Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Blochs zirksrabbiner in Amstetten, das Wort. Kein Auge sah man trocken, als er die Einfachheit, Schlichtheit, Herzensgute, Friedensliebe, die Kindererziehung schilderte und das lichtvolle Lebens- und Schaffensbild des Verblichenen entwarf. Hieraus sprach im Flamen der Bethamidraschmitglieder Herr Josef Kümmel, den jahrelange Freundschaft mit dem Verewigten verband, innige Abschiedsworte. In der tiefen Ergriffenheit des Redners kamen seine Worte vom Herzen und gingen auch zum Herzen. Hernach hielt einen ergreifenden, wahren Hefped sein jüngster Sohn, Herr Dr. Leo Verlisch, Rabbiner in Ledee, indem er das liebreiche Herz, die Opferwilligkeit und insbesondere die Liebe zur Thora, den jüdischen Geist, in welchem er seine Kinder erzogen, rühmend hervorhob. Die vielseitige Liebe untf Verehrung, deren sich der Verewigte in den weitesten Kreisen erfreute, zeigte sich in der aufrichtigen Trauer und Teilnahme, die sein Ableben allenthalben auslöste, wie auch in der ungewöhnlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse. --Eine schier ilnübersehbare Menge aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung nebst zahlreichen Verwandten und Bekannten gab ihnr vom Beihamidrasch zum Friedhofe das Ehrengeleite. In der Zeremonienhalle charakterisierte noch eingehend Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Jonas Meller die glänzenden Eigenschaften des Toten. Leciier zadilc iywruchu! Jglau, 22. September 1913. (Installierung des Rabbiners.) Am Freitag, den 19. September, um 6 Uhr abends, fand in der hiesigen festlich geschmückten Synagoge die Installierung des neugewählten Rabbiners, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Friedrich Weitz, statt. Schon - lange vor der Feier war der Tempel bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Se. Ehrwürden wurde von den beiden Tempelvorstehern, den Herren Mar Wurmsohn und Heinrich Weitzenstein, von seiner Wohnung abgeholt und in der Vorhalle des Tempels von dem Vorstände, an der Spitze kais. Rat A. Lieblich, empfangen. Der Vorsteher der Kultusgemeindez kais. Rat Lieblich, richtete an den Herrn Rabbiner eine Ansprache, worauf derselbe zu seinem Platze geleitet wurde. Ein vom hiesigen Oberkantor Weitz komponierter »burm-h llabo« der auf die Anwesenden einen liefen Eindruck machte, leitete die Feierlichkeit ein; Sulzers »Hajaum Gamcenu., beschloß diesen Einleitungsgesang. Nach dem Minchagebet wurde Psalm 133 „Wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder stets in Eintracht leben", vom Oberkantor und dem Gesangverein „Schic Zion" erhebend vorgetragen. Hierauf bestieg Herr Rabbiner die Kanzel, wo er in einer formvollendeten- und begeisterten Rede die Zuhörer vom Anfänge bis zum Ende zu fesseln verstand. Im ersten Teile derselben gedachte er der früheren Grütze, des verewigten Rabbiner Dr. I. Unger, der in> der hiesigen Gemeinde als erster Rabbiner an heiliger Stätte gewirkt hat, der zweite Teil war dem 50jährigen Bestände des Gotteshauses gewidmet — die Rabbiner Dr. Adolf Jellinek, Wien und Dr. I. Unger hielten seinerzeit die Einweihungsreden — wo auch der unermüdlichen Tätigkeit der Führer der Gemeinde und des derzeitigen Präsidenten, des Herrn kais. Rates Lieblich, gedacht wurde. Den Schlutzteil bildete eine Huldigung auf unfern greisen Monarchen. Hieraus wurde bei geöffneter Bundeslade das Kaiserlied gesungen. — So endete diese schöne Feier, die sicherlich den Anwesenden lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Auch der Eesangsverein „Schir Zion" hat durch seine klangvollen Gesänge viel zur Hebung dieser Feier beigetragen. —m—. Szenicze. (Lehrerjubiläum.) Im großen, festlich dekorierten Hofe der israelitischen Volksschule zu Szenicze hat am 7. d. M., nachmittags 3 Uhr, die vom Schulstuhle veranstaltete Jubiläumsfeier anläßlich der 25jährigen verdienstvollen Wirksamkeit des Direktors Moriz Deutsch unter ungemein großer Beteiligung stattgesunden. Zu dieser Feier haben sich die' gewesenen Schüler und Schülerinnen von nah und fern eingesunden und begaben sich dieselben korporativ aus den Festplatz, woselbst schon die Gemeindemilglieder mit dem Präses Hermann Deutsch an der Spitze, die Stadtvorstehung mit dem Richter Matschek, die Lehrkörper der verschiedenen Staats- und konfessionellen Schulen und sehr viele Honoratioren der Stadt sich eingefunden hatten. Punkt 3 Uhr begrüßte der Schulpräses Arthur Schlesinger die Festversammlung und designierte eine Deputation (Frau Dr. Grunfeld, Frau Dr. Kenedi, Herr Dr. Gerber und Herr Dr. Kenedi) zur Abholung des Jubilars, der beim Erscheinen mit stürmischen „Eljen"-Rufen begrüßt wurde. Nach Absingung der „Hymne" begrüßte namens der Kultusgemeinde der ehrw. Herr Rabbiner Marmorstein den Jubilar und schilderte in beredten Worten sein Wirken in anerkennendster Weise. Hieraus folgte die Ansprache des Schulpräses Herrn Arthur Schlesinger, der die herabgelangten Anerkennungs- und Begrüßungsschreiben des Komitats-Schulinjpcktors Herrn v. Lörinczy und des Israelitischen Landeslehrervereines verlesen ließ und dem Jubilar das Geschenk seiner Verehrer und gewesenen Schüler (1 Sparkasseneinlage von 1000 Kr. und eine 100 Kronen-Rente) überreichte. Nun folgten Ansprachen namens der gewesenen Schüler von Herrn Professor Dr. A. Marmorstein aus London, Dr. Kenedi Cornel und Frau Dr. Roth aus Miava und namens der gegenwärtigen Schüler Mariska Schlesinger. Für den Frauenverein begrüßte Frau Dr. Grünseld S. den Wochenschrift Seite 711 Jubilar und auch der Dechantpfarrer der Stadt Hochw. H. I. v. Balrizsy hielt eine innige Ansprache an den Gefeierten. Derselbe dankte tiefgerührt für die vielen Ehrenbezeugungen und versprach, auch fürder in demselben Geiste für Religion, Vaterland und Jugenderziehung wirken zu wollen. — Mit der Absingung des „Szözat" schloß die schöne Feier. Der Jubilar erhielt noch viele wertvolle Geschenke. Kremsier. (.Verlobung.) Herr S. kcetär Markus Hirsch hat sich mit Fräulein Cäc.lie Stern schuß verlobt. Rsm. Unlängst weilte hier der Grand<Rabbiner von Bulgarien Dr. Ehrenpreis, der mit einer wichtigen politischen Mission seitens der bulgarischen Regierung betraut wurde. Der König empfing ihn in einer fast eine Stunde dauernden Audienz, bei der auch über jüdische Angelegenheiten gesprochen wurde. Dr. Ehrenpreis war auch in Audienz beim Ministerpräsidenten Giallotti und beim Minister des Aeußern San di Gialiano, der ihn zum Tee einlud und sein Privatautomobil zur Verfügung stellte. Diebeiden italienischen Staatsmänner und Dr. Ehrenpreis haben fich auch gemeinschaftlich photographiert. Spende» für die jemenitischen Inden. Wie wir bereits in der vorigen Nummer erwähnt haben, befinden sich zwei Vertreter der aus Jemen nach Jerusalem eingewanderten Juden, um Spenden zu sammeln, in Wien. Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d erklärte sich bereit. Spenden für die Jemeniten entgegenzunehmen. Auch die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" übernimmt ihr zugemittelte Beträge, uni sie der Bestimmung zuzuführen. jfeuilleton. Kie moderne Jüdin. In Berlin W. ist jüngst die moderne Jüdin entdeckt worden. Aber eigentlich ist sie schon ein wenig altmodisch und stammt aus der Zeit, wo. in den ver-< fchnörtelten Ecken des Biedehmeiersalons die graziöse Anmut der wunderschönen Friedricke Robert wohnte, deren faszinierenden Liebreiz festzuhalten sich hunderte von Malern bemühten, wo aus der geschwungenen Barocke eines Wiener Palastes die interessante Erscheinung der Freifrau von Eskeles trat, wo Rahel Barnhagen, die „schöne Seele", Henriette Herz, Börnes Freundin, wo Dorothea und Henriette Mendelssohn das junge Deutschland und die romantische Bewegung von ihren Salons aus lenkten. Sie waren die Trägerinnen der Moderne, die Repräsentantinnen einer feinziselierten und empfindsamen Kultur, deren Wirken noch heute anerkannt und empfunden wird — trotzdem bereits nahezu ein Säkulum über ihr Andenken dahingezogen ist. Sie waren eine Erscheinung des Judentumes, so gut wie jede andere, sie waren im höheren Sinne die Salondamen des 19„ Jahrhunderts, als der Salon noch zu etwas anderem als bävo o’cloek teas und Flirts diente. Auch die ganz moderne Jüdin des 20. Jahrhunderts, der eine deutsche Schriftstellerin Else Eroner einen Essay widmet („Die moderne Jüdin". Verlag Arel Junker, Berlin. 1913), ist vorwiegend Salondame, aber die Kultur des Salons ist in unserem eisernen und technischen Jahrhundert auf das Niveau eines müßigen und leeren Vergnügens herabgesunken. Die Berliner Jüdin marschiert nicht mehr an der Spitze der neuen Ideen, sie ist ein Produkt des gutsituierten, westlichen Mittelstandes, voll von seinen Schwächen und Halbheiten und geht unter in der Masse des meinungmachenden, theaterbesuchenden und recht snobistischen tout Berlin. -Wie man zur Zeit der Emanzipation mit der Entschlossenheit eines erwachten Selbstbewutztseins die Mauern des Ghettos überstieg, so möchte sie heute die Schranken