Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 41 Seite 753 Dr. Blochs Wochenschrift 69 Jahren erreicht. Im Jahre 1873 lieh er sich in Brünn als Advokat nieder und genoß hier als besonders gewiegter Jurist einen hervorragenden Ruf. Er wurde von seinen Kollegen in den Ausschuß der Mährischen Advokatenkammer gewählt und mit der Würde eines Kammeranwaltes betraut. Auch im Gemeindeausschuß der Landeshauptstadt Brünn führte er durch viele Jahre das Finanzreferat, und besondere Verdienste erwarb er sich um die hiesige Israelitische Kultusgemeinde, deren Vorstand er durch volle vierzig Jahre angehörte und die ihn nach dem Rücktritt des Herrenhausmitgliedes Julius Ritter von Gomperz zum Präsidenten wählte. Seinem Eifer und seiner Umsicht ist die moderne Ausgestaltung der zahlreichen Wohlsahrtse'nrichtungen der hiesigen Kultusgemeinde zu danken. Im mährischen Landesschulrat hatte er sich jederzeit als Anwalt der freien Schule und des freien Lehrerstandes betätigt. Unter Ehren, die nur aus wirklicher Hochachtung und Wertschätzung fließen, hat am 5'. d. M die Beerdigung stattgefunden. Schon äußerlich bekundete die israelitische Kultusgemeinde durch die Veranstaltung der Leichenfeier im Tempel, daß einer ihrer großen Männer verschieden ist. Zu der Leichenfeier hatten sich so zahlreiche Trauergäste eingesunden, daß das geräumige Gotteshaus in allen seinen Teilen voll besetzt war. Erschienen waren u. a.: Se. Erzellenz Oberlandesgerichlspräsident Regner Ritter v. Bleyleben, Oberstaatsanwalt Ritter vor» Jantsch, Landesgerichtspräsident Hosrat Kunze, die Oberlandesgerichtsräte Bittner, Löw, Samfour und Sorhlet, Erster Staatsanwalt Bukwaj, die Landesgerichtsräte Schwarz, Stiatzny und Souczek, sowie eine Reihe anderer gerichtlicher und staatsanwaltschaftlicher Funktionäre, dann die Hosräte Nazowsky, Spengler und Dr. Spitzer, Statthaltereirat Schön und Bezirkshauptmann Krükl, ferner Landeshauptmannstellvettieter Jelinrk, Reichsratsabgeordnettr d'Eloert, Bürgermeister Dr. Ritter o. Wieser und Bürgermeisterstellvertreter Jelinek, die Landtagsabgeordneten Fritsch, kais. Rat Grünfeld' und Dr. Jarolim, die Mitglieder des Landesschulrates Regierungsrat v. Reichenbach, Senior Dr. Schenner, Regierungsrat Dr. Sonneck und Direktor Winkler, die Hosräte Weitz, Dr. Bräunt und Dr. Hatschek, die Oberfinanzräte Dr. Friedl, Kosranek und Dr. Koretz, Stabsarzt Dr. Weitzenstein, die Stadträte Hrdliczka, Lustig, kais. Rat Zwicker, Dr. Feith, Feldmann und Dr. Grunblatt, die Gemeinderäte Bayer, Dr. Ellinger, Dr. Krziwaczet, Polak und Reach, Bezirksvorsteher Löw Beer, Bezirksvorsteherstellvertreter Deutsch, die Bezirksschulratsmitglieder Dr. Ehrmann und Dr. Burbanm, der provisorische Vorsitzende der Handelskammer kais. Rat Urban und die Kammerräte kais. Räte Gerstmann, Gottlieb, Hayek, Perschak und Subak; besonders zahlreich waren die Berufsgenossen Dr. Fiallas vertreten: die Advokatenkammer hatte ihren Präsidenten Dr. Löwenthal und den Vizepräsidenten Dr. Hodac, der deutsche Advokatenverein den Obmann Dr. Popper mit den meisten Mitgliedern entsendet; ferner befanden sich unter den Trauergästen Notar Dr. Hanisch, die Bankdirektoren Friedmann, Karpeles, Dr. Keller und Mantendors, dann Direktor Spitz, kais. Rat Weiß, die Konsuln Kehler und Spitz, die Vorstandsmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Vizepräsidenten Leopold Bauer an der Spitze, das Sekretariat der Kultusgemeinde, geführt vom ersten Sekretär Dr. Oppenheim, Vertreter zahlreicher auswärtiger jüdischer Kultusgemeinden, von der Wiener Kultusgemeinde der Vorsteher Bezirksschulrat phil. et. jur. Dr. Markus Spitzer, Angehörige der Industrie, des Handels, Vertteter des Stadttheaters, der Presse und der Schriftstellerwelt, u. a. Fräulein Helene Hirsch, Abordnungen sämtlicher jüdischen und anderer Vereine, so des Brünner Männergesangvereines, der durch Herrn Oberrechnungsrat Zeisel und andere Mitglieder vertreten war. Nachdem Oberkantor Heller, begleitet vom Tempelchore, die rituellen Gesänge absolviert hatte, widmete Rabbiner Dr. Levy dem verblichenen Präsidenten der Kultusgemeinde einen ehrenvollen Nachruf, in dem er Dr. Fiallas Persönlichkeit und Lebensarbeit in warm empfundenen Worten würdigte. Dann wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und der Leichenzug begab sich nach dem jüdischen Friedhofe, wo die Beisetzung in dem von der israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengabe neben der Ruhestätte des früheren Kultuspräsidenten Julius Ritter v. Gomperz erfolgte. Am offenen Grabe nahm in tiefer Ergriffenheit Hofrat Dr. Spitzer als Sprecher des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde und des Landesmajjafonds Abschied von Dr. Fialla, worauf der Obmann des Deutschen Advokatenvereines Dr. Popper im Namen der Mährischen Advokatenkammer und des Deutschen Advokatenvereines dem verstorbenen Berufskollegen in herzlichen, bewegten Worten Lebewohl sagte. Trauerkundgebungen. Vor der Leichenfeier fanden im Sitzungssaals des Tempels Trauersitzungen des Kultusvorstandes und des Kuratoriums der Rosenthal-Stiftung statt. Im Vorstande widmete Vizepräsident Bauer Herrn Dr. Fiallä einen warmempfundenen Nachruf, in der Sitzung der Rosenthal-Stistung würdigten Vizepräsident Bauer und der Repräsentant der Stiftung Dr. Hoze das verdienstvolle Wirken Dr. Fiallas. T er Familie des Verblichenen sind zahllose Beileidsschreiben und Telegramme zugekommen. Es kondolierten u. a.: Statthalter Dr. Freiherr v. Bleyleben und Oberlandesgerichtspräsident Regner Ritter v. Bleyleben, Landeshauptmannstellvertreter Jelinek und Herrenhausmitglied Kammerpräsident Neumann. Abgeordneter Baron d'Eloert schreibt: „Mit dankbarer Anerkennung gedenke ich insbesondere der verständnisvollen und regen Fürsorge, welche er den nationalen Interessen der Deutschen entgegenbrachte, und der nie versagenden Unterstützung, die der Verewigte dem hart bedrohten deutschen Schulwesen als Mitglied des Landesschulrates in reichem Maß zuteil werden ließ." Weitere Beileidsschreiben sandten: Reichsratsabgeordneter Dr. Lecher, Bürgermeister Dr. Ritter v. Wieser, erster Bürgermeisterstellvertreter Rohrer, zweiter Bürgermeist erstellvertreter Jelinek, die Landtagsabgeordneten Dr. Fischel und Dr. Jarolim, Landesgerichtspräsident Kunze, Landesgerichtsvizepräsidettt Dr. Doczekal, die Hofräte Dworzaczek, Janeczet, Kubiczek, Wörzikowsky von Kundralitz, Finanzlandesdirektorstellvertreter a. D. Ernst Weiß, erster Staatsanwalt Dr. Bukway, Oberlandesgerichtsrat Samsour im Namen des Brünner Geschworenenvereines und viele hohe richterliche Beamte: ferner Ministerialrat Dr. Egon Zweig, Advokatenkammerpräsident Dr. Löwenthal, Vizepräsident der Advokatenkammer Dr. Hodacz, die meisten mährischen und zahlreiche auswärtige Kultusgemeinden, darunter die von Wien, Prag, Krakau und Lemberg, der Brünner Männergesangverein und die meisten Wohltätigkeitsvereine. Die Kriminalität der Juden. Unter diesem Schlagworte brachte die „Reichspost" kürzlich mit unverkennbarem Behagen nach den amtlichen Ausweisen der „Oesterreichischen Statistik" Daten über den angeblichen Anteil der Juden an der Kriminalität. Die dort angeführten Ziffern sind aus den Ergebnissen der Volkszählung des Jahres 1910 geschöpft, wonach die Juden, die 4 6 Prozent der Gesamtbevölkerung Oesterreichs bilden, in einzelnen Gruppen der wegen Verbrechen oder Vergehen im Jahre 1908 verurteilten Personen einen ihre Volkszahl weit überragenden Prozentsatz stellen. Gleichfalls nach der bereits erwähnten „Oesterreichischen Statistik" sollen sich folgende Ergebnisse feststellen lassen: Unter den im Jahre 1908 wegen nachstehender Verbrechen verurteilten Personen waren Juden in Prozenten: Veruntreuung und Teilnehmung: 8 5. Betrug: Männlich 101, weiblich 5 1. Verleumdung: 7*7. Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt: 62 5. Uyter den im Jahre 1908 wegen Vergehen verurteilten Personen waren Juden in Prozenten: Beleidigung einer gesetzlichen Kirche oder Religionsgesellschaft: 9 3. Schuldbare Krida: männlich 34, weiblich 43 9. Preßgesetz: 9 3.