Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sir. 41 Dr. Blochs Wochenschrift -Sette 747 Zur Ritualmordlüge. Auf verschiedene Anfragen. 1. Die Ritualmordlüge tauchte in Wien zuerst zu Ostern 1715 auf, fie wurde aber (5. April) von der Regierung zurückgewiesen. 2. Wie rasch fie fich seit dem Ende des XV. Jahrhunderts in Deutschland einwurzelte, beweist in Joh. Fischarts „Flohhatz" die Stelle: ' „Denn Jungfernblut ist köstlich gut. Gleich wie den Juden Christenblut." 3. „Die schwarze Messe" war ein von einem Abbe vollzogener Kindesmord, um den Satan für einen Liebeshandel zu gewinnen, wobei die Liebesdurstige einen Becher mit dem Blute des gemordeten Kindes trinken mußte. Das Porträt der Giftmischerin Voisin, die solche „schwarze Messen" zur Zeit Ludwig XIV. leitete, ist erhalten (so z. B. bei Dora Duncker, Ein Liebesidyll Ludwigs XIV., S. 232, wo auch die Beschreibung einer „schwarzen Messe"). Daß eine Religion, auf deren Boden die „schwarze Messe" wachsen konnte, den Juden solche Untat zur Last legte, da man bei ihnen Rachedurst voraussetzte, ist nicht zu verwundern. 4. In den „Mitteilungen zur jüdischen Volskunde" find unter dem Titel „Aus Hausapotheke und Hexenküche" aus Manuskripten, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, in langer Reihe hebräische und jüdisch-deutsche Rezepte des Volksglaubens wörtlich übersetzt, die so treu fie fich sonst an nichtjüdische Vorbilder halten, ganz auffallender Weise gerade vom Gebrauch des Menschenblutes kein Wort aufweisen. 5. Schon Zar Nikolaus I. hat sich bekanntlich gegen die Blutlüge ausgesprochen mit der Begründung, daß, wenn die Juden wirklich etwas derart zu verheimlichen hätten, fich schon längst aus ihrer eigenen Mitte ein Denunziant gefunden haben würdr. Dr. Max G r u n w a l d. Der portugiesische Gesandte in Wien Mer das Angoka- Projett. Der Wiener Korrespondent des ungarisch-jüdischen Blattes „Egyenlöszeg" hatte mit dem portugiesischen Gesandten in Wien eine Unterredung, in welcher sich dieser über das Angola Projekt der Ito folgendermaßen äußerte: . Portugal hat die Absicht, eine großzügige Kolonialpolitik zu führen. Bisher waren unsere Kolonialangelegenheiten ziemlich vernachlässigt und — wozu es beschönigen — wir haben auf unsere afrikanischen Provinzen auch daraufgezahlt. Die neue Negierung der Republik hat einen großzügigen Plan ausgearbeitet, der berufen war, diese Uebel zu beseitigen. Am meisten haben unsere Kolonien darunter gelitten, daß uns nicht genügende Arbeitshände zur Verfügung gestanden sind. Die reichen Millionenschätze sind brachgelegen. Das Kapital wollte sich nicht rühren. Es hielt jedes Unternehmen für gewagt, weil es die Befürchtung hegte, daß die.Arbeitskräfte, selbst bei der riesigen Zahl der Arbeitsgelegenheiten, nicht dahin kommen würden. Die Furcht vor dem Klima war so gewaltig, daß wir gezwungen waren, zu radikaleren Mitteln zu greifen. Wir sandten eine Forschungskvmmission nach der anderen nach Afrika, damit diese die Terrainverhältnisse, das Klima, die vorhandenen Produkte und die eventuellen Gefahren einem genauen Studium unterziehen. Die Kommissionen sind zurückgekehrt und da wurde es erst offenkundig, daß Angola für die Kolonisation sich sehr gut eigne. Seine klimatischen Verhältnisse sind solche, daß auch Europäer sie für die geeignetsten Hallen können. Besonders ist dies von Benguella der Fall. * Gerade um diese Zeit, in den erbittertsten Momenten der parlamentarischen Debatten, traf der Vorschlag Zangwill's ein, mit welchem er Angola, beziehungsweise einen Teil desselben, für die Juden verlangt. Die portugiesische Regierung hat den Plan mit der größten Freude aufgenommen und ihn in einem Ministerrate auch lebhaft diskutiert. Der parlamentarischen Sanktion stand nichts im Wege. Tatsächlich hat das Parlament unseren Gesetzesvorschlag mit riesiger Begeisterung votiert. Da ereignete sich jedoch etwas Anerwartetes. Zangwill und seine Genossen haben unseren Gesetzentwurf zurückgewiesen, weil sie ihn nicht für entsprechend hielten. Die Angelegenheit kam auch ein zweitesmal vor das Parlament, sie befindet sich jetzt in der Kommission für Kolonialangelegenheiten. Ich denke, daß die ordentliche Beratung derselben ungefähr im November begonnen werden wird. Wir sehen die Iuden gerne in Angola. Bei uns gibt es keinen Antisemitismus. Und ich kann es ohne Scherz behaupten, daß, als der Antrag Zangwills in den portugiesischen Blättern erschien, die gesamte Bevölkerung ihn mit Jubel aufnahm. Laut dem letzten Vorschlag Zangwills beabsichtigt eine Gesellschaft die Siedlung zu leiten und ihr eine Richtung zu geben. Meines Erachtens kann dies leicht durchgeführt werden. Es ist irrig, anzunehmen, daß unsere Regierung sich krampfhaft an das System der individuellen Kolonisation klammert. Wenn die Gesellschaft sich darüber ausspricht, was sie will, und wie sie das, was sie will, auszuführen gedenkt, so glaube ich kaum, daß ein Hindernis bestehen würde. Wir geben gerne landwirtschaftliche Konzessionen, und da es sich um eine weit entlegene Kolonie handelt, so betonen viele portugiesische Staatsmänner, daß man der Gesellschaft sogar gewisse politische Privilegien zusichern könnte. Die eigentliche Schwierigkeit besteht eigentlich nur darin, wie man der Gesellschaft ein einheitliches Landgebiet, wie es gefordert wird, überantworte. Es ist wohl wahr, daß es in Benguella nicht so schwer sein würde, aber das Parlament hält es aus gewissen prinzipiellen Gründen noch nicht für durchführbar. Im übrigen haben sich Zangwill und seine Genossen selbst auch davon überzeugen können, wie Angola beschaffen ist. Sie haben aus ihrer Mitte vollständig unbefangene Gelehrte entsendet, die darin übereinstimmen, daß Angola sich zum Bewohnen eignet und alle Bedingungen für eine Kolonisation aufweist. Die günstige Erledigung der Zollfrage wird auf keine Hindernisse stoßen. Andererseits können wir von den konventionellen Garantien in diesem Falle ebenso wenig absehen, wie wenn wir mit einem anderen Privatunternehmer verhandeln würden. Ich möchte nur noch bemerken, daß der Plan der Iuden unserer Regierung so gut gefiel, daß wir ihnen zuliebe zwei andere Anbote. deren finanzieller Wert nicht zu verachten war. beiseite geschoben haben. Im Endresultate vertraue ich einerseits auf den Ernst der Angelegenheit, andererseits darauf, daß die Frage zur Zufriedenheit beider Parteien gelöst werden wird. Das Parlament sympathisiert mit der Sache, und das bedeutet sehr viel, ja es bedeutet fast das Ganze. General Savoff Mer die Juden. Vor einiger Zeit hat das türkische Blatt „Tasviri- Efkiar" ein angebliches Interview mit dem ersten bulgarischen Bevollmächtigten bei den bulgarisch-türkischen Friedensverhandlungen General Savoff veröffentlicht, in Welchem Savoff behauptet haben soll, daß die Greuellaten während des Balkankrieges nicht von den Bulgaren. sondern von den Griechen, Armeniern und Iuden verübt seien. Im Aufträge des"„Aurore" hat sich nun der Publizist M. A. Saphir, dessen diplomatische Beziehungen zur bulgarischen Regierung erst jüngst in der europäischen Presse lebhaft besprochen wurden, an General Savoff um Aufklärung wegen dieses Interviews gewendet. General Savoff gab folgende Erklärung ab: