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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 89 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 707 flössen waren, seitdem die erste jüdische Institution im Kronlande Kärnten, nämlich der damalige „Israelitische Kultusverein in Klagenfurt", ins Leben gerufen worden war, so stellte sich das Fest als ein für das Gemeinleben aller in Kärnten ansässigen Israeliten sehr bemerkenswertes Ereignis dar. Zu der erhebenden Feier waren von fern und nah zahlreiche Gäste ersrbiencn: so der Präses der Grazer Kultnsgemeinde, Herr Simon Rendi, Herr Ignaz Adler als Vorstand des Brudervereines Chewra Kadischa in Graz mit den Herren Philipp Preis und Adolf Pollak, als Vertreter der Chewra Kadischa in Salzburg Herr Vorstand k. k. Rechnungsrat Ludwig PoUa! und Vorstandsmitglied Herr Daniel Bonyhadi; aus Leoben eine dreigliedrige Deputation, bestehend aus den Herren: Vorstand Eduard Glesinger und den Vorstandsmitgliedern Josef Neumann und Alois Reithmann,' aus Iudenburg Herr Adolf Gottlieb,' aus Bruck a. Mur war Herr Emil Hoffmann erschienen. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt die Chewra Kadischa in W r. N e u st a d t, ebenso hatte im Namen der hohen k. k. Landesregierung Herr Hofrat Lobmeyr sein Bedauern über sein Fernbleiben vom Feste infolge dienstlicher Verhinderung ausgedrückt und dem Vereine bestens gratuliert. Die Feier begann um 4 Ahr nachmittags mit einem Festgottesdienste in dem prächtig dekorierten dichtgefüllten Tempel, wobei unser Herr Rabbiner Bernhard Glaser eine tiefempfundene, die Bedeutung des Tages würdigende Festpredigt hielt, die mit dem Haskara-Gebet für die verdienstvollen verstorbenen Vereinsmitglieder und Segenswünschen für dias fernere Gedeihen des Vereines und seines gesamten Vorstandes, an dessen Spitze Herr Mar Stötzl, ein um die Klagenfurter israelitischen Institutionen hochverdienter Mann, steht, und dem Kaisergebete vor geöffneter Bundeslade schloß. Hieraus fuhren die Festteilnehmer auf den israelitischen Friedhof, um in pietätvoller Weise die Gräber der verstorbenen Gründer und Mitglieder des Vereines zu besuchen. Der Abend brachte als Abschluß des festlichen Tages ein animiertes Festbankett im Hotel Sandwirt, an welchem über 60 Personen teilnahmen. Herr Adolf Preis begrüßte als Obmann des Festkomitees die erschienenen Gäste. Hierauf ergriff Herr S. Rendi, Präses der israelitischen Kultusgemeinde in Graz, das Wort und sprach einen schwungvollen Toast aus unseren gütigen und gerechten Kaiser Franz Joseph I., den er mit dem Satze des Weisen Kohelets einleitete: „Ehrfürchte Gott und deinen König!" Mit Begeisterung stimmte die Festversammlung, die bereits am Vormittage im Namen der Kärntner Israeliten eine Huldigungsdepesche an Se.?. k. apostolische Majestät gesandt hatte, in das dreimalige Hoch auf unseren edlen Monarchen ein. Sodann hielt der Vorstand des Iubelvereines, Herr Mar Stößl, der auch seit 26 Jahren Vorstand der israelitischen Institution in Klagenfurt ist, eine grotzangelegte Fest- und Gedenkrede, deren gedruckte Wiedergabe allen Teilnehmern zum Andenken überreicht wurde. Er gab ein anschauliches Bild des vergangenen Vierteljahrhunderts „heiliger Bruderschaft" und stellte die vielen Mühen und Opfer dar, welche die schwer errungenen Früchte der Vereinsarbeit beanspruchten, deren schönste die Erwerbung eines eigenen Friedhofes und Bethauses sind. Die Mitgliederzahl des Vereines beträgt bei einer Zahl von 9 ansässigen Gründungsmitgliedern heute 27, der Vermögensstand die ansehnliche Höhe von Kr. 19,570.40. Der Bericht, der lebhaften Beifall auslöste, schließt mit einem Nachrufe an die verstorbenen Mitglieder und deren Wirken. Präses Herr S. .Rendi brachte die Grüße der Grazer israelitischen Kultusgemeinde zum Ausdruck, die sich wie Eltern des Glückes ihres Spröhlings, an dem Erfolge der Klagenfurter Institution erfreue und besprach in fulminanter Rede die segensreiche Mission der Chewra Kadischa. Dann feierte er das verdienstvolle Wirken des Herrn Mar Stötzl, für dessen allgemeine Beliebtheit die ununterbrochene und sich stets wiederholende Doppelwahl in der Chewra Kadischa und in der Kultus-Institution beredtes Zeugnis ablege. Zum Schlüsse sprach er Herrn Stötzl die Anerkennung und den Dank seiner Gemeinde aus, was die Anwesenden mit großem Applaus quittierten. Herr Ignaz Adler, Präses der Chewra Kadischa in Graz, beglückwünschte den Verein, würdigte das humanitäre Wirken desselben und sagte treffend: „Die Heimat der Juden ist nicht dort, wo /es ihnen gut geht, sondern dort, wo ihre Väter ruhen." Mit einem Toast aus den Iubelverein und dessen Vorstand schloß er seine wirksame Rede. Dann sprach Herr k. k. Rechnungsrat Pollak als Chewra Kadischa-Obmann aus Salzburg und wies in schöner Rede auf die Aehnlichkeit des Geschickes der Chewra Kadischa in Salzburg mit der Klagenfurts hin. Er schloß mit Attinghausens Dort: „Seit einig, einig, einig!" — Herr Daniel Bonyhadi aus Salzburg, ein Gründungsmitglied unseres Vereines, beglückwünschte mit eiher biblischen Erzählung unsere jubilierende Chewra, ebenso Herr , Vorstand Glesinger aus Leoben, Herr Gottlieb-Iudenburg,' Herr Hoffmann-Bruck a. Mur, der auch um Aufnahme in den Verein ersuchte. Hieraus teilte die Präsidentin des Klagenfurter israelitischen Frauen- und Mädchen-Wohktätigkeitsvereines, Frau Hedy Lustig, mit, daß Herr Mar Stötzl, der Mitbegründer und Beirat des Vereines, von demselben einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt worden sei und überreichte ihm einen Lorbeerkranz mit prächtiger Schleife, den Herr Stötzl dankend und mit den Worten, daß der Frauenverein so unverändert» und jugendfrisch wie Lorbeer bleiben möge, entgegennahm. — Herr Em. Neumann überreichte als ältestes Mitglied der Chewra Kadischa Herrn Stößl ein von sämtlichen Mitgliedern unterschriebenes Diplom, das den Dank der Chewra für das verdienstvolle, langjährige Wirken des Vorstandes beinhaltet. — Herr Josef Müller verlas sodann ein ehrendes Schreiben des Ausschusses an den Vorstand Herrn Stötzl, und Herr Vorstandstellvertreter Elias Lilian überreichte namens des Ausschusses zwei herrliche krystailene Weinkrüge mit Silberbeschlägen und Widmung. Herr Dr. Aler. Fleischer, k. k. Finanzsekretär, verlas sodann die eingelaufenen schriftlichen und drahtlichen Glückwünsche. Vor allem kam die an die Adresse des Herrn Vorstandes gerichtete Dankdepesche Sr. k. k. apostol. Majestät zur Verlesung, die stehend angehört wurde. Sie lautete: Wien—Schönbrunn. Herrn Mar Stötzl, Klagenfurt. Seine kais. u. kön. apostol. Majestät danken allergnädigst den Kärntner Israeliten für die dargebrachte Huldigung. Kabinettskanzlei Sr. Majestät. Von der israelitischen Kultusgemeinde in Wien kam ein in ehrenden Worten gehaltenes, vom Vorstande, Herrn Dr. Alfred Stern und dem Sekretär, Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Unterzeichneter Glückwunschschreiben, ebenso von der israelitischen Kultusgemeinde in Prag. Ferner telegraphierten: die Chewra Kadischa in Wien, Innsbruck, Triest, Baden b. Wien, Linz, Wr.-Neustadt, Ster;r, dann „die glaubensfesten und kaisertreuen jüdischen Soldaten des Iägerbatai'lons 19" und Arnold Stötzl. Herr Dr. Fleischer hielt einen Toast aus die bescheidene, jedoch treue und diensteifrige Persönlichkeit des Vorstandstelloertreters, Herrn Elias Lilian, Herr Kramer auf das älteste Mitglied der Chewra Herrn Em. Neumann, Herr Leo Lilian auf das verdienstvolle Ausschutzmitglied Herrn Josef Müller, dieser wiederum auf den Vorstand. Zum Schlüsse sprach das jüngste Vereinsmitglied, Herr cand. med. S. Stötzl den Toast auf die Damen und Herr Ludw. Rosenberg versprach im Namen der unverheirateten Mitglieder treue Gefolgschaft. Erwähnenswert ist noch, daß während des Festabends die geleisteten verschiedenen Spenden die Höhe von beinahe Kr. 1000. erreichten. So blieb man in gehobenster Stimmung beisammen, bis die späte, resp. frühe Stunde zum Aufbruch gemahnte. Das Fest, das allen noch lange in Erinnerung sein dürfte, hat das Zusammengehörigkeitsgefühl der hiesigen Iudenschaft und den Eifer für die gute Sache in hohem Maße gekräftigt. s Tausende sterben wegen des rumänischen Antisemitismus. Der „Humanitö" in Paris wird aus Bukarest geschrieben : Es wird jetzt immer mehr und mehr bekannt, welche kolossale Opfer die Cholera in der rumänischen Armee während ihres „siegreichen" Einmarsches in Bulgarien gefordert hat. Aber ebenso wird es jetzt bekannt, daß die rumänische >triegsleitung durchaus nicht vorbereitet war auf eine solche Epidemie und daß der Sanitätsdienst sich gegenüber der verheerenden Cholera als vollständig unzulänglich erwies. Anfangs leugnete die rumänische Regierung überhaupt dgs Vorhandensein der Epidemie im Heere, bis sie schließlich am 22. Juli öffentlich zugeben mußte, daß an diesem Tage 129 Mann der Cholera erlegen seien. Erst als die furchtbare Epidemie so reiche Ernte in den Reihen der rumänischen Armee gehalten hatte, mußte sich die.Regierung entschließen. energischere Maßnahmen zu ergreifen. Sie erließ einen Aufruf an junge Mediziner, sich freiwillig in den Dienst des Vaterlandes und ihrer bedrohten Söhne zu stellen. Auf diesen Aufruf meldeten sich unter anderen, wie jetzt authentisch festgestellt wird, auch 200 jüdische Hörer der Medizin in höheren Jahrgängen^ Manche von ihnen sind sogar Hospitanten der Pariser Universität gewesen. Was tat nun die rumänische Regierung? Angesichts des mörderischen Wirkens der Epidemie, angesichts der Tatsache, daß täglich hunderte rumänischer Soldaten an Cholera hinstarben, also in einer Situation, in welcher jede, besonders freiwillige, medizinische Hilfe mit Jubel begrüßt hätte werden sollen.

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