Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022075--22500-3047649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 706 Dr. Vtochs Wochenschrift. Nr. 39 sprach namens des Freundeskreises Vizedirektor der Aniversitätsbibliothek Regierungsrat Dr. Frankfurter. Danach erfolgte die Beisetzung der Leiche. Die kantorale Funktion versah Erster Kantor Math y a s mit Chor. Kinderheim in Laa. Sehr geehrter-Herr Redakteur! Gestatten Sie mir in Ihrem geschätzten Blatte ein wenig Raum, um meinen Dank an ein Kinderheim, in dem sich mein Kind wunderbar erholte, aussprechen zu können.! Es ist. dieses die Kinderheimstätte für verkrüppelte und rekonvaleszente jüdische Kinder in Laa bei Neulengbach, die einem Privat-Wohltätigkeitsverein gehört und dessen segensreiches Wirken die vollste Anerkennung verdient. i ' I 1 Präsident und Chefarzt ist Herr kais. Rat Dr. Krüger, Vizepräsident Herr Heinrich Egger, der auch die ganze Leitung hat und der beste und edelste Menschen- und Kinderfreund ist. Mit wahrhaft väterlicher Liebe sorgt er für die armen Kinder und viele der Kleinen, die sonst als Krüppel durchs Leben hätten gehen müssen, sind von dort gesund zurückgekommen. Nicht nur in den Ferienwochen, sondern das ganze Jahr sind die Kinder dort und erhalten die Schulpflichtigen Unterricht von einem bewährten Fachmanne, damit sie nicht nur körperlich, sondern auch geistig weiter entwickelt zurückkommen. Nur ungern gehen viele Kinder wieder nach Hause. Sie hängen mit schwärmerischer Verehrung an ihren Herrn Egger' und der Verwalterin Frau Hermine Kreutzer, die aus Erbarmen mit diesen Kindern diesen Wirkungskreis erwählte und darin in edelster Selbstverleugnung tätig ist. Durch einen jährlichen Beitrag von 6 Kronen kann man sich das angenehme Bewußtsein schaffen, dieses menschenfreundliche Werk zu unterstützen. 1 Für die Aufnahme meiner Zeilen vielmals dankend, hochachtungsvoll Erna Hönig. Eine Konferenz der fephardifchen Juden in Wien. Anläßlich des XI. Zionistenkongresses veranstaltete der akademische Verein „Esperanza" eine Konferenz aller sephardischen Juden, die sich gelegentlich des Kongresses in Wien befanden. Dieselbe stellte sich zur Aufgabe die Erörterung der infolge der jüngsten politischen Ereignisse auf dem Balkan entstandenen Folgen für das spanische Judentum dieser Länder. An der Konferenz nahmen über 90 aus der Türkei, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Griechenland, Palästina, Wien, Newyork stammenden Sephardim teil, unter diesen auch sämtliche spaniolischen Kongretzdelegierten. Die Konferenz, die im Veethovensaal tagte, eröffnete der A H der „Esperanza", Dr. Joseph Salom (Wien), und beantragte zum Vorsitzenden Herrn Leon Haim (Ehrenpräses der „Esperanza"), zu Vizepräsidenten die Herren Dr. Marko Romano (Philippopel) und Ing. Js. Sumbul (Sarajevo). Herr Leon Haim hielt eine schöne Ansprache an die Konferenzteilnehmer und hob hervor, datz es sich um die Klärung einiger Probleme der sephardischen Juden handelt, vor allem um die Frage des Spaniolischen und der Dezentralisation der Sephardim. Herr Sokolow begrüßte die Konferenz im Namen des E. A. C. mit einer gefühlvollen. Ansprache an die' sephardischen Brüder und beglückwünschte die sephardische akademische Jugend mit dem schönen Namen „Esperanza" zu ihrem fruchtbaren, lebenspendenden Regenerationswerke, das sie nun unternehmen. Zur Tagesordnung sprach Herr Dr. phil. M. Levy (Sarajevo) über die gegenwärtige Lage der sephardischen Juden. Nach einem historischen Rückblicke über die einstige Produktivität und die geistige Tätigkeit der Sephardim, ging er zur Besprechung ihrer heutigen Lage und schilderte mit ergreifenden Worten den Verfall dieses einst so lebendigen, schöpferischen Teiles des jüdischen Volkes, indem er insbesondere auf den geistigen Rückgang der Sephardim Hinweis. Die Ursache dieses Verfalles gl-aubt er im Osmanismus zu finden, dessen Natur jede höhere geistige Regsamkeit hemmte. Es ist aber der entscheidende Moment gekommen, führte Dr. Levy aus, Hatz wir uns aufraffen und von diesem osmanischen Geiste befreien, und wir können es, denn in uns leben noch die alten Sephardim, die großen Juden. Zum Schluß beantragt er die Schaffung einer Union der spaniolisch sprechenden Juden, die den Zweck hätte,' eine Zeitschriftherauszugeben und das Interesse für jüdische Geschichte und Kultur unter den Sephaxdim zu erwecken. Dr. Gaster (London) hebt den ethischen und nationalen Wert der jüdischen Traditionen, die wir Sephardim in der spaniolischen Sprache behalten haben, hervor und tritt für die Beibehaltung dieser Sprache ein. Was den Sephardim aber besonders nottut, ist die Heranbildung tüchtiger und gebildeter Rabbiner, denn diese sind es schließlichdie das Judentum gerettet haben. Dr. Benzion (Jerusalem) befürwortet beredt die Verbreitung der hebräischen Sprache unter den Sephardim und beantragt vor allem die Gründung eines Rabbinerseminares für die Sephardim und die Schaffung einer Organisation mit kulturellen und nationalen Zwecken. Nun erteilt der Vorsitzende Herrn Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher) das Wort, der eine meisterhafte, leidenschaftliche Rede.hält, in der er mit viel Geist und Temperament für das spaniolische Jüdisch eintritt, dessen nationalen Wert und Bedeutung er betont. Es ist die Sprache unserer Freuden und Tränen, in der. wir unsere Jüdischkeit aufbewahrt, unsere Seele gerettet. Er sei nicht gegen das Hebräische, glaubt aber nicht, daß es in der Diaspora die gesprochene Sprache der Juden werden kann; das sei eine soziale Unmöglichkeit. Die Probleme der Sephardim seien analog denen der Ostjuden. In der NachmittagssitzunH gelangen zwei Begrüßungsschreiben des Erandrabbin Jacob Meir (Salonique) und des Belgrader Oberrabbincrs, Dr. Jsaac Alcalay, zur Verlesung. Dann ergreift Herr David Florentin, Redakteur des „Avenir" (Salonichi) das Wort, der den Mangel einer gebildeten sephardtzcheN Jugend beklagt und eine allgemeine Organisation..der Sephardim verlangt. Der Oberrabbiner der sephardischen Gemeinden in Rumänien, Herr Dr. I. Nirmirower, betonte die Wichtigkeit der Pflege des Hebräischen als lebendiger Sprache für die Sephardim, wandte sich gegen die Einseitigkeit der Betonung des Spaniolischen seitens des auch von ihm hochgeschätzten Dr. U. Birnbaum. Dr. Niemirower ist aber sonst unbedingt für die Kultivierung des Spaniolischen. Er führte aus, daß es sich jetzt um eine Renaissance nicht nur der biblischen, sondern auch der arabischspanischen Epoche handelt und die Sephardim eine große Mission zu vollbringen hätten. Ing. Js. Sumbul weist auf die Schwierigkeiten, mit. denen die Weitereristenz des Spaniolischen zu kämpfen hat, und zählt viele Gründe auf, die die Schaffung einer kulturelleit Organisation der Balkanjuden dringend fordern. Herr Dr. Marko Romano führt die Motive zur Einberufung dieser Konferenz an, vor allem die Balkankämpse und die Zerstückelung eines starken, kompakten, einheitlichen jüdischen Volksteiles. Er ist für die Beibehaltung des Spaniolischen, erwähnt aber die ungünstigen Bedingungen für diese Beibehaltung. Zum Zentralorgan der Organisation schlägt er den Verein „Esperanza" vor. Herr Lucien Scinto, Redakteur der „L'Aurore" (Konstantinopel), will, daß die Organisation auch die Propaganda der hebräischen Sprache bezwecken soll. Cand. jur. Vita Kajon stellt den Antrag, die Konferenz möge dem E. A. E. eine Deputation entsenden, die ihm den Dank aller Teilnehmer für die beehrende Begrüßung und Vertretung des E. A. C. durch Dr. V. Jacobsohn und Herrn N. Sokolow sagen soll. Daraufhin übergeht er aus die Frage der jüdischen spaniolischen Sprache, in der er die Physiognomie und die Seele, den Stil und die Logik der Spaniolen erblickt und sie vorläufig als ein Konservierungs- und Bindemittel der Sephardim beibehalten wissen will, bis sie eines Tages entweder durch das Hebräische oder mindestens durch ein starkes jüdisches Bewußtsein ersetzt wird. Als letzter spricht Herr Nissim Bchar (Newyork), der der Organisation auch den Kampf gegen die katholischen Missionsschulen im Orient empfiehlt. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die Dozent Herr A. S. E. Pahuda (Berlin) und Dr. Florentin formuliert haben. Die Konferenz beschloß die Begründung einer allgemeinen Scphardimorganisation zu kulturellen Zwecken mit der speziellen Ausgabe, für die Spaniolen der Balkanstaaten und der Türkei zu wirken. Ein besonderes verantwortliches Komitee, dem der Vorstand der „Esperanza" und die Herren Leon Haim, Dr. Benzion und Dr. I. Salom angehören, wurde beauftragt, die nötigen Vorarbeiten zu verrichten, ein Statutenprojekt auszuärbeiten und eine allgemeine Konferenz der Sephardim im geeigneten Moment einzuberufen. Ein allgemeines Komitee, bestehend aus den Herren: Mosco Demojo (Wien), Dr. David Alcalay (Belgrad), Nissim Bchar (Newyork), Jsaac Epstein (Salonique), Dav. Florentin (Salonique), Dr. Gaster (London), Dr. M. Levy (Sarajevo), Jacob Meir (Salonique), Dr. Marko Romano (Philippopel), Dr. I.. Memirower (Bukarest), Lucien Scinto (Konstantinopel), Ing. Js. Sumbul (Sarajevo), Dr. I. M. Valero (Jerusalem), Dozent A. S. E. Pahuda (Berlin), wird das spezielle Komitee unterstützen. Ein Festtag der „Chewra Kadischa" in Klagenfurt. Am 24. September d. I. hatten die in der Landeshauptstadt Kärntens ansässigen Familien jüdischen Glaubens Gelegenheit, an dem 25jährigen Gründungsfeste des dortigen israelitischen Krankenunterstützungs- und Leichenbestattungsvereines „Chewra Kadischa" teilzunehmen. Da am 10. September auch bereits 26 Jahre ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.