Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 40 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 7?4 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr.40 Mitglied der belgischen Deputiertenkammer, stellte den Zusatzantrag, daß die Friedenskonferenz ersucht werde, im Sinne der Bestimmungen des Berliner Vertrages vom Jahre 1878 ein Regulativ auszuarbeiten, durch welches sämtlichen Glaubensbekenntnissen auf dem Balkan die uneingeschränkte Ausübung ihrer Religion und das Recht, eigene Schulen zu erhalten, zugesichert werde. Dieser Antrag, der, wie es scheint, von der bulgarischen Regierung inspiriert wurde, ist dem Bureau der interparlamentarischen Konferenz behufs Studium und Ausarbeitung einer Vorlage zugewiesen worden. Es 'besteht die Absicht, bei dieser Gelegenheit auch die Rechte der rumänischen Juden auf Grund des Berliner Vertrages zur Diskussion zu stellen. 26 Jahre kulturelle Abwehrarbeit in Rumänien. Der Rabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Bukarest, Dr. M. Beck, hat einen sehr lehrreichen Bericht über die 20 jährige Tätigkeit der jüdisch-rumänischen Schulen veröffentlicht. Es sind nämlich genau 20 Jahre, daß die rumänische Regierung das Gesetz erließ, wonach die jüdischen Kinder als Kinder von „Fremden" aus den nationalen rumänischen Schulen ausgeschlossen wurden. Die Antwort der Juden auf diese unmenschliche Verordnung war, daß sie in allen Teilen des Landes eigene Schulen errichteten. Wohl versuchten die Juden damals mit allen Mitteln, die Regierung zum Widerrufe ihrer Verordnung zu bewegen, doch alle Bemühungen blieben fruchtlos, alle noch so unterwürfigen Bitten blieben unerhört, das Gesetz wurde mit der größten Strenge durchgeführt. Der erste schritt war, daß sie in den meisten größeren Städten in Rumänien jüdische Schulvereine bildeten, die durch Förderung reicher Juden bald in die Lage kamen, jüdische Volksschulen für Knaben und Mädchen und bald darauf auch Mittelschulen und technische Lehranstalten zu errichten. Heute nach 20 Jahren können die rumänischen Juden mit Stolz darauf Hinweisen, daß es fast keine noch so kleine Stadt in Rumänien gibt, wo keine jüdische Schule ist. In Bukarest z. B. gibt es acht Volksschulen für Knaben, fünf Volksschulen für Mädchen, zwei jüdische Gymnasien, eine jüdische höhere Töchterschule, eine Handwerkerschule, eine Handelsschule ämd seine Handelsakademie. Die rumänischen Juden gehen allen Ernstes daran, auch eine eigene Hochschule zu gründen. Fast alle jüdischen Schulen sind in eigenen Gebäuden untergebracht. Ihre Errichtung hat viel Mühe und große Opfer gefordert. Im ganzen Lande sind jetzt 81 jüdische Volksschulen im Betriebe und zwar 30 Knaben-, 24 Mädchenschulen und 27 gemischte. Alle diese Schulen wurden im Schuljahre 1911/1912 von 14.075 Schülern beiderlei Geschlechtes besucht. Es ist ganz klar, daß die rumänischen Juden selbst nicht in der Lage gewesen wären, °diese Schulen zu erhalten, wenn ihnen nicht große jüdische Organisationen, die Jca in Paris, die Pariser und die Wiener Allianz, mit namhaften Summen zuhilfe gekommen wären. Dieses zwanzigjährige Jubiläum der jüdischen Schulen in Rumänien ist zugleicher Zeit ein Jubiläum rumänischer Barbarei und Kulturfeindlichkeit, aber auch ein Jubiläum jüdischer Kulturtätigkeit und jüdischen Wohltätigkeitssinnes. Das rumänische Gesetz, das die Juden am härtesten zu treffen hatte, erwies sich bloß als ein neuer Anstoß selbst mit der Anwendung der letzten Kraft der alten jüdischen Tradition, die Wissenschaft zu fördern und die Wissenschaft zu verbreiten, zu neuer Geltung zu bringen. Einweihung des Knisee Fenn; Joseph I. Kuldigungslempei. Sonntag, am 28. September, vormittags um 11 Uhr, wurde der vom israelitischen Bethausvereine „Am Volkert" anläßlich des 80. Geburtssestes des Kaisers Franz Joseph I. errichtete „Kaiser Franz Joseph I. Huldigungstempel" im Beisein des Statthalters Freiherrn von B i e n e r t h als Vertreter des Kaisers und einer großen Anzahl staatlicher Würdenträger mit großer Feierlichkeit eingeweiht. Schon lange vor der anberaumten Stunde war der schöne Tempel, der mit seinen hohen Türmen die angrenzenden Häusergruppen weit überragt und durch seine schönen Galerieanlagen und Säulengänge, durch die hellen Stiegenhäuser und durch eine rings um den Tempel führende Terrasse einen besonders überraschenden Eindruck macht, von Besuchern überfüllt. Zur Feier hatten sich überdies eingefunden: Polizeipräsident Ritter von B r z e s o w s k y, in Vertretung für das Ministerium für Kultus und Unterricht Ministerialrat Dr. P i l a t, in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner Obermagistratsrat Dr. Max W e i ß, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und den Vorstandsmitgliedern Dr. Leopold K o h n, Dr. Markus Spitzer, Samuel Steiner, Dr. Jakob Engel, S. B r o d, Professor Dr. E h r m a n n, Architekt Jakob Gärtner, kais. Rat Sigmund K a u d e r s, Emanuel G r ü n w a l d, Emanuel Hoffmann, Kommerzialrat Leopold Simon, kais. Rat I. Weil und Karl L e mb e r g e r, weiters Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Rabbiner Dr. A b e l e s, Dr. Bach, Dr. Moritz Bauer, Dr. Feuchtwan g, Dr. Max G r u n w a l d, Dr. Gelbhaus, Mayersohn, Dr. Taglicht, Dr. Rosenmann, Dr. Kaminka, Dr. Tauber und Dr. Hillel aus Leipnik, ebenso der Chacham der sephardischen Gemeinde Michael P ap o mit dem Präses der türkisch-israelitischen Gemeinde Adutt, der erste Sekretär der israelitischen Kültüsgemeinde kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär-Stellvertreter Emil Engel, die Bethausvorstände Dr. Hermann L ö w i, Theodor Kohn, Karl Freund, die Vorsteher der Chewra- Kadischa S. Goldmann und I. Kann, die Oberkantoren Bauer, Fuchs, Morgenstern, Müller, Weiß und Basser, die Ersten Kantoren Kaufmann, Jakob Schleifer, die Chordirigenten Julius H e i m a n u und I. L ö w i t, ferners Hofrat Dr. Schlag, der Vizedirektor der Universitätsbibliothek Regierungsrat Dr. Frankfurter, Oberlandesgerichtsrat Dr. S p i tz k o p f, Oberfinanzrat Dr. B e r st l der Vorstand des Bezirksgerichtes Blumauergasse Dr. Emil R ö t t i g, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt Polizeirat Brandhuber von Etsch feld, der Polizeibezirksleiter vom Kommissariat Prater Regierungsrat Ritter von Rot h, in Vertretung des „Donauklub" die Herren Vizepräsident Blüh mit den Vorstandsmitgliedern Karl F u ch s, Gustav Planer und Alois Theumann, Schulrat Professor Dr. T s ch i a ß n y, Professor Dr. Heinrich P o l l a k, Professor Dr. Kanitz, Markus Bon di, kais. Rat Naumann Schefftel, kais. Rat Albert Frankl, kais. Rat W a i z n e r, kais. Rat T o ch, die Gemeinderäte Ferdinand Eder, kais. Rat Fischer, Sigmund Kodicek, Neust a d t l, Gustav Schäfer und Dr. Schwarz-Hiller, der Bezirksvorsteher des zweiten Bezirkes Ingenieur Blase! und Bezirksvorsteher-Stellvertreter Ernst Klebinder mit den Bezirksräten Dr. Leopold Brady, Rübner und Hoffmann, Inspektor der Nordbahn I erab ek, Prof. Joseph S u l z e r, Dr. M. L ö w y, Max H o f b a u e r u. v. a. Von den Bethausvereinen: Abordnungen der Bethausvereine des VIII. Bezirkes vertreten durch den Vizepräses kais. Rat Albert Frankl, des XX. Bezirkes durch die Vorstände Heinrich Weiner und Josef K o h n, des HI. Bezirkes, Erdbergstraße, durch Obmann Adolf T a u s k i und. zwei