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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-10-03 · 40 (3.10.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
40 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 726 *it. 40 Dr. Blochs Wochenschrift besucher vorgetragen, worin Kantor L. K i r s ch n e r vom Leopoldftädter Tempel das schöne Solo unter großem Beifall gesungen hatte. Nun ergriff Bezirksvorsteher B l a s e l das Wort: Gestatten Sie, daß ich Ihnen im Namen des Bezirkes und als Vorsteher desselben die herzlichsten Glückwünsche zur Vollendung dieses herrlichen Gotteshauses darbringe. M.t Stolz können Sie auf dasselbe blicken, ist es doch dem einzigen, geistigen Gotte gewidmet, den Ihre Vorfahren schon vor vielen tausend Jahrenals den Nichtigen erkannt haben, zu einer Zeit, wo die ganze übrige Menschheit noch die Naturgötter anbetete und in jedem Windhauch und in jedem Flnßlanf eine andere Gottheit sah. Aber auch ein Markstein in der Geschichte Ihres Volkes ist jeder Tempel; denn Ihre Religion ist zugleich die Ihres Volkes und Ihre Fasttage sind zugleich die Gedenktage desselben. Wenn Sre jetzt zu den großen Feiertagen den Raum dieses Tempels betreten, werden Sie nicht nur Erbauung, sondern auch Stärkung hier finden, jene Stärkung, die Ihre Glaubensbrüder so notwendig brauchen; liegt doch beinahe zweitausendjährige furchtbare Bedrückung hinter Ihnen und ruhen die Verfolgungen bis in unsere Tage nicht. Möge der Geist Gottes, der diesen Raum erfüllt, seinen Segen über Sie ausgießen und aus diesen Räumen Glück und Wohlergehen für alle Angehörigen dieser Gemeinde ausströmen. Hierauf sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann in glänzender Form die Schlußrede und forderte die Festgäste auf, sich zum ersten Gebete zu vereinen, welches dem Kaiser zu gelten habe. Möge der Kaiser, das Muster der Pflichttreue, zu dem. jeder voll Bewunderung emporblicke, noch lange, lange Jahre erhalten bleiben zum Wohle des Vaterlandes. Vereinigen wir unsere Gebete in dem neuen Gottcshause, um den Segen Gottes herabzuflehen auf. das erhabene Haupt des Kaisers Franz Joseph I., dessen glorreicher Name das Haus ziert, der der Lichtspender für die Judenschaft war und alle Zeit bleiben wird. Brausende Hochrufe begleiteten den Segensspruch des Oberrabbiners und der Chor sang unter Orgel- und Harfenbegleitung die Volkshymne. Mit dieser lauten Kundgebung schloß nach mehr als eiustündiger Dauer diese allgemein anerkannt würdige Feier. Statthalter Freiherr von Bienerth beglückwünschte sodann den Obmann Herrn Adolf Schrämet, hob sehr lobend die sehr würdig verlaufene Einweihung des Tempels hervor, mit dem Bemerken, daß er dies Seiner Majestät berichten werde. Von allen Seiten wurde der Vereinsleitung und den Mitgliedern des Baukomitees der Dank abgestattet für das schöne und bewunderungswürdige Werk, das sie geschaffen. Vor dem Verlassen des Tempels wurde von den Besuchern die schöne, breite, reichverzierte und hohe Vestibuleanlage bewundert. Große schwarze Marmortafeln verewigen in goldenen Lettern die rührige Vereinsleitung, die vom Beginne des Baues im Februar 1912 bis zur derzeitigen Vollendung aus nachstehenden Herren bestand: Vereinsleitung: Adolf S ch r a m e k, Obmann; Michael G l o g a u f. A., Obmann-- Stellvertreter; Hermann Ehrenfeld, Obmann-Stellvertreter; Ejkan Bauer, Obmann-Stellvertreter; Dr. Moritz Kohn, Schriftfübrer; Julius Beck, Schriftführer-Stellvertreter; Josef Fischer, Kassier; Samuel Adler, Friedrich A l l i n a, Simon B a n d l e r, Wilhelm B a n d l e r, Solomon Beck s. A., Bernhard Fische r. Heinrich G a ß a e r, Adolf Glaser, Komm.-Rat, Salomon H o f f m a n n, Bernhard Pick, Ignaz Reiser, Moritz Rosenblatt, Jakob Singer, Adolf W e n g e r, kais. Rat, Josef Werner s. A., Simon Wessely. * Revisoren: Moritz Fürth, Albert Körner. VerstärkterVorstand: Josef Antscherl, Salomon Ehrenreich, Sigmund Eisinger. Friedrich Maier, Simon Reisz. Jsak Schönherz, Josef Seher s. A., Josef Meininger. Ungemein wirkungsvoll ist die schön ausgeführte Kaisertafel, sowie auch die Gründertafel, die folgende Inschrift trägt: Gründer: Israelitische Kultusgemeinde Wien unter dem Präsidenten Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kohn, Hofrat Dr. Benjamin Rappaport durch die Gewährung einer namhaften Subvention; Albert Freiherr von Rothschild durch eine knapp vor dem Ableben erfolgte hochherzige Spende; Adolf Schramek durch einen munifizenten Gründungsbeitrag; kaistrl. Rat Adolf W e n g e r durch bedeutende . Zuwendungen. Der Architekt Ignaz Reiser, der gewesene Mitarbeiter des verewigten Baurates Wilhelm S t i a ß n y, hat mit diesem Tempel ein Werk geschaffen, das seinen Namen und seine Kunst verewigen wird. Nach Schluß des Einweihungsfestes sandte die Vereinsleitung an Seine Majestät den Kaiser nachstehendes Huldigungstelegramm : An Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät Schönbrnnn. Die feierliche Einweihung des Kaiser Franz Joseph I. Huldigungstempels, welche nach religiöser Sitte im Beisein des Vertreters Euerer Majestät sowie mehrerer staatlicher und autonomer Behörden und unter der größten Teilnahme der Bevölkerung stattfand, gestaltete sich zu einem bedeutenden Haldigunzsakte für Euere Majestät. Geruhe Euere Majestät diesen tiefgefühlten Ausdruck der patriotischen und loyalen Gefühle der kaisertreuen Judenschaft huldvollst entgegenzunehmen. Für den Vorstand der Obmann Adolf Schramek — worauf noch abends das den Verein und die gesamte Judenschaft ehrende Antworttelegramm des Kaisers rücklangte. Wohlgeboren Herrn Obmann Adolf Schramek. Wien (Kaiser Franz Joseph-Huldigungstempel). Wien (Schönbrunn), 28. September 1913, 8 Uhr 30 Minuten abends. Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät geruhten die von den bei der feierlichen Einweihung des den Allerhöchsten Namen führenden israelitischen Huldigungstempels Versammelten zum Ausdruck gebrachten patriotischen Gefühle huldvollst zur Allerhöchsten Kenntnis zu nehmen und danken allergnädigst für die dargebrachte Huldigung. Kabinetts-Kanzlei. * * * Besonders lobend ist hervorzuheben, daß sowohl kaiserlicher Rat Adolf W e n g e r. Samuel Adler und Julius B e ck, Juwelier, dem Tempelvereine besondere Zuwendungen zur Ausschmückung des Tempels machten. Korrespondenzen. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inläudifchen Israeliten, Wien. Am 7. Juni 1912 starb Herr Salomon Friedmann, öffentlicher Gesellschafter der Firma S. Friedmann jr. in Wien, 1.^ Weihburggasse 26, und hat in seinem Testamente unter anderem auch folgende Bestimmung ausgenommen: § 6. Aus meinem Nachlasse sollen außerdem noch folgende Legate ausbezahlt werden: b) an den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien, IX., Grüne Torgasse, welchem ich als dessen ehemaliger Zögling bis zu meinem Lebensende dankbar geblieben bin, Kr. 400,, in Worten vierhundert Kronen. Diese letztwillige Verfügung des' Erblassers, welcher als Zögling unseres Vereines das Handwerk -erlernte, durch Fleiß und Rechtschaffenheil es zur Wohlhabenheit brachte und sich die Wertschätzung seiner Mitbürger zu erringen wußte, zeigt das treue, schlichte Herz des Verblichenen, der seine Dankbarkeit gegenüber dem Vereine nicht nur als langjähriges, unterstützendes Mitglied betätigte, sondern noch am Sterbebette in jo rührender Weise des Vereines gedachte. Das Andenken dieses braven Mannes wird im Vereine fortleben und unseren Zöglingen als leuchtendes Vorbild dienen. . Wien. Der eben veröffentlichte Protest des Geistesadels der tschechischen Nation gegen den Ki ew er Ritualmordprozeß gab dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus zu Wien die Veranlassung, Herrn Abgeordneten Professor Dr. G. Masaryk, der sich be-

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