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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 41 Sette 748 „Ich glaube, Sie kennen genau meine Gefühle für die Juden. Ich bitte Sie, alles, was man mir diesbezüglich imputiert hat, kategorisch und formell zu dementieren. Ich habe niemals einem Journalisten gegenüber behauptet, datz die Armenier und Juden die Muselmänner mißhandelt hätten. Ich habe mich ausschließlich gegen die Griechen ausgesprochen. Das jüdische Element ist bei uns als loyal und patriotisch bekannt und geschätzt. Im Laufe des letzten Krieges konnte ich von Seite meiner jüdischen Kompatrioten Atte wahrhaften Heldenmutes feststellen. Ich konnte daher nicht eine so böswillige Behauptung über ein Element ausstellen, das ich, ich wiederhole es Ihnen, als das loyalste in allen Ländern kenne." Die beiden anderen Delegierten, sowie der bulgarische Geschäftsträger in Belgrad, die Herren Maczewitsch und Toscheff, die bei dieser Unterhaltung anwesend waren, haben gleichfalls ihr aufrichtiges Bedauern über diesen unverschuldeten Zwischenfall ausgesprochen. - Die Herren wiesen darauf hin, daß sie unter den Juden zahlreiche Freunde besitzen, und teilten auch ihrerseits ihre Erfahrungen über den rühmenswerten Helden- und Opfermut der Juden mit. Herr Toscheff fügte noch seinerseits hinzu: „Wir haben den Juden in unserem Lande alle Freiheiten gewährt u»ü» sie genießen dort alle Rechte. Sie können Offiziere, Advokaten, Beamte werden. Alle Gebiete stehen ihrer Betätigung offen. Auch den Juden, die auf unseren neuen Gebieten wohnen, werden wir alle Rechte einräumen. Sie können es in meinem Namen laut verkünden, daß Ihre Glaubensgenossen überall ausgezeichnete und loyale Pattioten sind. Schreiben Sie dies und sagen Sie es in allen Blättern, wo es Ihnen beliebt." Italien anerkennt die hebräische Sprache. Aus Rom wird uns geschrieben: Die italienische Regierung hat ein interessantes Auskunstsmittel gefunden, um dort, wo es nicht unumgänglich notwendig ist, in Tripolis und der Cyrenaica, der Anwendung der arabischen Sprache im amtlichen Verkehr zu entraten. Dieses Auskunstsmittel wurde gegenüber den tripolitanischen Juden mit gutem Erfolge angewendet, indem die italienische Regierung mit den Vertretern der tripolitanischen Judenschast in hebräischer Sprache korrespondiert. Man darf allerdings diese Matzregel nicht überschätzen und nicht glauben, datz sie eine dauernde bleibt. Die Juden in Tripolis haben naturgemätz die italienische Sprache noch nicht erlernt, die arabische soll vermieden werden, und da die italienischen Regierungsbehörden in Lybien mit den jüdischen Behörden verkehren müssen, wurde die hebräische Sprache gewählt. Im übrigen vollzieht sich unter den Juden in Tripolis mit geradezu auffallender Raschheit ein Wandel zugunsten der italienischen. Der neue Grotzrabbiner von Tripolis beherrscht die italienische Sprache vollkommen und die Juden folgen seinem Rate, sich die italienische Sprache und Kultur anzueignen, aus Dankbarkeit für die Befreiung mit der grötzten Bereitwilligkeit. Das „metrische" System bei dm attm Hebräern. Die Ausgrabungen am Berge Zion in Jerusalem haben neuerdings ein sehr wichtiges und für die alte biblische Geschichte bedeutsames Ergebnis zutage gebracht. Bereits im Jahre .1898 hat man ein kleines Erzgefätz von einer besonderen Form gefunden. Man wußte nicht, was es zu bedeuten habe, besonders da aus der Umgebung kein Aufschluß gezogen werden konnte. Im Laufe der Ausgrabungen sind dann zu verschiedenen Malen ähnliche Gefäße, aber von verschiedener Größe, zum Vorschein gekommen. Vor kurzer Zeit ist man nun auf die richtige Erklärung gekommen. Man hat nämlich zwei Zimmer, die in den Felsen gehauen waren und ineinander übergingen, entdeckt. Das erste, von drei Metern Länge, enthielt eine hölzerne Mühle mit zwei großen Basaltsteinen. Das. zweite Zimmer dürfte wahrscheinlich ein Kornspeicher gewesen sein. Hier hat man nun eine Sammlung von 14 Gesäßen gefunden, die alle den bereits früher entdeckten glichen. Es handelt ffich hier unr Hohlmaße, insbesondere um Getreidemaße. Da die aufgefundest^f Räume sich innerhalb des alten Tempelgebietes befinden, ist die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß man es hier mtt den Räumert für die Opfergaben, die Zehnten, zu tun hat. In der Tat ist in der .Nähe dieser Räume eine Türschwelle mtt großen Zapfenlöchern gefunden worden, auf der das Wort „Kyrban" (gesetzliche Opfer) eingemeißelt war. Diese Hohlmaße sind nun genau geprüft und mit dem heute gebräuchlichen Maße verglichen worden. Dabei hat sich die interessante Tatsache herausgestellt, daß das größte der Gefäße, das als Einheit aufgefaßt wurde, beinahe ganz genau 20 Liter faßte. Das nächstfolgende 15 Liter, das dritte 10 Liter und das vierte 5 Liter. Man kann also sagen, daß die alten Hebräer ein Maßsystem angenommen hatten, das dem metrischen System von heute fast völlig gleichkommt. Leider konnte noch nicht ganz genau festgestellt werden, welche von den althebräischen Maßformen diese Gefäße oorstellen. Ein deutscher Jude als Pionier der Zuckerindustrie. In einer in der „Köln. Ztg." veröffentlichten Artikelserie „Eine kleine Reise in die Normandie" finden wir bei einer Schilderung der Handelsverhältnisse von Le Havre im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts folgende Stelle (15. 9.): „Wie noch, heute, waren schon in jener Zeit Deutsche an der Eroberertätigkeit beteiligt. Ein deutscher Jude, Eichhof hieß er, gründete die erste Zuckerraffinerie. Andere Deutsche brachten diesen eng mit dem erotischen Handel verbundenen Industriezweig zu großer Blüte. Eine von ihnen gegründete Grotzraffinerie hat bis in die Gegenwart bestanden." Die Juden als Pioniere der Schokoladerndustne in Europa. In verschiedenen europäischen Zeitungen wird jetzt darauf hingewiesen, datz, es in diesem Jahre genau 400 Jahre her sind, datz die Schokolade nach Europa gebracht wurde. Tatsächlich wurde dieses so wertvolle Nahrungsmittel im Jahre 1513 zum erstennrale in Spanien erzeugt, wohin es aus Meriko importiert wurde. Was man aber im allgemeinen hiebei übersieht, so schreibt ein Fachmann in „Der Israelit", ist, datz die spanischen Juden oder auch die Marannen an der Fabrikation und dem Handel einen hervorragenden Anteil nahmen und nach ihrer Vertreibung von der Halbinsel erst diese Industrie in Europa mit Erfolg verbreitet haben. Es ist z. B. bekannt, datz im 16. Jahrhundert ein Papst einen Juden in seine Staaten kommen liefe, um dort die Schokolade einzuführen. Die jüdischen Schokoladeerzeuger von Saint Esprit bei- Vayonne, das heute schon zu Vayonne gehört, waren wegen ihrer Erzeugnisse lange Zeit hindurch weit und breit berühmt. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, datz die Schokolade im Volksmunde „Harosetz de Vayonne" genannt wird. Bei dieser Gelegenheit weist das genannte Blatt mit Recht darauf hin, datz der Einstutz der Vertreibung der Juden aus Spanien auf die Entwicklung von Industrie und Handel in Europa noch nicht hinreichend studiert und beleuchtet wurde. Eine Arbeit, die sicherlich die Mühe lohnen würde. Die Juden iw statistischen Jahrbuche der Stadt Wien für das Jahr 1911. Bon kais. Rat Dr. Arnold Ascher. (Fortsetzung.) Im Abschnitte XV finden wir die Daten über das außerordentlich segensreiche Wirken des Spitales der Wiener israelitischen Kultusgemeinde (Direktor Dr. Karl Fleisch mann). Anzahl der Belten.. . 170 männl. werbt. Personen Krankenstand von 1910 verblieben . 82 86 im Jahre 1911' ausgenommen . . . 1097 1202 Summe der behandelten Personen . . 1179 1288 entlassen. 7 944 1098 gestorben. . 153 107 Die Durchschnittszahl der Verpflegstage für einen Kranken betrug 2447. - Nicht unerwähnt soll bleiben,

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