Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 40 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 730 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. *o zum ersten Male auf einen Tag sich selbst bezwungen und als Sieger die Synagoge verlief, der fühlte sich wie ein Held." .... ' „Auch am Laubhüttenfeste gab es zu sehen und zu hören. Die Laubhütte mit ihrem bunten Dach, der Palmzweig mit seinem geheimnisvollen Rauschen, das Ethrog mit seinem lieblichen Duft, das Abschlagen der Bachweiden, das llmherziehen mit den Thorarollen, das waren Dinge, die uns in einen Himmel voll Seligkeit versetzten und wir waren reicher und glücklicher als alle Könige der Welt. Bei all diesen Gelegenheiten sang sich und sagte sich und senkte sich in die Seele hinein- ' das Vollgefühl, daß es noch etwas anderes, etwas Schöneres gibt als nur da unten um uns, daß. ein gütiger Vater die ganze Welt des Kindes schafft und erhält. Und sie kommen jedes Jahr wieder die goldenen Träume der Kindheit. Die Jugend um mich her!um läßt sie nicht vergessen. Sie ist nie eifriger, nie geschäftiger, nie beredter, nie glücklicher, als wenn wir gemeinsam die Vorbereitungen zum Bau der Laubhütte treffen: sie ist nie ernster, nie schweigsamer, als wenn wir uns gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschen. Es rauscht dann auch m ihrer Seele ein Qüell, und der Tag wird kommen, an dem er ans Licht hervvrdringt." .... „Die Festklange dieser Tage dringen noch ebenso tief mir zu Herzen wie ehemals, diese Tage sind mir noch ebenso lieb und teuer wie in den Tagen der Kindheit. Wie könnte es auch anders sein! Sie lösen Gedanken aus, die immer wieder gedacht werden müssen, sie schaffen Seelenzustände, in die wir immer wieder hineingeraten müssen, um den seelischen Intellekt reisen zu lassen. Im Kranz der Feste erscheint zuerst der Neujahrslag und mahnt uns an den himmlischen Vater an die Pflicht und an die Verantwortung, die wir tragen vor dem Weltenrichter und vor dem eigenen Gewissen. Hast du getan, was dn solltest? Solltest du, was du getan? In leisen Tönen klingt aus den Saiten unseres Herzens die Vergangenheit, bald traurig klagend, bald siegreich jubelnd. Ein neues Stück Leben ist vor uns hingelegt, gleich dem Marmorblock des Künstlers, wir sollen ihm Inhalt geben, wir sollen es bilden. Und wie in den Tagen der Kindheit erscheint das allsehende Auge Gottes, es hat so sorgsam in der Vergangenheit gewacht, es wird auch offen bleiben für die Zukunft." .... Vom Versöhnungstag sagt der Verfasser u. a.: „Wenn wir uns verirrt haben auf unserer Lebensbahn, wenn wir unfern Weg getrübt haben und bangen, ob wir die rechte Straße wieder flnden, wenn wir in den Feldschlachten des Lebens verwundet worden und vergebens nach Halt Umschau halten, dann zeigt sich uns der versöhnende Gott, der da spricht: Ich wische ab wie einen Nebel deine Missetat und wie ein Gewölk deine. Sünden, kehre um zu mir. denn ich erlöse dich! Dann ist es uns zumute, wie einstmals, als wir beglückt zurückkehrten in die Arme der versöhnten Mutter, wie einstmals, als wir Gott uns so geneigt wußten in dem Bewußtsein unserer Entsagung. Rein sollst du deinen Weg gehen, schuldlos sollst du deine Straße ziehen, ein Kind sollst du wieder sein wie ehemals in seiner Unmittelbarkeit Frische, in der Reinheit, die durch sein Tun geht, in der ganzen Holdseligkeit seiner Unschuld. Die Bedeutung des Tages liegt uns nicht mehr wie einst allein im Fasten, wichtiger ist eine Aussöhnung mit Gott. Die Reue ist der menschliche Anteil daran, zu dieser unserer eigensten Leistung kommt die göttliche, und aus den Höhen tönt es: Von allen euren Sünden sollt ihr rem sein! Und diese Reinheit ist Friede. Und es gesellt sich als dritter Tag hinzu das Fest der Laubhütten. Es ladet uns ein zu Heiterkeit, Frohsinn und Freude. Nicht das Büßen, das Selbstquälen will unsere Religion, sie ist eine Religion der heiteren Weltanschauung. Freuen sollen wir uns. Diese Freude muß aber immer einen geistigen Hintergrund haben, sie: muß ein sittliches Gepräge gewinnen. So ist unsere Freude am Laubhüttenfest mit innigem Danke gegen den Schöpfer der herrlichen Gebilde der Natur verknüpft. Wie das Kind sich selbstlos freut beim Bau der Hütte, so dürfen auch unsere Freuden nur ihren Wert in ihrer Beziehung zu ihrem geistigen Inhalt haben.". „Freude, aus einem gotterfüllten Menschenheczen entströmt, aus dem maßvollen Denken, Genießen und Handeln entstanden, muß unfern Lebensweg zieren: Freude soll das Ergebnis unserer Arbeit, der treue Begleiter unseres Lebens sein. Wir sollen bei allen Dingen des Lebens nicht nur das Schmerzende fühlen, sondern auch das tröstende und herzliche Lächeln des Lebens gewahren. Die Dinge des Lebens an sich sind weder schön noch freudig, weder unschön noch traurig. Aber sie werden es durch Hand und Wille des Menschen. Guter Boden für eine echte, herzliche Freude ist überall da: wenn die duftenden Rosen nicht blühen, so hat es nur der Mensch verschuldet, hat sich die Quelle der Freude verstopft. Das Wertvolle, das Freudige des Lebens ist immer auch ein Ueberhäufiges und Alltägliches, wir müssen uns kindlichen Sinn bewahren, es auch immer aufzufinden. Klinge fort, schöner Dreiklang! Künde die verklärende Schönheit und unverlöschliche Kraft des göttlichen Funkens, der in jeder Menschenseele glimmt und fache ihn an zum stillen wärmenden Feuer!" ptattfav. Ein Vetter Heinrich Heines. Die Bemerkung auf 8. 712 in Nr. 39 der „Oesterreichischen Wochenschrift“, daß Schiff sich bisher der glänzendsten Nichtbeachtung' erfreut habe, ist' dahin zu berichtigen, daß eine ausführliche Biographie Schiffs aus der Feder des bekannten Hamburger Lokalhistorikers Dr. Heckscher bereits i. J. 1905 in G-runwalds Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde (Heft 17) erschienen ist. H. / Krrefkasten. Ä. G. m St. Hinsichtlich des von Israeliten frequentierten Staatsreal- und Ober-Gymnasiums (gegenwärtig Staats-Gymnasium) tzr Krody wurde mit dem K. U.-Ministerial-Erlaß vom 24. Juni 1690, Z. 11493, angeordnet, die Einrichtung betreffend, daß die israelitischen Schüler sich am Samstag von 6—9 Ahr vormittags an ihrem Gottesdienste beteiligen können: Auch. wurde der israelittschen Schuljugend dieser Anstalt an den 13 israelitischen Hauptfeiertagen das Fernbleiben vom Schulunterricht freig este 11 t. (Diese Tage sind: Passasest (Mische Ostern), die ersten und letzten zwei Tage, die beiden Tage des Schewuoth (Pfingsffestes), die zwei Tage des Rofchhaschono (Neujahrsfestes), der Jom Kippur (Versöhnungsfest) und am Sukkoth (Laubhüttenfest) die zwei ersten und zwei letzten Tage, zusammen 13 Tage. O. S. Datz der Zudrang zu kaufmännischen Berufen so groß ist, wo junge Leute oft bei Hungerlöhnen arbeiten müssen, während nur wenige dem Handwerkerstand sich widmen, ist gewiß ein schwerer Schaden, der in Versammlungen und Vereinen nicht oft genug gerügt wird. _ Notiz. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, den 3. Ottober 1913 : ,^Oie Amerikanerin" oder „Dus Mädel von der West". — Samstag, den 4: und Sonntag, den 5. Oktober: „Al Naharojs Buwel", Operette von I. Lateiner. — Sonntag, den 5. Oktober, hcäb 4 Uhr nachmittags, bei halben Preisen: „Emes und Schrieb. — Montag, den 6. Oktober: „Sulamith", Operette von A. Goldfaden. — Dienstag, den 7. Ottober: ,Ma«ale". — Mittwoch, den 8. Oktober: „Gott, Mensch und Teufel", Drama in 4 Auszügen von I. Gvrdin. Als Gäste: Herr S a r a s o h n und Herr Sam. H a h u. — In Studium: „B o r Z mir dein Wei b". In Vorbereitung: „Die drei Matunes".