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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 750 Nr. 41 Dr. Blochs betragen, und es wurden für deren Unterbringung in Kolonien und Heilbädern K 16.232 24 verausgabt. Als Schwesterinstitution des Ferienheim besteht seit dem Jahre 1908 das von ihm begründete „Kaiser- Franz Josephs-Jubiläums-Seehospiz" in Grado, welches bisher alljährlich 50 skrophulose und rhachitische Kinder mit einem Kostenerfordernisse von rund K 10.000 pro Jahr in einem gemieteten Heime in Grado der Erholung und Gesundung zuführt und daselbst bereits Baugründe für den Betrag von K 60.000 besitzt. Schließlich finden wir noch das israelitische Lehrlingshaus, IX., Grüne Torgasse 26, eine Schöpfung des bereits erwähnten Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten: Zahl der unentgeltlich Verpflegten 34, Auslagen K 3.745 24; außerdem wurden bloß beherbergt: 27 Lehrlinge. Unter den aus Mitteln der Privatwohltätigkeit erhaltenen Anstalten für die Verpflegung nicht vollsinniger Kinder finden wir außer dem schon angeführten israelitischen Blindeninstitute und dem israelitischen Taubstummeninstitute noch das vom Verein „Kinderheim" (Präsident kais. Rat Dr. S. Krüger) erhaltene Heim für verkrüppelte Kinder in Laa bei Neulengbach (Kosten nicht verzeichnet) und die Tagesheimstätte für schwachsinnige Kinder des Vereines „Providentia" (Präsidentin Berta Neumann) (10 Knaben. 15 Mädchen, Kosten K 5497 83). Hiezu sei bemerkt, daß selbstverständlich noch zahlreiche andere jüdische Vereine in Wien außerordentlich humaMtär wirken, doch finden sich eben im statistischen Jahrbuche der Stadt Wien über ihre Tätigkeit keine Details. (Schsuß folgt.) Die Predigt in de« Wiener Synagogen. Von Dr. Armin Abeles in Wien. Die vor kurzem stattgehabte feierliche Einweihung des neuerbauten Tempels im 2. Wiener Gemeindebezirk ließ in mir einen langgehegten, aber immer wieder zurückgedrängten Wunsch rege werden: die publizistische Erörterung einer Angelegenheit, die einen Punkt der in den Wiener Synagogen derzeit herrschenden gottesdienstlichen Ordnung betrifft, welcher meines unmaßgeblichen Erachtens wichtig genug ist, um eine öffentliche Besprechung zu verdienen. Ich meine die eigentümliche zeitliche und örtliche Stellung, die in den meisten Wiener jüdischen Gotteshäusern der Predigt eingeräumt ist. Wer immer Gelegenheit hat, eine Synagoge in einer größeren Gemeinde Deutschlands zu besuchen, wird schon nach kurzem Verweilen daselbst wahrnehmen, daß der Rabbiner, der historischen Entwicklung des jüdischen Gottesdienstes entsprechend, der Träger und Leiter des letzteren ist. Abgesehen von der Predigt, die den Mittelpunkt des Sabbat- und Festgottesdienstes bildet, wird dieser von dem Rabbiner mit einem Gebet eröffnet und mit einem solchen von ihm auch geschlossen. Dazu kommen: die Verlesung und Erläuterung des Prophetenabschnitts, die feierliche Ansprache an die Konfirmanden, das Gebet für die Kranken und deren Wohltäter, das Gebet für das Kaiserhaus, Funktionen, die allesamt ausschließlich durch den Rabbiner vollzogen werden. Trotz alledem dauert der Gottesdienst nicht halb so lange wie bei uns, aus dem einfachen Grunde, weil für gesangliche Produktionen von der Art, wie sie besonders in den letzten Jahren die Wiener Synagogen beherrschen, in Deutschland und auch im übrigen Westeüropa kein Platz vorhanden ist. Mit seiner hohen Intelligenz, seinem Streben nach Wahrheit und Erkenntnis will der deutsche Jude im Gotteshause vor allen anderen Dingen belehrt sein, für die Gewährung musikalischer und gesanglicher Genüsse als solcher scheint ihm dieses Haus nicht geeignet. Welche Wochenschrift Wirkung die zentrale Stellung, die die Predigt im Gottesdienst der Synagogen Deutschlands einnimmt, auf das Publikum und den Prediger selbst ausübt, braucht den Kennern der Verhältnisse nicht erst gesagt zu werden. Im Bewußtsein von der hohen Bedeutung und nicht minder hohen Wertung seiner Predigt , sucht der Prediger vor allem — nicht zu gefallen, bL. h. nicht äußere und äußerliche Effekte zu erzielen, sondern vielmehr den Lern- und Wissenstrieb seiner Zuhörer zu befriedigen. Dementsprechend läßt er es seine Hauptsorge sein, das Thema seiner Predigt nach allen Regeln eines Kunstwerkes — ein solches ist und bleibt die Predigt — aufzubauen und den zur Darstellung gelangenden Gegenstand bis zum letzten Tropfen auszuschöpfen. Aeußerlich tritt diese Tatsache dadurch in Erscheinung, daß dreiviertel-, ja sogar einstündige Predigten in Deutschland die Regel bilden, wobei dem Fremden, besonders dem aus Oesterreich kommenden, die heilige Ruhe und gespannte Aufmerksamkeit auffällt, womit den Ausführungen des Predigers seitens des Auditoriums gefolgt wird. Es ist eine Zuhörerschaft im wahrsten und besten Sinne des Wortes, die ganz genau weiß, daß nicht nur das Predigen, sondern auch das Zuhören eine Kunst darstellt. Klagen seitens des Publikums über eine allzu lange Dauer der Predigt habe ich und gewiß auch jeder andere im Auslande nicht gehört, dagegen sehr oft aus dem Munde hervorragender Glaubensbrüder das Bekenntnis, daß sie den größten Teil ihrer Kenntnisse auf dem Gebiet des Judentums, seiner L-teratuir und Geschichte der Predigt verdanken, wie es denn auch eine bekannte Tatsache äst, daß alle die großen Ideen und mächtigen geistigen Kämpfe, die in den letzten Dezennien die deutsche Judenheil bewegten und auch heute noch bewegen, auf der Kanzel ausgetragen werden. Solcherart ist die Predigt in deutschen Landen nicht nur ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes, sondern auch ein wichtiges Organ der jüdischen Oeffentlichkeit geworden. Daß in Frankreich, England, besonders in Amerika die Verhältnisse genau so liegen, habe ich wohl des öfteren gehört, jedoch selbst nicht gesehen, weshalb es mir nicht zusteht, ein Urteil darüber abzugeben. Wie ganz anders malt sich das gottesdienstliche Bild in den Wiener Synagogen. Streng genommen kann bei uns derzeit von einer Predigt nicht gut mehr gesprochen werden, deshalb nicht, weil für die Abhaltung einer ausgereiften, kunstgerecht gegliederten, das Themä nach allen Seiten beleuchtenden Kanzelrede im Rahmen der gegenwärtig üblichen gottesdienstlichen Ordnung alle Bedingungen und Voraussetzungen fehlen. Um sich davon zu überzeugen, braucht man z. B. bloß das Programm für die eingangs erwähnte Synagogenweihe in die Hand zu nehmen. Es enthält zwölf Punkte. Man sollte meinen, daß die Weiherede des Rabbiners, in welcher die hohe Bedeutung des Gotteshauses im allgemeinen und des betreffenden im besonderen zur homiletischen Darstellung gelangt, in einem solchen Programm das oberste und wichtigste ist. So sollte man allerdings meinen, in Wirklichkeit erscheint in dem besagten Festprogramm die Weiherede des Rabbiners als elfter Punkt an vorletzter Stelle. Eine beredtere Sprache vermögen selbst Zahlen kchim zu sprechen. Du lieber Himmel, was soll denn der Prediger da eigentlich noch wollen?! Am ratsamsten wäre es, in solchem Fall die Kanzel überhaupt nicht zu besteigen. Er kämpft ja doch auf einem verlorenen Posten, spricht er ja zu einem übermüdeten, mit stundenlang währenden gesanglichen und musikalischen Attraktionen überfütterten Auditorium, das einer für die Anhörung der Predigt erforderlichen Konzentration überhaupt nicht mehr fähig ist. Redete er selbst mit Engelszungen, „in Worten, die aus dem Herzen kommen," sie dringen dennnoch nicht in die Herzen, einfach deshalb nicht, weil

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