Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Tunis 2× ep/1048155
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Nt. 39 Dr. Vkochs Wochenschrift. Sette 703 Rothschild gefordert wurde. Für den Fall, daß diese Forderung nicht erfüllt würde, wurde -mit Revolution gedroht. Ein Telegramm des Gouverneurs von Jerusalem teilte überdies mit, dah die Erregung so grohe Dimensionen angenommen habe, daß sie nur durch eine sehr schleunige Ablehnung des Rothschildschen Begehrens beruhigt werden kann. Am nun die Araber zu beruhigen, sah sich die Regierung gezwungen, ihnen auf telegraphischem Wege die gewünschte Ablehnung mitzuteilen.. Co muhte der schöne Plan des Baron Edmond de Rothschild aus Furcht vor den Arabern zunichte werden. Eine interessante» Streitfrage zwischen Italien und Frankreich. Von informierter Seite wird uns aus Paris berichtet: Roch zur Zeit, als Tripolis unter türkischer Herrschaft stand, haben viele Araber und Juden, welche mit Tunis Handel trieben, sich in Tunis niedergelassen. Manche nur vorübergehend, aber viele auch ständig. Während des italienisch-türkischen Krieges sind gleichfalls viele Araber und Juden nach Tunis ausgewandert, mit der Absicht, Untertanen des Bey von Tunis zu werden. Nach dem Frieden von Lausanne erliefe die italienische Regierung an diese tripolitanischen Emigranten in Tunis die Aufforderung, nach Tripolis zurückzukehren, wobei ihnen vollständige Straflosigkeit und Gleichberechtigung zugesichert wird. Ein Teil leistete dieser Aufforderung Folge, ein anderer lieh sie unbeachtet. Italien stellte nun an Frankreich die Forderung, diese zurückgebliebenen Emigranten aus Tripolis als italienische Untertanen anzusehen und zu behandeln. Vom Gesichtspunkte des internationalen Rechtes war die Frage immerhin delikat. Aus diesem Grunde zogen sich die Verhandlungen in die Länge, bis vor kurzem eine prinzipielle Einigung zustande gekommen ist. Es wurde nämlich vereinbart, dah diejenigen arabischen und jüdischen Emigranten, die sich in Tunis dauernd niederliehen und das tunesische Bürgerrecht in Anspruch nehmen wollen, dies ohne jedes Hindernis, sei es von französischer oder italienischer Seite, tun können. Diejenigen aber, die dies nicht tun, werden von Frankreich als italienische Untertanen, die provisorisch in Tunis wohnen, angesehen und behandelt werden. Amerika bleibt standhaft. Wie die Newyorker „Times" berichtet, hat Präsident Wilson die russische Regierung neuerlich wissen lassen, dah die amerikanische Regierung nach wie vor an ihrem unabänderlichen Beschlüsse festhalle, in die Erneuerung des Handelsvertrages nur unter der Voraussetzung einzuwilligen geneigt ist, wenn vor allem anderen eine Erklärung der russischen Regierung erfolgt, dah in dem abzuschliehenden Handelsverträge den amerikanischen Bürgern jüdischen Glaubens dieselben Rechte eingeräumt werden. wie den übrigen amerikanischen Bürgern. Präsident Wilson gibt in dieser Erklärung zu, dah dieser vertragslose Zustand wohl für beide Staaten sich in unangenehmer Weise fühlbar mache, dah aber die amerikanische Regierung, ihrer republikanischen Grundverfassung getreu, Verträge nur auf Grundlage der Gleichberechtigung und Gleichstellung aller ihrer Bürger abschliehen könne. Vambery im Hause meiner Groheltern. Von Dr. Sigmund Stiatzny^ Vor vier Jahren trat mein sei. Vater Baurat Wilhelm Stiahny als Präsident der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums mit Vambery in Korrespondenz und versuchte, den grohen Gelehrten zu einem Vortrage für das .^Jüdische Museum" zu bewegen. Vambery lehnte aber ab, nicht nur aus physischen Gründen, sondern weil er auch fürchtete, nicht mehr die erforderliche Elastizität des Geistes zu besitzen. Anknüpfend an dieses Schreiben, sprach er in einem Post-Skriptum die Vermutung aus, im Hause der Ellern meines Vaters in Prehburg im Jahre 1846 „Kosttäge" gegessen zu haben. In einer alsbald (5. Dezember 1904) erflossenen Antwort konnte mein Vater Vambery in dieser Annahme bekräftigen und die beiliegende Photographie des Hauses* **)) erhärtete dieselbe vollends. Vambery schrieb: Budapest, 6. Dez. 1909. Hochgeehrter Herr Baurat! Es freut mich wirtlich, datz ich mich nicht geirrt und dah der gütige Zufall mich mit einem Nachkommen jener Familie zusammengebracht hat, die mich während meiner Jugendkämpfe unterstützt hat und deren Name ich in dankbarer Erinnerung bewahre. Ja, Sie haben seelengute Eltern gehabt, und trotzdem 67 Jahre seitdem verflossen, lebt das Bild Ihrer guten Mutier, die mir nach dem Mittagmahl ein 3 Kreuzerstück in den Sack steckte und dazu noch ein Stück gutes Hausbrot zur Jause mitgab, lebhaft in meinem Gedächtnisse. So Halbdunkel erinnere ich mich nur des Hauses, in welchem Ihre Eltern gewohnt, und wenn ich nicht fehk gehe, so müssen Sie, Herr Baurat, oder Ihr älterer Bruder") es gewesen sein, mit dem ich als 16jähriger Knabe verkehrt habe. Aus Vorhergesagtem werden Herr Baurat leicht ersehen, wie leid es mir tut, Ihrem freundlichen Verlangen nicht beistimmen zu können. Mit der Bitte, Ihrem Herrn Sohne, dem Herrn Dr. S. Stiahny, meinen besten Dank für die interessanten Photographien zu übergeben, zeichnet in Hochachtung Ihr ergebenster H. Vambery. Eine dem Schreiben beigelegte Photographie des grohen Gelehrten und Forschers zeigt die folgende Widmung : „Herrn Baurat W. Stiahny, in dessen Elternhause ich als armer Student freundliche Aufnahme und Unterstützung gefunden, in dankbarer Erinnerung. H. Vambery." Nachtrag. Etz wird den Lesern dieses Blattes beachtenswert erscheinen, dah vor wenigen Wochen ein hebräischer» Dichter, der mich um Subskription auf eine von ihm im Manuskript fertiggestellte Sammlung seiner Gedichte ersuchte, mir unter den Empfehlungen dieses Werkes an erster Stelle die Vambery's vorwies. Ich selbst habe erst kurz vor seinem Tode, gleichfalls in einer jüdischliterarischen Angelegenheit, aus Seebenstein von ihm eine schriftliche Mitteilung erhalten. Dr. Mar Grunwald. Der Negerborec Jack Johnson — Jude. Eine kleine Gesellschaft von Wiener Sportsmen sah^ kürzlich im Kaffeehause mit dem derzeit hier weilenden Meisterborer, dem vielgenannten Negerchampion Johnson zusammen. Natürlich wurde auch das Thema vom Rassenhah der weihen Amerikaner gegen die Schwarzen erörtert. Johnson äuherte seine Freude darüber, dah das auf dem europäischen Kontinent ganz anders und dah hier vom Rassenhah gar nichts zu spüren sei. Einer der anwesenden Wiener fühlte sich zu der Entgegnung veranlaht, dah eine Art von Rassenhah auch in Europa vielfach gepredigt werde und erwähnte das Kapitel Antisemitismus. Johnson hörte aufmerksam zu und meinte: „Das interessiert mich sehr." — „Warum gerade Sie?" — Zur allgemeinen Verblüffung antwortete Johnson: „Ich bin nämlich Jude — ein frommer *) Es ist >ies das Haus Michaelergasse Nr. 13, topographische Nummer Altstadt, Michaelergasse Nr. 164 (zugleich Basteigasse Nr. 2).. i - \ iL_: **) Mein Vater war das älteste Kind seiner Eltern.