. Mar! Grunwald die Seelsorge in den westlichen Bezirken XIV. und XV. übernahm. Die jüdischen Organisationen und Vertretungen haben diese Gelegenheit ergriffen, um dem Ehepaar Grunwald den Ausdruck ihrer Sympathien zu bekunden. Sowohl der Bethausvorstand als auch die Bezirkskommission, sowie die großen jüdischen Vereine des Bezirkes entsendeten Deputationen. Im Namen des Vethausvorstandes sprach Herr Kultusvorsteher S. Steiner und er beglückwünschte den Herrn Rabbiner, zu der Liebe und Verehrung, die er sich erworben: für die Bezirkskommission sprach der Obmann Herr S. Mohr, welcher betonte, daß in einer Zeit der Kritik und der Negation für den Rabbiner es eine schwierige Aufgabe ist, die Geister zu bezwingen, Herr Rabbiner Dr. Grunwald habe durch sein belehrendes Wort das Werk zustande gebracht, wie auch seine Gattin die Herzen eroberte. Für die Chewra Kadischa sprach Herr Hermann Weinberger, welcher für die intensive Förderung dankte, die der Herr Rabbiner und seine Gattin allen Wohltätigkeilsinstituten des Bezirkes angedeihen lassen. Vom Vereine zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder kam M prachtvolles Blumenarrangement. Herr Dr. Grunwald dankte erfreut über diese Zeichen des Vertrauens, welche ihm dargebracht worden, und versicherte, daß die Liebe seiner Gemeinde der beste Lohn sei, den er sich für sein Wirken erwarte. R. L. Unentgeltliche Esperantokmse und Vorträge über das Weltsprachenproblem. Der Esperantoverein Wien eröffnet Donnerstag, den 16. Oktober und Donnerstag, den 23. Oktober unentgeltliche Esperantokurse für Anfänger, Vorgeschrittene und Esperantolehrer. Die Kurse umfassen je 10 Lehrstunden, in welchen die Weltsprache Esperanto vollkommen erlernt werden kann. Die Kurse werden durch allgemein und frei zugängliche Vorträge über die Geschichte, Statistik und -Wesen der Weltsprache Esperanto eingeleitet werden. Die Kurse und Vorträge beginnen um l/.2% Uhr abends im Niederösterreichischen Landeslehrerseminar, I., Schellinggasse 11, und stehen unter der Leitung des Herrn Verbandssekretärs Professor Julius Glück.